deerhound rassebeschreibung

Deerhound

Deerhound Charakter, Erziehung und Haltung

Es ist das Jahr 1886. Die Gründung des Britischen Deerhound Clubs fällt in das Jahr, in dessen Herbst die Statue of Liberty, die Freiheitsstatue, ihre offizielle Einweihung erfährt.

Die Mitglieder des Clubs legen einen Rassestandard fest, der noch heute Bestand hat. Dieser beschreibt den Deerhound.

deerhound hunderassen
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Mit der Nummer 164 erkennt die FCI den Standard als eigenständige britische Hunderasse an. Bereits Dokumente aus dem frühen Mittelalter beschreiben Hunde, die dem Deerhound zu entsprechen scheinen.

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Windhunde - Afghane/Saluki/Barsoi/Greyhound/Irish Wolfhound/Deerhound/: Whippet - Ursprung - Aufzucht - Erziehung - Pflege (Hunderassen Urs Ochsenbein)
  • Rosemarie Wild, Iren Rohrer
  • Herausgeber: Müller Rüschlikon
  • Auflage Nr. 1 (01.09.1999)
  • Gebundene Ausgabe: 108 Seiten

Letzte Aktualisierung am 17.04.2018


Wahrscheinlich zählen die Großhunde zu den ältesten Windhunden, die auf britischem Boden liefen.  Die ursprüngliche Heimat des Deerhound ist das schottische Hochland. Dort leben die Vierbeiner in den großzügigen Parks der herrschaftlichen Landsitze.

Die Vorfahren des Schottischen Hirschhundes waren afrikanische Windhunde. Wann diese aber genau auf die britischen Inseln gelangten, ist nicht genau geklärt. Es ist einerseits möglich, dass sie bereits um 1000 v. Chr. mit phönizischen Händlern ins Land kamen, andererseits könnten es auch die Kelten gewesen sein, die diese Hunde mitbrachten, da diese, bevor sie auf die britischen Inseln einwanderten, Bereiche des mittleren Ostens erobert hatten und dort mit grosser Wahrscheinlichkeit Hunde dieser Art erwarben.

Manche Fachleute sehen den Schottischen Hirschhund deshalb auch als den reinsten Nachfahren der Keltenwindhunde an. Fest steht, dass schon vor der Eroberung Grossbritanniens durch die Römer dort grosse Windhunde existierten.

Da die afrikanischen Windhunde mit ihrem kurzen und seidigen Fell grosse Probleme mit dem rauhen Klima Schottlands gehabt haben dürften, ist es nur wahrscheinlich, dass sie mit zotteligen einheimischen Rassen gekreuzt wurden, um so ein wetterfestes Fell zu erhalten. Die klassische schlanke Windhundlinie blieb aber unter dem drahtigen Fell deutlich erhalten.

Auf einem berühmten alten Denkmal, welches aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. stammt, dem sogenannten „Hilton of Cadboll-Stone“, sind zwei Hounds zu erkennen, die einen Hirsch angreifen und auch die frühe englische Literatur berichtet von grauen „Hochland.Hounds“ mit einem rauhen und langhaarigen Fell. Ursprünglich wurde der Schottische Hirschhund von den verschiedenen Clans für die Grosswild- und Wolfshatz im Hochland gezüchtet.

Da jedoch im feudalen Mittelalter die schottischen Adeligen die anderen für sich arbeiten liessen, hatten sie genug Zeit, um ausgiebig ihrem Hobby, der Hirschjagd zu frönen. Zu dem Zweck legten sie sich grosse Meuten dieser Hunde zu, welche die Hirsche verfolgten und, nachdem sie diese eingeholt hatten, niederrissen.

Es wurden sogar entsprechende Gesetze erlassen, die es ausschliesslich den Edelleuten ab dem Rang eines Grafen (Earl) erlaubten, Schottische Hirschhunde zu besitzen. Diese Exklusivität führte einerseits dazu, dass für die Hunde bei der Jagd stets eine ausreichende Anzahl an Hirschen vorhanden war, auf der anderen Seite gab es dadurch natürlich nur recht wenige dieser Hunde.

Die schottischen Edelleute nutzen ihre finanziellen und zeitlichen Freiräume, um mithilfe der beeindruckenden Vierbeiner Hirsche (Hirsch, englisch: deer) zu treiben.

Die Clans lassen vor der Einführung von Feuerwaffen diese schnellen Hunde in einer Meute das Großwild im freien Gelände hetzen und niederreißen.

Folgender Bericht aus dieser Zeit zeigt den damaligen Wert des Schottischen Hirschhundes auf:

„Eine Koppel Deerhounds war die auferlegte Busse, ein zum Tode verurteilter edler Lord konnte sein Leben retten, indem er diese Hunde verkaufte, den Erlös an die Obrigkeit abführte“.

Mit dem Zusammenbruch des Feudalsystems der Schotten und durch veränderte Jagdgewohnheiten endet die Hochzeit der Deerhounds.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts kamen dann drei Faktoren zusammen, die Beinahe zum Aussterben der Rasse geführt hätten. Zunächst führte die Erfindung bzw. die Verbesserung der Feuerwaffen dazu, dass grosse Meuten von Laufhunden nicht mehr für die Jagd benötigt wurden.

Zudem ging dadurch auch die Anzahl der Hirsche sehr stark zurück. Des weiteren wurde immer mehr Boden von der Landwirtschaft benötigt, um die immer stärker anwachsende Anzahl der Bevölkerung zu ernähren.

Den Jägern standen nicht mehr die riesigen uneingezäunten Flächen zur Verfügung, die für eine Hirschjagd mit Hounds benötigt werden. Relativ schnell waren solche grossen Jagden fast völlig von der Bildfläche verschwunden.

Der dritte Grund war schliesslich die Niederlage der Schotten gegen die Engländer in der Schlacht von Culloden im Jahre 1745 oder 1746. Dadurch brach das schottische Feudalsystem zusammen und die Clans wurden aufgelöst, sodass die Schottischen Hirschhunde neben ihrer Aufgabe auch ihre Förderer verloren hatten und ihre Weiterzucht ernsthaft bedroht war.

Ihr Überleben verdankt die Rasse in erster Linie den Brüdern Archibald und Duncan (später: Lord Colonsay) McNeill, die um 1800 beschlossen, die Rasse wiederzubeleben.

Zu dem Zwecke suchten sie nach guten Einzelexemplaren und begannen dann eine sehr sorgfältige Zucht mit dem Ziel, das verlorengegangene alte Ideal wieder zu erreichen.

Das ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren, zeigt sich schon allein daran, dass man die Zeit ihres Wirkens heute als das „Colonsay Revival“ bezeichnet. Nachdem die Anzahl an Schottischen Hirschhunden langsam wieder anstieg, sorgten einige englische Persönlichkeiten für ein verstärktes Interesse an dieser Rasse.

In den 1920er Jahren sind Vertreter der Rasse erstmals in Deutschland zu sehen, etwa fünfzig Jahre später sind sie hierzulande eine der bekannteren Hunderassen. Der Deerhound ist ein auffallender, großer und eleganter Hund.

Der bekannte englische Dichter Sir Walter Scott, welcher alles Schottische romantisch beleuchtete, nannte seine Schottische Hirschhündin „Maida“ „das perfekte Geschöpf unter dem Himmel“. Nach ihren Tod erhielt sie einen Grabstein auf ihren Grab, auf dem stand: „Unter der in Stein gehauenen äusseren Form, die Du bis zuletzt trugst, ruhe sanft, Maida, vor der Tür Deines Herrn“.

Im 19. Jahrhundert verewigte der bekannte Hundemaler Sir Edwin Landseer den Schottischen Hirschhund auf mehreren Gemälden. Dabei versuchte er „alles Wesentliche dieser Rasse einzufangen: Liebenswürdigkeit, Kraft, Würde und Mut“. Auch die englische Königin Viktoria hielt einen Schottischen Hirschhund und wurde schliesslich zur Schutzherrin der Rasse. I

hr Interesse an diesen Hunden führte dazu, dass die Beliebtheit der Schottischen Hirschhunde stetig anstieg und die Rasse schliesslich dadurch vor dem Aussterben gerettet wurde. Auf der ersten „Westminster Kennel Club-Show“ im Jahre 1877 waren neun Exemplare der Rasse gemeldet, zwei davon gehörten Königin Viktoria und wurden auch zum Verkauf angeboten.

Für die für damalige Verhältnisse gewaltige Summe von 10.000 Pfund pro Hund wechselten die Tiere dann ihren Besitzer. Während der Regentschaft Königin Viktorias gelangten gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die ersten Hunde nach Nordamerika. 1888/89 wurden in Kanada insgesamt sieben Schottische Hirschhunde eingetragen.

Als während des zweiten Weltkrieges viele Hundebesitzer in Grossbritannien ihre grossen Hunde aufgrund der Nahrungsmittelknappheit einschläfern liessen, versuchte die Züchterin Norah Hartley aus Petersborough hartnäckig, ihre Schottischen Hirschhunde am leben zu erhalten.

Einem zuständigen Inspektor, der wahrscheinlich das Einschläfern sicherstellen sollte, erwiderte sie: „Eine Menge Menschen hat ihre großen Hunde einschläfern lassen, aber ich tue das nicht, bis ich absolut muss.

Legen sie eine Patronentasche auf das oberste Regal, es reicht für jeden der Rotherwoods (der Name ihres Zwingers), der noch da ist, wenn der Tag kommt, da ich sie benutzen muss. Wenn ich sie wirklich nicht mehr füttern kann, werde ich sie erschiessen.

So lange ich sie aber ernähren kann, werde ich sie schützen“. Glücklicherweise konnte sie die Patronen auf dem Regal liegen lassen. In der heutigen Zeit gibt es Liebhaber der Rasse auf beiden Seiten des Atlantiks. Da diese grossen Hunde jedoch enorme Futterkosten verursachen und zudem sehr viel Platz benötigen, ist ihre Anzahl relativ beschränkt.

Sie sind fast immer am Ende der Eintragungen der verschiedenen Zuchtorganisationen zu finden, was ihre Liebhaber allerdings durchaus zufrieden stellt, denn dadurch besteht nicht die Gefahr von Zuchtübertreibungen.

Allerdings besteht auf keinem Fall mehr die Gefahr, dass die Rasse aussterben könnte. Einer grossen Öffentlichkeit wurde die Rasse bekannt durch den Film „Jenseits von Afrika“ mit den Hunden der Hauptperson, Karen Blixen.

Seine Silhouette besitzt große Ähnlichkeit mit der des Greyhounds. Sie signalisiert dem Betrachter ausdauernde Schnelligkeit und Kraft. Eine Vehemenz, die es dem Hund ermöglicht, ausgewachsene Hirsche umzureißen.

Bis zu 46 Kilogramm Gewicht verteilen sich auf den Körper eines Rüden mit einer erwünschten Schulterhöhe um die 76 Zentimeter.

Die schottischen Hündinnen weisen um 36 Kilogramm und eine rund fünf Zentimeter geringere Widerristhöhe auf.

Dem rauen Hochlandklima angepasst, ist das Fell des Schotten harsch und dicht gewachsen. Die halblangen Haare sind steif und drahtig. Am Bauch, der Brust und am Kopf fällt das Haar weicher. Das Haarkleid bietet Schmutz und Nässe hervorragend Paroli, es schützt den Deerhound außer Haus bestens.

An dem minimalen Pflegeaufwand, der ihm abverlangt wird, erfreut sich der Hundehalter.

Der Hund haart wenig und Dreck haftet am Fell kaum an. Es ist ausreichend, die Bürste hin und wieder in die Hand zu nehmen und das Fell zu bürsten.

Die schlanken Hunde werden in schiefergrauen, gestromten und sandfarbenen Farbschlägen geschätzt. Darüber hinaus zeigen sie sich in unterschiedlichen Grautönen, rotbräunlich und mit schwarzer Maskenzeichnung. Ins Auge fallen die im Vergleich zum Körper kleinen und hoch angesetzten Ohren.

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Deerhound Wesen

Der Schottische Hirschhund ist ein sensibler Hund in einer rauhen Schale. Er ist zärtlich und gehorsam, dabei aber niemals aufdringlich. Im Haus verhält er sich leise, er rollt sich ruhig in den Schlaf oder geht auf Zehen durch das Haus. Draussen dagegen kann er sein Temperament und sein Hetzhundeerbe ausleben.

Als ein robuster Langstreckenläufer braucht er mindestens eine Stunde täglich, um abwechselnd zu traben und zu galoppieren, ansonsten könnte seine körperliche und geistige Verfassung leiden. Der Schottische Hirschhund hat das freundliche und ruhige Wesen der Windhunde in sich.

Die Aufzucht dieser grossen Hunde ist leider sehr teuer und aufwändig, die Haltung eines erwachsenen Tieres dagegen ist recht einfach, vorausgesetzt, man kann dem Hund den ausreichenden Platz, Bewegung und Nähe zu seinem Herrn bieten. Man sollte ihm die Möglichkeit geben, an Windhunderennen teilzunehmen, damit er das tun kann, wofür er ursprünglich gezüchtet wurde: In vollem Lauf hinter einem Ziel herjagen.

Zugleich hat man so auch die Möglichkeit, den Jagdinstinkt der Rasse zu testen. Ansonsten sollten ihm ausgedehnte Spaziergänge oder Ausritte angeboten werden. Der Schottische Hirschhund ist sehr treu, er betet seine Familie nahezu an. Wenn man ihm den richtigen Lebensraum bieten kann, ist er der ideale Haushund.

Der sanfte Ausdruck der braunen Deerhound-Augen täuscht nicht.  Sie gehören zu einem anhänglichen, kinderlieben und im Zusammenleben mit anderen Tieren verträglichen Vierbeiner.

Er braucht die enge Nähe zur Familie, ist im Haus ruhig und zurückhaltend. Kindern nimmt er sich gern beim Spielen und Schmusen an. Sie wecken seinen Beschützerinstinkt. Hundehaltern mit weniger Erfahrung kommt das ausgeglichene Temperament sowie das Bestreben des Hundes, zu gefallen, zu pass.

Der große Schotte ist leichtführig. Mit Liebe und Konsequenz erreicht der Mensch bei seinem Begleiter alles. Härte und ungerechte Behandlung quittiert der Deerhound kurzzeitig mit Missachtung.

Seiner Statur entsprechend hat der Vierbeiner reichlich Raumbedarf. Im Haus, im Garten, ebenso wie im Fahrzeug – auf dem Weg zum Coursing.

Künstliche Hasen zu verfolgen, ist ein fantastisches Angebot, wenn es um artgerechte Beschäftigung geht. Das Jagen auf einem der freien Wildbahn nachempfundenen Kurs kommt seinem Jagdinstinkt entgegen. Selbst als Jagdgehilfe ist der Deerhound, nach entsprechender Ausbildung, einsetzbar.

Dem unerwünschten Jagdverhalten abseits des hierfür vorgesehenen Terrains ist von klein auf mit angemessenem Antijagd-Training zu begegnen. Derart geschult werden Spaziergänge mit gutem Tempo und der Ausritt zusammen mit dem Großen von allen Beteiligten als Bereicherung empfunden.