Hundeernaehrung

Aktualisiert: 19. April 2026 · Lesezeit: 15 Minuten · Fachlich geprüft von: Redaktion welpen.de

Die richtige Hundeernährung ist der wichtigste Hebel für ein langes, gesundes Hundeleben – wichtiger als jedes teure Medikament. Was im Napf landet, beeinflusst Fell, Gewicht, Verdauung, Gelenke, Zähne und sogar das Verhalten.

Dieser Leitfaden fasst zusammen, was Halter über Nährstoffbedarf, Futterarten, Fütterungsmengen, Spezialdiäten und giftige Lebensmittel wirklich wissen müssen.

Hundeernährung in 60 Sekunden Hunde sind fakultative Fleischfresser: Sie brauchen vor allem hochwertiges tierisches Eiweiß, gesunde Fette, wenig Kohlenhydrate und alle essenziellen Vitamine und Mineralien. Die Menge richtet sich nach Gewicht, Alter und Aktivität. Welpen fressen häufig kleine Portionen, Senioren leichter verdauliches Futter. Giftig sind Schokolade, Zwiebeln, Weintrauben, Avocado, Xylit und rohes Schweinefleisch.
  • Proteinanteil: Alleinfutter mindestens 18 %, besser 22–30 %
  • Fütterungsfrequenz: Welpen 3–4×, Erwachsene 2×, Senioren 2–3× täglich
  • Futtermenge: ca. 2 % des Körpergewichts pro Tag (Erwachsene, moderate Aktivität)
  • Futterarten: Trockenfutter, Nassfutter, BARF, kaltgepresst – jede mit Vor- und Nachteilen

Grundlagen: Was ein Hund ernährungsphysiologisch braucht

Hunde stammen vom Wolf ab, haben sich aber in 15.000 Jahren Domestikation an eine abwechslungsreichere Kost angepasst. Im Gegensatz zur Katze (obligater Fleischfresser) sind Hunde fakultative Fleischfresser – sie können auch pflanzliche Anteile verwerten, brauchen aber einen hohen Fleischanteil für eine bedarfsdeckende Ernährung.

Optimale Nährstoff-Verteilung eines Alleinfutters (Richtwerte):

Protein (tierisch)22–30 %
Fett10–15 %
Kohlenhydratemax. 40 %
Rohfaser2–4 %
Rohasche (Mineralien)5–8 %

Essentielle Nährstoffe

  • Proteine: liefern essentielle Aminosäuren (v. a. Lysin, Methionin, Tryptophan). Fleisch, Fisch, Eier sind erste Wahl.
  • Fette: Energielieferant und Quelle essentieller Fettsäuren (Omega-3, Omega-6). Lachsöl, Leinöl, Fischmehl.
  • Kohlenhydrate: nicht essentiell, aber als Energieträger akzeptabel. Reis, Kartoffeln, Haferflocken.
  • Vitamine: A, D, E, K (fettlöslich), B-Komplex, C. Details: Vitamine für den Hund.
  • Mineralien: Calcium, Phosphor im Verhältnis 1,2:1–1,4:1, außerdem Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Jod, Selen.

Eine detaillierte Einführung in Ernährungsgrundlagen bietet der Klassiker Wie ernähre ich meinen Hund?.

Futterarten im Überblick

Jede Futterart hat Vor- und Nachteile. Keine ist „die einzig richtige“. Die beste Wahl hängt von Hund, Halter-Zeitbudget und Gesundheit ab. Eine detaillierte Produktberatung für konkrete Futterempfehlungen findet sich unter Hundefutter – der komplette Kaufratgeber.

Standard

Trockenfutter

Extrudiertes Futter, lange haltbar, praktisch, zahnfreundlich. Günstig und einfach zu dosieren.

Zahnsteinprophylaxe durch Kauen

Lange Lagerfähigkeit (12+ Monate)

Geringer Feuchtigkeitsgehalt (≤10 %)

Oft hoher Kohlenhydratanteil

Details zu Trockenfutter →

Natürlicher

Nassfutter

Höherer Fleisch- und Feuchtigkeitsanteil, meist schmackhafter. Gut für Hunde, die wenig trinken.

70–80 % Feuchtigkeit – Nieren-freundlich

Oft höherer Fleischanteil

Nach Öffnung rasch verderblich

Teurer pro Tagesration

Nassfutter-Übersicht →

Natur pur

BARF (roh)

Biologisch artgerechte Rohfütterung: rohes Fleisch, Knochen, Gemüse, Öle, Supplemente.

Maximale Kontrolle über Zutaten

Meist hoher Protein-Wassergehalt

Aufwendig, Rationen müssen berechnet werden

Hygienerisiko (Salmonellen), für Welpen umstritten

Ist BARF für Welpen geeignet? →

Schonend

Kaltgepresstes Futter

Unter 80 °C verarbeitet, Nährstoffe bleiben besser erhalten. Zwischen Trocken- und Nassfutter.

Bekömmlich, schonende Verarbeitung

Meist einfachere Zutatenliste

Höherer Preis als Trockenfutter

Nicht für jeden Hund geschmacklich attraktiv

Kaltgepresstes im Detail → · Wirklich gesünder?

Spezial

Getreidefreies Futter

Kohlenhydrate aus Kartoffeln oder Hülsenfrüchten statt Getreide. Bei Getreide-Intoleranzen sinnvoll.

Option bei Verdacht auf Getreide-Allergie

Höherer Fleischanteil typisch

Für nicht-allergische Hunde kein Vorteil

Preis-Premium

Getreidefreies Hundefutter →

Spezial

Diät- & Therapiefutter

Für Hunde mit konkreten Gesundheitsproblemen: Übergewicht, Niere, Leber, Allergie, Diabetes.

Gezielte Unterstützung bei Erkrankung

Tierärztlich konzipiert

Nur mit tierärztlicher Indikation sinnvoll

Teurer, oft weniger Auswahl

Diätfutter im Überblick →

Alternative Fütterungskonzepte wie vegetarische Fütterung oder exotische Proteinquellen wie Straußenfleisch sind möglich, aber kein Standard und sollten mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Fütterung nach Lebensphase

Der Nährstoffbedarf ändert sich mit dem Alter. Wer denselben Trockenfutter-Sack für Welpe, Erwachsenen und Senior verwendet, macht etwas falsch.

LebensphaseMahlzeiten/TagBesonderheitenWichtiger Nährstoff
Welpe (0–6 Mon.)3–4×Wachstum, hoher EnergiebedarfKalzium:Phosphor 1,2:1, Protein 28 %+
Junghund (6–18 Mon.)2–3×Abschluss Wachstum, Übergang zu Adult-FutterAusreichend Eiweiß, moderate Energie
Erwachsen (1,5–7 J.)2×Gewicht halten, Aktivität berücksichtigenAusgewogenes Alleinfutter
Senior (7+ J.)2–3× kleinereWeniger Kalorien, leichter verdaulichGelenkschutz (Glucosamin), Omega-3
Trächtig / säugend3–4×Energiebedarf bis 3× erhöhtHochkalorisches Welpenfutter

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Besonderheiten der Welpenernährung: Die Ernährung des Welpen. Für spezielle Situationen (trächtige Hündinnen, Sporthunde, kranke Tiere) gibt es den Leitfaden Ernährung in speziellen Situationen.

Futtermenge richtig berechnen

Die Angaben auf der Futterverpackung sind Richtwerte, keine Gesetze. Jeder Hund ist anders. Eine einfache Faustregel für Erwachsene mit moderater Aktivität:

Faustregel Trockenfutter: ca. 2 % des Körpergewichts pro Tag.
Faustregel Nassfutter: ca. 3–4 % des Körpergewichts pro Tag.
BARF: 2–3 % des Körpergewichts (Welpen bis 6–10 %).
KörpergewichtTagesration (Trockenfutter)Bei hoher AktivitätBei niedriger Aktivität
5 kgca. 100 g120 g80 g
10 kgca. 170 g200 g140 g
15 kgca. 230 g270 g190 g
20 kgca. 290 g340 g240 g
30 kgca. 400 g470 g330 g
40 kgca. 500 g590 g420 g

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Richtiges Gewicht erkennen (Body Condition Score)

  • Rippen: müssen leicht fühlbar sein, aber nicht stark hervorstehen
  • Taille: von oben betrachtet, klare Einbuchtung hinter dem Brustkorb
  • Bauchlinie: von der Seite betrachtet, deutlich hochgezogen (nicht durchhängend)

Übergewicht ist das häufigste ernährungsbedingte Gesundheitsproblem. Details unter Übergewicht bei Hunden.

Was dürfen Hunde essen – und was nicht?

Vom eigenen Tisch abzufüttern ist generell keine gute Idee, aber einige Lebensmittel sind als Snack oder Ergänzung unbedenklich. Andere sind hochgiftig.

✓ Erlaubt in Maßen

  • Äpfel (ohne Kerngehäuse)
  • Bananen, Birnen
  • Beeren (Heidel-, Brom-, Himbeeren)
  • Karotten (roh oder gekocht)
  • Gurken
  • Zucchini (gekocht)
  • Kürbis (gekocht, püriert)
  • Kartoffeln (nur gekocht!)
  • Reis (gekocht)
  • Hühnerbrust (gekocht, ohne Knochen)
  • Rindfleisch (gegart)
  • Fisch (entgrätet)
  • Eier (gekocht)
  • Magerquark, Hüttenkäse (wenig)

✗ Giftig / verboten

  • Schokolade (Theobromin)
  • Zwiebeln, Knoblauch, Lauch
  • Weintrauben, Rosinen
  • Avocado (Persin)
  • Xylit (Zuckerersatz, Kaugummi)
  • Macadamianüsse
  • Rohes Schweinefleisch (Aujeszky-Virus)
  • Rohe Kartoffeln, rohe Bohnen
  • Alkohol jeder Art
  • Koffein (Kaffee, Cola, Energy-Drinks)
  • Zucker & Süßigkeiten
  • Stark gewürzte Speisen
  • Knochen gekochter Art (splittern)
  • Steinobst-Kerne (Blausäure)

Ausführliche Listen: Obst & Gemüse: Dos und Don’ts, Was Hunde nicht fressen dürfen und Was mein Hund nicht fressen darf. Speziell zu Äpfeln: Dürfen Hunde Äpfel essen?. Zur Gefahr von Zwiebeln und Knoblauch und allgemein Gefahren aus dem Futternapf.

Allergien & Spezialdiäten

Futtermittelallergien betreffen etwa 10 % aller Hunde. Typische Symptome sind Juckreiz (v. a. Pfoten, Ohren, Bauch), chronischer Durchfall oder wiederkehrende Hautentzündungen. Häufige Auslöser: Rind, Huhn, Weizen, Milchprodukte, Soja.

Diagnose und Behandlung

  • Eliminationsdiät: 8–12 Wochen nur eine neue Protein-/Kohlenhydratquelle (z. B. Pferd + Süßkartoffel)
  • Wiedereinführung einzelner Zutaten: um den Auslöser zu identifizieren
  • Hypoallergenes Spezialfutter: mit hydrolysierten Proteinen, aus tierärztlicher Hand

Vertiefend: Futtermittelallergie erkennen und behandeln und Allergien vorbeugen und behandeln. Bei chronischen Blähungen ist oft das Futter die Ursache – siehe Mein Hund pupst und stinkt.

Leckerlis & Kauartikel

Leckerlis sind Teil der Gesamtkalorienbilanz und sollten nicht mehr als 10 % der Tagesration ausmachen. Kauartikel haben zusätzlich eine beschäftigende und zahnpflegende Funktion.

Wasser & Napf-Hygiene

Frisches Wasser ist jederzeit und unbegrenzt anzubieten. Der Tagesbedarf liegt bei etwa 40–70 ml pro kg Körpergewicht. Bei Hitze, nach Sport oder bei reinem Trockenfutter steigt der Bedarf deutlich.

Hygiene & Praxistipps

  • Napf täglich mit klarem Wasser ausspülen, wöchentlich gründlich reinigen
  • Edelstahl oder Keramik bevorzugen – Plastik kratzt leicht und bietet Bakterien Nischen
  • Nassfutter-Reste nicht länger als 30 Minuten im Napf lassen
  • Trockenfutter luftdicht lagern – Details: Hundefutter richtig lagern
  • Stabilen Stand-Napf oder Futterstation nutzen
  • Anti-Schling-Näpfe bei Schlingern sinnvoll
  • Langsames Fressen und Beschäftigung: Schleckmatte

Die 7 häufigsten Fütterungsfehler

FehlerFolgeRichtig
Zu viele Leckerlis nebenbeiÜbergewicht, unausgewogene ErnährungMax. 10 % der Tagesration, abziehen vom Hauptfutter
Vom Tisch fütternBetteln, Verdauungsprobleme, VergiftungenGrundsätzlich aus dem Napf, feste Zeiten
Ad libitum (unbegrenzte Menge)Schnell ÜbergewichtPortionen abgemessen servieren
Häufiger FutterwechselVerdauungsstörungen, DurchfallUmstellung über 5–7 Tage mischen
Welpenfutter dauerhaftÜberversorgung, ÜbergewichtWechsel zu Adult-Futter nach Rasse-Größe
Gekochte Knochen gebenSplittern, DarmverletzungNur rohe Knochen, unter Aufsicht
Zu wenig Wasser anbietenDehydration, NierenbelastungJederzeit frisches Wasser, mehrere Näpfe im Haus

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Häufig gestellte Fragen

Wie oft soll ich meinen Hund füttern?
Welpen 3–4 Mahlzeiten täglich, Erwachsene 2 Mahlzeiten, Senioren 2–3 kleinere Mahlzeiten. Feste Zeiten helfen der Verdauung und unterstützen die Stubenreinheit bei Welpen.
Wie viel Futter braucht mein Hund pro Tag?
Faustregel: ca. 2 % des Körpergewichts bei Trockenfutter, 3–4 % bei Nassfutter. Ein 15-kg-Hund bekommt also etwa 300 g Trockenfutter täglich. Bei hoher Aktivität mehr, bei Übergewicht weniger.
Ist Trockenfutter oder Nassfutter besser?
Beides hat Berechtigung. Trockenfutter ist zahnschonender und praktischer; Nassfutter hat einen höheren Feuchtigkeitsgehalt und ist oft fleischreicher. Viele Halter kombinieren beides.
Ist BARF für jeden Hund geeignet?
BARF ist bei Welpen und bei chronisch kranken Hunden heikel, weil Rationsfehler schnell zu Mangelerscheinungen führen. Für gesunde erwachsene Hunde mit kompetenten Haltern kann BARF eine gute Option sein – idealerweise mit Futterberatung.
Darf mein Hund Schokolade fressen?
Nein. Schokolade enthält Theobromin, das Hunde nicht abbauen können. Bereits kleine Mengen Zartbitterschokolade sind für mittelgroße Hunde gefährlich. Im Vergiftungsfall sofort zum Tierarzt.
Wie erkenne ich hochwertiges Hundefutter?
Klare Zutatenliste mit Fleisch an erster Stelle, Prozentangaben, ohne Zucker, ohne künstliche Farbstoffe, ohne Konservierungsstoffe wie BHA/BHT, transparente Herkunftsangaben. Konkrete Empfehlungen unter Hundefutter – Kaufberatung.
Wann soll ich vom Welpen- auf Adult-Futter wechseln?
Kleine Rassen: mit etwa 10–12 Monaten. Mittelgroße Rassen: 12–15 Monate. Große Rassen: 18–24 Monate (später, da Wachstum länger dauert).
Mein Hund frisst Gras – ist das normal?
Ja, meist harmlos. Manche Hunde fressen Gras aus Langeweile, andere zur Magenberuhigung. Bedenklich wird es nur, wenn der Hund häufig erbricht oder apathisch wirkt – dann Tierarzt aufsuchen.
Wie oft soll ich den Futternapf reinigen?
Täglich ausspülen, mindestens wöchentlich mit heißem Wasser und Spülmittel gründlich reinigen. Bei Nassfutter nach jeder Mahlzeit.
Kann ich meinen Hund rein vegetarisch ernähren?
Technisch möglich, aber schwierig und umstritten. Hunde sind keine reinen Fleischfresser, aber eine bedarfsdeckende pflanzliche Ernährung erfordert sorgfältige Supplementierung (B12, Taurin, Carnitin, Aminosäuren). Nicht für Welpen, trächtige Hündinnen oder kranke Tiere geeignet.

Fachliche Orientierung

Dieser Leitfaden orientiert sich an den Empfehlungen anerkannter Fachinstitutionen:

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Ernährungsberatung durch einen Tierarzt. Bei gesundheitlichen Problemen oder Spezialdiäten bitte immer Rücksprache halten.