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Hundethemen

Warum können Menschen und Hunde so gut miteinander?

Es ist inzwischen hinreichend bewiesen, dass die Gesellschaft von Hunden sich positiv auf Menschen auswirkt.

Die Anwesenheit eines Vierbeiners reduziert nachweislich Streßsymptome und verringert erhöhte Blutdruckwerte.

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Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass ein Hund in einer psychisch schwierigen Situation ausgleichend wirken kann und das Knüpfen von sozialen Kontakten erleichtert.

Aber warum ist das so? Um diese Frage zu beantworten, sollten wir zurückblicken auf die Anfänge des Zusammenlebens von Mensch und Hund, bzw. Mensch und Wolf. 

Vor ungefähr 15.000 Jahren begannen unsere Vorfahren, den damals wild lebenden Wolf zu domestizieren. Beide profitierten davon in nicht unerheblichem Maße: die Tiere bekamen Nahrung von den Menschen (Abfälle, Reste), gleichzeitig sorgten sie durch ihre eigene Anwesenheit und ihr Gebell für dauerhaften Schutz vor wilden Tieren.

Recht schnell erkannten die Menschen auch den Nutzen der neuen Begleiter als unterstützende Hilfe bei Jagdunternehmen.

Wie wir alle wissen, entwickelte sich aus dieser ursprünglichen Zweckgemeinschaft eine Jahrtausend alte, sehr enge Bindung, die bis heute anhält. Der Grund für diese Bewährtheit ist das außergewöhnliche Talent der Hunde, sich dem Menschen anzupassen.

Die enorm lange Zeit des intensiven Zusammenlebens hat sich sehr stark auf die Wölfe/Hunde ausgewirkt. Nachhaltig haben sich die Biologie und das Verhalten der Vierbeiner verändert. Eines der wichtigsten Resultate ist das extrem hohe Verständnis der Hunde, was unsere Mimik und Gestik anbelangt. Hunde haben ein unglaublich sicheres Gefühl in Bezug auf den Blick der Menschen.

Das haben bestimmt schon viele Hundefreund selbst erleben können: ein besonders strenger Blick reicht aus, um dafür zu sorgen, dass Bello sich mit eingeklemmtem Schwanz in sein Körbchen trollt.

Und wer hat nicht seinen eigenen lautlosen Befehl – nur durch einen bestimmten Blick oder Drehen des Kopfes, um seinen Hund loszujagen, um das geworfene Stöckchen zu apportieren?

Hunde sind nicht zu übertreffen, wenn es um die genaue Interpretation menschlicher Gesten und der meist damit verbundenen Befehle geht. Sie erfassen unglaublich schnell und mit einer verblüffenden Genauigkeit, was man von ihnen will. Es gibt Experimente, die eindeutig dieses Verständnis belegen.

Der Ablauf eines Experimentes dieser Art gestaltet sich folgendermaßen: man versteckt eine Belohnung unter einem umgedrehten Becher. Dem Hund werden mehrere solcher Becher angeboten.

Gibt man dem Hund nun durch kurzes Kopfnicken in Richtung des „Belohnungsbechers“ ein Signal, so reicht das grundsätzlich aus, um den Hund zu dem richtigen Becher zu führen.

Als Erweiterung dieses Versuches lief der Trainer zu einem Becher, zeigte aber auf einen anderen. Die Hunde entschieden sich immer für den richtigen Becher (den, mit der Belohnung, auf den der Trainer auch gezeigt hatte).

Gleichartige Versuche mit Menschenaffen (Schimpansen) brachten weitaus schlechtere Ergebnisse. Nur zwei von elf Tieren waren in der Lage, die richtigen Becher zu identifizieren, wenn man nur durch Kopfnicken darauf hinwies.

Bereits der große Forscher Darwin bemerkte, dass die Beziehung zwischen Menschen und Hunden von instinktiver Zuneigung der Hunde geprägt sei. Dies werden wohl die meisten Hundezüchter und -besitzer gerne und vorbehaltlos bestätigen.

Auch Ádám Miklósi, ein aus Ungarn stammender, international anerkannter Hundeforscher untermauert diese Sichtweise.

Er vertritt die Auffassung, dass durch die sehr enge Art und Weise des Zusammenlebens von Mensch und Hund die Hunde einen regelrechten Instinkt für menschliche Verhaltensweisen entwickelt hätten.

Genau betrachtet bedeutet dies, dass das Verständnis der Mimik und Gestik des Menschen bei den Hunden ein Teil ihres genetischen Programms geworden ist und somit auch an die Nachkommen weitergereicht wird. Es ist den „modernen“ Hunden inzwischen regelrecht angeboren.

Man hat nämlich festgestellt, dass sehr junge Welpen durchaus schon auf Gesten der Hand (Fingerzeig) und Nicken des Kopfes reagieren. Wölfe hingegen machen das nicht – ein eindeutiger Beweis für einen Instinkt, der ausschließlich bei domestizierten Hunden zu finden ist.

Dies bestätigen auch Verhaltensforscher der berühmten Duke University aus North Carolina (USA). Der dort tätige Evolutionsanthropologe Brian Hare ist überzeugt davon, dass die Vierbeiner während der langen Zeit der Domestizierung eine solch enge Bindung eingegangen sind, die bei den Tieren zu einer Übernahme diverser sozial-kognitiver Eigenschaften (vom Menschen herrührend) gekommen ist.

Gewissermaßen hat in dieser Mensch-Hund Beziehung eine gemeinsame evolutionäre Entwicklung stattgefunden.