anatolischer hirtenhund

Anatolischer Hirtenhund

Der Anatolische Hirtenhund gehört zur FCI-Gruppe 2 der Molosser und hat seinen Ursprung in der Türkei. Dort nennt man ihn „Coban Kopegi“, was die türkische Bezeichnung für Hirtenhund ist.

Eine weitere vereinzelte Bezeichnung ist Anatolian Karabash Dog, wobei das Wort „Karabash“ soviel wie „Schwarzköpfig“ bedeutet. Das Gewicht des Anatolischen Hirtenhundes beträgt 41 bis 64 kg, die Grösse liegt zwischen 71 und 81 cm Schulterhöhe.

Er hat ein kurzes bis mittellanges Fell mit einer ausgeprägten Unterwolle. Bei der Fellfarbe sind alle Farben erlaubt, in der Regel ist der Anatolische Hirtenhund jedoch falbfarben mit einer schwarzen Maske. Zuweilen ist er aber auch gestromt, dreifarbig oder weiss-schwarz.

anatolischer hirtenhund
© Dogs – Fotolia.com

Der Anatolischer Hirtenhund hat eine eindrucksvolle Größe und die Junghunde wachsen dementsprechend auch sehr schnell heran. Aufzeichnungen haben ergeben, dass Welpen im Alter von sieben Wochen schon 7 kg wogen, nach zwölf Wochen brachten sie dann bereits 20 kg auf die Waage.


Eindrucksvolles Video zum Anatolischen Hirtenhund


Das Mastifferbe zeigt sich im stumpfen Fang und den tief angesetzten Ohren. Erscheinungsbild und Bewegung wiederum erinnern an einen Löwen, speziell, wenn seine Ohren, wie es leider immer noch manchmal in der Türkei erfolgt, zu aufrecht stehenden Stümpfen „coupiert“ worden sind.

Ein weiteres Merkmal der Rasse ist, dass er im Erregungsfall die Rute über den Rücken gerollt trägt. Da erst die Westeuropäer die grossen türkischen Herdenschutzhunde benannt und katalogisiert haben, gibt es über die über viele Jahrhunderte gehende Entstehungsgeschichte des Anatolischen Hirtenhundes keinerlei schriftliche Ahnentafeln oder gar spezielle Namen.

Anatolischer Hirtenhund Herkunft

Man ist sich auch nicht einig darüber, ob man die vielen verschiedenen alten Herdenschutzhunde der Türkei in einzelne Hunderassen aufteilen soll oder ob man sie zusammengefasst lassen sollte. Insbesondere Züchter aus England und Amerika kamen in die Türkei und kauften dort Herdenschutzhunde aus verschiedenen Bereichen, nahmen sie mit nach Hause und züchteten sie dort weiter.

Andere Anatolische Hirtenhund Züchter wiederum haben in verschiedenen eng umfassten Gebieten der Türkei, in denen die Hunde eine ganze Reihe gemeinsamer Merkmale aufwiesen, ihr Zuchtmaterial ausgewählt und dann versucht, daraus Einzelrassen zu züchten. Diese breite Grundlage war der Grundstock einer Rasse, die als Anatolischer Hirtenhund bezeichnet wird.

Die Rasse stammt auf direkter Linie von den alten Herdenschutzhunden und den Mastiffs des mittleren Ostens ab.

Ursprünglich wurde sie zur Jagd auf Grosswild, darunter auch Löwen und Pferde, und als Kriegshund eingesetzt. Mittlerweile jedoch beschützt der Anatolische Hirtenhund weitgehend selbständig die Schafherden der türkischen Bauern vor Raubtieren wie dem Wolf und vor Dieben.


Ein weiteres Video zur Hunderasse


Besonders in den Grenzgebieten ihrer Heimat werden sie sehr häufig eingesetzt. Dort hat ihre Kraft und Schnelligkeit ihnen einen geradezu legendären Ruf eingebracht. Sie sind beispielsweise durchaus dazu in der Lage, mit einem gefährlichen Raubtier wie dem Wolf fertig zu werden.

Da die Wölfe ihre natürlichen Feinde sind, zeigt der Anatolische Hirtenhund sich auch gegenüber anderen Hunden, die Stehohren haben, sehr misstrauisch. Überhaupt ist diese Rasse allen anderen Hunden gegenüber dominant, ausserdem beherrschen die Rüden die Hündinnen.

Die ersten Hunde dieser Rasse gelangten gegen Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch einen gewissen Robert C. Ballard in die Vereinigten Staaten.

Er schrieb über seine abenteuerlichen Versuche, Junghunde dieser Rasse in der Türkei zu erwerben: „Schliesslich wurden wir aufs Land eingeladen, um den Vaterrüden kennenzulernen. Er war stattlich, etwa 60 kg Gewicht, machte einen wilden Eindruck, insgesamt ein sehr schöner Hund. Am eindrucksvollsten aber war die Hundekette, an der er vorgeführt wurde, schwer genug, um einen Traktor zu ziehen, und die Haltung des Vorführers, der so da stand, als erwarte er jeden Augenblick, von dem Rüden davongezerrt oder umgeworfen zu werden.“

Der Legende nach ist es ein alter türkischer Brauch, dass der Anatolische Hirtenhund sein erstes Halsband dann erhält, sobald er seinen ersten Wolf aufgespürt und getötet hat.

Tatsächlich aber dienen diese Halsbänder dazu, den Hund gegen Bisse des Wolfes in den empfindlichen Hals zu schützen.

Als einmal ein Reisender in der Türkei war, beobachtete er, dass andere Hunde es niemals wagten, Anatolische Hirtenhunde mit Halsbändern zu reizen. Also erwarb er für seinen eigenen Anatolier auch so ein Halsband und bemerkte, dass sogleich das Ansehen seines Tieres unter den anderen Hunden stieg.

Er schloss daraus, dass Hunde genau so wie Menschen reagieren und glauben, dass ein Anatolischer Hirtenhund mit Halsband dieses immer durch einen lebensgefährlichen Kampf mit einem Wolf errungen hat.

Auf jeden Fall aber ist diese Rasse sehr robust, da er in seiner Heimat sein ganzes Leben lang in einem schwierigen Gelände und unter extremen klimatischen Verhältnissen, die von tiefstem Frost bis zu sehr heissen Tagen reichen, ohne zu ermüden arbeiten muss.

Zudem ist er als treuer und entschlossener Wachhund seiner Familie und deren Besitz und Haustieren gegenüber ziemlich besitzbewusst. Nicht selten kommt es vor, dass sich der Anatolische Hirtenhund einen erhöhten Beobachtungsplatz aussucht, um so seinen Herrschaftsbereich besser überblicken zu können. Im Zweifelsfall reicht ihm dazu auch ein Abfallhaufen.

Hat solch ein Hund keine Familie oder deren Eigentum zu schützen, bewacht er aufgrund seines starken Territorialinstinktes notfalls auch den Müllhaufen. Unerwünschte Eindringlinge werden durch Gebell und Knurren vor weiterem Näherkommen gewarnt und falls sich der Fremde zurückzieht, greift der Anatolier auch nicht an.

Fühlt er sich allerdings provoziert, weicht er keinem Kampf aus. Einmal unterlief einer Meute Laufhunde der große Fehler, einen Waschbären auf direktem Weg durch eine Schafherde zu verfolgen. Der Anatolier sah seine Schutzbefohlenen in Gefahr und tötete nacheinander jeden Hund, der auf sein Gebiet trat.

Auch scheint diese Rasse einen ausgeprägt guten Geruchssinn zu besitzen. So beobachtete einmal ein Besitzer, dass sein Anatolischer Hirtenhund einen ganzen Stapel Papier unermüdlich mit den Pfoten bearbeitete.

Als er auf einen Zettel traf, den sein Herr zuvor in der Hand gehalten hatte, legte er seinen Kopf darauf. In den Vereinigten Staaten wird die Rasse durch Anhänger aktiv gefördert. Viele Anatolische Hirtenhunde nehmen am Programm zur Förderung von Herdenschutzhunden teil.

Ausserdem halten die Clubmitglieder regelmässig Spezialausstellungen ab und versuchen so, die Anerkennung der Rasse durch den AKC zu erreichen. In England und vom FCI dagegen ist die Rasse schon anerkannt.

Dort gibt es schon sehr viele Teilnehmer auf grösseren Ausstellungen. Der „Anatolian Karabash Dog Club of Great Britain“ verlangt, dass diese Hunde am Kopf lohfarben mit schwarzer Maske sind.

Der „Anatolian Shepherd Dog Club of Great Britain“ sowie der „Anatolian Shepherd Dog Club of America“ dagegen sehen für diese Hunde eine Vielfalt an Farben als normal und erwünscht an.

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Der Anatolische Hirtenhund ist seinem Herren gegenüber sehr loyal. Fremden gegenüber ist er allerdings sehr misstrauisch, lässt sich aber auch nicht von ihnen reizen. Bereits im frühen Alter zeigt er einen ausgeprägten Schutztrieb.

Möchte man dieses große und kraftvolle Tier als kontrollierbaren Familienhund halten, ist eine planmässige und konsequente Erziehung zur Unterordnung und zur Sozialisation mit anderen Tieren dringendst geboten.

Den Kindern der Familie gegenüber zeigt er sich sehr sanft und spielfreudig und als geduldiger Beschützer, gleichwohl weisen ihre Züchter immer darauf hin, dass es sich beim Anatolischen Hirtenhund weder um einen Kinder-Spielhund noch um einen „sanften Riesen“ wie etwa dem Bernhardiner handelt.

Für alle Neubesitzer eines solchen Hundes ist es sicherlich ratsam, wenn eine formelle Einführung gegenüber den Nachbarn, Freunden und dem Tierarzt erfolgt. Zudem wird empfohlen, für Lieferanten, Postboten etc. ein deutlich sichtbares Hinweisschild anzubringen, welches darauf hinweist, dass sie den vom Anatolier geschützten Bereich keinesfalls betreten dürfen.

In seiner Familie jedoch ist er intelligent und freundlich, außerdem lernt er recht schnell die notwendigen Gehorsamsregeln. Er ist ein unempfindlicher Hund, der leicht zu halten ist und selbständig denkt. Bei heißem Wetter beispielsweise gräbt er sich gerne Löcher bis hin ins kühlere Erdreich.