Der Mops: Ein Hund, der aussieht, als hätte er immer etwas zu erzählen

Man muss einen Mops nicht lange anschauen. Er schaut zurück.
Mit seinen großen Augen schaut er aus, als hätte er gerade einen bedeutsamen Gedanken. Im nächsten Moment kann derselbe Hund aussehen, als würde er einfach einschlafen.
Dann sitzt er da. Nicht unbedingt majestätisch, aber mit einer gewissen Würde.
Der Mops gehört zur Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde. Die FCI beschreibt sein Wesen mit Charme, Würde und Intelligenz sowie als ausgeglichen, fröhlich und lebhaft.
Früher war der Mops etwas Besonderes
Der Mops ist keine moderne Erfindung für Menschen, die einen kleinen Wohnungshund gesucht haben. Seine Geschichte reicht weit zurück.
Als Ursprungsland gilt China. Dort wurden bereits vor vielen Jahrhunderten kleine Hunde mit kurzer Schnauze als Begleiter gehalten. Über Handelswege gelangten Vorfahren des heutigen Mopses nach Europa. Im 16. Jahrhundert wurde die Rasse in den Niederlanden bekannt und später an europäischen Höfen beliebt.
Die FCI führt China als Ursprungsland und Großbritannien als Land der Weiterentwicklung und des Patronats.
Eine bestimmte Arbeitsaufgabe hatte der Mops nie. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, Menschen zu begleiten. Das passt zu seinem heutigen Verhalten: Er möchte am Familienleben teilnehmen und hält sich gern dort auf, wo etwas passiert.
Wenn Menschen am Tisch sitzen, liegt der Mops deshalb nicht unbedingt im Nebenzimmer. Er ist wahrscheinlich schon da und beobachtet die Situation.
Was genau er denkt, weiß niemand
Die Kommunikation mit einem Mops ist oft unterhaltsam. Ein Blick, ein Seufzer oder ein leicht zur Seite geneigter Kopf können bei ihm ausgesprochen dramatisch wirken.
Man könnte meinen, man habe ihn schwer enttäuscht. Dabei wollte man vielleicht nur kurz aufstehen, um ein Glas Wasser zu holen.
Der Mops sieht das möglicherweise anders. Wenn gerade eine gemütliche Situation entstanden ist, möchte er sie offenbar nicht ohne Weiteres unterbrechen.
Seine Mimik sollte man allerdings nicht überinterpretieren. Das kurze Gesicht beeinflusst den Ausdruck stark. Was wie Nachdenklichkeit, Empörung oder tiefe Traurigkeit wirkt, kann schlicht die typische Mimik dieser Rasse sein.
Ein kleiner Hund, der Menschen braucht
Der Mops ist in erster Linie ein Begleithund. Er möchte bei seinen Menschen sein und am Alltag teilnehmen.
Das kann angenehm sein, verlangt aber auch eine realistische Einschätzung des Zeitaufwands. Ein Mops sollte nicht regelmäßig viele Stunden allein bleiben müssen. Wie jeder Hund braucht er eine verlässliche Betreuung, soziale Kontakte und eine Umgebung, in der er sich sicher fühlt.
Der Mops ist kein Hund für den Tagesablauf: morgens Futter hinstellen, die Tür schließen und abends nachsehen, was passiert ist.
Er möchte wissen, was passiert. Am besten alles.
Seine Menschenbezogenheit ersetzt jedoch keine Erziehung. Auch ein kleiner Hund braucht klare Regeln, Ruhezeiten und einen verlässlichen Alltag.
Der Spaziergang braucht Rücksicht
Natürlich geht ein Mops spazieren. Bewegung ist wichtig, damit er körperlich und geistig ausgelastet bleibt. Einen persönlichen Geschwindigkeitsrekord sollte man mit ihm jedoch nicht aufstellen.
Möpse gehören zu den brachyzephalen Hunderassen. Durch den verkürzten Schädel können die oberen Atemwege eingeengt sein. Das sogenannte brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS, kann unter anderem zu erschwerter oder geräuschvoller Atmung, eingeschränkter Belastbarkeit und Problemen bei Wärme führen.
Ein Mops, der nach wenigen Metern stark hechelt, laut atmet oder sich nur langsam erholt, ist deshalb nicht automatisch einfach untrainiert. Solche Anzeichen sollten ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Bei warmem oder schwülem Wetter steigt das Risiko zusätzlich. Spaziergänge sollten dann in die kühleren Tageszeiten verlegt werden. Bei sichtbaren Atemproblemen, starker Erschöpfung oder Anzeichen einer Überhitzung braucht der Hund sofort eine Pause und gegebenenfalls tierärztliche Hilfe.
Das Mops-Gesicht hat gesundheitliche Folgen
Das kurze Gesicht macht den Mops für viele Menschen unverwechselbar. Gleichzeitig kann die extreme Ausprägung gesundheitliche Probleme begünstigen.
Betroffen sein können die Atemwege, die Augen, die Hautfalten und die Zähne. Brachyzephale Hunde haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Hitzeprobleme und eine eingeschränkte Belastbarkeit.
Auch das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle. Übergewicht verschärft die Belastung beim Atmen und Bewegen und kann bestehende Probleme deutlich verschlimmern.
Deshalb sollte man beim Mops nicht nur darauf achten, wie niedlich ein Welpe aussieht. Die wichtigere Frage lautet: Kann der Hund frei atmen, sich ausreichend bewegen und seinen Alltag ohne dauerhafte Einschränkungen bewältigen?
Ein etwas längerer Fang ist kein Schönheitsfehler. Wenn ein Hund dadurch besser atmen kann, ist das ein gesundheitlicher Vorteil.
Bei der Auswahl eines Welpen sollten Interessenten deshalb auf frei atmende Elterntiere, belastbare Hunde und nachvollziehbare Gesundheitsuntersuchungen achten. Im VDH ist ein Belastungstest seit 2009 Voraussetzung für die Zuchtverwendung von Möpsen.
Der Mops ist kein Sportgerät
Ein Mops braucht Bewegung, sollte aber nicht wie ein Sporthund behandelt werden. Gemütliche Spaziergänge, kurze Trainingseinheiten und geistige Beschäftigung können sinnvoller sein als Joggingrunden oder lange Märsche bei warmem Wetter.
Auch Suchspiele eignen sich gut. Ein Mops, der ein Leckerchen mit der Nase sucht, kann dabei konzentriert und begeistert sein.
Bei Futter und Belohnungen sollte man jedoch die Tagesration im Blick behalten. Übergewicht ist für einen brachyzephalen Hund besonders ungünstig. Der Mops selbst wird dieses Problem nicht lösen. Ein zweites Abendessen würde er vermutlich trotzdem begrüßen.
Ein erstaunlich lustiger Hund
Trotz der gesundheitlichen Themen ist der Mops ein ausgesprochen unterhaltsamer Begleiter.
Er hat Charme und einen ausgeprägten Sinn für Aufmerksamkeit. Er kann auf dem Sofa so liegen, dass niemand versteht, wie diese Position bequem sein soll. Beim Essen kann er einen ansehen, als hätte er seit drei Tagen nichts bekommen.
Nach einem kurzen Spaziergang wirkt er manchmal, als hätte er gerade eine mehrtägige Wanderung hinter sich. Dabei waren es vielleicht nur wenige Kilometer.
Der Mops hat seine eigene Dramaturgie. Das macht ihn für viele Menschen so liebenswert.
Erziehung mit Geduld und klaren Regeln
Der Mops ist intelligent und lernfähig. Trotzdem geht er nicht jede Übung mit dem Ernst eines Diensthundes an.
Positive Verstärkung und kurze, abwechslungsreiche Trainingseinheiten sind meist sinnvoller als Druck. Der Mops kann gut mitarbeiten, hat aber häufig seinen eigenen Kopf.
Wenn eine Übung für ihn keinen erkennbaren Sinn ergibt, lässt seine Motivation möglicherweise nach. Das ist kein Grund, ihm alles durchgehen zu lassen.
Auch ein Mops braucht Regeln. Er sollte lernen, ruhig zu warten, nicht an Menschen hochzuspringen, sich anfassen zu lassen und im Alltag zuverlässig auf seine Bezugsperson zu reagieren.
Freundliche Konsequenz ist dabei wichtiger als Härte.

Das Sofa gehört dem Mops
Nicht unbedingt rechtlich. Praktisch sieht es allerdings manchmal anders aus.
Wenn ein Mops beschlossen hat, dass sein Platz direkt neben seinem Menschen ist, wird es schwierig, diesen Platz zurückzubekommen.
Er legt sich hin.
Man rückt ein Stück.
Er rückt nach.
Man rückt noch einmal.
Der Mops ebenfalls.
Irgendwann sitzt der Mensch auf einem schmalen Streifen Sofafläche, während der Hund den Rest einnimmt.
Der Mops schaut zufrieden.
Das Problem ist gelöst.
Was bleibt?
Der Mops ist ein kleiner Gesellschaftshund mit langer Geschichte, eigenem Charakter und ausgeprägtem Bedürfnis nach menschlicher Nähe.
Er kann ein liebenswerter, fröhlicher und anhänglicher Begleiter sein. Er passt zu Menschen, die einen Hund suchen, der gern mitten im Familienleben dabei ist und keine sportlichen Höchstleistungen verlangt.
Gerade beim Mops darf man das Aussehen jedoch nicht von der Gesundheit trennen. Ein Hund soll frei atmen können. Er soll sich bewegen, schlafen, spielen und sein Leben genießen können, ohne dass seine körperlichen Merkmale ihn unnötig behindern.
Das ist wichtiger als ein besonders kurzer Fang, ein stark gefaltetes Gesicht oder ein möglichst runder Kopf.
Beim Mops sollte deshalb nicht die erste Frage sein, ob er süß aussieht.
Das tut er.
Die entscheidende Frage lautet, ob er gesund genug ist, um all die Dinge zu tun, wegen derer man ihn gern bei sich hat.
Und wenn er dann neben einem auf dem Sofa sitzt, leise schnaubt und einen beleidigten Gesichtsausdruck aufsetzt, weil man gerade aufstehen möchte, ist eigentlich alles gesagt.
Der Mops braucht keine großen Worte.
Er hat ja dieses Gesicht.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

