Rottweiler

Rottweiler: Sieht gefährlich aus, möchte aber erst einmal wissen, was heute auf dem Plan steht

Der Rottweiler
Bild KI generiert

Der Rottweiler hat ein kleines Imageproblem.

Man sieht ihn – und denkt sofort an einen gefährlichen Hund.

Schwarzes Fell, kräftiger Kopf, breiter Brustkorb, ordentlich Muskulatur. Dazu dieser Blick, der zumindest auf einem Foto so wirken kann, als hätte man gerade etwas ziemlich Falsches gemacht.

Dabei kann ein Rottweiler zu Hause durchaus der Hund sein, der einem hinterherläuft, wenn man nur kurz in die Küche geht.

Nicht, weil er kontrollieren möchte, ob man dort heimlich etwas anstellt.

Er möchte einfach dabei sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man seine imposante Erscheinung ignorieren sollte. Ein ausgewachsener Rottweiler bringt einiges an Körperkraft, Selbstbewusstsein und Arbeitseignung mit. Genau daraus entstehen sowohl seine Stärken als auch seine Anforderungen an die Haltung.

Der Name kommt aus Rottweil

Die Geschichte der Rasse ist eng mit der Stadt Rottweil verbunden. Hunde dieses Typs wurden dort für den Viehtrieb und die Bewachung von Herden eingesetzt. Weil viele Metzger zu den Nutzern gehörten, wurde der Hund später auch als „Rottweiler Metzgerhund“ bezeichnet.

Die historischen Wurzeln reichen weiter zurück. Als Vorfahren gelten Hüte- und Treibhunde, die mit römischen Legionen über die Alpen kamen und in der Region um Rottweil mit einheimischen Hunden verpaart wurden. Aus dieser Arbeit entstanden kräftige, ausdauernde Hunde, die Vieh begleiteten, bewachten und bei der täglichen Arbeit mit Menschen zusammenarbeiten mussten.

Dafür brauchte man keinen Hund, der nur gut aussah.

Man brauchte einen, auf den man sich verlassen konnte.

Kraft allein hätte nicht gereicht. Der Hund musste aufmerksam sein, selbstständig handeln können und gleichzeitig kooperativ mit seinem Menschen arbeiten. Diese Mischung ist beim Rottweiler bis heute zu erkennen.

Der Hund, der nicht jedem gefallen muss

Viele Rottweiler begegnen Fremden zunächst ruhig und beobachtend. Sie müssen nicht jeden Menschen begeistert begrüßen. Das unterscheidet sie von Hunden, die jeden Besucher überschwänglich begrüßen möchten.

Der Rottweiler beobachtet eher.

Wer kommt da?

Was macht der?

Ist das wichtig?

Und muss ich mich darum kümmern?

Diese Ruhe wird manchmal als Misstrauen interpretiert. Sie kann aber auch einfach Ausdruck eines Hundes sein, der seine Umgebung aufmerksam wahrnimmt.

Gerade deshalb sollte man einen Rottweiler nicht dazu drängen, jeden Fremden freundlich zu begrüßen. Er muss nicht jeden Menschen mögen. Wichtiger ist, dass er lernt, sich in verschiedenen Situationen sicher und kontrolliert zu verhalten.

Das ist ein großer Unterschied.

Ein kräftiger Hund braucht einen verlässlichen Menschen

Beim Rottweiler gilt eine einfache Regel: Was bei einem kleinen Hund vielleicht nur lästig ist, kann bei einem großen, kräftigen Hund schnell zum Problem werden.

Wenn ein Rottweiler an der Leine zieht, ist das nicht mehr nur eine kleine Unannehmlichkeit.

Wenn er einen Menschen anspringt, ist das ebenfalls etwas anderes.

Und wenn er meint, einen anderen Hund unbedingt begrüßen zu müssen, sollte man als Halter nicht darauf hoffen, dass sich die Angelegenheit von selbst erledigt.

Erziehung ist deshalb beim Rottweiler keine Kür.

Sie gehört zur Grundausstattung.

Nicht mit Härte.

Nicht mit Einschüchterung.

Sondern mit klaren Regeln, guter Führung und einem Hund, der gelernt hat, sich auch in reizvollen Situationen zu orientieren und auf seinen Menschen zu beziehen.

Hinter dem Kraftpaket steckt ein lernfähiger Hund

Rottweiler gelten als intelligent, lernfähig und arbeitsfreudig. Viele Vertreter der Rasse eignen sich für Hundesport, Gebrauchshundearbeit oder andere Aufgaben – vorausgesetzt, Ausbildung, Sozialisation und Gesundheit stimmen.

Auch im normalen Familienalltag sollte man diese Eigenschaften berücksichtigen.

Ein Rottweiler braucht nicht zwingend stundenlange Beschäftigung. Er braucht aber verlässliche Struktur, passende Aufgaben und eine Beziehung, in der er weiß, was von ihm erwartet wird.

Training kann deshalb eine gute gemeinsame Beschäftigung sein.

Grundsignale.

Leinenführigkeit.

Rückruf.

Impulskontrolle.

Alltagssituationen.

Das klingt nicht spektakulär.

Ist aber genau die Grundlage dafür, dass aus einem kräftigen Hund ein souveräner Begleiter wird.

Die Sache mit dem Wachhund

Ein Rottweiler kann seine Umgebung aufmerksam wahrnehmen und auf Veränderungen reagieren. Das kann angenehm sein. Es kann aber anstrengend werden, wenn der Hund glaubt, er müsse sämtliche Entscheidungen im Haushalt selbst treffen.

Wer zur Tür kommt.

Wer am Garten vorbeigeht.

Wer auf der Straße steht.

Wer gerade im Treppenhaus spricht.

Ein Rottweiler kann durchaus melden, dass etwas passiert. Er sollte aber nicht zum selbst ernannten Sicherheitsdienst des Hauses werden. Wach- und Schutzverhalten sind keine automatischen Rassemerkmale. Sie hängen von Genetik, Sozialisation, Ausbildung und den Alltagserfahrungen des einzelnen Hundes ab.

Ein Hund, der glaubt, er müsse alles kontrollieren, hat keine besonders entspannte Aufgabe.

Und der Mensch übrigens auch nicht.

Deshalb gehört zur Erziehung eines Rottweilers auch die Erfahrung: Mein Mensch kümmert sich. Ich muss nicht alles regeln.

Kinder sind kein Freifahrtschein

Rottweiler können enge Beziehungen zu ihren Familien entwickeln und liebevolle Begleiter sein.

Trotzdem sollte man einen großen, kräftigen Hund niemals unbeaufsichtigt mit kleinen Kindern lassen.

Nicht, weil der Rottweiler grundsätzlich gefährlich wäre.

Sondern weil Größe, Gewicht und Kraft schlicht eine Rolle spielen.

Ein Hund muss nicht aggressiv sein, um ein Kind beim Spielen umzurennen.

Und ein Kind kann einen Hund ebenfalls unabsichtlich in eine unangenehme Situation bringen.

Deshalb gehören gegenseitiger Respekt und Aufsicht zum normalen Umgang.

Das gilt übrigens nicht nur für Rottweiler.

Beim Rottweiler fällt die Konsequenz eines Missverständnisses allerdings etwas größer aus.

Der Rottweiler ist kein Hund für nebenbei

Wer einen Rottweiler aufnehmen möchte, sollte wissen, worauf er sich einlässt.

Diese Rasse ist nicht einfach nur ein großer Familienhund.

Sie ist kräftig.

Selbstbewusst.

Intelligent.

Menschenbezogen.

Und sie braucht einen Halter, der sich mit Hunden beschäftigt.

Das bedeutet nicht, dass man jeden Tag stundenlang trainieren muss. Es bedeutet vielmehr, dass Regeln und Führung nicht erst dann interessant werden dürfen, wenn der Hund bereits ausgewachsen und körperlich stark ist.

Was beim Welpen niedlich aussieht, sollte beim erwachsenen Hund kontrollierbar sein.

Ein kleiner Welpe, der begeistert an einem hochspringt, ist noch kein Problem.

Ein ausgewachsener Rottweiler, der dieselbe Begrüßung praktiziert, schon eher.

Auch der Körper will vernünftig behandelt werden

Beim Rottweiler sollten Hüft- und Ellbogengelenke besonders beachtet werden. Hüft- und Ellbogendysplasie haben eine genetische Komponente, werden aber auch durch Wachstum, Gewicht, Bewegung und Belastung beeinflusst. Seriöse Züchter lassen die Gelenke ihrer Zuchttiere röntgen und legen die Befunde offen.

Auch beim Rottweiler ist deshalb ein vernünftiges Körpergewicht wichtig.

Und gerade im Wachstum sollte man nicht versuchen, aus einem jungen Hund möglichst schnell einen muskelbepackten Erwachsenen zu machen.

Der Hund wächst ohnehin.

Schnell genug.

Er kann erstaunlich anhänglich sein

EIn Rottweiler schaut seinen Besitzer an

Das ist vielleicht die Seite des Rottweilers, die Menschen überrascht, die ihn nur von außen kennen.

Viele Rottweiler sind sehr menschenbezogen und möchten nah bei ihrer Familie sein. Wie anhänglich ein einzelner Hund ist, hängt jedoch von seiner Persönlichkeit, Prägung und Beziehung zu seinen Menschen ab.

Da liegt ein großer, kräftiger Hund auf dem Boden.

Und wenn sein Mensch aufsteht, steht er ebenfalls auf.

Nicht aus Pflichtgefühl.

Einfach weil der Mensch aufsteht.

Geht der Mensch ins Wohnzimmer, geht der Hund mit.

Geht der Mensch in die Küche, kommt der Hund hinterher.

Setzt sich der Mensch hin, wird geprüft, ob irgendwo noch ein geeigneter Platz vorhanden ist.

Das kann durchaus einer sein, der eigentlich für den Menschen gedacht war.

Der Rottweiler ist eben nicht nur der kräftige Hund mit dem ernsten Gesicht.

Er kann ein ausgesprochen enger Begleiter sein.

Und manchmal merkt man dabei gar nicht, wie groß er eigentlich ist.

Bis er einem auf die Füße tritt.

Ein Hund, bei dem Vertrauen eine Rolle spielt

Ein guter Rottweiler muss nicht jeden Menschen mögen.

Er sollte aber gelernt haben, Menschen und Situationen sicher einzuschätzen und sich von seinem Halter führen zu lassen.

Genau deshalb sind frühe, gut aufgebaute Sozialisation und eine konsequente Erziehung so wichtig.

Der Hund soll unterschiedliche Menschen, Tiere, Umgebungen und Alltagssituationen kennenlernen.

Nicht als Dauerprogramm.

Aber so, dass Neues nichts Ungewöhnliches bleibt.

Ein souveräner Hund muss nicht alles toll finden.

Er muss damit umgehen können.

Das ist beim Rottweiler wichtiger als ein möglichst überschwänglicher Hund, der jeden Menschen begrüßen möchte.

Was bleibt vom großen schwarzen Hund?

Eine ganze Menge.

Ein Rottweiler kann ein loyaler, lernfähiger und sehr enger Familienhund sein.

Aber er ist keine Rasse, die man ausschließlich nach ihrem Aussehen auswählen sollte.

Wer einen Rottweiler möchte, braucht Zeit für Erziehung, muss Verantwortung übernehmen und sollte Freude daran haben, mit einem kräftigen Hund zu arbeiten.

Und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass dieser Hund von seiner Umwelt anders wahrgenommen wird als ein Golden Retriever.

Das ist nicht unbedingt gerecht.

Aber es ist Realität.

Ein Rottweiler kann freundlich sein und trotzdem Respekt auslösen.

Er kann ruhig sein und trotzdem beeindruckend wirken.

Und er kann zu Hause derjenige sein, der einem mit dem Kopf auf dem Schoß sitzt und offensichtlich der Meinung ist, dass jetzt eigentlich Kuschelzeit wäre.

Vielleicht ist das die eigentliche Überraschung an dieser Rasse.

Hinter dem kräftigen Körper steckt kein kleiner Hund, der sich für gefährlich hält.

Sondern ein ernst zu nehmender, intelligenter Arbeitshund, der bei den richtigen Menschen sehr viel Vertrauen entwickeln kann.

Und wenn er einem dann mitten im Wohnzimmer im Weg liegt, bleibt eigentlich nur eine Frage:

Warum liegt ausgerechnet dieser große Hund genau dort?

Die Antwort kennt der Rottweiler.

Er verrät sie nur nicht.

Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Gründer von welpen.de (1997) und Hauptautor der Plattform seit 1997. Seine Hunde-Artikel verbinden fast 35 Jahre persönliche Erfahrung in der Hundehaltung mit sorgfältiger Quellenrecherche und journalistischer Redaktion.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.