Der Dackel

Ein Dackel weiß ganz genau, was er will – und lässt es seinen Menschen auch jederzeit wissen.

Es gibt Hunde, bei denen reicht ein Blick und man weiß, wer hier das Sagen hat.

Beim Dackel ist das etwas komplizierter.

Hunderasse Dackel

Der Dackel schaut einen nämlich an, wenn man ihm etwas sagt. Das ist schon mal gut. Man könnte daraus allerdings den falschen Schluss ziehen, er habe auch vor, das Gesagte umzusetzen.

Hat er nicht unbedingt.

Manchmal überlegt er noch.

Und manchmal hat er längst beschlossen, etwas ganz anderes zu tun.

Das ist vermutlich einer der Gründe, warum Dackel ihre Menschen so zuverlässig um den Finger wickeln. Sie sind klein, sehen mit ihren kurzen Beinen und dem langen Körper irgendwie aus, als hätte man beim Hundebau ein paar Teile übrig gehabt – und trotzdem treten sie auf, als müssten sich alle anderen erst einmal vorstellen.

Lustiges Coomicbild das den Charakter vom Dackel beschreibt

Ein Spaziergang ist beim Dackel keine Abstimmung

Nehmen wir einen ganz normalen Spaziergang.

Der Mensch geht los und hat eine Vorstellung davon, wo es hingehen soll. Der Dackel hat ebenfalls eine Vorstellung. Das Problem: Es sind nicht immer dieselben Vorstellungen.

Da ist zum Beispiel dieser eine Busch.

Der Dackel kennt ihn.

Der Mensch kennt ihn inzwischen auch.

Der Dackel muss trotzdem hin.

Schnuppern. Links herum. Rechts herum. Noch einmal zurück. Ein kurzer Blick zum Menschen, der mittlerweile etwas ungeduldig geworden ist.

„Komm jetzt.“

Der Dackel hört das.

Er tut nur nichts.

Das kann einen zur Verzweiflung bringen, wenn man versucht, einen Dackel wie einen Hund zu behandeln, der einfach nur auf Befehle wartet. Denn genau dafür wurde er ursprünglich nicht gezüchtet.

Der Dackel sollte eigenständig arbeiten. Er wurde vor allem für die Jagd im Bau eingesetzt und musste dort Entscheidungen treffen, ohne dass der Jäger ihm ständig sagen konnte, was er als Nächstes zu tun hatte.

Das erklärt einiges.

Vielleicht ist das vermeintliche „Stur-Sein“ also gar keine Sturheit.

Vielleicht ist es Berufserfahrung.

Kurze Beine sind kein Grund für Bescheidenheit

Besonders schön wird es, wenn ein Dackel einem wesentlich größeren Hund begegnet.

Man kennt diese Situationen.

Da kommt ein Hund entgegen, der ungefähr das Dreifache wiegt. Ein ausgewachsener Dackel könnte nun durchaus zu dem Schluss kommen, dass man die Sache entspannt angehen sollte.

Der Dackel kommt zu einem anderen Ergebnis.

Er stellt sich hin.

Er schaut.

Und dann wird unter Umständen erst einmal geklärt, wer hier eigentlich wem entgegenkommt.

Der große Hund ist meistens ziemlich überrascht.

Der Dackel nicht.

Der hatte offenbar schon vorher einen Plan.

Manchmal fragt man sich deshalb, ob Dackel überhaupt wissen, wie groß sie sind.

Wahrscheinlich wissen sie es.

Es interessiert sie nur nicht.

Vom Jagdhund zum Familienhund

Dabei hat sich das Leben des Dackels gewaltig verändert.

Früher ging es in den Bau, heute geht es zum Tierarzt, zum Bäcker oder einmal um den Block. Statt Fuchs oder Dachs wartet hinter dem nächsten Busch vielleicht ein anderer Hund.

Die Aufgabe ist also eine andere geworden.

Der Charakter ist geblieben.

Und genau das macht den Dackel interessant. Er ist eben nicht der kleine Hund, den man sich anschafft, weil er wenig Platz braucht und niedlich aussieht.

Ein Dackel kann ziemlich beschäftigt sein wollen.

Er möchte schnüffeln, suchen, beobachten und möglichst herausfinden, was gerade irgendwo passiert. Wer ihn nur körperlich auslasten will, wird auf Dauer wahrscheinlich keinen besonders zufriedenen Dackel haben.

Ein bisschen Kopf darf also auch dabei sein.

Suchspiele, Nasenarbeit oder kleine Aufgaben sind oft wesentlich interessanter als zehnmal denselben Ball zu werfen.

Wobei man auch beim Ballwerfen vorsichtig sein kann.

Man muss ja nicht ausgerechnet aus einem Dackel einen Hochleistungsspringer machen.

Der lange Rücken ist kein Witz

Über den langen Rücken wird beim Dackel gerne gescherzt.

„Der ist ja doppelt so lang wie hoch.“

Stimmt ungefähr.

Nur sollte man darüber nicht vergessen, dass diese Körperform auch ihre Schattenseiten hat. Dackel haben ein erhöhtes Risiko für Bandscheibenprobleme, insbesondere für die sogenannte Dackellähme beziehungsweise Bandscheibenerkrankung.

Deshalb gehört ein vernünftiges Körpergewicht zu den wichtigsten Dingen, die ein Dackelhalter beeinflussen kann.

Ein paar Gramm zu viel sieht man bei einem kleinen Hund schneller, als man denkt.

Und auch wenn ein Dackel sehr gerne irgendwo herunter- oder hinaufspringt, muss man nicht jeden Sprung zur täglichen Sportveranstaltung machen.

Das bedeutet nicht, dass der Dackel auf dem Sofa sitzen und sich nicht mehr bewegen darf.

Ganz im Gegenteil.

Er braucht Bewegung.

Nur eben vernünftige.

Und dann kommt die Erziehung

Beim Dackel scheitern manche Menschen nicht daran, dass der Hund nichts lernen könnte.

Sie scheitern daran, dass der Hund sehr genau weiß, was er gelernt hat – und gelegentlich entscheidet, ob er es gerade für sinnvoll hält.

Das ist ein Unterschied.

Klare Regeln helfen. Konsequenz ebenfalls. Und natürlich Geduld.

Was weniger gut funktioniert: heute etwas verbieten, morgen darüber lachen und übermorgen wieder verbieten.

Der Dackel wird sich das merken.

Nicht nur das Verbot.

Auch die Ausnahme.

Vor allem die Ausnahme.

Hat er einmal herausgefunden, dass ein bestimmtes Verhalten irgendwann doch zum Erfolg führt, wird er diese Information nicht freiwillig aus seinem Gedächtnis entfernen.

Warum sollte er auch?

Drei Dackel, drei Charaktere

Wer glaubt, alle Dackel seien gleich, muss sich nur einmal mehrere anschauen.

Es gibt den gemütlichen Dackel, der am liebsten in Reichweite seines Menschen liegt.

Es gibt den kleinen Jagdinspektor, der beim Spaziergang jeden Grashalm persönlich kontrolliert.

Und es gibt den Dackel, der offensichtlich der Meinung ist, dass die Wohnung ohne ihn nicht ausreichend bewacht wird.

Dann gibt es Kurzhaar, Langhaar und Rauhaar.

Und natürlich jede Menge unterschiedliche Farben und Erscheinungen.

Am Ende bleibt trotzdem etwas typisch Dackeliges.

Dieser Blick.

Diese Mischung aus Aufmerksamkeit und Skepsis.

Man sagt etwas und bekommt einen Gesichtsausdruck zurück, der ungefähr bedeutet:

„Ich habe dich verstanden. Wir müssen trotzdem noch darüber reden.“

Warum man sich trotzdem immer wieder für einen Dackel entscheidet

Vielleicht gerade deswegen.

Der Dackel ist kein Hund, der einfach nur dabei ist. Er mischt sich ein.

Er hat seine Meinung.

Er hat seinen eigenen Kopf.

Und er schafft es erstaunlich zuverlässig, dass man ihm Dinge verzeiht, über die man sich bei einem anderen Hund wahrscheinlich ärgern würde.

Man kann einem Dackel beim Schlafen zuschauen und sich fragen, wie dieser kleine Kerl eigentlich den ganzen Tag so viel Energie entwickeln konnte.

Und dann öffnet er ein Auge.

Nur eines.

Als wollte er kontrollieren, ob man noch da ist.

Manchmal steht er anschließend auf und geht.

Ohne ersichtlichen Grund.

Vielleicht hat er etwas gehört.

Vielleicht hat er einen Plan.

Vielleicht muss er nur nachsehen, ob die Küche noch an ihrem Platz steht.

Beim Dackel weiß man das nie so genau.

Aber genau darin liegt sein Reiz.

Er ist kein Hund für Menschen, die unbedingt alles kontrollieren wollen.

Er ist ein Hund für Menschen, die bereit sind, sich auf einen ziemlich eigenwilligen kleinen Charakter einzulassen.

Und wer einmal einen Dackel hatte, kennt wahrscheinlich die wichtigste Regel überhaupt:

Der Dackel gehört zur Familie.

Wer allerdings genau bestimmt, was die Familie zu tun hat, ist eine andere Frage.

Infografik zur Hunderasse Dackel
Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Gründer von welpen.de (1997) und Hauptautor der Plattform seit 1997. Seine Hunde-Artikel verbinden fast 35 Jahre persönliche Erfahrung in der Hundehaltung mit sorgfältiger Quellenrecherche und journalistischer Redaktion.