Hüftgelenksdysplasie

Viele Hundebesitzer scheinen Angst vor dem Ergebnis zu haben. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sie es einfach nicht fertig bringen, ihren Hund auf Hüftgelenksdysplasie (HD) röntgen zu lassen, obwohl sie es dem Züchter versprochen und vielleicht sogar im Kaufvertrag unterschrieben haben?

Deshalb möchte ich versuchen, ein bisschen Licht in diese Sache zu bringen. Mit etwas mehr Verständnis sind Sie ja dann hoffentlich doch bereit, Ihrem Hund was Gutes zu tun.

Das Röntgen ist eine einfache Angelegenheit. Der Hund muss in die gestreckte Lage gebracht werden. Dabei werden die Beine gestreckt und etwas nach innen gedreht. Das ist zwar keine schmerzhafte Prozedur, aber welcher ausgewachsene Hund läßt das mit sich machen und bleibt dann auch noch „entspannt“ liegen, bis die Aufnahmen gemacht sind?

Sie verstehen also, dass dies nicht ohne Narkose geht. Aber ich verstehe auch diese große Angst, die das Röntgen begleitet. Immer wieder hört man, dass ein Hund 24 Stunden im Delirium taumelte und hin und wieder auch, dass ein Hund nie mehr erwachte.

Wir empfehlen unseren Welpenkäufern unseren Tierarzt an. Er kennt sich mit der Rasse aus und kann so die Dosis der Narkose genau bestimmen. Er hat den Bogen raus und unsere Hunde können meist schon selbst laufend die Praxis verlassen. Manche brauchen ein bisschen länger, aber sie sind immerhin wach.

Probleme mit der Narkose hatten wir noch nicht ein einziges Mal. Fragen Sie doch mal Ihren Züchter. Dann kann eigentlich nichts schief gehen.

Wie äußert sich HD:

Bei einer HD bis Leicht werden Sie in den meisten Fällen kaum Symptome feststellen können. Hat Ihr Hund z.B. HD-Mittel oder -Schwer, ist es nicht ratsam, mit ihm intensiv Breitensport zu betreiben oder ihn über jeden Baustamm und jede Parkbank springen lassen, denn das geht voll auf die Gelenke.

Sie gehen zwar viel mit ihm spazieren, aber das menschliche Tempo ist keines, bei dem der Hund seine Muskulatur aufbauen kann (da passiert bei uns auch nichts). In den Jahren hat er vielleicht auch einige Kilos zu viel auf die Rippen bekommen. Das ist in dem Fall alles Gift für ihn und – ohne es zu wollen – schaden sie ihrem Hund. Im Alter kommen dann die Probleme. Aber dann ist es meist zu spät und Ihr Hund leidet.

Die Symptombeschreibung von schwerer HD aus „Praktikum der Hundeklinik“ von Hans G. Niemand und Peter F. Suter:

Die Tiere zeigen verminderte Aktivität, spontane Lahmheit mit Schwierigkeiten beim Aufstehen und verkleinerten Bewegungswinkel des Hüftgelenks. Passive Bewegung des Hüftgelenkes ist schmerzhaft.

Was heißt das ?: Am besten vergleichen Sie ihn mit anderen Hunden.

  • Spielt ihr Hund nicht so ausdauernd.
  • Hört er ziemlich schnell auf, mit den anderen zu rennen und geht gemütlich neben Ihnen her?
  • Haben Sie das Gefühl, das er schon nach einem kurzen Spaziergang nicht mehr will?
  • Lieber liegt er und es braucht seine Zeit, bis er aufgestanden und richtig „in Gang“ ist.
  • Er bewegt sich hinten eng und „staksig“.
  • Er klemmt sein Rute ein, auch bei Situationen, wo er sich eigentlich freuen müsste.

Dann sollten Sie das Röntgen nicht länger hinaus zögern!

Bei der Auswertung werden folgende Kriterien bewertet:

Qualität der Aufnahme:

Hier ist es sehr wichtig, dass der Hund in gestreckter Haltung symmetrisch liegt, die Gelenke gut gestreckt und gut eingedreht sind und parallel zueinander liegen. Um das zu erreichen muss der Hund in Narkose sein. Es ist auch wichtig, darauf zu achten, dass man mit beiden Händen im „Gleichzug“ den Hund streckt.

Beckenpfanne:

Im Gesamteindruck: ob sie schön tief ist, ob der vordere Pfannenrand scharf konturiert und die vordere Pfannenkontur rund auslaufend ist. Oberschenkelkopf: kugelförmig oder abweichend

Sitz der Pfanne:

tief oder abweichend. Oberschenkelhals: ob er schlank, vom Kopf abgesetzt und scharf konturiert ist, oder eher walzenförmig oder unscharf mit Auflagerungen. Messung des Norberg-Winkels: 105° oder abweichend

Diese Kriterien entscheiden anschließend, ob ein Hund keine HD oder eine der Abstufungen hat.

Es gibt die Stufen Frei, Verdacht, Leicht, Mittel, Schwer.

Was ist dann zu tun?

Lassen Sie sich die Aufnahme und die Auswertung von Ihrem Züchter oder Tierarzt erklären, damit Sie die Beurteilung verstehen. Von Frei bis Leicht wird der Hund keine Probleme bekommen. Ab Mittel sollte man die oben erwähnten Einschränkungen einhalten und es wird dem Hund sicher gut gehen, wenn Sie ihn immer fit halten und für eine sehr gute Muskulatur sorgen. Von Schwer bis Katastrophe (also operationsbedürftig) ist der Weg oft noch sehr weit.

Da es dafür keine Stufe gibt, fallen eben unter „Schwer“ auch Deformationen bis hin z.B. zur fehlenden Pfanne oder fehlenden Kugel.

Sollte ein Eingriff nötig sein, ist es sicher auch ratsam, sich noch eine weitere Meinung einzuholen und dann natürlich die richtige Klinik, also eine, die Erfahrung auf diesem Gebiet hat, zu finden. Aber Gott sei Dank sind Operationen in der absoluten Minderheit. Die Masse bewegt sich zwischen Frei und Mittel.

Hüftgelenksdysplasie
Hüftgelenksdysplasie

An der Zeichnung A können Sie sehen, wie eine gesunde Hüfte aussieht: Die Kugel hat eine schöne und gleichmäßig Form und sitzt tief in der Pfanne. Bei der Zeichnung B sehen Sie eine Pfanne, die nicht sehr gut ausgebildet ist und bei C hat die Kugel eigentlich gar keinen Halt mehr. Die Veränderung des Winkels können Sie auch sehr gut sehen.

Gehören Sie zu den Glücklichen, deren Hund HD-Frei ist, dann tragen Sie das mit voller Zufriedenheit!

Vergessen Sie dabei auch nicht: Sie tun es auch für ihren Züchter. Viele Kriterien sind für ihn wichtig, um ihm Aufschluß zu geben, ob diese Paarung erfolgreich war. Nur die HD-Auswertung des ganzen Wurfes hat Aussagekraft! Ein gewissenhafter Züchter verzweifelt fast daran, wenn er es nicht schafft, alle seine Hunde zum Röntgen zu bringen.

Die Käufer machen ihre Aufwartung mit den tollsten Ausreden (keine Zeit, es verändert das Wesen, Angst, dass er nicht mehr aufwacht usw.) bis Desinteresse, obwohl sie es zur Welpenabgabe versprochen haben. Nach über einem Jahr wollen viele nichts mehr davon wissen.

Nun könnte der Züchter auf die Unterschrift im Kaufvertrag pochen, aber wer geht dann schon bis vor den Kadi? Das ist einfach nicht durchführbar. Also appelliere ich hier für alle Züchter: Gehen Sie mit ihrem Hund zum HD-Röntgen. Sie haben dadurch keinen Nachteil. Sie sind am Ende nur schlauer und können ggf. richtig handeln.

Stellen Sie nach Jahren fest, was Sie versäumt haben, ist das sehr ärgerlich, denn meistens ist es dann zu spät. Hat der Hund HD, gibt es viele Wege, ihm ein Leben zu ermöglichen, bei dem er ohne große Probleme alt werden kann. Sie tun doch auch sonst alles für ihn!

Beispiele:

Unsere 14-jährige Hündin hat HD-Mittel und seit ihren jüngsten Jahren schwere Arthrose. Als wir das im Alter von 16 Monaten erfuhren, stellten wir den Breitensport ein. Wir ließen sie nicht mehr gezielt über Hindernisse springen und achteten immer auf eine gute Figur (schlank).

Aber wir ließen ihrem eigenen Lauf- und Springbedürfnis immer freien Lauf, und auf unseren ausgiebigen Wanderungen und Bergtouren war sie immer mit dabei (jetzt ist sie zu alt). Als Ausgleich fuhren wir mit unseren Hunden viel Fahrrad (die Hunde liefen natürlich).

Das hält sie unheimlich fit und baut eine sehr gute Muskulatur auf. Wieviel das bringt, merken wir im Winter, wenn wir wegen Schnee nicht fahren können. Man merkt ihr ziemlich schnell an, wie sie träger und steifer wird. Unser altes Mädchen läuft heute noch kleine Runden am Fahrrad mit und sie wird sicher nicht an der HD sterben!

Manchmal können auch Tierärzte ganz schön was anstellen:

Kürzlich besuchte uns ein Welpenkäufer, der den Röntgentermin bei unserem Tierarzt nicht abwarten konnte, mit einer Aufnahme von seinem Tierarzt und was wir dann zu hören bekamen, rollte uns die Fußnägel hoch. Durch eine zu hohe Dosierung der Narkose war der Hund einen ganzen Tag im schlaftrunkenen Zustand. Die Aufnahme war nicht sehr gut und nicht symmetrisch – zum Auswerten nicht geeignet.

Aber wir sahen, dass der Hund auf dieser Aufnahme allenfalls HD-Leicht haben würde. Der Tierarzt diagnostizierte ihnen dann aber einen „kranken“ Hund, der jetzt schon Arthrose hat.

Die Auswertung soll mind. HD-Mittel sein. Der Hund darf keinen Hundesport mehr machen, an keinen Bergtouren teilnehmen, soll möglichst ruhig gehalten werden, um dann doch in ein paar Jahren wegen der HD eingeschläfert zu werden.

Verständlich, dass die Käufer stinksauer waren und es dauerte seine Zeit, bis sie bereit waren, mit uns darüber zu sprechen (natürlich ist immer der Züchter Schuld). Wir konnten keine Arthrose feststellen und die Einschränkungen sind in dem Fall absoluter Quatsch und wären, selbst wenn es wirklich HD-Mittel wäre, total überzogen!

Wir zeigten ihnen zum Vergleich viele HD-Aufnahmen und natürlich auch die von unserer alten Hündin (HD-Mittel und Arthrose).

Ein sichtbarer Unterschied, der dazu führte daß völlig erleichtert diese Hundebesitzer nun wieder auf den Hundeplatz gehen, Bergtouren machen usw. Die größte Erleichterung war, dass sie ihren Wirbelwind nicht mehr ruhig stellen müssen.

Aus unserer Zucht von insgesamt 114 Welpen (in 10 Jahren) haben drei Hunde schwere HD und auch einige mit HD-Mittel. Aber keiner dieser Hunde musste operiert werden. Die Besitzer hielten sich an unsere Empfehlungen und diesen Hunden geht es sehr gut.

Der Älteste davon wird bald 10 Jahre alt. Ein Hund musste mit nicht mal einem Jahr operiert werden. Er zeigte alle Symptome einer HD: Lahmheit, Bewegungseinschränkungen, eingeklemmte Rute (vor Schmerz).

Die Röntgenaufnahmen zeigten, dass die Gelenke sehr gut ausgebildet waren. Aber die Bänder waren zu lang und somit hatte die Kugel zu viel Spiel und saß nicht in der Pfanne. Die Bänder wurden also gekürzt und ich sah den Hund ein halbes Jahr nach dem Eingriff. Diese Lebensfreude trieb einem fast die Tränen in die Augen (weil wir ja wußten, wie es ihm vorher ging). Er wird inzwischen auch 10 Jahre alt!

Was wäre aus diesen Hunden geworden, wären sie nicht geröntgt worden? Diese Frage können Sie sich selbst beantworten!