Welpen beibringen, nicht alles zu fressen

Welpen trainieren, nichts vom Boden aufzunehmen: Aus-Signal und Anti-Giftköder-Training

Welpen erkunden ihre Umwelt mit dem Maul – das ist normal und lässt sich nicht abtrainieren. Was sich gezielt trainieren lässt, ist ein zuverlässiges Loslassen und – abhängig vom Trainingsstand – das Abwenden von Futter oder anderen Gegenständen am Boden.

So ein Training kann das Risiko deutlich reduzieren, aber nie vollständig ausschließen. Drei Bausteine ergänzen sich sinnvoll: ein sauber aufgebautes Aus-Signal, ein Training zum Abwenden von Futter und Gegenständen am Boden (auch als Anti-Giftköder-Training bekannt) und ein positiv aufgebauter Maulkorb als zusätzliche Sicherheitsreserve.

Schimpfen verstärkt oft das heimliche Verschlucken und ist deshalb nicht der richtige Weg.

Von Klaus Neumann · Veröffentlicht: 31. Mai 2026 · Aktualisiert: 24. August 2026

Welpe an der Leine dreht sich auf einem Waldweg aufmerksam zu seiner Halterin um

Wie ernst das Thema ist, zeigt eine Geschichte aus unserem Bekanntenkreis. Die Hündin einer Bekannten hätte es fast nicht überlebt, nachdem sie im Vorbeigehen etwas aus einem Gebüsch aufgenommen hatte. Was es genau war, ließ sich später nicht mehr eindeutig klären – wichtig war die schnelle Fahrt in die Tierklinik. Genau das ist der Grund, warum sich das Training wirklich lohnt: Es geht nicht um Erziehung um der Erziehung willen. Es geht darum, im Ernstfall Zeit zu gewinnen.

Warum Welpen alles in den Mund nehmen

Welpen erkunden ihre Umwelt unter anderem mit Nase und Maul. Aufnehmen, Kauen und Untersuchen von Gegenständen gehören zum normalen Erkundungsverhalten.

Das ist normales Welpenverhalten und lässt sich nicht abstellen. Was sich aufbauen lässt, ist ein zuverlässiges Loslassen und – mit gutem Training – das Abwenden von Dingen am Boden. Kein Training garantiert allerdings, dass ein Hund nie etwas Gefährliches aufnimmt. Es reduziert das Risiko, nicht mehr und nicht weniger.

Was für Welpen tatsächlich gefährlich ist

Nicht alles am Boden ist ein Problem. Einige Stoffe können für Hunde aber schon in relativ kleinen Mengen gefährlich sein. Wie gefährlich, hängt je nach Stoff unter anderem von Menge und Körpergewicht ab. Wichtige Kandidaten:

  • Schokolade und Kakao – besonders Kakaopulver, Backschokolade und dunkle Schokolade
  • Xylit (Birkenzucker), unter anderem in zuckerfreien Kaugummis, Süßigkeiten und manchen anderen Produkten
  • Weintrauben und Rosinen
  • Zwiebeln, Lauch und Knoblauch
  • Schneckenkorn
  • Ethylenglykol-haltige Frostschutzmittel – können wegen ihres süßlichen Geschmacks attraktiv für Tiere sein und sind hochgiftig
  • Knochen vom gegrillten Hähnchen – Splittergefahr
  • Rattengift, unbekannte Köder oder andere „Häppchen“ in Parks, an Wegen, in Gebüschen

Eine Übersicht über häufige Giftstoffe und gefährliche Lebensmittel können Sie sich von Ihrer Tierarztpraxis geben lassen. Es lohnt sich, so eine Liste einmal auszudrucken und in die Küchenschublade zu legen.

Und bei jedem Verdacht auf Aufnahme einer giftigen Substanz gilt: sofort mit der Tierarztpraxis oder Tierklinik telefonieren – nicht abwarten, nicht selbst therapieren.

Das Aus-Signal: so bauen Sie es sauber auf

alterin bietet Welpen ein Tauschobjekt: Spielzeug gegen Hähnchen

„Aus“ ist das wichtigste Signal in dieser Kategorie. Es bedeutet: Lass los, was du gerade im Maul hast. Für Welpen bietet sich der Aufbau über Tausch an – der Hund lernt, dass Loslassen sich lohnt.

Setzen Sie sich mit Ihrem Welpen auf den Boden. Beginnen Sie mit einem Gegenstand, den der Welpe freiwillig und leicht wieder hergibt – ein einfaches Spielzeug reicht. In der anderen Hand halten Sie etwas deutlich Attraktiveres bereit, zum Beispiel ein Stück Käse oder gekochtes Hähnchen.

Sagen Sie ruhig „Aus“ und zeigen Sie das Tauschobjekt. In dem Moment, in dem der Welpe das Spielzeug loslässt, markieren Sie – mit Clicker oder mit einem kurzen Wort – und geben das Tauschobjekt.

Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad erst dann, wenn das Loslassen in der aktuellen Situation zuverlässig funktioniert. Ein Markerwort oder Clicker ist dabei nützlich, aber keine Voraussetzung; entscheidend ist, dass die Belohnung möglichst unmittelbar nach dem Loslassen kommt.

Tauschen statt Wegnehmen

Der häufigste Anfängerfehler: Halter sehen etwas im Maul des Welpen und greifen reflexartig danach. Der Welpe lernt sofort: Wenn der Mensch näher kommt, ist meine Beute weg. Die Folge – er schluckt schneller oder rennt weg.

Im normalen Training sollte Loslassen möglichst häufig mit etwas Positivem verbunden werden – auch wenn das Objekt eigentlich wertlos ist, auch wenn Sie eilig sind. So verhindern Sie, dass der Welpe bei Ihrer Annäherung reflexartig flüchtet oder das Objekt hastig verschluckt.

In echten Notfällen zählt natürlich die Sicherheit vor dem Trainingsprinzip: Ein gefährlicher Gegenstand sollte so schnell und sicher wie möglich entfernt werden.

Anti-Giftköder-Training in vier Stufen

Spezialisierte Hundeschulen bieten dieses Training meist in mehreren Einheiten an. Die Logik dahinter ist immer ähnlich:

Stufe 1: Verknüpfung aufbauen. Der Welpe lernt, Futter am Boden nicht automatisch aufzunehmen, sondern sich am Menschen zu orientieren und ein Alternativverhalten zu zeigen – zum Beispiel umdrehen und zum Halter kommen. In diesem Trainingsaufbau wird die gewünschte Orientierung zum Menschen anschließend beim Halter belohnt, nicht vom Boden.

Stufe 2: an verschiedenen Orten üben. Vor der Haustür, im Garten, auf einem ruhigen Gehweg. Der Welpe lernt, dass die Regel überall gilt.

Stufe 3: schwierigere Reize. Größere Brocken, attraktiveres Futter, Ablenkung durch andere Hunde. Schritt für Schritt aufbauen, keine Sprünge.

Stufe 4: Alltag unter kontrollierten Bedingungen. Das Verhalten wird zunächst mit bekannten, ungefährlichen Futterreizen in verschiedenen Alltagssituationen generalisiert. Echte Fundstellen mit unbekannten Ködern sind ausdrücklich kein Trainingsplatz.

Maulkorb als Sicherheitsreserve

Ein Maulkorb hat in Deutschland einen schlechten Ruf – zu Unrecht. Ein gut sitzender, ausreichend großer Korb-Maulkorb (kein Stoffmaulkorb) ermöglicht in der Regel Hecheln, Trinken und das Füttern kleiner Belohnungen.

Und er kann das Aufnehmen von Gegenständen deutlich erschweren – als zusätzliche Sicherheitsreserve. Eine Garantie, dass ein Hund damit nichts aufnehmen kann, ist er allerdings nicht.

Welpe mit gut sitzendem Korb-Maulkorb auf einem Spaziergang am Gebüsch"

Gewöhnen Sie den Welpen früh und positiv an den Maulkorb – lange bevor Sie ihn tatsächlich brauchen. Kein Zwang, kein Festhalten. Am Anfang liegt der Korb einfach neben dem Futternapf.

Dann wird er kurz vor die Schnauze gehalten und ein Leckerli hindurchgereicht. Später frisst der Welpe kleine Portionen daraus, dann wird der Maulkorb kurz angezogen, langsam gesteigert – immer positiv, immer freiwillig.

Ein Hund, der einen Maulkorb früh positiv kennenlernt, ist für Situationen wie Tierarztbesuche, Reisen oder behördlich vorgeschriebene Maulkorbpflicht deutlich besser vorbereitet.

Manche Hunde sind besonders verfressen

Wie stark ein Hund am Boden fressen möchte, hängt vom einzelnen Hund ab – Genetik, Erfahrung, Prägung und Trainingsstand spielen zusammen. Bei einigen Hunden ist die Futter- oder Suchmotivation besonders ausgeprägt.

Das kann zum Beispiel bei einzelnen Labrador Retrievern oder Beagles eine Herausforderung sein – es ist aber keineswegs bei jedem Vertreter dieser Rassen gleich.

Bei solchen Hunden kann ein besonders sorgfältig aufgebautes Training zur Impulskontrolle und zum Abwenden von Futter am Boden sinnvoll sein. Der einzelne Hund entscheidet – nicht die Rasse-Etikette.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

  • Schimpfen, wenn der Welpe etwas im Maul hat. Er lernt dann vor allem eines: das Maul schnell zu schließen oder wegzulaufen.
  • Unüberlegt mit den Fingern ins Maul greifen – besonders, wenn der Hund den Gegenstand verteidigt oder Bissrisiko besteht. Bei einem gefährlichen Gegenstand zählt die schnelle telefonische Rücksprache mit der Tierarztpraxis.
  • Den Welpen am Ohr oder Halsband hochziehen, um an die Beute zu kommen. Nicht nur unfair, sondern für den Beziehungsaufbau schädlich.
  • Brocken vor den Welpen werfen, um ihn zu „testen“. Verfälscht das Training und erzeugt Misstrauen. Unbekannte Gegenstände oder echtes Futter aus dem öffentlichen Raum sollten niemals als Trainingsmaterial dienen.

Wenn doch etwas Falsches im Bauch ist

Bewahren Sie Ruhe. Notieren Sie, was und in welcher ungefähren Menge gefressen wurde. Wenn möglich, fotografieren Sie die Verpackung oder die Reste.

Bei Verdacht auf die Aufnahme einer giftigen oder möglicherweise gefährlichen Substanz sollten Sie sofort eine Tierarztpraxis oder eine Tierklinik mit Notdienst kontaktieren. Schildern Sie am Telefon möglichst genau, was der Hund aufgenommen haben könnte, wann es passiert ist und wie viel ungefähr fehlt.

Die Praxis entscheidet, ob Sie sofort kommen müssen und welche Maßnahmen erforderlich sind. Bei vielen Vergiftungen kann eine frühe tierärztliche Behandlung entscheidend sein.

Wichtig: Versuchen Sie niemals eigenständig, Erbrechen auszulösen – insbesondere nicht mit Hausmitteln oder reizenden Flüssigkeiten. Ob eine Entleerung des Magens sinnvoll und sicher ist, hängt vom aufgenommenen Stoff und vom Zeitpunkt ab und muss tierärztlich entschieden werden. Genau so ein Anruf hat bei der Hündin unserer Bekannten am Ende den Unterschied gemacht.

Wenn Sie einen verdächtigen Köder finden: Fassen Sie ihn nicht mit bloßen Händen an. Sichern Sie Ihren Hund und den Fundort, halten Sie andere Tiere davon fern und informieren Sie gegebenenfalls die zuständigen Behörden. Wenn es gefahrlos möglich ist, hilft auch ein Foto des Fundes.

Checkliste für den Alltag

  • Liste der für Hunde gefährlichen Lebensmittel griffbereit in der Küche
  • Aus-Signal von Anfang an aufbauen – über Tausch, nicht über Verbot
  • Hochwertige Tauschobjekte griffbereit (kleine Stücke gekochtes Hähnchen, Käsewürfel)
  • Maulkorb-Training früh und positiv starten – lange bevor Sie ihn brauchen
  • Training zum Abwenden von Futter am Boden bei einer qualifizierten Hundetrainerin oder einem qualifizierten Hundetrainer aufbauen
  • Nummer der eigenen Tierarztpraxis und einer Tierklinik mit Notdienst im Handy speichern – bevor der Welpe einzieht
  • Bei Verdacht auf Aufnahme einer gefährlichen Substanz: sofort Tierarztpraxis oder Tierklinik kontaktieren und die weiteren Schritte telefonisch klären – keine Hausmittel, kein eigenständiges Erbrechen

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.