Rasseporträt · Pinscher, Schnauzer, Molosser, Sennenhund · aus der Schweiz

Berner Sennenhund: Charakter, Größe, Haltung und Pflege

Der Berner Sennenhund stammt aus dem Kanton Bern, wo er Bauernhöfe bewachte, Karren zog und Vieh trieb.

Größesehr groß
Fellpflegemittel
Bewegunghoch
Für Anfängerbedingt

Fellpflege und Bewegung: Einstufung des American Kennel Club (AKC), Skala 1–5

Dreifarbiger Berner Sennenhund steht seitlich auf einer Bergwiese vor einem Bauernhaus
KI-generiertes Bild: Berner Sennenhund mit typischer Dreifarbigkeit

Auf einen Blick: Laut FCI-Standard messen Rüden 64 bis 70 cm, Hündinnen 58 bis 66 cm; der American Kennel Club (AKC) nennt 32 bis 52 kg und eine Lebenserwartung von 7 bis 10 Jahren. Er gilt als gutmütig, aufmerksam und ruhig, verlangt aber wegen seiner Größe, der Fellpflege und der gesundheitlichen Risiken eine gute Vorbereitung.

Steckbrief
  • Herkunft Schweiz (Kanton Bern)
  • FCI Gruppe 2, Standard Nr. 45
  • Größe Rüden 64–70 cm, Hündinnen 58–66 cm
  • Gewicht Rüden 36–52 kg, Hündinnen 32–43 kg (AKC)
  • Lebenserwartung 7–10 Jahre (AKC)
  • Für Anfänger nur bedingt geeignet
Inhalt (11 Abschnitte)

Berner Sennenhund im Überblick

Der Berner Sennenhund ist einer der vier Schweizer Sennenhunde und weltweit als Familienhund bekannt. Sein langes, glänzendes Fell in Schwarz, Rotbraun und Weiß macht ihn unverwechselbar. Früher arbeitete er als Wach-, Zug- und Treibhund auf den Höfen rund um Bern, heute lebt er vor allem als Familienhund. Die FCI führt ihn in Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde), Sektion 3; der gültige Standard Nr. 45 gilt seit 25.03.2003.

Herkunft: Vom Dürrbächler zum Berner Sennenhund

Seinen ersten Namen verdankt der Berner dem Weiler und Gasthaus Dürrbach bei Riggisberg im Kanton Bern. Dort lebten besonders viele dieser langhaarigen, dreifarbigen Bauernhunde, die man deshalb „Dürrbächler“ nannte. Laut FCI-Standard wurden 1902, 1904 und 1907 bereits einzelne Hunde auf Ausstellungen gezeigt. 1907 gründeten Züchter aus Burgdorf den Schweizerischen Dürrbach-Klub, um die Hunde rein weiterzuzüchten, und legten die Rassemerkmale fest. Wie verbreitet die Hunde damals noch waren, zeigte eine Schau in Burgdorf im Jahr 1910: Bauern aus der Umgebung brachten 107 Tiere mit.

Danach erhielt der Dürrbächler nach dem Vorbild der anderen Sennenhunde den Namen Berner Sennenhund. Er wurde schnell in der ganzen Schweiz und in den angrenzenden Gegenden Deutschlands beliebt. Die FCI hat die Rasse am 26. Juli 1954 endgültig anerkannt.

Aussehen und Größe laut FCI-Standard

Der FCI-Standard Nr. 45 beschreibt einen langhaarigen, dreifarbigen, kräftigen und beweglichen Arbeitshund von über mittlerer Größe. Der Körper ist etwas länger als hoch (Widerristhöhe zu Rumpflänge 9 : 10), die Brust reicht etwa bis zur halben Widerristhöhe hinab.

Rüden messen am Widerrist 64 bis 70 cm, ideal sind 66 bis 68 cm. Hündinnen messen 58 bis 66 cm, ideal 60 bis 63 cm. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest; der AKC gibt für Rüden etwa 36 bis 52 kg und für Hündinnen etwa 32 bis 43 kg an.

Das Haar ist lang, glänzend und glatt oder leicht gewellt. Die Grundfarbe ist tiefschwarz, dazu kommen satte rotbraune Abzeichen an den Backen, über den Augen, an allen vier Läufen und an der Brust. Weiß sind eine Blesse, die in ein Band um den Fang übergeht, und ein durchgehendes Feld an Kehle und Brust; erwünscht sind außerdem weiße Pfoten und eine weiße Rutenspitze. Die mittelgroßen, dreieckigen Ohren liegen in Ruhe flach am Kopf an, die buschige Rute reicht mindestens bis zum Sprunggelenk.

Charakter: Gutmütig, wachsam und gelassen

Der Standard beschreibt den Berner als selbstsicher, aufmerksam, wachsam und im Alltag unerschrocken. Seinen eigenen Menschen gegenüber ist er gutmütig und anhänglich, Fremden begegnet er sicher und friedlich. Sein Temperament gilt als mittel, und er lässt sich gut führen.

Im Familienalltag zeigt sich das als freundlicher, eher ruhiger Hund, der überall dabei sein möchte und viel Geduld mitbringt. Aus seiner Zeit auf den Höfen hat er einen deutlichen Wachinstinkt behalten: Er meldet Besuch, ohne dabei nervös zu werden. Kinder und Hund sollten trotzdem nicht unbeaufsichtigt miteinander toben, schon wegen seiner Größe und Kraft.

Erziehung: Freundlich und konsequent

Berner reagieren empfindlich auf Härte. Mit Lob, Futterbelohnung und gleichbleibenden Regeln lernen sie gut; laute Strenge führt eher dazu, dass sich der Hund zurückzieht. Üben Sie die Leinenführigkeit früh, solange der Welpe noch leicht ist, denn ein ausgewachsener Rüde, der zieht, ist schwer zu halten. Wer an die Wurzeln der Rasse anknüpfen möchte, kann mit einem ausgewachsenen, gesunden Hund ein Zughundetraining ausprobieren.

Haltung, Bewegung und Fellpflege

Für lange Läufe am Fahrrad oder Joggingrunden ist der Berner nicht gebaut. Gleichmäßige Spaziergänge, Wanderungen in gemächlichem Tempo und kleine Kopfaufgaben wie Suchspiele lasten ihn besser aus. Der britische Kennel Club rechnet mit bis zu einer Stunde Bewegung am Tag. Hitze verträgt er mit seinem dichten, dunklen Fell schlecht; legen Sie die Runden im Sommer in die kühlen Morgen- und Abendstunden.

Planen Sie genug Platz ein. Ein Haus mit Garten oder eine Wohnung ohne viele Treppen ist ideal, denn einen Hund dieser Größe tragen Sie im Alter oder nach einer Verletzung nicht mehr einfach nach oben. Am liebsten ist er dort, wo seine Familie ist.

Bürsten Sie das lange Fell zwei- bis dreimal pro Woche, besonders hinter den Ohren, an den Hosen und an der Rute, wo es leicht verfilzt. Im Fellwechsel verliert der Berner viele Haare; dann hilft tägliches Bürsten, und ein Entfilzungskamm löst kleine Knoten, bevor sie die Haut reizen.

Große Hunde mit tiefer Brust gelten als gefährdet für eine Magendrehung, einen lebensbedrohlichen Notfall. Füttern Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen Portion und lassen Sie den Hund nach dem Fressen ruhen. Welche Anzeichen auf einen Notfall hindeuten, erklärt Ihnen Ihre Tierarztpraxis.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der AKC nennt für den Berner eine Lebenserwartung von 7 bis 10 Jahren, der britische Royal Kennel Club unter 10 Jahre; für einen Hund dieser Größe ist das kurz. Eine Untersuchung der Universität Bern an Berner Sennenhunden der Jahrgänge 2001 und 2002 ergab eine mittlere Lebenserwartung (Median) von 8,4 Jahren; Hündinnen lebten im Schnitt etwa ein Jahr länger als Rüden. Bei mehr als der Hälfte der verstorbenen Hunde wurde ein Tumorleiden als Todesursache angegeben.

Eine besondere Rolle spielt das histiozytäre Sarkom, ein bösartiger Tumor, der beim Berner deutlich häufiger vorkommt als bei den meisten anderen Rassen. Die Veranlagung ist erblich; der genaue Erbgang ist noch nicht geklärt, vermutlich sind mehrere Gene beteiligt. Gentests der Elterntiere können das Risiko einschätzen, aber nicht ausschließen.

Außerdem kommen Hüftgelenks- und Ellenbogendysplasie (HD und ED) vor. Der Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland (SSV) im VDH schätzt für den Berner Zuchtwerte für HD, ED, Bewegung und Langlebigkeit. In die Zucht dürfen dort nur Hunde mit höchstens leichter HD (Grad C) und ED-Grad 1; die meisten Zuchthunde im SSV sind außerdem genomisch auf Lebenserwartung und histiozytäres Sarkom getestet. Der Deutsche Club für Berner Sennenhunde e.V. (DCBS) verlangt für die Körung ähnliche Röntgenbefunde und zusätzlich OCD-Freiheit. Solche Zuchtwerte und Röntgenbefunde senken das Risiko, garantieren aber kein gesundes Hundeleben. Lassen Sie Ihren Berner regelmäßig, ab etwa dem fünften Lebensjahr am besten jährlich, in der Tierarztpraxis untersuchen.

Für wen eignet sich der Berner Sennenhund?

Der Berner passt zu Familien, die gern draußen sind, einen ruhigen Begleiter suchen und genug Platz haben. Unterschätzen Sie die Größe nicht: Ein ausgewachsener Rüde zieht an der Leine kräftig, und Futter, Ausstattung und Tierarztbehandlungen kosten bei einem Hund dieser Größe spürbar mehr. Für Anfänger ist er bedingt geeignet: Sein Wesen ist meist umgänglich, doch Kraft, Erziehung und die gesundheitlichen Risiken verlangen gute Vorbereitung.

Berner Sennenhund kaufen: Darauf sollten Sie achten

Einen festen Preis gibt es nicht. Er hängt vom Züchter, vom Zuchtverband, von den Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere und der Aufzucht ab; fragen Sie direkt beim Züchter nach. Wie Sie eine seriöse Zucht erkennen, lesen Sie in unserem Ratgeber Welpen kaufen.

  • Züchter in einem VDH-Verein – beim Berner sind das der Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland (SSV) und der Deutsche Club für Berner Sennenhunde (DCBS) – unterliegen Zuchtkontrollen und Wurfabnahmen.
  • Lassen Sie sich die HD- und ED-Befunde beider Elterntiere schriftlich zeigen und fragen Sie, wie alt Großeltern und andere Verwandte geworden sind.
  • Besuchen Sie die Mutterhündin mit den Welpen; die Kleinen sollten im Haus mit Familienanschluss aufwachsen.
  • Ein Welpe darf in Deutschland erst im Alter von über acht Wochen von der Mutter getrennt werden. Er sollte gechipt, geimpft und entwurmt sein.
  • Ein Berner wächst im ersten Lebensjahr sehr schnell. Verzichten Sie in dieser Zeit auf Joggingrunden, häufiges Treppensteigen und wilde Sprungspiele; kurze, abwechslungsreiche Ausflüge schonen die Gelenke.

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Häufige Fragen

Wie groß und schwer wird ein Berner Sennenhund?

Laut FCI-Standard messen Rüden 64 bis 70 cm und Hündinnen 58 bis 66 cm Widerristhöhe. Der AKC nennt für Rüden etwa 36 bis 52 kg, für Hündinnen etwa 32 bis 43 kg.

Wie alt wird ein Berner Sennenhund?

Der AKC gibt 7 bis 10 Jahre an. In einer Untersuchung der Universität Bern lag der Median bei 8,4 Jahren, Hündinnen wurden im Schnitt etwas älter als Rüden.

Ist der Berner Sennenhund ein guter Familienhund?

Ja, wenn die Familie genug Platz und Zeit hat. Er ist geduldig, anhänglich und meldet Fremde, ohne nervös zu sein. Wegen seiner Größe sollten Sie ihn mit kleinen Kindern trotzdem nicht allein lassen.

Ist der Berner Sennenhund für Anfänger geeignet?

Bedingt. Viele Berner sind freundlich und gut führbar, doch Größe, Kraft und die gesundheitlichen Risiken der Rasse erfordern eine gründliche Vorbereitung und einen sorgfältig ausgewählten Züchter.

Wie viel Fellpflege braucht der Berner Sennenhund?

Bürsten Sie das lange Fell zwei- bis dreimal pro Woche, im Fellwechsel täglich. Ein Entfilzungskamm hilft bei Knoten hinter den Ohren und an den Hosen.

Welche Gesundheitsprobleme treten beim Berner Sennenhund auf?

Bekannt sind vor allem Hüft- und Ellenbogendysplasie sowie Tumorerkrankungen, darunter das histiozytäre Sarkom. Als großer Hund mit tiefer Brust gilt er zudem als gefährdet für eine Magendrehung. Außerdem kommt die Degenerative Myelopathie vor, eine fortschreitende Rückenmarkserkrankung; dafür gibt es einen Gentest. Bei Beschwerden ist immer die Tierarztpraxis die richtige Adresse.

Wie viel Bewegung braucht ein Berner Sennenhund?

Der britische Kennel Club rechnet mit bis zu einer Stunde Bewegung am Tag. Gleichmäßige Spaziergänge und kleine Suchaufgaben passen besser als schnelles Tempo; an heißen Tagen gehen Sie besser morgens und abends.

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Klaus Neumann
Ein Artikel von

Klaus Neumann

Klaus Neumann betreibt welpen.de seit 1997. Seit rund 35 Jahren lebt er mit Hunden, heute mit Yorkshire Terrier Kalle. Er recherchiert in Rassestandards, Fachliteratur und Studien und überarbeitet ältere Artikel regelmäßig.

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Hinweis: Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen recherchiert und erstellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen oder verhaltensbezogenen Fragen zu Ihrem Hund wenden Sie sich bitte an Ihre Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Verhaltensberatung.

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