Charakterentwicklung von Hunden

Selbstbewußtsein
Charakterentwicklung, „Sauberkriegen“ und Pubertät

Soll Ihr Hund selbstbewußt auftreten und selbstsicher werden oder ein Befehlsempfänger, unterwürfig oder gar ängstlich?

Unterdrücken Sie ihn nicht nur körperlich, sondern auch psychisch (barsche Töne, Nichtbeachtung, Vermeiden von Spielen, keine Zeit für ihn haben), so erhalten Sie das Produkt Ihrer Erziehung: einen ständig nach Anerkennung heischenden Hund, der nicht begreift, daß Sie ihn zu sich geholt haben und offensichtlich doch nicht mögen oder brauchen.

Sie erhalten auch einen Hund, der aus dieser Unsicherheit ängstlich oder angstbeißend wird. Er hat keine andere Wahl, als sich bemerkbar zu machen, als sich ständig anzubieten oder zu provozieren.

Und wenn er herausfordert, dann kriegt er eins übergebraten. Schließlich stumpft er ab, weil er nicht gefordert/gefördert wird. Da kann man keine Leistung von ihm erwarten.

Wie macht man es richtig, so daß er ein Ihren Erwartungen und Ihrem Charakteranspruch gleichwertiger Partner wird? Indem Sie ihn ansprechend beschäftigen, seinen formbaren Charakter beeinflussen, seine Neugier spielerisch lenken – wie im richtigen Hundefamilienleben auch.

© Radoslaw Korga - Fotolia.com
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So bauen Sie seinen Charakter richtig auf:

Beim Spielraufen mehrheitlich gewinnen lassen (körperlich obenauf). Nur wenn er zu frech wird und Ihre Alphaposition (Boss-Status) angreift, wird er in seinen Rang zurückgeschubst. Wie bei Welpenspielen eben auch. Da darf jeder mal gewinnen und verlieren. Dabei üben die Welpen Dominanz und Subdominanz (Über- und Unterordnung).

Nebenbei trainieren sie das Beutefangen. Ein Hund, der ständig verlieren muß, wird kein Selbstbewußtsein entwickeln können. Er lernt nur das Kleinbeigeben.

Bei diesen Spielen (Sie steuern Anfang und Ende), die nur eine Viertelstunde lang dauern sollten, sonst verliert der Welpe die Lust, bieten Sie ihm Ihren Körper auf allen Vieren als „Opfer“ an, kauernd, Kopf nach schräg unten, also in leicht zu erobernder Haltung.

Wird er zu frech, richten Sie Ihren Körper wieder auf, wie ein dominanter Hund, der sich größer machen will gegen seinen Spielraufpartner.

Dann kehrt sich die Spielrangfolge um. Der Hund wird dies sofort begeistert als Fangspiel umfunktionieren und aufnehmen. Dann wieder darf er der Sieger sein.

Dabei nehmen Sie – als Mittel der „Unterwerfung“ – das auf den Boden drücken (nur ein paar Sekunden lang!), bei Welpen den Überschnauzenbiß auf. Den Fang können Sie auch mit der Hand ausführen. Aber nie länger als ein paar Sekunden, bis der Raufbold mit den Zeichen seiner Niederlage aufgibt. Ringer klopfen dafür auf die Matte. Es guckt ja kein Fremder zu.

Sie werden überrascht sein, wie dies auf den Welpen wirkt. Wie bei Hundemama. Also perfekt im Verständnis des Hundes.

Jetzt kommt die Entscheidung, ob Sie den Hund als devot trainieren oder zum Selbstbewußtsein, zur Selbstsicherheit aufbauen.

Denn bevor Sie das Spiel beenden, muß er das Gefühl haben, stark gemacht worden zu sein, gewonnen zu haben. Er soll sich daran erinnern, als Sieger vom Schauplatz gegangen zu sein.

Aber er darf nach seinem „Sieg“ nie gelobt werden! So wächst sein Selbstbewußtsein, ohne daß er den Boss-Status erreicht. Denn das ist die Grenze. Sie richten sich wieder in Ihre menschliche Position auf, und gehen zur Tagesordnung über. Basta. Ende der Vorstellung.

Wird er ständig Sieger, lobt man ihn auch noch dafür, wird er von Ihnen unbewußt einen Rang höher eingestuft. Das fördert Schwierigkeiten, er wird zu dominant, nämlich dem Boss gegenüber. Sie haben ihn dazu gemacht.

Wer diese Spiele – mit der rangfestigenden Endeinstufung – mit seinem Welpen einmal am Tag übt, wird kaum Schwierigkeiten haben, daß der Hund mal aufsässig wird.

© emmi - Fotolia.com
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Er wird diese Spielrauferei im pubertären Alter (je nach Hundetyp zwischen sechs und zwölf Monaten) dazu ausnutzen wollen, seinen Rang zu verbessern, sich nach oben zu kämpfen. Wenn Sie dies zulassen, wird er Ihre Position spielerisch, später aggressiver einnehmen.

Strafen Sie dafür nicht den Hund, sondern sich selbst, indem Sie einen souveränen (und diese Eigenschaft meine ich sehr ernst, also keinen Gewaltdressierer) Ausbilder um Hilfe bitten müssen.

Damit er den Hund wieder dorthin korrigiert, wo Sie im Spiel versagt haben. Klingt hart, ist aber so – aus der Sicht des Hundes. Gerade bei veranlagt schwächeren Hunden – und mit schwach meine ich die charakterliche Veranlagung, nicht die körperliche Kraft – ist es wichtig, sie psychisch aufzubauen, zu fördern.

Nicht selbstbewußte Frauen neigen gern dazu, stark veranlagte Hunde schwach zu halten, damit sie keine Probleme bekommen. Sie haben weder über sich noch über ihren Hund Kontrolle.

Schlimmer sind devote Männer, die einerseits ihren Hund zu Ihresgleichen herabstufen, andererseits einen Terroristen aus ihm machen. Also das, was sie auf Grund Ihrer eigenen Unterordnung erfuhren. Da soll der Hund der späte Rächer aller Unterdrückungen sein. Ein ungesichertes Waffenpaar.

Es gilt nach wie vor die alte Regel: Wie der Halter, die Halterin, so der Hund.

Wobei es nicht verboten ist, eigene Schwächen über das Spiel mit dem Hund selbst zu korrigieren. Der Hund könnte dabei unfreiwillig zu einem kostengünstigen Psychotherapeuten werden.

Nur: der Hund darf dies nicht so verstehen. Er wird Schwächen anderer konsequent ausnutzen. Ich mache diese Rangspiele noch heute mit meinem Hund. Wir haben erstens unseren Spaß daran (Körperkontakt ist uns wichtig), zweitens ist unsere kleine Welt in Ordnung.

Freilich hat es mein sehr selbstbewußter Hund auch leichter mit nur einem, der über ihm steht. Eine Familie hat es schwerer. Da gibt es mehrere Abstufungen der Rangordnung. Und die einzuhalten, wird mit jedem Familienmitglied schwierig.

© Peter Atkins - Fotolia.com
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Am schwierigsten wird es in einer losen Wohngemeinschaft, wo jeder meint, er müßte ab und an mal am Hund herumerziehen. Ein schlauer Hund wird dann machen, was er will.

Er ist der einzige, der von Konsequenz eine Ahnung hat. Er ist der Boss, aber die WG-Genossen werden dies nie begreifen. Diese spielerische Rangordnung wird nicht greifen, wenn der Hund für den Rest des Tages allein bleiben muß. Er braucht zur Stabilität seiner Lebensgewohnheiten den Kontakt zur Familie, zu seinem Rudel.

Er braucht dazu noch ständige Beschäftigung. Mit Beschäftigung sind nicht Schmusen und Knuddeln gemeint, auch keine langweiligen Spaziergänge an der Leine, sondern hundegerechte Aufgaben. Auch dabei wird die Bindung von Hund zu Halter gefördert. In freier Bewegung, mit anregenden Aufgaben wird er seine Talente entwickeln.

So wird er ein ausgeglichenes Hundeleben führen. Seine zufriedene Mienen danken es Ihnen. Selbstbewußtsein muß zuerst vom prägenden Halter ausgehen, der diese Souveränität dann an den Hund weitergeben soll. Hindert er den Hund schon in den ersten Tagen – den stark prägenden – daran, ist der Halter weder selbstlos noch selbstbewußt, sondern ein Unterdrücker.

Entscheidend ist nicht so sehr das Abgabealter des Welpen, nicht unter acht, nicht über 12 Wochen, sondern: wie er vorher schon geprägt wurde: nämlich mindestens von seiner leiblichen Mutter, und dann dem einfühlsamen Züchter.

© nicouane - Fotolia.com
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Und nicht etwa von Fremdpersonen oder gar Massenzüchtern, die mehrere Hündinnen mit mehr als 40 Welpen halten. Die Individualität in dieser entscheidenden Prägephase, die der Käufer nochmals modifiziert und idealerweise festigt, entscheidet über den künftigen Charakter des Hundes.

Bei allen höheren Lebewesen: Prägung auf sozialen Umgang, Lebenswillen und Selbstsicherheit. Isolation, übertriebene Fürsorglichkeit und Überforderung bewirken das Gegenteil.

Selbstsicher reagiert ein Hund, wenn er sich ohne den Schutz des Halters der Gefahr oder der Bedrohung stellt. Ein selbstsicherer Hund wehrt sich gegen solche Bedrohungen; ein unsicherer weicht aus, taucht ab, klemmt den Schwanz ein, oder er wird aus Angst beißen.

Die Ursache dieses Verhaltens weist immer auf seine Haltungsbedingungen, vor allem auf den Halter zurück.

Daß Pferde- und Hundeausbildung vornehmlich mit dem Männlichkeitswahn der brutalen Machtausübung, der Willensbrechung einherging, spüren und sehen wir heute noch auf vielen Koppeln und Plätzen. Vertrauen und Einfühlungsvermögen wird jedoch den Frauen zugesprochen.

Nur darin liegt die Zukunft der Tierausbildung.

Welpen-Sauberkriegen oder: Wo ist mein Klo?

Gerade eben bekam ich über meinen elektronischen Briefkasten eine Notfallmeldung: „Hilfe! V. ist nun schon drei Wochen hier und er macht immer noch rein. Er meldet sich nicht bei mir. Was soll ich tun, damit er sauber wird?“

Zuerst kapieren, daß er schon sauber war. Nur sein Klo wurde ihm von seiner Hundemutter gezeigt: Raus aus dem Nest! Da, wo die anderen hinmachen, ist auch dein Klo.

Nun kommt der Welpe aber in völlig andere Wohnungs- und damit Klo-Verhältnisse. Das sind plötzlich Türen, da ist alles anders. Wir müssen es ihm also wieder zeigen, wohin er machen darf und vor allem – wohin nicht.

Das heißt: ihn genau beobachten (siehe auch Kapitel „Hundeverständnis“), wie und wann er unruhig wird, nach seinen oder ähnlichen Duftmarkierungen schnüffelt, die ihm sein neues Klo zeigen könnten.

Er sucht. Diesen Zeitpunkt müssen Sie von Anfang an exakt beobachten und danach handeln: Ihn sachte am Genick aufnehmen (dann tritt bei ihm die Genickstarre ein, jener verletzungsarmer Zustand der Starre, wenn ihn seine Mutter transportiert) und flugs dorthin transportieren, wo er abgelassen wird und hinmachen darf. Das ist sein Klo. Macht er dann auch, dann loben Sie ihn über den grünen Klee.

Diese Übung liegt an Ihrer Aufmerksamkeit und wird sich ein paar Mal wiederholen müssen.

Die Malheurs passieren natürlich. Der Welpe vergißt sich im Spiel. Dann rufen Sie ein „Nein!“, am besten geknurrt, denn dieses Verbotshörzeichen kennt er am besten von seiner Mutter. (Haben Sie schon mal einen Hund „Pfui“ rufen hören?)

Sie nehmen ihn wieder am Genick auf und transportieren ihn auf sein Klo. Dort bleiben Sie so lange, bis er gemacht hat. Dann wird er gelobt. Bekommt gar ein Leckerle. Es liegt an Ihrer Konsequenz, wie schnell Sie ihn auf sein neues Klo umgestellt haben. Ich hatte meinen Rüden innerhalb von fünf Tagen wieder trocken.

In die Pfütze tunken oder gar schimpfen – das versteht der Hund nicht. Oder haben Sie schon mal eine Mutterhündin gesehen, die ihre Welpen in die Pfütze stößt? Eben.

Sie müssen schon sein Verhalten vorher – also im Ansatz – registrieren, bevor das Malheur passiert. Seien Sie geduldig. Und wenn es doch dort passiert ist, wo er nicht darf, müssen Sie den Geruchsort sofort neutralisieren. Mit einem starken, aber ungiftigen Mittel. Wenn dies nicht so hundenasenrein gesäubert wird, ist weiterhin ein Ersatzklo aufgemacht.

Übrigens zeigte mein Rat nach der Reinmach-Mail Wirkung. Als Dank bekam ich ein witziges Foto gemailt.

Jugend-Verständnis

Das Geheimnis der verständnisvollen und gewaltfreien Entwicklung jedes höheren Lebewesens liegt im Vertrauen und in der geförderten Selbstsicherheit. Unterdrückte bilden wieder Unterdrückte aus, Souveräne belassen anderen ihren Willen. Das fängt in den ersten Lebenstagen an. Der erste Schrei bei Kindern ist Angst. Es liegt an uns, ihm Vertrauen und Selbstsicherheit beizubringen.

Junge Tiere der höheren Entwicklungsstufen reagieren nicht anders. Üben die Lehrer Gewalt aus, lernt es Gewalt und Angst.

Das frühe Spielen mit dem Hund, und zwar hundeverständliches Spielen – trainiert ihn für das spätere Leben.

Spielen ist gefahrloses Training für das (Über-)Leben. Spielen darf aber nicht als Albernheit mißverstanden werden. Unter Welpen wird so gespielt, daß mal der eine gewinnen darf und mal der andere. Unterdrückt ein Welpe die anderen ständig, wird er von den Hundeeltern körper- wie lautsprachlich konsequent korrigiert.

© ots-photo - Fotolia.com
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Im Kapitel „Hundeverständnis“ mit den laut- und körpersprachlichen Kommunikationsmitteln lernten Sie die einfachsten Verhaltensmuster von Hunden kennen.

Nun stimmen Sie ihr Verhalten mit dem des auch geistig wachsenden Hundes ab. Je eindeutiger dies vom Hund verstanden wird, um so schneller und fehlerloser ist das Miteinander. Das beste Beispiel sind dafür sprachbehinderte Menschen und taube Hunde. Dafür werden die Sichtzeichen verstärkt und verfeinert. Gemeinsam lernen Mensch und Hund schneller. Dies ist das beste Argument für einen Gruppenunterricht.

Wobei die Hunde sich als typische Gesellschaftstiere schneller ordnen als die Menschen. Ausbilder wünschen sich oft, sie könnten die ängstlichen Halter für eine halbe Stunde hinter eine schalldichte Glastür sperren, damit sie kommentarlos beobachten können, wie fix sich die Hunde untereinander ordnen.

Aber nur, wenn sie schon in jüngsten Wochen Sozialordnung gelernt haben, die immer von ihren ersten Menschen ausgeht, die sie prägten.

In ist gerade das Angebot wuchernder Ausbildungsprogramme in Hundeschulen unter dem sinnwidrigen Begriff „Welpenprägungsspieltage“.

Ein trauriger Begriff, wer sich auskennt. Erstens darf Prägung nicht als Spiel verstanden werden, denn es ist die entscheidende Aufgabe der Rudeloberen (Besitzer), zweitens wird man doch wohl keine Junghunde mehr welpenartig „prägen“ wollen, denn dies geht nur im Welpenalter (bis ca. vier Monate). Es muß offensichtlich solche „Tage“ geben, weil Züchter und Halter die Prägung versäumten. Was dabei meist angeboten wird, ist nur Rudelspielen mit fremder Anleitung.

Das abrupte Herausbrechen aus dieser sozialen Hundesituation mündet oft in Unordnung. Dann müssen Hundeschulen, mit welcher pädagogischen Qualität auch immer, diesen eklatanten Einschnitt kitten.

In „Welpenspieltagen“ dürfen Welpen – unter störender Aufsicht ängstlicher Besitzer – das lernen, was ihre Halter nicht lernen durften: das gemeinsame Spielen, das zu sozialer Ordnung führt. Auch Menschenkinder spüren diesen Mangel immer aggressiver. Wenigstens unter Hunden lernen die Jungen von den Alten. Im Managerleben wird Teamarbeit nur eingefordert.

Doch aus dem Welpen wird mit drei Monaten ein Junghund, mit etwa fünf Monaten beginnt bei kleinen Rassen schon die Geschlechtsreife. Die Rangordnung wird angefochten.

Dazu gehört auch das Gehabe und die Folgen: Frechheiten, Respektlosigkeit und so weiter. Alles wird ausgereizt.

Wer hier als Boss nicht aufpaßt, verliert an Autorität. Besonders pubertierende selbstbewußte Rüden versuchen, die Rangordnung auf den Kopf zu stellen. Junge Rebellen brauchen vom Boss viel Geduld, eine Prise Nachsicht, aber eine Riesenportion Konsequenz.

© sonne fleckl - Fotolia.com
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Unterordnungsübungen sollten in den täglichen Stundenplan eingeführt werden, damit sich der Jungspund wieder einordnet. Sein Selbstbewußtsein soll in sittsame Bahnen gelenkt werden. In der Pubertät ist sein Tatendrang unbändig. Wandeln Sie diese Energie um in artgerechte Aufgaben.

Artgerecht beschäftigte Hunde kennen keine Rebellion.