Welpenerstausstattung

Welpenerstausstattung: 5 Käufe, die zunächst warten können

EIn Infobild zum Thema unnötige Anschaffungen für einen Welpen

Ein Welpe zieht ein – und plötzlich sieht die Wohnung aus wie eine Mischung aus Tierfachmarkt und Kinderzimmer. Neues Körbchen, Näpfe, Spielzeug, Leinen, Geschirr, Kauartikel, Transportbox und Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass Hunde sie angeblich brauchen.

Der Welpe selbst hat von dieser Einkaufsliste keine Ahnung. Für den Start braucht er vor allem Sicherheit, einen ruhigen Schlafplatz, Wasser, geeignetes Futter, eine passende Leine und ein gut sitzendes Geschirr oder Halsband. Dazu kommen wenige sichere Beschäftigungsmöglichkeiten und eine zuverlässige Transportlösung für Autofahrten.

Vieles andere kann warten. Das spart Geld, verhindert Fehlkäufe und macht es leichter, den Hund erst einmal kennenzulernen.

1. Ein ganzer Berg an Spielzeug

Beim ersten Einkauf ist die Versuchung groß: ein Stofftier für tagsüber, eines für die Nacht, ein Ball, ein Seil, etwas zum Quietschen, ein Spielzeug mit Leckerchen und noch ein besonders schlaues Beschäftigungsmodell.

Nach zwei Wochen liegt oft die Hälfte davon unbeachtet in einer Kiste. Welpen haben ihre eigenen Vorlieben. Manche mögen ein Zerrspielzeug, andere tragen lieber etwas herum oder beschäftigen sich gern mit Futtersuchspielen. Das teuerste Produkt muss nicht automatisch zum Lieblingsspielzeug werden.

Für den Anfang reichen meist zwei oder drei robuste Spielsachen in unterschiedlicher Art. Wichtig ist, dass sie zur Größe des Welpen passen und keine Teile enthalten, die er abbeißen oder verschlucken kann. Kontrolliere Spielzeug regelmäßig und ersetze es, wenn sich Nähte lösen, Füllmaterial herauskommt oder Kunststoff splittert.

Ein altes Handtuch oder eine Decke kann unter Aufsicht kurz interessant sein, sollte aber kein dauerhaftes Spielzeug werden. Zieht der Welpe Fäden heraus oder beißt Stoffstücke ab, gehört es weg.

2. Das teure Designer-Hundebett

Ein Hund braucht einen gemütlichen und sicheren Schlafplatz. Er braucht aber nicht zwingend am ersten Tag ein Hundebett, das mehr kostet als das eigene Sofa.

Welpen wachsen schnell. Außerdem testen manche von ihnen sehr gründlich, ob sich ein Kissen öffnen, eine Naht lösen oder ein Reißverschluss zerbeißen lässt. Ein hochwertiges Bett kann deshalb schneller beschädigt sein, als einem lieb ist.

Für die erste Zeit reicht oft eine robuste, gut waschbare Matte oder ein einfaches Kissen. Es sollte groß genug sein, keine leicht erreichbare Füllung enthalten und sich einfach reinigen lassen. Manche Hunde schlafen gern weich und warm, andere bevorzugen einen kühleren oder etwas erhöhten Platz. Das zeigt sich meist erst im Alltag.

Wer ein paar Wochen abwartet, kann später gezielter entscheiden, welcher Schlafplatz wirklich zum Hund passt.

3. Die komplette Welpen-Wohnung

Welpenausstattung


Manche Erstausstattungslisten vermitteln den Eindruck, vor dem Einzug müsse eine kleine Hundewelt fertig eingerichtet sein: Futternapfstation, Welpengitter, Box, Spielteppich, mehrere Schlafplätze, spezielle Decken und passende Aufbewahrungssysteme.

Ein Teil davon kann nützlich sein. Aber nicht jede Wohnung braucht alles.

Ein Welpengitter ist zum Beispiel nicht grundsätzlich nötig. In einer übersichtlichen, gut vorbereiteten Wohnung reicht es manchmal, einzelne Türen geschlossen zu halten und Gefahrenquellen zu entfernen. Bei Treppen, offenen Durchgängen oder Räumen mit vielen Risiken kann ein Gitter dagegen eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme sein.

Der bessere erste Schritt ist ein Rundgang durch die Wohnung aus Welpenperspektive:

  • Welche Kabel, kleinen Gegenstände oder Ladegeräte liegen erreichbar herum?
  • Welche Pflanzen, Medikamente, Putzmittel oder Lebensmittel müssen weggeräumt werden?
  • Wo könnte der Welpe unbeobachtet an Schuhen, Möbeln oder Müll landen?
  • Welche Bereiche sollen zunächst tabu bleiben?
  • Wo kann er schlafen, ohne ständig gestört zu werden?

Oft ist es sinnvoller, die Wohnung ein wenig umzuräumen, als für jedes mögliche Problem sofort ein eigenes Produkt zu kaufen.

4. Technik als Dauerbeschäftigung

Futterautomaten, elektronische Spielzeuge, rollende Bälle und Geräte für die selbstständige Beschäftigung klingen praktisch. Sie können in einzelnen Situationen hilfreich sein, ersetzen aber weder gemeinsame Zeit noch Spaziergänge, Training oder Ruhe.

Ein Futterautomat kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn Fütterungszeiten zuverlässig eingehalten werden müssen. Auch ein Beschäftigungsspielzeug kann den Alltag bereichern. Vor dem Kauf lohnt sich trotzdem eine einfache Frage: Welches konkrete Problem soll dieses Gerät lösen?

Ein Welpe braucht nicht den ganzen Tag Unterhaltung. Er muss auch lernen, zur Ruhe zu kommen und damit klarzukommen, dass nicht jede Minute etwas passiert. Ausreichend Schlaf und ruhige Phasen gehören genauso zur Entwicklung wie Spiel und Training.

Für den Anfang reichen oft einfache Beschäftigungen: Futter im Gras oder auf einer Schnüffelmatte suchen, ein kurzes Rückrufspiel, ein paar Minuten gemeinsames Zerren oder eine abwechslungsreiche Schnüffelrunde. Das kostet wenig und lässt sich gut an Alter und Tagesform des Welpen anpassen.

5. Kleidung und Spezialausrüstung auf Vorrat

Kaum ist der Welpe ausgesucht, findet sich schnell eine ganze Garderobe im Warenkorb: Regenmantel, Wintermantel, Schuhe, Kühlweste, Schwimmweste und Reflektorweste.

Solche Ausrüstung kann sinnvoll sein. Ein sehr kurzhaariger Hund kann bei Kälte, Nässe und Wind zusätzlichen Schutz brauchen. Eine Schwimmweste ist beim Bootfahren, bei unsicheren Schwimmern oder in Gewässern mit Strömung eine gute Sicherheitsmaßnahme.

Nur muss nicht alles gekauft werden, bevor der Hund überhaupt eingezogen ist. Ob ein Hund friert, hängt unter anderem von Felltyp, Alter, Gesundheitszustand, Wetter, Nässe, Wind und Bewegungsdauer ab.

Es ist meist klüger, zunächst zu beobachten: Wie reagiert der Hund auf Regen? Trocknet er schnell? Zittert er bei Kälte? Sucht er im Sommer konsequent Schatten? Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Ausrüstung wirklich gebraucht wird.

Was zum Einzug wirklich bereitstehen sollte

Die Erstausstattung muss nicht riesig sein. Sie sollte ihren Zweck erfüllen und sicher sein.

  • Ein gut sitzendes Geschirr oder Halsband, dessen Passform regelmäßig kontrolliert wird
  • Eine passende Leine
  • Zwei standfeste Näpfe für Wasser und Futter
  • Das bisher verträgliche Welpenfutter für die ersten Tage
  • Ein robuster, waschbarer und sicherer Schlafplatz
  • Wenige robuste Spielzeuge ohne ablösbare oder verschluckbare Kleinteile
  • Kauartikel, die zum Alter, zur Größe und zur Verträglichkeit des Welpen passen
  • Kotbeutel
  • Handtücher zum Abtrocknen, Reinigen und für kleine Missgeschicke
  • Eine passende Transportbox oder ein Sicherheitsgeschirr mit Autogurt für Autofahrten
  • Material zur Welpensicherung, etwa Kabelschutz, gesicherte Mülleimer oder verschließbare Aufbewahrung für Medikamente und Putzmittel

Kauartikel und neues Spielzeug sollten gerade am Anfang nur unter Aufsicht genutzt werden. So fällt schnell auf, ob der Welpe etwas nur bekaut oder versucht, größere Stücke abzubeißen und zu schlucken.

Für Autofahrten: sicher statt improvisiert

Der erste Weg vom Züchter oder aus dem Tierheim nach Hause ist meist auch die erste Autofahrt. Deshalb sollte die Transportlösung schon vor dem Einzug feststehen.

Geeignet sind eine passende, im Fahrzeug sicher befestigte Transportbox oder ein Sicherheitsgeschirr mit Autogurt. Ein Gurt wird immer am Geschirr befestigt, nicht am Halsband. Der Hund darf bei einer Bremsung, Kurve oder einem Ausweichmanöver nicht frei durch das Fahrzeug rutschen oder nach vorn geschleudert werden.

Auch für kurze Strecken gilt: Eine sichere Lösung ist kein Zubehör, das später gekauft wird, sondern gehört zur Grundausstattung.

Erst beobachten, dann gezielt kaufen

Die einfachste Regel gegen Fehlkäufe lautet: Erst kaufen, wenn der Hund einen Grund dafür liefert.

Friert der Welpe bei nassem und kaltem Wetter? Dann kann ein passender Mantel sinnvoll sein. Schläft er lieber auf einer kühlen Matte als im weichen Körbchen? Dann lässt sich der Schlafplatz anpassen. Ist das vorhandene Spielzeug dauerhaft uninteressant oder zu leicht? Dann kann gezielt etwas Neues dazukommen.

Läuft der Hund dagegen entspannt an der vorhandenen Leine, braucht es nicht automatisch drei weitere Modelle. Nutzt er sein schlichtes Kissen gern, muss kein Designerbett folgen. Und wenn ein Welpengitter keinen echten Zweck erfüllt, nimmt es nur Platz weg.

Nach ein paar Wochen weiß man über den eigenen Hund deutlich mehr als am Tag vor dem Einzug. Dann wird aus einer allgemeinen Einkaufsliste eine Ausstattung, die tatsächlich zum Alltag, zur Wohnung und vor allem zum Hund passt.

Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Gründer von welpen.de (1997) und Hauptautor der Plattform seit 1997. Seine Hunde-Artikel verbinden fast 35 Jahre persönliche Erfahrung in der Hundehaltung mit sorgfältiger Quellenrecherche und journalistischer Redaktion.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.