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Bluthund

Der Bluthund, im englischen Sprachraum besser als Bloodhound bekannt, zählt zur FCI-Gruppe 6 der Lauf- und Schweisshunde und hat seinen Ursprung in Belgien.

Dort wird er auch als „Chien de St. Hubert“ bzw. „St. Hubert Hound“ oder, auf deutsch, „St. Hubertus-Hund“ bezeichnet. Den Namen „Bluthund“ verdankt er keineswegs einer etwaigen Blutrünstigkeit, die man bei einem Hund, der zur Jagd benutzt wird, eventuell vermuten könnte.

Vielmehr nimmt man an, dass entweder die besondere Reinheit dieser Rasse, also sein „reines Blut“, oder aber sein äusserst stark ausgeprägter Geruchssinn, der es ihm ermöglichte, waidwundes, also „blutendes“ Wild auch noch nach längerer Zeit und über sehr grosse Entfernungen zu wittern, bei der Namensfindung Pate standen.

Auch die starke Verbindung der Rasse mit dem sogenannten „blauen Blut“ also dem Adel, welcher damals sehr viel Zeit mit der Jagd verbrachte, könnte eine Erklärung für den Namen „Bluthund“ gewesen sein.

Beim Rüden beträgt die gewünschte Grösse 63 – 69 cm, bei den Hündinnen sollte die Schulterhöhe zwischen 58 – 63 cm liegen.

Das Gewicht liegt dabei idealerweise zwischen 36 – 50 kg. Das dichte Fell ist am Körper kurz, dick und hart, am Schädel und den Ohren dagegen etwas feiner und weicher.

Die Farbe des Fells kann zwischen schwarz und hellbraun, hellbraun und leberfarben sowie rot wechseln, dabei sind weisse Abzeichen an der Brust, den Pfoten und der Schwanzspitze durchaus zulässig.

Ein weiteres äusseres Merkmal dieses grossen, kräftigen Hundes ist die Wamme, wobei es sich dabei um eine ausgeprägte faltige Überlappung der Haut unterhalb der Kehle handelt.

Die starken Falten an den Seiten des Kopfes und der Stirn sowie die hängenden Lefzen und das Scherengebiss (der Oberkiefer überragt den Unterkiefer) sorgen für den typischen Gesichtsausdruck des Bluthundes, der von den meisten Menschen als traurig oder schwermütig angesehen wird.

Der manchmal doch recht schwer nachzuvollziehende Standard in der heutigen Zucht von Rassehunden verlangt immer noch nach den ausgeprägten Falten im Gesicht und den herabhängenden Augenlidern, was leider des öfteren Entzündungen der Augen zur Folge hat.

Der Bluthund zählt zu den ältesten und reinsten Laufhunderassen.

Bereits im 8. Jahrhundert wurde erwähnt, dass der Schutzheilige der Jagd, der heilige Hubertus, in Belgien in den Wäldern der Ardennen von einer grossen Meute von Laufhunden begleitet wurde.

Deren Vorfahren waren schwarze Ardennenjagdhunde vom alten Segusios-Typ, die direkt bis hin zum Kloster St. Hubert zurückverfolgt werden können. Durch eine selektive Züchtung wurde der heute ausgestorbene St. Hubertus-Hund, der an sich schon ein vorzüglicher und ausdauernder Schweisshund mit einem hervorragendem Geruchssinn war, im Laufe der Jahrhunderte zum heutigen, modernen Bluthund verfeinert.

Aber auch bei der Zucht vieler anderer europäischer Lauf- und Schweisshunde wurde häufig der St. Hubertus-Hund mit eingekreuzt. Als die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer im Jahre 1066 England eroberten, gelangte selbstverständlich auch der mittlerweile zum Lieblingshund der französischen Könige avancierte St. Hubertus-Hund mit auf die britischen Inseln.

Dort hatte er einen beträchtlichen Anteil bei der Zucht der Foxhounds. Die ersten Exemplare erhielten dort nach weiteren Einkreuzungen vom Talbot und von südlichen Hunderassen den bis heute gültigen Namen „Bloodhound“, obwohl bis in heutiger Zeit in Belgien und in vielen nicht englisch sprechenden Nationen weiterhin der Name seines ausgestorbenen Vorfahren „Chien de St. Hubert“ für ein und denselben Hund benutzt wird.

Mittlerweile hat der Bluthund nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in der übrigen Welt sehr viele Liebhaber gefunden. Sein hervorragender Ruf als Spürhund hat ihm neben der Jagd auch ein weiteres Betätigungsfeld in der Kriminalistik verschafft.

Er ist in der Lage, auch bereits kalte Fährten, welche nach dokumentierten Berichten bisweilen sogar über 100 Stunden alt sein konnten, über schier unglaubliche Entfernungen von mehr als 200 km zu verfolgen.

Ein Hund soll es sogar geschafft haben, in nur anderthalb Tagen 23 Häftlinge auf der Flucht zu stellen. Seine Popularität, die sicherlich besonders auf diese außergewöhnlichen Fähigkeiten zurückzuführen ist, hat in sensationsheischenden Gangsterfilmen und in der Kriminalliteratur leider viel zu oft zu einem falschen Bild vom Bluthund geführt.

Er ist trotz seines doch sehr „speziellen“ Aussehens kein furchterregendes Monster, dass seine Opfer mit weit aufgerissenem Maul durch Wald und Wiese verfolgt, um es dann bedrohlich laut zu verbellen oder sogar anzugreifen.

Im Gegenteil, er ist ein ausgeprägter Schnüffler, der lautlos seiner Fährte nachgeht und dessen Jagdinstinkt nach Aufstöbern der Beute sofort erlischt, sodass er sehr wahrscheinlich den von ihm Verfolgten eher freundlich abzuschlecken versucht, anstatt sich in ihm zu verbeissen.

Aus diesem Grunde benutzt man den Bluthund heutzutage sehr gerne bei der Suche nach entlaufenen Kindern oder verirrten Wanderern, zumal der Geruchssinn dieser Rasse sogar doppelt so gut wie der „normaler“ Hunde, nämlich zwei Millionen mal besser als die Nase des Menschen, sein soll.

Wesen und Charakter des Bluthundes

Der Charakter des Bluthundes ist von ruhiger, freundlicher Art. Sein zurückhaltendes Wesen, seine ausgeprägte Treue und seine Zutraulichkeit Kindern gegenüber lassen ihn zu einem geeigneten Familienhund werden. Dabei sollte man aber bedenken, dass er aufgrund seiner Grösse einen nicht geringen Futterbedarf hat und er neben ausreichendem Wohnraum auch noch sehr viel Auslauf benötigt.

Da sie zum selbständigen Arbeiten gezüchtet wurden, ist damit zu rechnen, dass sie, sobald sie irgend etwas wittern, was für sie von Interesse sein könnte, sich voller Elan auf diese Fährte stürzen und trotz heftiger Ermahnung seitens seines Besitzers die Nase nicht mehr vom Boden erheben, bis sie die vermeintliche Beute aufgestöbert haben.

Aufgrund ihres angeborenen Instinkts, Fährten zu verfolgen, ist ihr Sinn für Gehorsam nicht sonderlich stark ausgeprägt. Eine intensive und geduldige Erziehung, nach Möglichkeit auf einem abgegrenzten Gelände, ist deshalb unabdingbar.

Dabei sollte man ihn zu seiner eigenen Sicherheit nach Möglichkeit auch niemals ableinen, seine eigenwillige und manchmal ein wenig sture Art könnten sonst für die eine oder andere unangenehme Überraschung sorgen.