Kurz gesagt: Freilauf funktioniert, wenn Ihr Hund auch ohne Leine auf Sie achtet und auf den Rückruf zuverlässig reagiert – auch dann, wenn etwas Spannendes passiert. Der Weg dorthin führt über sichere Grundsignale, Training an der Schleppleine und eine langsame Steigerung der Ablenkung. Wo Leinenpflicht gilt oder Wild in der Nähe ist, bleibt die Leine dran.

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Warum ein sicherer Freilauf wichtig ist
- Stabiler Grundgehorsam: Ein Hund, der zuverlässig auf Signale wie Sitz, Platz und den Rückruf reagiert, lässt sich auch in aufregenden Momenten ohne Leine gut lenken.
- Bindung stärken: Im Freilauf lernt Ihr Hund, sich freiwillig an Ihnen zu orientieren. Das stärkt die Beziehung zwischen Ihnen beiden.
- Entspanntere Spaziergänge: Bleibt Ihr Hund abrufbar, sinkt das Risiko, dass er wegläuft, auf die Straße rennt oder ungeplant auf fremde Hunde oder Wildtiere trifft.
Freilauf mit dem Welpen: die ersten Wochen nutzen
Viele Welpen bleiben in den ersten Wochen im neuen Zuhause von sich aus dicht bei ihren Menschen. Nutzen Sie diese Zeit: Lassen Sie Ihren Welpen in sicherer, eingezäunter Umgebung auch mal frei laufen und belohnen Sie ihn jedes Mal, wenn er zu Ihnen kommt oder sich nach Ihnen umschaut. Spätestens in der Pubertät wird die Welt spannender, und der Rückruf wird gern überhört. Dann ist eine Schleppleine die sichere Zwischenlösung. Wie viel Bewegung in welchem Alter passt, lesen Sie unter Bewegung für Welpen.
Vorbereitung: So legen Sie das Fundament
- Signale festigen: Sitz, Hier, Stopp und Platz sollten in ablenkungsarmer Umgebung zuverlässig klappen. Üben Sie zunächst im Haus oder im Garten.
- Impulskontrolle trainieren: Üben Sie in kurzen Einheiten, dass Ihr Hund kurz warten muss, bevor er ein Leckerli oder sein Spielzeug bekommt. Diese Geduld hilft ihm später auch draußen.
- Sicherer Ort: Beginnen Sie auf einem eingezäunten Gelände mit wenigen Reizen. Dort kann sich Ihr Hund frei bewegen, ohne dass er weglaufen kann.
Der Zwischenschritt: Training an der Schleppleine
- Schrittweise mehr Freiraum: Beginnen Sie mit einer Schleppleine von 5 bis 10 Metern. Ihr Hund hat mehr Platz, Sie behalten aber die Kontrolle. Befestigen Sie die Schleppleine immer am Brustgeschirr, nie am Halsband.
- Früh zurückrufen: Rufen Sie Ihren Hund, bevor sich die Leine strafft – und auch dann, wenn gerade gar nichts los ist. So wird der Rückruf zu etwas Alltäglichem und ist nicht nur mit dem Ende des Spaßes verbunden.
- Blickkontakt belohnen: Schaut Ihr Hund von sich aus zu Ihnen, loben Sie ihn oder geben Sie ihm ein Leckerli. So lohnt es sich für ihn, auf Sie zu achten.
Freifolge: Übungen für mehr Orientierung
- Richtungswechsel: Wechseln Sie beim Spaziergang ohne Leine oder mit lockerer Schleppleine immer wieder unangekündigt die Richtung. Folgt Ihr Hund Ihnen schnell, belohnen Sie ihn.
- Stopp üben: Bringen Sie Ihrem Hund ein klares Stopp-Signal bei, auf das er stehen bleibt. Klappt das, gibt es Lob oder eine Belohnung.
- Kleine Aufgaben einstreuen: Bitten Sie Ihren Hund ab und zu um ein Sitz oder Platz, und lassen Sie ihn danach wieder schnüffeln. So bleibt er bei Ihnen aufmerksam, ohne dass der Spaziergang zum Dauertraining wird.
Begegnungen mit anderen Hunden
- Abstand halten: Halten Sie zunächst Abstand, vor allem wenn der andere Hund angeleint ist oder unsicher wirkt. Beobachten Sie die Körpersprache beider Hunde, um Spannungen früh zu erkennen. Rufen Sie Ihren eigenen Hund zu sich, bevor er zu einem angeleinten Hund läuft.
- Kontakt nur nach Absprache: Wenn beide Menschen und beide Hunde es möchten, dürfen die Hunde kurz Kontakt aufnehmen. Lassen Sie sie dabei eher in Bewegung bleiben, statt sie frontal aufeinander zulaufen zu lassen.
- Alternative anbieten: Wird Ihr Hund zu aufdringlich, lenken Sie ihn mit einem Spiel, einer Suchaufgabe oder einem Signal um.
Begegnungen mit Menschen
- Leinenpflicht beachten: In manchen Gebieten, etwa in Naturschutzgebieten, in Parks oder während der Brut- und Setzzeit, gilt Leinenpflicht. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Gemeinde. Informieren Sie sich vorher – aus Rücksicht auf Wildtiere und auf Menschen, die Angst vor Hunden haben.
- Niemanden anspringen lassen: Kommen Ihnen Jogger, Radfahrer oder Kinder entgegen, holen Sie Ihren Hund rechtzeitig zu sich, an die Leine oder bei Fuß.
- Ruhiges Warten üben: Lassen Sie Ihren Hund neben sich sitzen, während andere Menschen vorbeigehen, und belohnen Sie ruhiges Verhalten.
Häufige Herausforderungen
- Jagdtrieb: Bemerkt Ihr Hund Wild oder eine frische Spur, greifen Sie früh ein – mit dem Rückruf oder einer Alternative wie einem Apportierspiel. Ein gut aufgebautes Abbruchsignal hilft zusätzlich. Bei jagdlich sehr interessierten Hunden bleibt die Schleppleine in wildreichen Gebieten oft die sicherere Wahl.
- Ressourcenverteidigung: Findet Ihr Hund unterwegs Futterreste oder etwas Spannendes, nehmen Sie es ihm nicht einfach weg. Üben Sie stattdessen das Tauschen und ein Aus-Signal. Mehr dazu lesen Sie unter Ressourcen-Verteidigung beim Hund.
- Geräusche und Umweltreize: Manche Hunde erschrecken bei lauten Geräuschen wie Fahrradklingeln oder Baustellenlärm. Gewöhnen Sie Ihren Hund behutsam und aus sicherem Abstand an solche Reize.

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Den Freilauf schrittweise ausbauen
- Anfangs kurz halten: Lassen Sie Ihren Hund am Anfang nur wenige Minuten frei laufen und nicht zu weit vorausgehen.
- Regelmäßig prüfen: Testen Sie immer wieder, ob Ihr Hund auf Pfiff, Rückrufsignal oder seinen Namen sofort reagiert. Lässt die Aufmerksamkeit nach, schränken Sie die Freiheit vorübergehend wieder ein.
- Ablenkung langsam steigern: Üben Sie nach und nach an belebteren Orten oder dort, wo öfter andere Hunde unterwegs sind.
Wichtige Tipps zum Schluss
- Geduld: Steigern Sie die Anforderungen in kleinen Schritten, damit Ihr Hund nicht überfordert wird.
- Pausen: Planen Sie genug Ruhephasen ein. Ein müder oder überforderter Hund hört schlechter.
- Abwechslung: Bauen Sie Schnüffelspiele, kleine Tricks oder ein gemeinsames Wettrennen ein. Dann macht das Training Ihnen beiden Spaß.
Ein sicherer Freilauf braucht Zeit, Geduld und viel Übung. Bauen Sie die wichtigsten Signale solide auf, nutzen Sie anfangs die Schleppleine und denken Sie bei Begegnungen voraus. Dann kann Ihr Hund auch ohne Leine entspannt und aufmerksam bei Ihnen bleiben.

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Weitere Informationen zu Freilauf und Hundebegegnungen finden Sie zum Beispiel hier:
- Hundeerziehung.de: Von der Leine lassen – So trainierst du den Freilauf
Anleitung vom Training an der Schleppleine bis zum Freilauf. - TASSO (Knigge für Hundebegegnungen)
Tipps für entspannte Begegnungen mit anderen Hunden und ihren Menschen. - Tractive: Freilauftraining mit Hund – so klappt es
Schritt-für-Schritt-Tipps zum Freilauftraining und zur Schleppleine. - Martin Rütter: Regeln, um deinen Hund frei laufen zu lassen
Zwölf Regeln des Hundetrainers für den Freilauf (stern.de, 2019).
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.
