Die 5 Stufen der Welpen-Müdigkeit: Wenn aus Spielen plötzlich Schlafen wird

Ein Welpe liegt auf dem Teppich und schläft.
Vor zehn Minuten sah es noch ganz anders aus. Da flog ein Spielzeug durch die Gegend, ein Schuh wurde untersucht, der Teppich hatte offenbar eine persönliche Beleidigung ausgesprochen und der Welpe drehte seine Runden durch die Wohnung.
Dann war Schluss.
Solche Szenen gehören zum Alltag mit einem jungen Hund. Müdigkeit sieht bei einem Welpen nicht immer nach Müdigkeit aus. Manchmal wird er ruhiger. Manchmal wird er unkonzentriert. Und manchmal dreht er erst einmal richtig auf.
Die folgenden fünf Stufen sind keine wissenschaftliche Einteilung, sondern typische Situationen, die viele Welpenbesitzer beobachten können. Nicht jeder Welpe durchläuft sie in dieser Reihenfolge.
1. Die Konzentration lässt nach
Am Anfang ist es noch leicht zu übersehen.
Der Welpe spielt, schnüffelt oder übt gerade etwas mit seinem Menschen. Dann lässt die Aufmerksamkeit nach. Er wechselt häufiger die Beschäftigung, setzt sich hin oder legt sich kurz ab.
Ein bekanntes Signal funktioniert plötzlich nicht mehr so zuverlässig wie vor einer halben Stunde.
Das muss kein Trainingsproblem sein. Ein junger Hund kann sich nicht unbegrenzt konzentrieren. Nach aufregenden Situationen braucht er Zeit, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.
Jetzt ist häufig ein guter Zeitpunkt für eine Pause.
Nicht noch schnell ein neues Spiel.
Nicht noch fünf Wiederholungen.
Einfach Ruhe.
2. Aus dem Welpen wird ein kleiner Unruhestifter
Wenn die Müdigkeit weiter zunimmt, kann das Verhalten ins Gegenteil umschlagen.
Der Welpe läuft ziellos durch die Wohnung, knabbert an Dingen, die ihn bisher nicht interessiert haben, schnappt nach Kleidung oder fordert immer wieder zum Spielen auf.
Für den Menschen sieht das nach Energie aus.
Deshalb kommt schnell der Gedanke: Der Hund muss noch ausgelastet werden.
Das kann ein Fehler sein.
Natürlich brauchen Welpen Bewegung, Spiel und Beschäftigung. Aber ein Hund, der bereits viele Eindrücke hatte und nicht mehr zur Ruhe kommt, wird durch noch mehr Programm nicht unbedingt entspannter.
Manchmal braucht er schlicht eine Pause.
3. Die „dollen 5 Minuten“
Jetzt wird es laut und schnell.
Der Welpe rennt durch den Flur, dreht eine Runde durchs Wohnzimmer, springt aufs Sofa, wieder herunter und startet die nächste Runde.
Diese „dollen 5 Minuten“ gibt es tatsächlich häufig. Der Ausdruck ist allerdings keine Bezeichnung aus der Verhaltensforschung.
Solche wilden Phasen können ganz unterschiedliche Gründe haben: überschüssige Energie, Aufregung, Freude am Spiel oder auch Überreizung und Müdigkeit.
Deshalb sollte man nicht jedes wilde Herumrennen automatisch als Müdigkeit deuten.
Interessant ist vielmehr, was danach passiert.
Kommt der Welpe nach kurzer Zeit von selbst zur Ruhe? Dann kann die Aufregung einfach vorbei sein. Findet er dagegen überhaupt keinen Weg mehr aus dem Zustand heraus, lohnt es sich, die Reize zu reduzieren und ihm eine ruhige Pause anzubieten.
4. Plötzlich funktioniert gar nichts mehr
Der Welpe kennt seinen Namen.
Er kennt vielleicht schon „Sitz“.
Und gestern hat das alles noch funktioniert.
Heute scheint davon nichts übrig zu sein.
Er reagiert verspätet, lässt sich leicht ablenken und springt von einer Sache zur nächsten. Gerade dann wird manchmal zu viel trainiert, weil der Mensch glaubt, der Welpe müsse das Gelernte noch einmal üben.
Dabei ist Lernen kein Knopfdruck.
Wenn ein Welpe müde oder überreizt ist, kann seine Aufmerksamkeit deutlich schlechter sein. Dann bringt eine weitere Trainingseinheit oft wenig.
Ein einfacher Test ist manchmal hilfreicher: Beschäftigung beenden, Umgebung ruhiger machen und abwarten.
Wenn der Welpe kurz darauf einschläft, war die Trainingslücke wahrscheinlich keine Lücke im Training.
5. Einschlafen, wo man gerade steht
Und dann geht es erstaunlich schnell.
Der Welpe liegt plötzlich unter dem Tisch, auf dem Teppich oder neben seinem Spielzeug und schläft.
Manche Welpen schlafen tatsächlich mitten in einer Aktivität ein. Andere suchen sich vorher noch ihren Platz.
Junge Hunde brauchen sehr viel Schlaf und Ruhe. Wie viel genau, hängt unter anderem vom Alter und vom einzelnen Hund ab. Ein Welpe, der nach einem aufregenden Vormittag mehrere Stunden schläft, muss deshalb nicht „faul“ sein.
Schlaf gehört zur normalen Entwicklung.
Deshalb sollte ein Welpe auch einen Ort haben, an dem er wirklich schlafen kann, ohne ständig gestört zu werden.
Die wilden fünf Minuten sind kein eindeutiger Müdigkeitsbeweis
Hier liegt eine typische Falle.
Wer einmal gelesen hat, dass überdrehte Welpen müde sein können, sieht anschließend vielleicht hinter jedem wilden Sprint den Wunsch nach einem Nickerchen.
So einfach ist es nicht.
Ein Welpe kann herumrennen, weil er spielen möchte. Er kann sich über einen Besucher freuen, nach dem Spaziergang aufgedreht sein oder gerade einfach seine Energie loswerden.
Müdigkeit ist nur eine mögliche Erklärung.
Deshalb hilft es, auf den Zusammenhang zu achten. Wie lange war der Welpe bereits wach? Was ist vorher passiert? Gab es Besuch, Training, Autofahrt, Spaziergang oder viele neue Eindrücke? Und findet er anschließend wieder in die Ruhe?
Das Gesamtbild ist aussagekräftiger als die einzelne wilde Minute.
Manchmal ist weniger tatsächlich mehr
Wer einen Welpen beschäftigt, meint es meistens gut.
Ein Spaziergang, ein Suchspiel, etwas Training und zwischendurch noch ein bisschen Toben können sich schnell zu einem ziemlich vollen Tagesprogramm summieren.
Der Welpe kann dabei sogar zufrieden wirken – und später trotzdem völlig überdrehen.
Deshalb gehört zur Welpenerziehung nicht nur die Frage, was der Hund lernen soll. Er muss auch lernen, dass nach Aktivität wieder Ruhe folgt.
Das bedeutet nicht, einen Welpen den ganzen Tag schlafen zu lassen. Er braucht Bewegung, Erkundung, Spiel, Sozialkontakt und passende Beschäftigung.
Aber eben auch Pausen.
Und manchmal erkennt man den richtigen Zeitpunkt daran, dass der kleine Wirbelwind gerade noch durch die Wohnung schießt und fünf Minuten später quer auf dem Teppich liegt.
Dann ist Training für heute vermutlich keine besonders gute Idee mehr.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

