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Hundeverständnis

Einer der größten menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten nicht sprechen.

Wir meinen mit „Sprache“ nur Sätze mit menschlichen Lauten. Noch dümmer ist der Glaube von Tierfans, die das – vermenschlichte – Gegenteil behaupten: Ihr Liebling spräche wie ein Mensch.

Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen. Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch.

 

Selbst die Verkümmerung ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden läßt noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich unterhalten. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben, wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren) Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein.

Der Ring an Anwesenheit erklärt die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft.

 © Conny Hagen - Fotolia.com
© Conny Hagen – Fotolia.com

Zuerst sollten wir lernen, daß der normale Hund besser hört als wir. Also ist kein Geschrei nötig, denn dies unterdrückt den Hund. Der Hund hört freudiger, wenn wir ihm unsere Gebote (was er soll) angenehm zu Gehör bringen: deutlich zu verstehen, aber eben überzeugend ruhig

Die deutsche Sprache ist zwar eine hervorragende Dienstsprache, weil sie zischt und hart klingt. Aber sie klingt in den Hörzeichen zu ähnlich. Sitz und Platz, Los und Faß klingen gleich.

Die englische Sprache unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down“ für „Platz“, „Sit“ für „Sitz“. Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten „niederlegen“ und „sitzen“ ist für den Hund klar, zumal „down“ angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das „Sitz!“ vom „Plaaaatz“ deutlicher trennen.

Sprechen Sie „Platz“ also gedehnter, tiefer aus. Ein „Paß auf!“ können Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer gesprochene „Passss“.

Alle diese Gebots-Hörzeichen können zwar verständlich, aber ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie mal stärker betonen, wenn Sie schon schreien? Jedes denkende Lebewesen stumpft ab, wenn die Gebote und Verbote (Nein, Aus – gilt nur für „auslassen“ und nicht für „aufhören“) immer in der schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch.

Wenn Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen.

© K.-U. Häßler - Fotolia.com
© K.-U. Häßler – Fotolia.com

Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund hört immer öfter (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom unangenehmen Verbot unterscheiden kann.

Wenn man aus lauter Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit.

Folge: Der Hund weiß nicht mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt hat, dann weiß er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst.

Ich gestehe, ich mußte dies auch erst deutlicher unterscheiden lernen, weil mein Hund ein Schlitzohr ist und sein darf., denn ich bevorzuge selbstbewußte Hunde statt devote Befehlsempfänger. Es ist nur mühevoller, aufregender – für mich, aber auch unterhaltsamer, anregender.

Der ganze tierische Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das sein, was für ihn angenehm ist.

Natürlich läuft ein Hund lieber ohne Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel.

Schlimmste Folge: Er rennt in ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt Haß. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser.

Man sieht und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft, wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt: Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tut, auch noch bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler macht er nur einmal.

Loben muß man können.

  • Wo und wie loben?
  • Sie wollen doch auch nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden?
  • Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, am Hals.
  • Hinter den Ohren zu kraulen, mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame Stellen. Besonders beruhigend ist das leichte, rhythmische Reiben mit einem Finger auf dem Nasenrücken bis hin zum Stop (Stirnabsatz).

Das habe ich auch bei manchen Frauen erfolgreich absolviert: Sie schliefen fast ein dabei…. Den gekrausten Stop bei einem Molosser zu massieren, legt auch einen 90-Kilo-Mastiff genüßlich flach. Wenn Sie den Hund gut kennen und er Vertrauen zu Ihnen hat.

Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Schwänze (beim Hund sind dies zweierlei…) sind als Lobeszonen tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten Zonen bei einem Hund.

Das heißt nicht, daß Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, daß Sie interessanter sind als der Hund da drüben.

© K.- P. Adler - Fotolia.com
© K.- P. Adler – Fotolia.com

Die meisten Halter verwechseln das Loben beim richtigen Anlaß zum richtigen Zeitpunkt mit Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als Lob.

Richtig: Wenn er – nach Ihren verständlichen Zeichen – was korrekt ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, muntert ihn zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche Mißverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter Menschen. Kann das Gegenteil von Lob bedeuten.

Ihr Hund wird spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann und keinen Anschiß zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft der konsequente Hund.

Management by Motivation. Soll auch im Berufsleben wirken. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, daß man ihn überhaupt kennt. Verstehen heißt vergleichen.

Der Urahn Wolf braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte Regeln, weil er ein sehr soziales Rudeltier ist, ja sein muß, um so gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden.

© JackF - Fotolia.com
© JackF – Fotolia.com

Diese Ordnung ist biologisch. Wir haben damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund beherrscht – wenn er es von Klein auf lernen durfte – die Regeln der Hundesprache.

Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang mit Menschen, geändert. Ich will nicht sagen, reduziert. Sie haben sich nur dem Menschen angepaßt, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war.

Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlußendlich das Miteinander logischer.

Das heißt: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können.

Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen differieren.

Das spielauffordernde Knurren eines Hunderiesen wie eines Irish Wolfhounds oder einer Deutschen Dogge klingt viel dumpfer und tiefer, für kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings.

Der Resonanzboden des Brustkorbs macht die Töne: Baß gegen Flöte. Die bauartbedingt Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Die Spielaufforderung eines extrem niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die eines hochläufigen, dazu noch psychisch zurückhaltenden Afghanen.

Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 100 Kilo oder/und 90 Zentimeter Schulterhöhe mißt.

Hunde in ihrer angezüchteten oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäß.

Die beiden Extreme Jagdteckel und Großwild-Hetzhund machen es deutlich. Die Beispiele Schlittenhund oder Schäferhund zeigen viel deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme.

Das Kupieren von Ruten und Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und muß. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als ein dumm gehaltener. „Ausbildung“ ist auch wörtlich zu verstehen.

Es gibt kein eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge. Selbst schlappohrige Hirten- oder Hofhunde zeigen ein deutliches Gehabe.

Auch sie haben alle Signale dran, die der Mensch und der andere Hund zur Beurteilung braucht. Dabei ist der stockhaarige (mittlere Haarlänge) Hund – eben mit einem wolfsähnlichen Kleid – noch zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben.

Vergleichen heißt auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe, ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker. Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine umsichtige Mutter. Biologisch, oder?

Hunde sind freilich ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters. Früher ging man etwas schlicht davon aus, daß ein Hundejahr etwa sieben Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Das wissen wir heute wesentlich genauer.

Aus den obengenannten physischen und psychischen Arten ergeben sich große Unterschiede. Große Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif“.

Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei Jahren.

© Peter Atkins - Fotolia.com
© Peter Atkins – Fotolia.com

Dabei dürfen auch die artgemäßen Temperamente nicht unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt auch innerhalb dieser Größenordnungen Unterschiede. Ruten- und ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt.

Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den hundsgemeinen Hund.

Die Körpersprache des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig. Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist.

Die besten Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren – eben dem Wolf ähnlich – und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen, beweisen, daß die wölfischen Signale ihren Sinn haben.

Woran erkennt man am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund – meist Rüden?

Am erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren (Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung und zurückgelegten Ohren.

Was meinen Sie: Wie viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen aussenden? (Schade, daß ich hier kein leeres Blatt zum Abdecken einlegen kann.)

Ich komme auf 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien.

Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu der auch die entsprechende Pflege gehört.

Und die momentane Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en. Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund anders ergehen? Gestreßte und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt, bedrückt, alles andere als locker.

Die körpersprachlich deutlichsten Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und Blickrichtung.

Weitere Differenzierungen sind artgemäße Grundhaltungen der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder einige Hirtenhunde tragen sie stark nach oben bis gerollt, Schäferhunde tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung.

Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln“; ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze Haare tun sich naturgemäß schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblößen. Dafür reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden.

Beim Beurteilen muß man also neben den allgemeinen Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer artgemäßen Grundhaltung auszugehen.

Die folgenden Tabellen zeigen nur die Möglichkeiten bei psychisch und physisch normalen Hunden auf. Mit zunehmender Information können Sie die einzelnen Faktoren aufeinander abstimmen und danach den Hund grundsätzlich einschätzen. Körper- und lautsprachliche Kombinationen ergeben mehr Sicherheit in der Beurteilung.

Hunde-Körpersprache und was sie uns sagt:

Rute:

hochgetragen: freudig, aufmerksam
abwärts: gelassen, sicher
zwischen Hinterläufen eingeklemmt: unsicher, unterwürfig
hochgetragen wedelnd, kreisend: erregt, erwartungsvoll
hochgetragen, schräg, steif: imponierend, angespannt
ansteigend, peitschend oder gerade steif: angriffsbereit

Lefzen:

geschlossen, Zähne nicht sichtbar: gelassen, sicher
nach hinten gezogen: unsicher, warnend
vorn stark hochgezogen, Zähne sichtbar: defensiv drohend
insgesamt hochgezogen, Gebiß sichtbar: offensiv drohend
„grinsend“ zurückgezogen: demütig, unterwürfig, heiter
„offen“ nach hinten hochgezogen: spielauffordernd

Körperhaltung insgesamt:

frei, locker: sicher, ausgeglichen
gedrückt, abtauchend: unsicher, scheu, ängstlich
scharrend, größer werdend: imponierend, offensiv
Fang über Genick: offensiv aggressiv-dominant, kampfbereit
von hinten aufreitend: sexuell dominierend
kauernd sprungbereit: angriffs-, auch rauf- und fangspielbereit
wechselnde Haltungen: unsicher drohend, abwartend
legt sich auf den Rücken, zeigt Weichteile: aktiv unterwürfig
macht sich klein: passiv unterwürfig, ängstlich
aufdringlich Kontakt suchend: unterwürfig spielauffordernd
pfötelnd, vorn abtauchend, offen: aktive Spielaufforderung

Ohrenstellung:

locker, stehend oder hängend, offen: sicher, entspannt
nach vorn, offen: aufmerksam, erwartungsvoll
nach hinten gerichtet, eng anliegend: offensiv drohend
nach hinten und unten, abstehend: unterwürfig, mürrisch
nach hinten und unten, eng anliegend: passiv unterwürfig
rotierend, offen: aktiv auffordernd, höchst aufmerksam
wechselnd einzelne Stellung: wechselnder Gemütszustand

Blick:

ruhig, stabil: sicher, entspannt
flackernd, scheinbar ohne Ziel: unsicher, vorsichtig
ruhig, aber absichtlich abgewandt: Gelassenheit demonstrierend
Gegenüber starr fixierend: dominantes Drohen, herausfordernd
Blickkontakt vermeidend: präventiv passive Unterwerfung
unsteter Blick auf Gegenüber: aktive Unterwerfung, ängstlich
ins „Leere“ schauend: Langeweile vortäuschend, aber aufmerksam
offene Pupillen, heiterer Blick: aktive Spielaufforderung

Nackenhaare:

normal anliegend: gelassen
gesträubt: imponierend, drohend, angriffsbereit

Kopfhaltung:

angehoben: sicher, aufmerksam
gesenkt, aber Blick nach oben: präventiv vorsichtig, unsicher
ganz hoch und waagerecht: imponierend, selbstsicher
leicht nach vorn, gestreckt: offensives Drohen
deutlich weggedreht vom Gegenüber: passive Unterwerfung
seitlich nach unten abgetaucht: aktive Unterwerfung
ganz tief, aber offen: Spielaufforderung

Hals:

gestreckt nach oben: sicher, imponierend
zur Seite nach unten: unterwürfig

Läufe:

Hinterläufe leicht angewinkelt: locker, standhaft
Hinterläufe leicht eingeknickt: unsicher, abwartend
Vorderläufe gestreckt und aufrecht: imponierend, neugierig
Vorderläufe abtauchend: unterwürfig
Vorderläufe schnell auf den Boden: aktive Spielaufforderung

Nasenrücken:

glatt: entspannt
gekräuselt: drohend

Gebiß:

nicht zu sehen: entspannt
vorn gebleckt: defensives Drohen
Gebiß komplett sichtbar (Lefzen weit oben): offensives Drohen
im Backenbereich sichtbar: spielaufforderndes „Lachen“

Spezielle Körperkontakte:

Sucht Schnauzenkontakt: soziales Begrüßungsritual
anales, genitales Beriechen: Feststellen des Geschlechts
„Luftschlecken“ mit der Zunge: bettelnde Kontaktsuche
paralleles Aneinanderstellen: gleichrangiges Imponieren
Reiben mit dem Hinterteil: sexuelle Stimulanz, Aufforderung
Kontaktliegen: Ruhe, soziales Wärmeempfinden
Pfotenstupsen oder -treten: Nachfolge des Milchtritts (bei Welpen), eine Aufforderung
Schnauzenstupsen: das gleiche, Nachfolge des Zitzenaufbereitens zur Milchabgabe (bei Welpen) Der ganze Körper ist ge- und bedrückt, die Augen demütig: Enttäuschung und Trauer, oder der Hund ist organisch krank

Lautsprache

Zur Körpersprache gesellt sich die Lautsprache als weitere hundliche Kommunikationsmöglichkeit.
Wölfe „sprechen“ in ihrer verständlichen Formenvielfalt. Auch Schlittenhunderudel unterhalten sich wölfischer als die meisten Einzelhunde. Bei den letzten haben sich durch die menschlichen Hörzeichen einige wölfische Sprachformen verändert, beziehungsweise: sie sind verloren gegangen und durch Annäherung an die menschliche Kommunikation angepaßt.

Wenn bei Wölfen 60 verschiedene Lautmerkmale gezählt wurden, so ist diese hohe Zahl bei Hunden scheinbar verkümmert.

Das Kontaktheulen zum Beispiel. Aber nicht bei allen Hunden; die auf den Bauernhöfen lebenden Hunden mit außenliegenden Lagern nehmen wie bei einem Rundumfunk Kontakt auf, wenn einer anschlägt. Es kommt noch vor, daß einige ursprüngliche Hunde den Mond anheulen, oder bei bestimmten künstlichen Frequenzen wie Sirenen oder Kirchglocken oder Musik in diese fremde Laute einfallen. Und es kommt auch ganz auf die Musik an. Kann gut in ein Hörschmerzjaulen ausarten.

Hunde hören mindestens genauso gut wie Katzen. Und unvergleichlich bis unglaublich viel besser als Menschen. Was wir ihnen auf zumuten, können wir selbst nicht erfassen. Vom phänomenalen Geruchssinn mal ganz abgesehen. Wenn wir ihnen nicht Glauben schenken, so heißt das nicht, daß sie nicht doch „etwas“ gehört haben.

Gewohnheiten und Erfahrungen mit einem Hund lassen mehr Verständnis aufkommen. Ich weiß bei meinen Hund inzwischen genau, was oder wen er anzeigt durch seine verschiedenartigen Bell- oder Knurrtöne.

Es kommt natürlich sehr auf das Temperament des Hundes an und auf seine generelle Ausgeglichenheit. Und auf seinen Resonanzkörper. Bei einem Bernhardiner klingt ein und-dieselbe „Sprache“ anders als bei einem Yorkshire. Unterbeschäftigte Hunde werden vor Langeweile oder zur Demonstration kläffen.

In der Stadt ist dies häufig der Fall. Da baut so ein Wohnungshund, oft acht Stunden alleingelassen, zur Wiederkehr seiner Besitzer eine große Erwartungshaltung auf, und darf dann zur Strafe einmal kurz eben um den Häuserblock. Große Hunde als stumme Lauftiere und ihre nervösen Menschen als hektische Bürohocker – das paßt nicht zusammen.

Man kann sich aber arrangieren: Halbtags arbeiten, wenigstens sollte der erwachsene Hund nicht länger als vier Stunden allein sein, und dann nix wie raus zusammen, gemeinsam toben wir uns aus. Und dann gibt es kein Wehklagen mehr. Zufriedene Hunde kläffen nicht. Aber sie sagen auch damit etwas aus.

Ich zähle 17 lautsprachliche Unterschiede bei Hunden:

Aggressionsbellen, -geifern
Angstschreien (präventiver Selbstschutz bei Welpen)
Aufforderungsbellen
Unsicherheitsgähnen
Drohknurren
Sozialbellen, -heulen, -knurren
Ernstkampfschreien
Lustgrienen
Schmerzwinseln, -schreien
Seelenschmerz-
Hörschmerzjaulen
Wachsamkeitsbellen
Warnknurren.

Ich „singe“ ab und zu mit meinem Hund. Wenn es kein Mensch hört und sieht. Aber mein Hund versteht es. Das genügt.

Hunde-Lautsprache und was sie uns sagt:

Bellen:

scharf, hochfrequent: aggressiv drohend, warnend
deutlich, niederfrequent: wachsam, warnend
kurzatmig, japsend, hochfrequent: Spielaufforderung
„wuffend“, niederfrequent: Aufmerksamkeit erregend

Knurren:

anhaltend, niederfrequent: eindeutig drohend, warnend
kurzatmig, niederfrequent: warnend, aufmerksam
kurzatmig, hochfrequent: fordernd
variierend, hoch- bis niederfrequent: aufmunternd
Schreien:

grell, hochfrequent: präventiver Selbstschutz bei Angst
grell, mittel- bis hochfrequent: Angst im Ernstkampf
gedehnt, mittelfrequent: bei starken Schmerzen

Jaulen:

anhaltend, mittelfrequent: bei Seelenschmerz (Alleinsein)
kurz unterbrechend, mittel- bis hochfrequent: bei Hörschmerz

Gähnen:

gedehnt, überdeutlich: Verlegenheit, Unsicherheit
zögerlich, mühevoll: echte Müdigkeit

Heulen:

anhaltend, mittel- bis hochfrequent: Sozialverständigung

Grienen:

halbherziges Gähn-Knurren, mittelfrequent: sexuelle Lust

Winseln:

kurzatmig, mittelfrequent: bei Schmerz oder Angst (meist bei Welpen)

Geifern:

schnappend, hyperventilierend, schäumend: höchste Aggressivität unter großem Streß, oder großem Schmerz

Geruch

Die Hundenase ist der empfindlichste Sensor und Informant des Hundes. Viel wird über die Riechleistung des Hundes gerätselt. Tatsache ist, daß Menschen etwa 5 Millionen Riechzellen besitzen, Hunde (natürlich nicht jene mit züchterisch riechraumverkürzten Stupsnäschen) dagegen 300 Millionen.

Macht das 60fache. An diese Supersensibilität sollten wir uns immer erinnern, wenn wir Hunde unnatürlichen Gerüchen aussetzen.