Tagebuch eines Wurfes

Seit über 2 Jahren ist der erste Wurf von Zoe, meiner arbeitsfreudigen und verschmusten black-tri Australian Shepherd Hündin geplant.

Klar war von Anfang an, dass der erste Wurf mit über 2,5 Jahren erst in Frage kommt, da diese Rasse auch zu den Spätentwicklern gehört.

Nach dem Deckrüden hatte ich lange gesucht, musste meine Pläne kurzfristig wegen Risiken in der Verwandtschaft wieder über den Haufen werfen, aber schließlich und endlich war „Mr. Right“ gefunden: ein red-merle Rüde, aus den USA importiert und seit einem halben Jahr in Deutschland – Skeeter!

Die letzte Läufigkeit war im August, Zoes Zyklus war sehr unregelmäßig, dass eine Prognose, wann sie denn in 2004 das erste Mal läufig werden sollte, fast nicht möglich war. Ich tippte einfach mal auf Frühjahr, da sie auch im letzten Jahr bis zu den ersten warmen Sonnenstrahlen herausgezögert hatte.

Als es dann endlich wärmer wurde, musste ich natürlich immer mal wieder kontrollieren, ob schon etwas zu sehen war, aber nichts tat sich. Ein bisschen gefrustet war ich schon, als auch im März nach ein paar wärmeren Tagen nichts zu sehen war. Am 18. März entdeckte ich dann aber die ersten Schmierblutungen, juchee.

Der Newsletter ging natürlich schon 10 Minuten später raus und alle Züchterfreunde, Interessenten und natürlich auch der Deckrüdenbesitzer wurden informiert.

© Eric Isselée - Fotolia.com
© Eric Isselée – Fotolia.com

Die richtig deutlichen Blutungen setzten dann einen Tag später ein und ich rechnete aus, wann wir zum Decken fahren würden. Zoe war auch in ihren Stehtagen so unzuverlässig wie mit ihren Abständen zwischen den Läufigkeiten, also wollte ich schon am 9. Tag zum Deckrüden fahren.

Dieser war erfahren und hatte ein paar Wochen zuvor eine hochheiße Hündin abgelehnt, da er wohl gerochen hatte, dass sie noch nicht so weit war. Die Deckung bei diesen beiden wurde dann erst am 21./22. Tag vollzogen und die Hündin bekam knapp 9 Wochen später 7 tolle Welpen!

Also fuhr ich am darauffolgenden Wochenende, am Samstag (27. März) hoch zu meinem Deckrüden nach Trier, was von uns aus eine einfache Strecke von ca. 300 km sind. Dort angekommen wurde natürlich erstmal gequasselt, Kaffee getrunken und Zoe gestreichelt. Schließlich kam auch Skeeter dazu und schnupperte interessiert an Zoe, welche die Rute zur Seite legte und sich ihm anbot.

Skeeter versuchte gleich, auf Zoe zu springen, jedoch hüpfte Zoe immer wieder seitlich weg und wich ihm aus. Gut, wir waren uns einig, dass es wahrscheinlich in 2 Tagen erst soweit war.

Nadia und Ralf, die Deckrüdenbesitzer, und ich redeten noch lange miteinander und Skeeter und Zoe waren bei uns und spielten miteinander, rasten herum und mochten sich augenscheinlich gut leiden.

Im Laufe des Abends schmuste ich öfters mit Zoe, welche es liebt, wenn ich ihren Kopf in die Hände nehme und ihr die Ohren und Lefzen massiere. So war es auch dann gegen 20 Uhr, fast schon dunkel und Zoe wollte geschmust werden. Ich hatte ihren Kopf gerade wieder in den Händen, als Skeeter unvermittelt auf Zoe aufsprang.

Zoe blieb ruhig stehen und ließ sich weiterstreicheln. Sie schrie kurz auf, was bei „jungfräulichen“ Hündinnen normal ist und die beiden hingen danach noch 20 Minuten Hintern an Hintern. Nun fand die erste Deckung also doch schon am 9. Tag statt. Am 11. und am 13. Tag wurde nochmal nachgedeckt und am Mittwoch, den 31. März fuhren wir wieder heim.

Jetzt war nur die große Frage, ob wir die Tage des Eisprunges erwischt hatten oder nicht.

Das Sperma des Rüden bleibt 2 Tage nach der Deckung noch befruchtungsfähig. Wäre der Eisprung also am 15. Tag gewesen, hätten noch genügend Eizellen befruchtet werden können. Da ich keinen Progesterontest oder Abstrich gemacht hatte, da diese Methoden nicht zuverlässig sind, konnten wir nur warten und schauen, wie lang Zoe noch stand.

Und natürlich stand sie auch noch länger… Am Samstag, den 3. April, entschloss ich mich, nochmal zum Deckrüden zu fahren und zu schauen, ob Zoe sich nochmal decken lassen würde – am 16. Tag der Läufigkeit. Zoe und Skeeter sahen sich und alles klappte nochmal reibungslos. Seit dem hat Zoe bei uns den Ruf der „Nymphomanin“ weg.

Jetzt war es eigentlich sehr sicher, dass wir die richtigen Tage erwischt hatten. Die Woche drauf, am 8. April, der 21. Tag der Läufigkeit, war die Läufigkeit dann auch wieder vorbei, die Schwellung der Vulva war sichtlich zurück gegangen und kein Blut, sondern nur ein weißlicher, glasiger Ausfluss war noch da.

© Eric Isselée - Fotolia.com
© Eric Isselée – Fotolia.com

Nun hieß es wieder Warten, das errechnete Wurfdatum war der 29. Mai. In der dritten Woche nach der Belegung erbrach Zoe mehrfach, was auf die Einnistung der befruchteten Eizellen zurückzuführen ist. Ein sehr gutes Zeichen! Meine Interessenten, die nun schon seit teilweise über einem Jahr auf diesen Wurf warteten, meldeten sich immer mal wieder und waren genauso aufgeregt wie ich.

Am Dienstag, den 20. April, war unser großer Schock-Tag: Zoe hatte einen bräunlichen, schmierigen Ausfluss mit größeren Schleimfetzen drin. Der erste Gedanke: ein Abort, also eine Abstoßung der befruchteten Eizellen, Ende der Welpenträume und Lebensgefahr für die Hündin…

Leicht panisch mit mehreren Portionen Rescue-Tropfen intus fuhr ich auf Anraten befreundeter Züchter sofort zu der Tierklinik. Dort wurde der Ausfluss angesehen und Zoe bekam den Bauch rasiert für den Ultraschall – dabei wollte ich nie schallen lassen, da ich es sonst total unnötig finde: entweder trägt die Hündin oder nicht, ändern kann man zu dem Zeitpunkt eh nichts mehr daran. Aber die medinzinische Indikation war hier natürlich gegeben, es musste kontrolliert werden, ob die Föten gesund sind.

Die Tierärztin konnte mehrere Früchte ausmachen, in denen allen schon ein kleines Herzschlagen zu erahnen war! Juhuu! Den Ausfluss, so erklärte sie mir, wäre altes Läufigkeitsblut, welches zusammen mit Teilen des Schleimpfropfens, der vor dem Gebärmutterhals sitzt, hinaus transportiert würde.

Also Aufatmen! Was für ein Schock, aber immerhin war jetzt klar, dass keine akute Gefahr für die Welpen und meine Zoe bestand. Uff!

Zoes Gewicht und Bauchumfang war in den ersten Wochen eigentlich fast konstant, obwohl sie derzeit mit 19 kg für meinen Geschmack zu viel hatte, wenn auch nur 1-2 kg. Ich versuchte, das erstmal zu halten. Weniger geben oder gar Diät geht in der Trächtigkeit definitiv nicht. Ihr Bauchumfang war zu Beginn bei 49 cm, ca. ab der 5. Woche geht es mit dem Wachstum der Föten los.

Sie bekam jeden Tag Himbeerblätterpulver, welches die Durchblutung der Gebärmutter anregt und als geburtserleichterndes Hausmittel bekannt ist. Zudem gab ich öfters Rinder-/Kalbsleber und Weizenkeime, um die für trächtige Hunde wichtigen Vitamine B und E abzudecken. Zoe schmeckte es auf jeden Fall…

Der Bauchumfang nahm ständig zu und das Gewicht auch. In der 6. Trächtigkeitswoche hatte sie schon 4 kg zugelegt und einen Bauchumfang von 60 cm. Die Milchleisten waren schon angeschwollen und die Zitzen vergrößert, die Haare rund um die Zitzen fingen an, auszufallen und Zoe schonte sich merklich.

In der 6. Woche gingen wir zum letzten Mal zum Agility-Training und Zoe durfte glücklich über den Steg trotten und durch den Tunnel watscheln – „Mama-Agility“, wie es danach bei uns genannt wurde.

Zoe schonte sich nun merklich. Bei Spaziergängen trottete sie meistens langsam hinter einem her, während die anderen zwei vorne weg hüpften, was manchmal etwas kompliziert war. Aber Zoe brauchte diese Bewegung, damit der Stoffwechsel, die Verdauung und der Kreislauf in Schwung kam.

Bis zum letzten Tag machten wir zweimal täglich unseren gewohnten Spaziergänge, allerdings in einem deutlich langsameren Tempo, damit Zoe wie gewohnt hinterher watscheln konnte.

Ende der 7. Woche hatten wir auch endlich die Wurfkiste fertig gestellt. Mit einer Grundfläche von 120 cm X 120 cm hatte sie ausreichend Platz für Mutter und Welpen und mit den Abstandhaltern waren auch die Welpen sicher.

Jetzt ging es darum, die letzten Dinge zu organisieren: eine Wärmelampe, Rescue-Tropfen (primär für mich, aber auch für die Welpen) und viele Laken zum Wechseln der Wurfkiste.

Der Bauch wuchs und wuchs, Treppen runter laufen war teilweise schon sehr anstrengend, da der Babybauch immer rechts oder links überholen wollte. Gallopieren konnte Zoe kaum noch, sie wackelte nur noch im Trab hin und her und schlief die meiste Zeit am liebsten auf den kalten Fliesen im Haus. In der 8. Woche war der Bauchumfang bei 65 cm und das Gewicht auf 23 kg – ein mächtiges Kampfgewicht!

Alle Freunde und Bekannte hatten schon Wetten abgeschlossen, wie viele Welpen da drin waren und bald rauspurzeln würden und alle freuten sich auf den Zeitpunkt, wenn die Welpen alt genug sein würden, um Besuch zu empfangen.

Wenn man in dieser Zeit, ca. eine Woche vor errechnetem Geburtstermin, die Hand ganz vorsichtig auf den Bauch legte, konnte man manchmal, am Besten morgens oder abends, schon kleine Babys kicken spüren. In ganz aktiven Zeiten sah man die Kleinen teilweise sogar durch die Bauchdecke. Zoe genoss die Aufmerksamkeit, schmuste gerne und viel und war einfach richtig „schwanger“.

Als der errechnete Wurftag immer näher rückte, wurde ich natürlich immer aufgeregter. Ein Glück, dass ich immer meine Mutter als seelische Unterstützung zur Seite hatte! Zoe machte an diesen Tagen keine Anstalten, zu gebären…

Am Sonntag morgen, also ein Tag nach errechnetem Wurfdatum, konnten wir sehen, dass die Senkwehen eingesetzt hatten. Diese führen dazu, dass die Gebärmutter absackt und die Hündin an den Flanken wie eingefallen erscheint. Die Geburt konnte also nicht mehr so lange hin sein. Zoe buddelte im Garten unsere eine Pfingstrose fast komplett aus (schließlich war es auch Pfingstwochenende J ), aber sonst war kein verstärktes Hecheln oder ähnliche Anzeichen erkennbar.

In der Nacht von Sonntag auf Montag weckte mich Zoe nachts um 2 Uhr auf. Sie hechelte stark, war unruhig und wanderte hin und her.

Ich bereitete mich auf die bevorstehende Geburt vor, alle Utensilien waren hergerichtet :

  • ein riesiger Stapel Handtücher
  • Küchenpapier
  • ein Diktiergerät
  • Zettel
  • Stifte
  • die Waage
  • eine Schere
  • Alkohol zum Desinfizieren
  • eine Taschenlampe – falls Zoe zwischen den einzelnen Wehen in den Garten zum Lösen gehen möchte und man in der Dunkelheit aufpassen muss, dass kein Welpe unbemerkt „hinausflutscht“.
  • Und wir hatten für uns eine Videokamea aufgebaut, die die ganze Geburt filmte.

Jedoch war es in dieser Nacht noch nicht so weit und auch den ganzen Tag drauf hechelte Zoe viel, war sehr unruhig und grub sich in die Decken auf dem Sofa ein.

Ich war schon unglaublich nervös und natürlich auch übermüdet. Auch in der nächsten Nacht wollte Zoe noch nicht gebären, ließ mich aber allerdings auch nicht schlafen. Morgens um 5 Uhr stand ich nach 2 Stunden Schlaf auf, machte einen Kaffee und versuchte danach noch etwas auf dem Sofa zu schlafen.

Dann, gegen 7 Uhr an diesem Dienstag morgen, der 01. Juni, wurde Zoe noch unruhiger, musste extrem häufig in den Garten, buddelte wie im Wahn ihre Löcher weiter, fing an zu Fiepen und schließlich waren die ersten Presswehen sehen – die Geburt ging los!

Kommentar hinterlassen