Auf einen Blick: Grannen sind spitze, oft widerhakige Pflanzenteile von Gräsern und Getreide. Sie können sich leicht im Fell festsetzen und bei entsprechender Form in Haut oder Körperöffnungen eindringen.
Ihre Form und die Widerhaken können dazu führen, dass sie sich immer weiter in Fell oder Gewebe vorarbeiten, statt von selbst wieder herauszufallen
Besonders häufig problematisch sind Pfoten-Zwischenräume, Ohren, Nase und Augen. Auch Achseln, Leisten und andere dünn behaarte Hautbereiche können betroffen sein.
Von Klaus Neumann · Veröffentlicht: 14. August 2026 · Aktualisiert: 16. August 2026

Warum gerade August und September
Die Grannen-Saison fällt in Deutschland vor allem in die warmen und trockenen Monate. Je nach Region, Wetter und Pflanzenart kann sie bereits im späten Frühjahr beginnen und bis in den Herbst reichen.
Besonders aufmerksam sollten Hundehalter während der trockenen Sommermonate sein. Wenn Gräser und Getreidepflanzen ausreifen und ihre Samenstände trocken werden, können sich die widerhakigen Pflanzenteile besonders leicht im Fell festsetzen.
Durch ihre Form und die nach hinten gerichteten Widerhaken können sich Grannen bei Bewegung weiter in Fell oder Gewebe vorarbeiten. Ein spontanes Zurückgleiten wird dadurch erschwert.
Eine Granne, die zunächst nur im Fell hängt, kann sich durch Bewegung und die Widerhaken weiter in Richtung Haut vorarbeiten. Deshalb sollten Hunde nach Spaziergängen durch trockenes Gras kontrolliert werden.
Zwischen den Pfoten: Der häufigste Fall

Der klassische Fundort. Die Granne bohrt sich zwischen den Zehen ein, oft direkt neben der Kralle. Innerhalb von Stunden entsteht eine kleine Schwellung, die der Hund beleckt. Wenn er humpelt, an einer Pfote leckt oder sie mehrfach am Tag betrachtet, prüfen Sie den Bereich sofort.
Auf was Sie achten: kleiner roter Punkt zwischen den Zehen, feuchtes Fell an einer isolierten Stelle, geschwollener Ballen. Wenn die Granne nur locker im Fell sitzt und sich ohne Widerstand vollständig entfernen lässt, können Sie sie vorsichtig herausnehmen.
Sitzt sie bereits in der Haut, lässt sie sich nicht vollständig greifen oder bleibt ein Teil zurück, sollte sie tierärztlich entfernt werden.
Im Ohr: Der gefährlichste Fall

Grannen im Ohrkanal sind die riskanteste Variante. Der Gehörgang ist gewinkelt und führt tief in Richtung Trommelfell. Eine Granne kann deshalb im äußeren Blickfeld unsichtbar sein.
Was sichtbar ist: Der Hund schüttelt heftig den Kopf, hält ihn schief, kratzt an einem Ohr, jault beim Berühren des Ohrs. Eine Granne im Gehörgang kann starke Schmerzen und eine Entzündung verursachen. Je tiefer sie sitzt und je schmerzhafter das Ohr ist, desto eher kann für die sichere Entfernung eine Sedierung oder Narkose notwendig sein.
Verzichten Sie darauf, mit Wattestäbchen oder Pinzette selbst zu tasten. Sie schieben die Granne dabei tiefer. Fahren Sie bitte gleich zum Tierarzt.
In der Nase: Der akute Fall
Hunde schnuppern im Feld tief in Grasbüschel hinein. Eine Granne kann dabei direkt in die Nasenhöhle eingeatmet werden.
Symptome: heftiges Niesen unmittelbar nach dem Spaziergang, oft anhaltend über Minuten. Manchmal einseitiger Nasenausfluss, gelegentlich blutig.
Warten Sie hier nicht ab. Auch wenn das Niesen nach zehn Minuten aufhört, sitzt die Granne meist noch drin. Ein Fremdkörper in der Nase kann dort verbleiben oder – seltener – in tiefere Bereiche der Atemwege gelangen. Bei anhaltendem heftigem Niesen oder Verdacht auf eine Granne in der Nase sollte der Hund noch am selben Tag tierärztlich untersucht werden.
Im Auge: Der seltene, aber ernste Fall
Grannen im Auge sind selten, weil der Lidschluss meistens schnell genug reagiert. Wenn es doch passiert, ist der Hund sofort auffällig: Er kneift ein Auge zu, tränt stark, reibt mit der Pfote. Durch Reiben oder Kratzen kann der Fremdkörper die Hornhaut zusätzlich verletzen oder unter ein Lid gelangen
Verhindern Sie möglichst, dass der Hund am Auge reibt oder kratzt. Falls vorhanden, kann bis zur tierärztlichen Untersuchung ein geeigneter Schutzkragen sinnvoll sein. Fahren Sie sofort in die Tierarztpraxis. Eine Granne unter dem Lid kann die Hornhaut verletzen und sollte deshalb möglichst schnell tierärztlich entfernt werden.
In Fell und Achsel: Der übersehene Fall
Weniger dramatisch, aber häufig unterschätzt: Grannen, die sich in Fellpartien mit dichter Unterwolle festsetzen und nicht sofort auffallen. Achsel, Leiste, Bauch, Gesäuge und die Beinunterseiten sind typische Verstecke. Auch dort können sie sich bei Bewegung weiter in Richtung Haut vorarbeiten.
Der Hund zeigt manchmal tagelang nichts, bis eine kleine schmerzhafte Schwellung entsteht. Kontrollieren Sie diese Bereiche bei langhaarigen und dichtfelligen Rassen nach jedem Wiesen-Spaziergang vorsichtig mit dem Finger und einem Kamm, nicht nur mit dem Blick. Der Finger spürt die harten Grannenspitzen unter dem Fell.
Die Routine nach jedem Wiesen-Spaziergang
Ein festes Ritual reduziert das Risiko erheblich.
- Vier Pfoten mit Fokus auf die Zehen-Zwischenräume
- Beide Ohren äußerlich anschauen
- Nase und Fang beobachten: auffälliges Niesen, Nasenausfluss oder häufiges Reiben an der Nase?
- Beide Augen prüfen: gleichmäßig geöffnet, keine Tränen
- Achsel und Leiste mit den Fingern durchtasten
Die Routine funktioniert nur, wenn sie zur Gewohnheit wird. Verknüpfen Sie sie mit dem Trinken nach dem Spaziergang oder mit einer festen Streichel-Einheit.
Wo der Tierarzt zuständig ist
Konkret: Grannen im Ohr, in der Nase, im Auge, unter der Haut oder in einer offenen Wunde. Je nach Lage kann der Tierarzt spezielle Instrumente wie ein Otoskop oder eine weiterführende Untersuchung benötigen. Bei schmerzhaften oder tief sitzenden Grannen kann eine Sedierung oder Narkose erforderlich sein.
Prävention über die Wiesenwahl
Die wirksamste Vorbeugung besteht aus mehreren Maßnahmen: geeignete Wege wählen, dichtes trockenes Gras möglichst meiden und den Hund nach dem Spaziergang gründlich kontrollieren.
Das Kürzen der Haare zwischen den Pfotenballen kann bei langhaarigen Hunden zusätzlich helfen, dass sich dort weniger Grannen festsetzen. Es ersetzt aber nicht die Kontrolle nach dem Spaziergang.
Nicht die ganze Pfote scheren – nur die Haare zwischen den Ballen kürzen, die die Granne sonst wie ein Netz einfangen.
Grannen – die unscheinbare Gefahr für Hunde und Kleintiere
Ein Beitrag in der ARD Mediathek
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

