Trickdogging in der Wohnung

Inhalt (6 Abschnitte)

Trickdogging in der Wohnung: Der Teppich wird zum Trainingsplatz

Trickdogging in der Wohnung


Der Hund steht im Flur.

Der Mensch steht am Fenster.

Draußen ist November in seiner weniger charmanten Ausführung. Nass, dunkel, windig. Also ungefähr das Wetter, bei dem selbst die Regenjacke innerlich kündigt.

Der Spaziergang findet trotzdem statt.

Nur eben nicht als großes Abenteuer mit Sonnenuntergang und zufriedener Kameraeinstellung. Eher als notwendige Außenmission.

Und genau dann kann Trickdogging in der Wohnung plötzlich sehr vernünftig wirken.

Es muss nicht nach Zirkus aussehen

Trickdogging klingt zunächst nach Hund mit Schleife, Manege und Applaus.

In Wirklichkeit beginnt es oft mit einer Hand.

Der Hund stupst sie mit der Nase an.

Fertig.

Das ist noch kein Fernsehauftritt. Aber es ist der Anfang von Kommunikation. Der Hund probiert etwas aus, der Mensch markiert z.B. mit einem Clicker den richtigen Moment, es gibt eine Belohnung. Danach versuchen beide, nicht sofort zu viel daraus zu machen.

Das wäre schon einmal ein Fortschritt.

Der Hund denkt mit

Gerade in der dunklen Jahreszeit wird Beschäftigung schnell mit Bewegung verwechselt.

Noch eine Runde.

Noch ein Ball.

Noch einmal durch den Matsch.

Kann man machen.

Man kann aber auch zehn Minuten lang den Kopf des Hundes einschalten.

Beim Tricktraining muss der Hund beobachten, anbieten, warten, zuhören und wieder neu ansetzen. Das ist anstrengender, als es aussieht. Vor allem für Hunde, die sonst gern selbst entscheiden, welche Dinge im Haushalt angeblich untersucht werden müssen.

Schuhe zum Beispiel.

Oder Kissen.

Oder die sehr verdächtige Ecke unter dem Esstisch.

Laminat ist kein Sportboden

In der Wohnung gelten allerdings andere Regeln als draußen.

Laminat, Fliesen und glattes Parkett sehen ordentlich aus. Für einen Hund, der sich drehen oder schnell stoppen soll, können sie aber zur Rutschbahn werden.

Deshalb gehört unter viele Übungen eine rutschfeste Unterlage.

Teppich.

Yogamatte.

Ein Läufer, der nicht beim ersten Pfotenschritt beleidigt davonwandert.

Auch die Auswahl der Tricks sollte zum Hund passen. Sprünge, enge Wendungen und hektische Aktionen sind in kleinen Räumen selten eine gute Idee. Für Welpen und Junghunde erst recht nicht, weil Knochen, Gelenke und Muskulatur noch in der Entwicklung sind. Ab wann Ihr Hund springen darf, besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.

Das klingt weniger spektakulär.

Ist aber klüger.

Ein paar Tricks reichen völlig

Ein guter Einstieg ist der Nasentarget.

Der Hund berührt mit der Nase die geöffnete Hand. Daraus lassen sich später Drehungen, Richtungswechsel oder kleine Wege durch die Wohnung aufbauen.

Auch „Pfote geben“ ist beliebt. Wichtig ist nur, nicht an der Pfote herumzuziehen, bis der Hund aussieht, als habe er gerade einen Vertrag unterschrieben. Besser ist es, kleine Ansätze zu belohnen.

Hebt er die Pfote leicht?

Gut.

Wiederholen.

Dann langsam weiterformen.

Sehr brauchbar ist auch „Spielzeug in die Kiste“. Der Hund lernt erst, das Spielzeug anzusehen. Dann es anzustupsen. Dann aufzunehmen. Irgendwann landet es in der Box.

Der Mensch nennt es Aufräumen.

Der Hund nennt es wahrscheinlich Bezahlung.

Kurz bevor es zu viel wird

Trickdogging in der Wohnung lebt von kurzen Einheiten.

Fünf Minuten können reichen.

Zehn Minuten sind oft schon viel.

Wer weitermacht, obwohl der Hund müde, fahrig oder überdreht wird, trainiert irgendwann nicht mehr den Trick. Sondern Frust.

Auch das kann der Hund lernen.

Leider.

Besser ist ein Ende, solange beide noch gut gelaunt sind. Ein kleiner Erfolg. Ein letztes Leckerli. Fertig.

Der Regen draußen ist danach immer noch Regen.

Aber drinnen hatte der Hund etwas zu tun.

Und der Flur, dieser sonst eher unterschätzte Ort zwischen Jacke und Schuhregal, war für ein paar Minuten eine Trainingshalle.

Mehr muss er an einem dunklen Tag gar nicht leisten.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Klaus Neumann betreibt welpen.de seit 1997. Seit rund 35 Jahren lebt er mit Hunden, heute mit Yorkshire Terrier Kalle. Er recherchiert in Rassestandards, Fachliteratur und Studien und überarbeitet ältere Artikel regelmäßig.

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