Mit dem Hund auf der Fähre: Wenn der Urlaub plötzlich schwankt

Das Wasser sieht ruhig aus.
Der Hund sieht das anders.
Kaum löst sich die Fähre vom Anleger, verändert sich unter seinen Pfoten etwas. Der Boden bewegt sich. Nicht viel, aber genug. Dazu dieses Brummen aus dem Bauch des Schiffes, der Wind, fremde Gerüche und Menschen, die plötzlich alle in dieselbe Richtung schauen.
Manche Hunde nehmen das gelassen hin.
Andere stehen da und überlegen offensichtlich, warum ihre Menschen ausgerechnet jetzt auf die Idee gekommen sind, mit einem fahrenden Haus übers Wasser zu fahren.
Mit dem Hund auf der Fähre zu reisen ist aber meistens kein großes Problem. Man sollte nur vorher wissen, was auf dieser Fähre erlaubt ist und was nicht.
Nicht einfach einsteigen und losfahren
Der wichtigste Punkt kommt schon vor dem Urlaub: Der Hund gehört bei der Buchung mit auf die Reise.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer. Die Reedereien haben unterschiedliche Regelungen. Auf manchen Fähren gibt es spezielle Bereiche für Hunde, auf anderen müssen sie während der Überfahrt bestimmte Außenbereiche nutzen. Teilweise gibt es Hundekabinen oder Hundezwinger. Auf manchen Strecken kann der Hund sogar im Fahrzeug bleiben – auf anderen ist das ausdrücklich nicht vorgesehen.
Deshalb sollte man nicht einfach eine normale Fahrkarte buchen und davon ausgehen, dass der Hund schon irgendwie mitkommt.
Bei der Buchung nach „Hund“, „Haustier“, „Pet Cabin“ oder einer vergleichbaren Option suchen.
Und die Bedingungen der konkreten Reederei lesen. Nicht die einer anderen Fähre, die zufällig ebenfalls übers Meer fährt.
Der Maulkorb gehört ins Gepäck
Auch wenn der eigene Hund normalerweise keinen Maulkorb trägt, würde ich ihn für eine Fährfahrt einpacken.
Auf vielen Fähren ist ein Maulkorb zumindest in bestimmten Bereichen vorgeschrieben. Dazu kommt die Leinenpflicht. Welche Regeln genau gelten, hängt von der Reederei und der Strecke ab.
Das ist kein guter Zeitpunkt, den Hund erstmals mit einem Maulkorb bekannt zu machen.
Wenn er ihn noch nie getragen hat, sollte das vorher in Ruhe geübt werden. Erst kurz zu Hause, später bei einem Spaziergang. Der Hund soll den Maulkorb nicht mit dem Moment verbinden, in dem plötzlich ein Schiffsmotor dröhnt und unter ihm der Boden schwankt.
Der Außendeck-Spaziergang ist etwas anders
Ein Hund, der zu Hause problemlos an einer viel befahrenen Straße läuft, muss nicht automatisch mit einer Fährfahrt glücklich sein.
Auf dem Außendeck kommen mehrere Dinge zusammen: Wind, Motorengeräusche, Möwen, Salzgeruch, Metallgitter, viele fremde Menschen und ein Untergrund, der sich bewegt.
Gerade für einen jungen Hund kann das ziemlich viel sein.
Deshalb würde ich nicht gleich nach dem Ablegen eine große Runde veranstalten.
Besser ist ein ruhiger Platz, an dem der Hund möglichst wenig bedrängt wird. Leine dran, Abstand zu anderen Passagieren und erst einmal beobachten lassen.
Manche Hunde brauchen nur ein paar Minuten.
Andere möchten am liebsten gar nichts mit dieser schwimmenden Angelegenheit zu tun haben.
Beides ist zunächst völlig in Ordnung.
Darf der Hund mit in den Innenbereich?
Hier liegt eine der häufigsten Überraschungen.
Nicht automatisch.
Auf vielen Fähren dürfen Hunde nicht in Restaurants, Bars oder andere allgemeine Passagierbereiche. Teilweise gibt es spezielle Bereiche für Reisende mit Haustieren, teilweise müssen Hunde auf dem Außendeck bleiben. Spezielle Haustierkabinen können eine Ausnahme sein.
Das sollte man vor der Fahrt wissen.
Denn wer mit Hund und einem kleinen Kind unterwegs ist, möchte vielleicht irgendwann etwas essen. Und wer bei schlechtem Wetter drei Stunden auf dem Außendeck verbringen soll, findet die romantische Idee einer Seereise plötzlich weniger romantisch.
Bei der Buchung deshalb nicht nur fragen, ob Hunde erlaubt sind. Fragen, wo der Hund während der Überfahrt tatsächlich sein darf.
Das ist ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung.
Die Hundekabine kann Gold wert sein
Bei längeren Überfahrten lohnt sich eine spezielle Haustierkabine.
Sie kostet meist mehr als eine normale Überfahrt, kann die Reise aber deutlich entspannter machen. Besonders für Hunde, die mit vielen Menschen, Lärm oder wechselnden Reizen schlecht zurechtkommen, ist ein eigener Rückzugsort angenehm.
Solche Kabinen sind allerdings nicht auf jeder Strecke vorhanden und häufig nur in begrenzter Zahl verfügbar. Früh buchen kann deshalb sinnvoll sein.
Für eine kurze Überfahrt von einer halben Stunde würde ich dagegen nicht automatisch eine Kabine buchen.
Da kann ein ruhiger Platz an Deck völlig ausreichen.
Was sollte der Hund dabei haben?
Viel braucht der Hund auf einer Fährfahrt eigentlich nicht.
Aber ein paar Dinge würde ich nicht zu Hause lassen:
Das Handtuch ist dabei kein überflüssiger Luxus.
Auf einem Schiff kann es erstaunlich nass werden.
Und ein Hund, der gerade noch sauber war, hat eine besondere Begabung dafür, genau die eine Pfütze auf dem Deck zu finden.
Vor der Abfahrt noch einmal lösen lassen
Das klingt banal, gehört aber zu den Dingen, die eine Fährfahrt deutlich angenehmer machen.
Vor dem Einchecken sollte der Hund noch einmal ausreichend Gelegenheit bekommen, sich zu lösen. Bei längeren Überfahrten sollte man sich außerdem vorher informieren, wo Hunde während der Fahrt ihre Geschäfte verrichten dürfen.
Nicht jede Fähre bietet dafür dieselben Möglichkeiten.
Und auf einem Schiff ist „Wir gehen einfach mal kurz raus“ natürlich etwas anderes als zu Hause.
Was ist mit Übelkeit?
Manche Hunde reagieren auf die Bewegung des Schiffes mit Übelkeit.
Das lässt sich nicht immer vorhersehen. Ein Hund, der problemlos Auto fährt, muss eine Fähre nicht automatisch genauso gut vertragen. Umgekehrt kann ein Hund, dem im Auto regelmäßig schlecht wird, die Schiffsreise durchaus gut überstehen.
Vor der Abfahrt würde ich deshalb keine große Mahlzeit geben.
Wasser sollte natürlich zur Verfügung stehen.
Wenn der Hund bereits häufiger unter Reisekrankheit leidet, kann man vor der Reise mit dem Tierarzt besprechen, ob und welche Behandlung sinnvoll ist. Auf eigene Faust irgendwelche Medikamente zu geben, ist keine gute Idee.
Nicht jeder Hund muss die Fähre lieben
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.
Es gibt Hunde, die nach zehn Minuten entspannt auf ihrer Decke liegen und aufs Wasser schauen.
Und es gibt Hunde, die nach zehn Minuten noch immer versuchen herauszufinden, warum die Erde plötzlich schaukelt.
Man sollte den Hund deshalb nicht ständig zum Kontakt mit dem Wasser, zur Reling oder zu anderen Menschen drängen. Ein Rückzugsort und etwas Ruhe helfen meistens mehr als Beschäftigungsprogramm.
Gerade Welpen können von den vielen neuen Eindrücken schnell müde werden.
Dann ist Schlaf wahrscheinlich die beste Beschäftigung.
Bei Auslandsreisen wird es wichtiger
Wer mit der Fähre ins Ausland fährt, muss zusätzlich die Einreisebestimmungen des Ziellandes beachten.
Innerhalb der EU braucht der Hund grundsätzlich einen gültigen EU-Heimtierausweis. Darin sind unter anderem die Identifikation des Tieres und die Tollwutimpfung dokumentiert. Für Reisen in bestimmte Länder können zusätzliche Anforderungen gelten.
Das sollte man nicht am Vorabend der Abfahrt überprüfen.
Vor allem bei der Tollwutimpfung gibt es Vorgaben, die bei einer kurzfristig geplanten Reise problematisch werden können.
Der EU-Heimtierausweis ist dabei kein „Fährpass“. Er betrifft die Einreise beziehungsweise den Grenzübertritt. Die Reederei kann zusätzlich eigene Regeln für die Beförderung des Hundes haben.
Beides muss passen.
Die Fähre ist kein Hundespielplatz
So schön ein Außendeck sein kann: Auf einer Fähre gelten andere Regeln als auf einer Hundewiese.
Der Hund sollte nicht zu anderen Tieren hingelassen werden, nur weil sie sich gerade interessant beschnuppern. Auch Begegnungen mit fremden Menschen sollte man kontrolliert halten.
Ein Schiff bietet wenig Möglichkeiten, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen.
Das gilt besonders für ängstliche oder reaktive Hunde.
Ein bisschen Abstand ist deshalb oft die freundlichste Lösung für alle Beteiligten.
Und wenn der Hund Angst bekommt?
Dann hilft meistens weniger, als man zunächst denkt.
Nicht hektisch werden. Nicht ständig beruhigend auf den Hund einreden. Nicht aus jeder Unruhe ein großes Ereignis machen.
Ein ruhiger Mensch, eine sichere Leine und ein möglichst geschützter Platz können schon viel bewirken.
Wenn der Hund sich hinter seinem Menschen verstecken möchte, darf er das.
Wenn er sich lieber hinlegt, ebenfalls.
Und wenn er die gesamte Überfahrt verschläft, hat er die Sache vermutlich besser verstanden als mancher menschliche Passagier.
Eine Fährfahrt kann sogar eine gute Übung sein
Für einen Hund, der mit neuen Situationen gut zurechtkommt, ist eine kurze Fährfahrt eine interessante Erfahrung.
Neue Geräusche. Andere Untergründe. Wind. Wasser. Menschen. Fahrzeuge. Warten.
Das alles lässt sich erleben, ohne dass daraus gleich ein großes Abenteuer gemacht werden muss.
Für einen Welpen würde ich allerdings keine möglichst lange Fährfahrt als erste Begegnung wählen.
Eine kurze Strecke ist zum Kennenlernen deutlich angenehmer.
Wenn es gut funktioniert, kann man beim nächsten Mal eine längere Reise planen.
Mein Fazit
Mit dem Hund auf der Fähre zu fahren ist meistens unkomplizierter, als es zunächst klingt.
Der entscheidende Fehler wäre nur, die Sache zu sehr zu vereinfachen.
„Hunde sind erlaubt“ bedeutet nicht automatisch, dass der Hund überall an Bord mitkommen darf.
Deshalb vorher die Reederei prüfen, den Hund bei der Buchung anmelden und klären, wo er während der Überfahrt bleiben darf. Leine und gegebenenfalls Maulkorb gehören ins Gepäck. Bei Auslandsreisen kommen die Einreisevorschriften des Ziellandes dazu.
Und dann?
Leine einhaken, Wasser einpacken und dem Hund ein wenig Zeit geben.
Vielleicht steht er am Anfang noch etwas ratlos auf dem Deck.
Vielleicht schaut er aufs Wasser.
Vielleicht schaut er auch nur seinen Menschen an, als wollte er sagen:
„Du hast gesagt, wir fahren in den Urlaub. Von Schiffen war keine Rede.“
Spätestens nach der ersten ruhigen Überfahrt ist das Thema für viele Hunde erledigt.
Die Fähre fährt weiter.
Und der Hund schläft.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

