Aufzucht unserer Welpen

 

2.1 Die ersten drei bis vier Wochen von der Geburt an

In einem Wolfsrudel verpaart sich grundsätzlich nur die ranghöchste Wölfin mit dem Leitwolf !

Dieses Verhalten hat für die Spezies Wolf evolutionsbedingt ganz klare Vorteile: Da das Wolfsrudel sich durch die gemeinsame Jagd ernährt, würden durch mehrere Würfe in einem Rudel die säugenden Hündinnen gebunden und könnten nur bedingt an der Jagd teilnehmen.

© Alexander von Düren - Fotolia.com
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Durch mehrere gleichzeitige Würfe würde das Rudel zu groß und die Nahrungsrecourcen im Umfeld knapp, was durch größere Jagdreviere -weitere Wege, weniger jagdbares Wild pro Fläche usw.- nicht kompensiert werden kann.

Also muss die Strategie für den Fortbestand eine andere sein: nicht die Masse an Nachkommen am oberen Ende der Nahrungspyramide darf entscheidend sein, sondern die „Klasse“ der Nachkommenschaft, deren optimaler Schutz, Herbeischaffung von genügend Nahrung und nicht zuletzt die gemeinsame Erziehung und Schulung in und durch die gesamte Gruppe.

Die „Klasse“, also das optimale Vererben bester Genstrukturen ist dabei durch die Verpaarung nur der beiden „stärksten“und das Rudel führenden Tiere gewährleistet.

Rangniedere Rudelmitglieder werden mithin zur Sicherung des Fortbestandes der Gruppe erbarmungslos in der Fortpflanzung unterdrückt !

Da der Hund vom Wolf abstammt, sind viele seiner Verhaltensweisen auf seinen Urahn zurückzuführen. Wenn also ein Züchter mehrere Hunde besitzt und mit ihnen züchtet und diese Tiere natürlich und zwangsläufig ein Rudel mit entsprechenden Rangstellungen bilden, muss er wissen, dass er bei der Verpaarung rangniederer Tiere gegen den Verhaltenskodex des Rudels verstößt und regulativ zum Schutz und Wohlergehen der Hündin und mithin der Welpen eingreifen muss.

Alaskan Malamute
Alaskan Malamute

Aus unseren Erfahrungswerten ist es nun nicht so, dass die tragende Hündin ausgesondert wird, im Gegenteil, sie steigt oftmals in der Rangordnung. Das Problem beginnt erst nach dem Werfen!

Während unsere Alpha-Hündin die Annäherung der anderen Rudelmitglieder zuläßt und die Welpenkiste sehr früh und öfter verläßt, um am allgemeinen Geschehen beteiligt zu sein, verlassen die rangniederen Hündinnen die Wurfkiste nur unter „Protest“ zum Verrichten der Notdurft und das Welpenzimmer wird gegen die anderen Hunde vehement verteidigt, da diese versuchen würden, ihr den Wurf wegzunehmen.

Damit die Mutterhündin keinen Stress hat und sich in aller Ruhe ihrem Wurf widmen kann, wird sie zum Werfen in das Zimmer unserer Tochter im oberen Stockwerk unseres Hauses gebracht und ist in den ersten 3 bis 4 Wochen separiert von den anderen Rudelmitgliedern unter ständiger Aufsicht.

In dieser Phase wird auch ein intensiver Kontakt des Menschen zu den Welpen aufgebaut, sei es nun beim täglichen Wiegen, dem Wechseln der Unterlagen oder einfach nur dem Streicheln und „in der Hand halten“ der „süßen Fellknäuel“!

2.2 Die vierte bis maximal sechste Woche im Welpenauslauf

In der Regel wird es der Hündin spätestens am Ende der dritten Woche „langweilig“ und sie will immer öfter kurzzeitig am Rudelgeschehen teilhaben. Dies ist der Zeitpunkt des „Umzuges“ in die untere Etage in ein eigenes Welpenzimmer mit einem kleinen Welpenauslauf. Man könnte diese Phase auch als „erste Integrationsphase“ innerhalb der Prägungsphase -nach Trumler- benennen.

© foto_design - Fotolia.com
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Diese Phase ist sehr vielschichtig. Zu Anfang dieser Phase ist die Tür zum Welpenzimmer natürlich noch verschlossen, da die Mutterhündin immer noch ihre Welpen vehement verteidigt. Trotzdem nehmen Hündin und erstmals die Welpen indirekt am Rudelleben mittels Geruchs- und Gehörsinn teil.

Gleichzeitig wird mit zunehmender Bewegungskoordination der Welpen die schützende Höhle -Welpenkiste- verlassen und somit erstmals der Umgebungshorizont erweitert. Außerdem werden die Welpen in dieser Phase erst über in Schälchen dargereichte Welpenmilch, dann über Welpenmilch und speziellem Welpenfutter zugefüttert um einerseits die säugende Hündin zu entlasten und andererseits die Welpen an feste Nahrung zu gewöhnen.

Im Laufe dieser Phase läßt die Hündin früher oder später den Kontakt der anderen Rudelmitglieder zu ihren Welpen zu. Die Zimmertüre bleibt ab dieser Zeit ständig geöffnet, wobei meist die jüngeren Rudelmitglieder des öfteren in den Welpenauslauf springen, um mit den Welpen zu spielen.

2.3 Die sechste bis achte Woche

Spätestens am Ende der fünften Woche ist der Bewegungsdrang und auch die Neugier der Welpen so groß, dass sie nicht mehr im Welpenauslauf zu halten sind, was sich auch durch unüberhörbares Winseln und Jaulen bemerkbar macht. Hiermit beginnt die „zweite Integrationsphase“ innerhalb der Prägungsphase.

Der Welpenauslauf wird geöffnet und die Welpen können nun frei entscheiden, ob und wann sie die ihnen vertraute und Sicherheit gebende Umgebung verlassen wollen. Die ersten „Ausflüge“ sind in der Regel nur kurz und oftmals müssen die sich in der „Weitläufigkeit“ des Wohnzimmers verirrten und dann jämmerlich klagenden Welpen in ihre sichere „Höhle“ zurückgebracht werden.

Mit jedem erneuten Ausflug gewinnen die Welpen -der eine früher, der andere später- an Sicherheit und die neue Umgebung wird immer systematischer erkundet bis hin zu einem kleinen abgezäunten Teil des Gartens.

Die Welpenkiste wird mittelfristig nur noch zum schlafen aufgesucht und in fortgeschrittenem Alter gar nicht mehr, da die Welpen nunmehr in das Rudel vollends integriert sind. Wie im Wolfsrudel genießen sie absolute Narrenfreiheit, spielen, sich wechselseitig animierend, mit unseren jüngeren Hunden und werden für die älteren Hündinnen und in erster Linie unseren Leitrüden zur absoluten Landplage, vor der diese sich nur auf dem Sofa in Sicherheit bringen können, da hier die Quälgeister noch nicht hochkönnen.

Auch unser „Minischwein“ (mittlerweile ca 35 Kg mit steigender Tendenz!) ist vor dieser „Bande“ nicht sicher und wird, wenn es nicht gerade geärgert wird, als hervorragende „Wärmflasche“ zur Schlafenszeit missbraucht

Schweine haben eine sehr warme Unterseite, da sie wie Hunde nicht über ihre Haut transpirieren-. Es ist hierbei immer wieder erstaunlich, mit welch stoischer Ruhe das Schwein die Querelen über sich ergehen lässt und wie vorsichtig, teilweise geradezu zärtlich, sie mit den Welpen umgeht, obwohl ein einziger Biss den Welpen sofort töten könnte.

Die Welpenkiste und Auslauf werden spätestens zum Ende der siebten Woche nicht mehr benötigt und die Tür zum Welpenzimmer wieder geschlossen -und endlich ist das Bügelzimmer wieder frei!-.

2.4 Die Sozialisierungsphase von der neunten bis Ende der zwölften Woche

Ziemlich genau ab der neunten Woche verändert sich das Verhalten des Rudels gegenüber den Welpen. Mittlerweile ist das ganze Grundstück -ca 3000 Quadratmeter- mit Pferdestallung/-ausläufen von den Welpen okkupiert, wobei sie stets unter Beobachtung und Aufsicht von mehreren älteren Tieren sind. Während sie bisher Narrenfreiheit genossen, werden sie jetzt zuerst spielerisch durch die Althunde in ihre Schranken verwiesen .

© zuzule - Fotolia.com
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Hierbei wird z.B. der Kopf des Welpen mit dem Fang auf den Boden gedrückt, oftmals mit einem „Biss“ ins Halsfell und angedeutetem „Totschütteln“.

Ein anderes Mal wird dem auf dem Rücken liegenden Welpen andeutungsweise in die Kehle gebissen oder er wird einfach mit der Gewichtsmasse des Althundes begraben. Auch ein gezieltes Überrennen der Welpen, wobei diese quasi über die Wiese gekugelt werden, gehört zum Verhaltensrepertoire der Unterwerfung.

Ein „Sieg“ der Welpen durch heftige Gegenwehr oder Gegenangriff des Welpen wird in keinem Falle zugelassen. Erst wenn sich der Welpe mit heruntergelassenem Schwanz trollt, lässt der Althund von ihm ab. Sekunden später schüttelt sich der Welpe und der Schwanz ist wieder oben.

Je stärker ein Welpe in seinem Wurf ist und je stärker er sich bei diesen „Angriffen“ wehrt, umso öfter und rüder wird dieses Verhaltensmuster an ihm vollzogen, bis er endlich durch Gestik und Mimik zeigt, dass er seine Lektion gelernt hat, die höhere Rangstellung der Althunde akzeptiert und sich unterordnet.

Das hierbei erzieherisch gelernte – und nicht vererbte- Verhalten wird dann wiederum von den Welpen innerhalb der Welpengruppe spielerisch angewandt und in Rangordnungskämpfe umgesetzt, wobei immer abwechselnd einer der Ranghöhere/-niedere ist, sich also keine endgültige Rangordnung herauskristallisiert.

Mit zunehmendem Alter der Welpen werden die „hündischen Benimmregeln“ immer rigoroser eingefordert, wobei dem alpha-Rüden nach unserer Erfahrung eine besondere Rolle zukommt: eine Verletzung der Benimmregeln, so klein sie auch sei -wir selbst bemerken sie gar nicht- wird sofort unbarmherzig und mit vollem Einsatz bestraft, ohne dabei den Welpen jedoch ernstlich zu verletzen.

Es gilt die Maxime: das gelernte Verhalten muss zum Wohle des Rudels manifestiert sein und eingehalten werden -der Urahn Wolf lässt heftigst grüßen!-

Die Sozialisierungsphase beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Erlernen bestimmter Verhaltensmuster durch das Rudel. Auch der Züchter ist in dieser Phase stark gefordert. Während das Rudel die tierische Seite repräsentiert, ist der Züchter in dieser Phase für den menschlichen Sozialisierungsfaktor verantwortlich.

Der Welpe muss begreifen, dass der Mensch zum Rudel quasi als „Überhund“ gehört, dem er einerseits absolut vertrauen kann und zu dem er im Gegensatz zur hirarchischen Struktur des Rudels eine partnerschaftliche und „freundschaftliche“ Beziehung aufbauen soll, in der jedoch der Mensch die Führung beansprucht.

Dieses Verhalten erlernt und übernimmt er auf der einen Seite durch das Verhalten der adulten Hunde gegenüber dem Menschen (Züchterfamilie) als auch durch eigene Erfahrungswerte mit dem Menschen (Züchter).

© Peter Atkins - Fotolia.com
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Eine Zwingerhaltung ohne Anbindung an den Menschen ist bei kleineren Rassen daher von vornherein kategorisch auszuschließen. Bei großen Rassen ab 40 kg mag dies aus hygienischen Gründen -ein Wohnzimmer voller nächtlich gelegter 1kg schwerer Tretminen und riesiger Seenplatten möchte ich mir bei mir zuhause nun auch nicht vorstellen und zumuten- nicht möglich sein, daher sollte hier eine Zwingerhaltung maximal auf die Nachtstunden beschränkt werden.

Da wir eine Hundeklappe haben, lernen die Welpen am Verhalten der Althunde -und unserem Lob und Tadel, sofortigem Rausgehen nach den Welpenmahlzeiten etc.- recht schnell, dass man sich bitteschön draußen zu lösen hat. Auch der Umgang mit fremden Personen und Tieren und die freundliche Akzeptanz dieses Kreises ist von größter Wichtigkeit.

Der Besuch von Welpenkäufern und Freunden,der Kontakt zu Nachbars Hunden und Hühnern durch den Zaun wie auch das eigene Minischwein, Pferde etc. gehören hierbei mit zum Erziehungsprogramm.