Warum mein Hund auf dem Rückweg plötzlich langsamer wird

Auf dem Hinweg konnte es nicht schnell genug gehen. Jetzt sehe ich unsere Haustür schon, aber mein Hund hat noch etwas vor. Er untersucht eine Ritze im Gehweg. Dann den Zaunpfosten daneben. Ich stecke den Schlüssel wieder in die Jackentasche.
Offenbar dauert es noch.
Mein erster Gedanke: Er möchte einfach nicht nach Hause. Das wäre zumindest eine Erklärung, mit der ich mich sofort anfreunden könnte. Draußen ist es interessant, drinnen kenne ich das Programm ja selbst.
Nur weiß ich damit noch nicht, warum er tatsächlich langsamer wird. Ein Geruch kann ihn aufhalten, etwas kann ihn verunsichern. Auch Müdigkeit oder Schmerzen kommen infrage. Am Tempo allein lässt sich das nicht unterscheiden.
Die Hecke haben wir doch schon gesehen
Ich bin ziemlich sicher, dass diese Hecke auf dem Hinweg auch schon da war. Vorhin sind wir daran vorbeigelaufen. Jetzt steckt seine Nase so tief zwischen den Zweigen, dass ich überlege, ob ich ihn gleich mitsamt einem kleinen Ast wieder herausbekomme.
Ich warte.
Er schnüffelt.
Ich ziehe den Ärmel über die Finger und schaue zur Haustür. Sie ist nicht näher gekommen.
Aus meiner Sicht passiert gerade wenig. Für einen Hund kann ein interessanter Geruch allerdings Grund genug sein, stehen zu bleiben. Dazu braucht es keinen Plan, den Spaziergang künstlich zu verlängern. Unsicherheit kann ebenfalls dahinterstecken, wenn ein Hund nicht weitergeht.
Ich schaue deshalb genauer hin: Ist er mit der Nase beschäftigt und läuft danach locker weiter? Oder beobachtet er etwas, zögert und möchte sich einer bestimmten Stelle nicht nähern?
Das macht einen Unterschied. Auch wenn ich in beiden Fällen mit derselben Leine in der Hand dastehe.
Vielleicht bin ich plötzlich zu schnell
Auf den letzten Metern fällt mir ein, was zu Hause noch wartet. Die Wäsche müsste aus der Maschine. Ich wollte jemanden zurückrufen. Und die Schuhe sind inzwischen auch nicht mehr ganz trocken.
Bis eben bin ich spazieren gegangen. Jetzt möchte ich ankommen.
Mein Schritt wird länger. Der Hund bleibt zurück, und ich denke: Warum bummelt der denn jetzt?
Möglicherweise bummelt er gar nicht. Möglicherweise bin ich gerade ohne Absprache in einen anderen Gang gewechselt.
Der Gedanke gefällt mir weniger gut als die Geschichte vom Hund, der nicht nach Hause will. Er nimmt mir nämlich die Möglichkeit, allein ihm die Verzögerung anzulasten.
„Eben ging es doch noch“
Wenn mein Hund am Anfang munter losläuft und später langsamer wird, liegt mir dieser Satz schnell auf der Zunge.
Dabei ist zwischen „eben“ und „jetzt“ eine ganze Runde vergangen.
Bleibt er nur an einer interessanten Ecke stehen? Oder fällt ihm inzwischen die ganze Strecke schwerer? Kommt er nach dem Ausruhen gut wieder hoch? Geht er Treppen wie gewohnt?
Gerade solche Veränderungen verdienen Aufmerksamkeit. Steifheit, Schwierigkeiten beim Aufstehen und Probleme mit Treppen können Anzeichen für Schmerzen sein, auch bei älteren Hunden.
Ich möchte rein. Er ist noch beschäftigt.
Ich muss aus den letzten Metern nicht sofort eine Übung machen. Erst einmal kann ich schauen, was ihn aufhält.
Schnüffelt er entspannt, lasse ich ihm, soweit die Umgebung es erlaubt, noch einen Moment. Wirkt er unsicher, möchte ich ihn nicht einfach hinter mir herziehen.
Eine längere Runde ist deshalb auch nicht automatisch die richtige Antwort. Ich möchte erst unterscheiden, ob er noch etwas erkunden will oder ob die Strecke schon zu viel war.
An diesem Zaun beschäftigt mich zunächst etwas anderes: Wie lange kann man eigentlich an derselben Stelle riechen?
Mein Hund hebt den Kopf.
Ich greife nach dem Schlüssel.
Er geht einen halben Meter weiter und senkt die Nase wieder.
Ich lasse die Hand in der Tasche.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

