Die Rolle des Hundes im Werk von Briton Rivière

Briton Rivière (1840–1920) war ein britischer Maler, der vor allem für seine Tierdarstellungen bekannt wurde. Hunde, Pferde, Wildtiere und andere Tiere erscheinen in vielen seiner Bilder – als eigenständige Motive, als Begleiter von Menschen oder als Teil erzählerischer Szenen. Gerade Hunde nehmen in seinem Werk einen besonderen Platz ein.
Ausbildung und genaue Beobachtung von Tieren
Briton Rivière wurde 1840 in London geboren und wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Sein Vater William Rivière war selbst Maler und Kunstlehrer. Er vermittelte seinem Sohn früh die Grundlagen des Zeichnens und der Malerei.
Schon als junger Mann beschäftigte sich Rivière intensiv mit Tieren. Regelmäßige Besuche im Londoner Zoo boten ihm Gelegenheit, lebende Tiere zu zeichnen und ihre Bewegungen, Körperhaltungen und Eigenheiten zu studieren. Seine Beschäftigung mit der Tieranatomie ging dabei über das bloße Zeichnen nach dem lebenden Modell hinaus. Rivière arbeitete auch mit anatomischen Studien und beobachtete Sektionen, um den Körperbau der Tiere besser zu verstehen.
Diese genaue Beschäftigung mit Tieren wurde zu einem wichtigen Bestandteil seiner späteren Malerei. Rivière wollte nicht nur ein Tier möglichst naturgetreu wiedergeben. Haltung, Bewegung und Ausdruck sollten erkennen lassen, was innerhalb einer Szene gerade geschieht.
Bereits in jungen Jahren stellte Rivière an der Royal Academy of Arts aus. 1878 wurde er zum Associate der Royal Academy gewählt. Drei Jahre später, 1881, folgte die Wahl zum Vollmitglied, dem Royal Academician.
Der Hund als eigenständiges Motiv
Hunde spielen in Rivières Werk eine wichtige Rolle. Sie sind nicht einfach dekoratives Beiwerk neben ihren menschlichen Besitzern. Häufig tragen sie einen wesentlichen Teil der Handlung. Ein Blick, eine Körperhaltung oder die Nähe zu einem Menschen kann in seinen Bildern über Vertrauen, Wachsamkeit, Treue oder Verlust erzählen.
Das passt zu Rivières grundsätzlicher Arbeitsweise. Seine genaue Kenntnis des tierischen Körpers verband er mit einer erzählerischen Malerei, wie sie für das viktorianische Zeitalter typisch war. Gerade bei Hunden lässt sich beobachten, wie aus einer anatomisch präzisen Darstellung ein emotional verständliches Bild werden kann.
Gemälde ansehen:
Briton Rivière: Sympathy (1877)
Zu seinen bekannten Darstellungen mit Hunden zählen:
- Sympathy (1877):
Das Bild zeigt Rivières Tochter Millicent auf einer Treppe. Ein kleiner Hund sitzt dicht bei ihr und legt seinen Kopf an sie. Die ruhige Szene lebt von der Nähe zwischen Kind und Tier. Der Hund ist dabei nicht bloß Begleiter, sondern bestimmt wesentlich die Stimmung des Bildes. - Fidelity (1869):
Das Gemälde zeigt einen Mann in einer kargen Gefängniszelle, begleitet von einem Hund. Bei seiner Ausstellung an der Royal Academy wurde das Werk ursprünglich unter dem Titel Prisoners gezeigt. Der heute bekannte Titel Fidelity rückt die Treue des Hundes und seine Bindung an den Menschen stärker in den Mittelpunkt. - Requiescat (1888):
Ein Hund wacht an der Seite eines toten Ritters. Das Tier wird häufig als Bloodhound bezeichnet. Die Darstellung verbindet die ruhige Präsenz des Hundes mit dem Thema von Tod, Verlust und Treue.
Gemälde ansehen:
Briton Rivière: Fidelity (1869)
Gemälde ansehen:
Briton Rivière: Requiescat (1888)
Tiermalerei zwischen Beobachtung und Erzählung
Rivière war keineswegs ausschließlich Hundemaler. Pferde, Großkatzen, Wildtiere und Nutztiere gehören ebenso zu seinem Werk. Daneben beschäftigte er sich mit biblischen, literarischen und mythologischen Themen.
Seine Tiere erfüllen in diesen Bildern häufig eine erzählerische Funktion. Sie können eine Handlung auslösen, eine Situation kommentieren oder die Stimmung einer Szene bestimmen. Gerade darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen einer bloßen Tierstudie und Rivières erzählerischer Tiermalerei.
Beim viktorianischen Publikum fanden insbesondere Bilder mit Kindern und Tieren großen Anklang. Sympathy wurde beispielsweise sehr populär und in unterschiedlichen Formen reproduziert. Rivière verband darin die damals verbreitete sentimentale Bildsprache mit einer auffallend genauen Beobachtung des Tieres.
Warum seine Hundebilder bis heute interessant sind
Bei Rivières Hundebildern fällt auf, wie wenig die Tiere übertrieben vermenschlicht werden. Ihre Wirkung entsteht vielmehr aus ihrer Haltung und ihrem Verhalten. Ein Hund, der sich an einen Menschen schmiegt, aufmerksam neben ihm sitzt oder regungslos bei einem Toten wacht, erzählt bereits durch seine Körperhaltung einen Teil der Geschichte.
Das dürfte einer der Gründe sein, weshalb seine Hundedarstellungen auch heute noch unmittelbar verständlich wirken. Wer selbst mit Hunden lebt, erkennt viele dieser kleinen Signale wieder: Nähe, Aufmerksamkeit, Abwarten oder einfach das stille Dabeisein.
Rivière verband damit zwei Dinge, die in seiner Tiermalerei immer wieder zusammenkommen: die genaue Beobachtung des Tieres und die menschliche Geschichte, in der dieses Tier seinen Platz hat.
Erbe und Sammlungen
Briton Rivières Gemälde verbinden die erzählerische Malerei des 19. Jahrhunderts mit einem ausgeprägten Interesse an Tieranatomie und Tierbeobachtung. Seine Werke befinden sich heute in mehreren öffentlichen Kunstsammlungen.
Dazu gehören unter anderem die Tate in London, die Lady Lever Art Gallery in Port Sunlight bei Liverpool und die Art Gallery of New South Wales in Sydney. Seine Arbeiten sind außerdem in zahlreichen weiteren britischen Sammlungen vertreten.
Weiterführende Links:
- Briton Rivière bei Tate
– Künstlerprofil und Werke. - Briton Rivière bei Art UK
– Übersicht seiner Werke in öffentlichen britischen Sammlungen. - Fidelity bei Art UK
– Werkdaten zur Darstellung von 1869 in der Lady Lever Art Gallery.
Bildhinweis: Die Links zu den Gemälden führen zu den jeweiligen Werkseiten bei Wikimedia Commons. Dort sind die Werke und die verfügbaren Reproduktionen ausführlich dokumentiert.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

