Welpen und der Teppich

Ein Welpe steht auf einem Teppich im Wohnzimmer

Der Teppich war schneller als wir

Draußen passiert erst einmal gar nichts. Der Welpe läuft ein paar Meter, bleibt stehen, schnuppert, schaut einem Blatt hinterher. Man wartet. Nach zehn Minuten wird man ungeduldig, nach fünfzehn Minuten überzeugt man sich selbst: „Der muss doch gleich.“

Muss er offenbar nicht.

Wieder in der Wohnung angekommen, geht alles ganz schnell. Schuhe aus, Leine weg, kurz in die Küche – und im nächsten Moment sitzt der kleine Hund auf dem Teppich. Natürlich auf dem Teppich. Nicht auf den Fliesen nebenan, nicht auf dem leicht zu wischenden Boden im Flur.

Das ist ärgerlich, aber bei einem jungen Hund ziemlich normal.

Viele erwarten am Anfang zu viel. Ein Welpe weiß nicht automatisch, dass draußen der richtige Ort für sein Geschäft ist. Er lernt das erst nach und nach. Dazu kommt: Wenn die Blase voll ist, bleibt oft nicht mehr viel Zeit. Gerade bei sehr jungen Hunden passiert es dann einfach. Nicht, weil sie beleidigt sind oder einem etwas heimzahlen wollen.

Die Sache mit dem Teppich hat außerdem einen einfachen Grund. Ein Teppich ist weich, saugfähig und gibt den Pfoten Halt. Gras, Erde oder Moos fühlen sich für einen Welpen nicht völlig anders an. Auf glattem Parkett oder auf Fliesen ist es dagegen rutschig. Und wenn auf dem Teppich schon einmal etwas passiert ist, bleibt trotz Putzen oft noch ein Geruch zurück, den wir längst nicht mehr wahrnehmen.

Deshalb lohnt es sich, Unfälle nicht nur oberflächlich wegzuwischen. Ein Enzymreiniger hilft besser als der normale Allzweckreiniger, weil er die Rückstände tatsächlich abbaut. Das ist besonders wichtig, wenn der Hund immer wieder dieselbe Stelle aufsucht.

Manchmal heißt es: „Der meldet sich ja gar nicht.“ Doch meist gibt es vorher kleine Hinweise. Der Welpe wird auf einmal unruhig, verliert mitten im Spiel das Interesse oder läuft mit gesenkter Nase über den Boden. Manche drehen sich ein paar Mal im Kreis. Viel Zeit zum Überlegen bleibt dann nicht mehr.

Am einfachsten ist es, gar nicht erst auf das große Signal zu warten. Nach dem Schlafen raus, nach dem Fressen raus, nach dem Spielen raus. Gerade am Anfang lieber einmal zu oft als einmal zu spät. Draußen sollte es dann auch nicht langweilig sein: Sobald es klappt, darf gelobt werden. Freundlich, direkt und ohne großes Theater – aber so, dass der Welpe merkt: Genau das war richtig.

Und der Teppich? Wenn er besonders wertvoll ist oder ständig zur Pfützenzone wird, kommt er für ein paar Wochen besser weg. Das ist keine Niederlage, sondern schlicht praktisch. Stubenreinheit braucht etwas Geduld, ein gutes Timing und die Bereitschaft, den Alltag kurz nach dem Welpen auszurichten. Danach ist der Teppich meistens wieder sicher.

Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Gründer von welpen.de (1997) und Hauptautor der Plattform seit 1997. Seine Hunde-Artikel verbinden fast 35 Jahre persönliche Erfahrung in der Hundehaltung mit sorgfältiger Quellenrecherche und journalistischer Redaktion.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.