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von Peter Löser
Brisant - wie viel Strafe ist gerechtfertigt?
Die Frage die sich sofort und meist in den ersten Minuten nach
Einzug des neuen und ungeformten Rudelmitglieds stellt: "Wie gehe
ich mit unerwünschtem Verhalten um?"
Damit Strafe nicht als solche empfunden wird und um größtmöglichen
Nutzen daraus zu ziehen, also so schnell wie möglich zu unserem Ziel-
erwünschtes Verhalten- zu gelangen habe ich ihnen einen Regelkatalog
aus meiner Praxis als Züchter, Hundetrainer und Therapeut zusammengestellt.
So wird Strafe nicht als solche gesehen sondern als Lernstrafe.
Um als Mensch in der Lage zu sein einen Welpen erziehen zu können
ist es ratsam Vergleiche mit Hunderudeln anzustellen. Doch muss ich gleich
vorneweg anmerken, auch hier gibt es Unterschiede und Hundeeltern sind
nicht gleich Hundeeltern. Individuelle Charakterzüge beeinflussen
auch hier das geschehen untereinander und beeinflussen in ihrer gegenseitigen
Wirkung sehr subtil das Rudelgeschehen.
Bei Hundeeltern gibt es genauso die liebevolle Mutter die sich aufopfernd
um ihre Welpen kümmert, die Hysterische, die Ungeduldige, die Desinteressierte
und bei den anderen Rudelmitgliedern stellt sich dies nicht anders dar.
Wer wie erfolgreich in seinem Erziehungsbemühen ist lässt sich
schwer einschätzen, denn selten kennen wir die Ziele und Intentionen
unter denen die einzelnen Rudelmitglieder mit den Welpen umgehen.
Ein paar Regeln jedoch sind allen Rudeln auf der ganzen Welt zueigen.
Ich vergleiche das abbrechen eines unerwünschten Verhaltens oder
Handlung der einfachheithalber mal mit einem Trainingskampf. Sie sind
der Kampfkunsttrainer und ihr Welpe oder Junghund ist ein ihnen anvertrauter
Halbstarker.
Niemals würde ein Kampfkunstlehrer seinen kindlichen oder jugendlichen
Schüler in einem Trainingskampf verletzen. Deswegen gibt es den sog.
Leicht- oder Semikontakt und feste Regeln welche eine Sicherheit für
den Unterlegenen darstellen.
Wenn sie sich an diese sieben goldenen Regeln zum Umgang mit Strafe
halten, werden sie und ihr Welpe als strahlende Sieger aus den ersten
Kämpfen hervorgehen.
Regel Nummer
eins: Leichtkontakt
Wenn ein Welpe beim übertreten einer Grenze erwischt wird, gibt es
weder Halbherzigkeiten noch Ungerechtigkeiten. Die "Strafe"
erfolgt wenn überhaupt immer sofort und unmittelbar und immer ohne
Verletzungen. Das heißt wie bei einem Leichtkontaktkampf kann der
Gegner zwar berührt werden - doch nie verletzt. Lediglich wird demonstriert
was passieren könnte.
Natürlich stimmt die Mimik und Körpersprache mit der Aktion
überein. Es wird quasi ernst "gespielt" doch nie gemacht.
Warum denn auch? Solche ein Welpe ist keine Gefahr für das Rudelgefüge
und auch für keinen erwachsenen Hund.
Praktisch übertragen bedeutet dies. Der Welpe beißt ihnen ständig
in die Socken, doch die befinden sich noch an ihren Füssen was äußerst
unangenehm sein kann. Um dem Welpe klarzumachen dass sie das nicht wünschen
können sie ihn nun "anonym" bestrafen ( Wasserspritzpistole,
Klapperdose etc) oder sie können die Chance nutzen ihm etwas zu lernen.
Sie warnen vor, z.B. mit einem geknurrten "AUS", reagiert der
Flegel darauf nicht, schießen sie mit ihrer Hand blitzartig nach
unten zum sog. Schnauzengriff. Das muss schnell und beeindruckend passieren.
Dadurch dass dem Welpen schlussendlich ja nicht wirklich was passiert
ist, lernt er Vertrauen in seinen "Trainer" und zeigt ihm unsere
Achtung vor ihm als Lebewesen und soziales Rudelmitglied.
Regel Nummer
zwei: Wenn das Handtuch geworfen wird ist der Kampf vorbei
Jeder Hund bringt seine eigenen Charaktereigenschaften mit. Einerseits
diejenigen die ihm von Natur aus mitgegeben sind und andererseits diejenigen
die er durch Erfahrung ausgebildet oder verändert hat. Das Sensibelchen,
der Draufgänger, der Wehleidige, der Aufmerksamkeitsfordernde
..
diesen Charakterunterschieden ist die Lernstrafe anzupassen. Einzig und
allein ist es die hohe Kunst der Hundeerziehung den Charakter des Einzelnen
zu erkennen, damit wir unser Verhalten anpassen können.
Dazu gehört, die oft bezeichneten Beschwichtigungssignale zu kennen.
Sowie wir niemals unseren Halbstarken im Trainingskampf weiterschlagen
würden wenn er Unsicherheit zeigt, genauso beachten wir auch die
Beschwichtigungsgesten eines Hundes wenn wir ihn schimpfen oder auf ihn
einwirken. Im praktischen Beispiel ist es so dass ich dem Welpen immer
die Chance gebe auf mich zu reagieren.
Am Schuhnagendem Welpen würde das bedeuten: Erwischt- Nein!- Reaktion
abwarten- kommt keine Reaktion nächster Schritt- solange bis die
Lektion verstanden wurde. Ruhig und konsequent durchgesetzt ist Souverän
und bringt Pluspunkte auf der Rudelführerskala.
Regel Nummer
drei: Wer seine Gefühle nicht im Griff hat, muss in die Ecke
Wenn sie während einer Rüge die Beherrschung verlieren und übers
Ziel hinausschießen, also die Aktionen ihres Hundes persönlich
nehmen und in Wut geraten, sollten sie einen Aufenthalt in der neutralen
Ecke erwägen und gründlich ihr Traineramt überdenken.
Das hat nichts mehr mit Fair- Play zu tun sondern entspringt dem eigenen
Frust oder Unsicherheit, wofür ihr Welpe wiederum nichts kann und
wird ihnen mindestens einen Punkt Abzug in der Vertrauensskala als souveräner
Rudelführer einbringen. Wutentbrannte Sätze wie " was habe
ich dir nicht immer gesagt!" wirken einfach nur Lächerlich und
haben in der Hundeerziehung nichts zu suchen.
Regel Nummer
vier: Inkonsequenz wird umgehend bestraft
Ein Welpe oder Junghund sucht seine Grenzen und soll diese auch erfahren,
ja muss sie nachgeradezu erfahren um zu einem wertvollen Rudelmitglied
heranzureifen. Auf seiner Entdeckungsreise "Leben im Menschenrudel"
wird ausprobiert und getestet. Eine Regel ist und bleibt eine Regel -
immer. Wenn sie Spielregeln nach ihrer Laune gestalten, soll heißen,
heute bin ich gut drauf - da darf das Hundle schon mal aufs Sofa, bekommen
sie wieder einen Punkt Abzug in der Rudelführerskala.
Denn Regeln sind dazu da um einen Rahmen zu bilden an dem sich insbesondere
die jüngeren Rudelmitglieder orientieren und wachsen können.
Schafft es der Hund eine Regel zu umgehen wird er lernen alles was in
diesem Moment greifbar ist damit in Verbindung zu setzen, um das nächste
mal wieder an begehrtes zu gelangen. Sein Verhalten und auch ihres, sowie
äußere Gegebenheiten - in dem Augenblick als er seinen Kopf
durchsetzte - also Körpersprache, Lautäußerungen werden
abgespeichert, um beim nächsten mal wieder eingesetzt zu werden wenn
es darum geht zu einem Ziel zu gelangen.
Also seien sie so fair zu ihrem Hund - konsequent zu sein, um ihn nicht
in einer Atmosphäre von Unsicherheit aufwachsen zu lassen. Hilfreich
ist es wenn sie einen Regelkatalog über den Umgang mit dem Hund zusammen
mit allen Familienmitgliedern erarbeiten. Insbesondere Kinder haben daran
Spaß und wenn sich jemand nicht daran hält (füttern am
Tisch etc) hat der Regelbrecher die zuvor besprochenen Konsequenzen zu
tragen.
Regel Nummer
fünf: Das ausbleiben einer Lernstrafe wirkt Selbstbelohnend
Im Rudelgeschehen ist es so dass es Grenzen und Rituale gibt die eingehalten
werden müssen. Unter Hunden herrscht die Regel, was funktioniert
ist richtig - also lernen durch Erfahrung. Wenn etwas weh tut oder unangenehm
ist wird man beim nächsten mal vorsichtiger oder lässt es ganz.
Führt ein bestimmtes Verhalten zum Erfolg ist es wahrscheinlich dass
es wiederholt wird.
Übertragen in unseren Haushalt bedeutet dies, dass es für einen
Hund kein Problem darstellt wenn ein Schuh angenagt wird- im Gegenteil-
aber durchaus für uns. Lassen wir ihn gewähren lernt der Welpe:
"Niemand sagt etwas, also ist es okay und Spaß macht's obendrein"
- also akute Wiederholungsgefahr durch unsere Unaufmerksamkeit. Wenn wir
schon Regeln aufstellen, sind wir auch dafür verantwortlich dies
nach oben genannten Gesichtspunkten konsequent durchzusetzen.
Wir können dem Hund den Lernprozess selber überlassen (z.B.
Schuh präparieren) oder die Chance nutzen und dem Hundle noch zusätzlich
eine Lektion in Rangordnung zu erteilen (Mein Spielzeug wird nicht angefasst).
Regel Nummer
sechs: Nur Strafe ist unsportlich
Würden wir im Trainingskampf mit unserem Halbstarken, ihm ständig
unsere Überlegenheit demonstrieren dann wäre dessen Selbstbewusstsein
sicherlich schnell am Tiefpunkt. Hat er einen Treffer kassiert dann sollten
wir ihm schon auch zeigen wie er's richtig machen kann um selbigen zu
vermeiden.
Ansonsten würden wir Vertrauen zerstören und vom Trainer zum
Gegner mutieren der naturgemäß jede Schwäche ausnutzt.
Denn hat ihr Hund gerade mal noch verstanden dass sie ein Verhalten nicht
wünschen, so sollten sie ihm schon eine angenehme Alternative bieten
um überhaupt einen Lernprozess in Gang zu setzen. Kläfft ihr
Hund z.B. andere Hunde an der Leine an so ist das erstmal sein gutes Recht
und da es ja meist funktioniert, denn der Eindringling verschwindet ja
auch, hat er sich selbst belohnt.
Ihn dafür zu bestrafen wäre fatal und überhaupt nicht zu
verstehen. Also sie brechen dieses für uns unerwünschte Verhalten
mit geeigneten Mitteln ab und zeigen ihm dann welches verhalten wir von
ihm wünschen das ihm übrigen noch wesentlich attraktiver gestaltet
wird als vorhergehendes. So steigen die Chancen um ein vielfaches dass
bei der nächsten Hundebegegnung, die für uns angenehme und für
den Hund angenehm gestaltete, Taktik gewählt wird.
Regel Nummer
sieben: Das ausbleiben einer Lernstrafe wirkt Selbstbelohnend
Im Rudelgeschehen ist es so dass es Grenzen und Rituale gibt die eingehalten
werden müssen. Unter Hunden herrscht die Regel, was funktioniert
ist richtig - also lernen durch Erfahrung. Wenn etwas weh tut oder unangenehm
ist wird man beim nächsten mal vorsichtiger oder lässt es ganz.
Führt ein bestimmtes Verhalten zum Erfolg ist es wahrscheinlich dass
es wiederholt wird. Übertragen in unseren Haushalt bedeutet dies,
dass es für einen Hund kein Problem darstellt wenn ein Schuh angenagt
wird- im Gegenteil- aber durchaus für uns. Lassen wir ihn gewähren
lernt der Welpe: "Niemand sagt etwas, also ist es okay und Spaß
macht's obendrein" - also akute Wiederholungsgefahr durch unsere
Unaufmerksamkeit.
Wenn wir schon Regeln aufstellen, sind wir auch dafür verantwortlich
dies nach oben genannten Gesichtspunkten konsequent durchzusetzen. Wir
können dem Hund den Lernprozess selber überlassen (z.B. Schuh
präparieren) oder die Chance nutzen und dem Hundle noch zusätzlich
eine Lektion in Rangordnung zu erteilen (Mein Spielzeug wird nicht angefasst).
Kontakt zum Autor:
E-Mail: peterloeser@freenet.de
Homepage: http://www.phoenix-bulls.de
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