Ein Morgen wie jeder andere

Ein Morgen wie jeder andere
und das mindestens 8 Wochen lang

Unser Haus ist eigentlich immer mit Leben erfüllt. Bleibt ja schließlich auch nicht aus bei drei Töchtern, wovon schon bei zweien die Pubertät ihren Einzug gehalten hat (wer Kinder in dem Alter hat, weiß was ich meine, falls er vergessen hat, wie es bei ihm war) und vier Hunden, einem Mann, der viel arbeitet; einem Haus, einer Ferienwohnung, einem Garten und nun 78 Welpenkäufern!

Aber wenn wir Welpen haben geht hier erst richtig was ab.

Dabei will ich aber noch nicht mal über die unendlich vielen, schönen und auch langen Besuche der Welpeninteressenten, Welpengucker, alte Welpenkäufer, die mal wieder kleine Briards sehen wollen, Nachbarn (incl. Bürgermeister), Freundinnen unserer Töchter (auf einmal haben sie viel mehr) erzählen.

Auch nicht über die damit verbundene Dauerinanspruchnahme unserer Kaffee- und Spülmaschine. Nein! Eigentlich will ich nur mal einen ganz normalen Morgen beschreiben und der sieht wie folgt aus:

6.15 Uhr

Der Wecker reißt mich unsanft aus dem Tiefschlaf. Wer hat überhaupt dieses schreckliche Gerät erfunden? Was hatte ich gerade noch geträumt? Ich lag am Strand, einen kühlen Drink in der Hand und ich ließ mir die Sonne auf den Pelz brennen.

Ach ja! Das Einzige, das hier kühl war, war die Luft. Also erstmal anziehen, die Kinder aus den Betten schmeißen, an der Zahnbürste vorbei düsen (bin ich das im Spiegel?). Dann ab in den Keller und meiner „Lieblingsbeschäftigung“ (nach bügeln) nachkommen – heizen. Papier zusammenknüllen und in den Brenner, anzünden, Reisig drauf. Gott sein Dank, es brennt beim ersten Anlauf. Meine noch etwas steifen Knochen bemühen sich, Holz aufzuheben. Mann, sind die Holzscheite heute schwer!

Bei der Gelegenheit lade ich auch gleich die Waschmaschine mit Hundedecken und die letzte Fuhre von gestern abend landet im Trockner. Jetzt aber nichts wie hoch und Frühstück machen.

6.40 Uhr

Denise ist schon in der Küche und hat angefangen, den Tisch zu decken. Schnell das Wichtigste am frühen Morgen aufgesetzt – den Kaffee.

Briard Welpe
Briard Welpe

An der Lautstärke merkt man, das die Kids vollzählig sind. Michéle schimpft, weil Tamara sie im Bad immer ärgert. Sie streitet das natürlich lautstark ab. Dann sagt Tamara was zu Denise. Die mault: „Laß‘ mich bloß in Ruhe!“ Mein Gott, ist das wieder eine Liebe unter den Menschen.

Ich brülle auch: „Ruhe!“ und bestimme dann, das zukünftig jeder das Bad alleine nutzen darf (je nach Eitelkeit und Pubertät dürfen wir sicher bald um 5 Uhr aufstehen).

Denise will 2,50 Euro fürs Mittagessen, weil sie Nachmittagsschule hat. Tamara will 10 Euro für den Hauswirtschaftsunterricht und die Vögel brauchen Futter und Michéle braucht ein Geschenk für Sarinas Geburtstag. Meine Kinder sind also nicht nur laut, sondern auch noch teuer.

Übrigens, ist das nicht mein Hemd, das Tamara da an hat?

7.00 Uhr

Ich fange an, Wolfgang zu wecken, setze das Futter für Cara und Theme an und koche Wasser für die Welpenmilch (sie sind jetzt 3 Wochen alt). Nebenan liegt Wolfgang auf dem Sofa (wir schlafen immer noch bei den Welpen) und die 11 Racker in ihrer Kiste.

7.15 Uhr

Ich wecke Wolfgang wieder „Schatz, Du mußt raus. Es sind schon 7.15“. Was höre ich? „Ja, ja. Mein Gott, bist Du lästig! „

Es spitzt sich dem Ende zu. „Gib‘ her, das ist meine Jacke.“ „Laß‘ mich mal an die Schuhe“; „Jetzt mach, der Bus fährt gleich“ und das alles in einer Lautstärke, das ganz Gestratz weiß, Widmanns Kinder gehen jetzt zur Schule. Und Wolfgang liegt immer noch auf dem Sofa, nur ganze 6 Meter Luftlinie von den Zankhennen entfernt und schläft.

7.25 Uhr

Ich wecke Wolfgang, auch auf die Gefahr hin, mir seinen Zorn zuzuziehen (der ist mir aber noch lieber, als der von seinem Chef.).

Das Wasser hat die richtige Temperatur, also rühre ich die Milch an. Heute dürfen sie das erste mal aus dem Napf saufen. Und da bricht auch schon das nächste Widmann’sche Chaos aus. Isy geht mit der Schnauze zu weit rein, versenkt die Nase, verschluckt sich logischerweise und hat die „Nase gestrichen voll“ (Mit mir nicht! Wo ist meine Flasche?) Indira und der Rest finden es gigantisch.

Ein Swimmingpool und trinken kann man’s auch! Silber-Po steht gleich mit allen Vieren drin – juhu, das ist meiner!) und blockiert die Einflugschneise. Das hat sogar Wolfgang vom Sofa geholt und gemeinsam kämpfen wir um die Pfoten im Milchnapf. Dann wird die Welpenkiste aufpoliert und schon wieder habe ich eine Ladung für die Waschmaschine.

7.45 Uhr

Wolfgang sitzt verschlafen am Küchentisch und versucht die Zeitung zu lesen. Ich zieh‘ mir auch noch einen Kaffee rein und blättere in den Allgäu-Action’s rum.

8.00 Uhr

Jetzt sind die großen Hunde dran. Ich gehe nur Richtung Garderobe und schon weiß die Meute Bescheid und steht Gewehr bei Fuß.

Mein Stimme ist heute irgendwie belegt (ich werde doch wohl nicht krank) und damit ich nicht so viel sagen muß, packe ich mir die Tasche mit Leckerlis voll, was die Meute wohlwollend registriert. Sie weichen auch nicht von meiner Seite und, wie ein Wunder, brauche ich jeden Befehl nur einmal sagen.

Welpen der Hunderassen Briard
Welpen der Hunderassen Briard

In „unserem Wald“ (er gehört uns zwar nicht, aber in fast 5 Jahren ist uns nur ein einziges Mal ein Opa begegnet) darf die Meute dann frei rennen. Cola setzt sich gleich ein paar hundert Meter ab. Sie braucht Abgeschiedenheit und unberührte Natur für ihr Geschäftchen. Ginger kommt fast nicht dazu, weil Cara ihr ständig am Hintern hängt, zwickend und bellend ihr klar macht, das sie spielen will.

Theme macht das gleiche bei Cara und so rennt die Hundekette laut bellend durch den Wald. Aber irgendwann schafft es Ginger, sich abzusetzen und Cara auch.

Aber nur ganz schnell, dann geht die Toberei weiter. Cola hat sich inzwischen auch wieder angeschlossen und versucht, mit ihrer Ginger zu spielen. Cara begnügt sich kurz mit Theme, aber die Eifersucht läßt es dann doch nicht zu und sie versucht immer dazwischen zu kommen.

An der Abbiegung zum Bach bleibt die Meute stehen und sieht mich an. „Nein, heute gehen wir nicht baden!“ Schließlich ist der Bach fast zugefroren (das würde sie allerdings nicht stören). Enttäuscht gehen sie weiter. Dann eben nicht! Jeden Morgen das gleiche Spiel.

Auf dem Rückweg begegnen wir noch einer Katze, die keine Angst vor Hunden hat. Bei der Gelegenheit wird mal wieder die Unterordnung ausgetestet. Klappt ganz gut, aber sie würden sie doch so gerne jagen. Also auch das nicht! Ich bin halt schon eine Spielverderberin.

8.30 Uhr

Wieder zuhause, kommt die Mannschaft auf die Decke. Wolfgang hat es wohl geschafft, die Zeitung zu lesen und ist in der Zwischenzeit schon in der Dusche. Heute muß er sich wohl selbst ein Hemd bügeln, denn der Berg Bügelwäsche türmt sich im Schlafzimmer und ich komm halt einfach nicht ins Schlafzimmer. Cara’s Zitzen sind schön voll.

Die Welpen werden sich über den Nachtisch freuen. Aber alles hat seine Reihenfolge. Erst muß sie abgewaschen werden, dann bekommt sie ihr Futter und einen Pott voll Welpenmilch zum trinken und bevor das alles nicht war, geht sie auch nicht zu den Welpen.

9.00 Uhr

Es kehrt Ruhe ein. Wolfgang hat gerade das Haus verlassen. Die Hunde liegen auf ihren Decken und schlafen. Cara versorgt ihre Babys und ich kann mir noch in Ruhe eine Tasse Kaffee gönnen.

Es ruft ein Interessent an. Die erste Frage war wenigstens, ob wir noch Welpen haben. Aber als zweites kam dann gleich: „Was kosten die denn?“ Na Mahlzeit! Der ist schon erledigt. Briards kosten nicht, die liebt man! Schon wieder klingelt das Telefon. Aber dieses Mal ist es ein drei Seiten langes Fax von Monika. (Seit der Gebührenerhöhung bekommt man wieder jede Menge Briefe.) Während ich also lese, genieße ich meinen Kaffee und weil’s dann auch gleich in den Fingern juckt, schreibe ich gleich eine Antwort.

9.45 Uhr

Jetzt geht’s aber los. Waschmaschine und den Trockner laden. Ich leg‘ auch gleich noch Holz auf, damit es nicht auskühlt. Dann kommt das, was immer kommt – Wohnzimmer aufräumen (Tamaras Schuhe stehen mal wieder rum, ist das Wolfgangs Pullover? Michéle hat ihr Schulmäppchen vergessen), Staub wischen. Jeden Tag sieht es aus, als wenn jemand mit einer Tüte rumläuft und gleichmäßig Staub verteilt. Auskehren, naß wischen. Vielleicht sollte ich mal wieder Blumen gießen? Die lassen die Köpfe so hängen.

Zwischendurch klingelt nicht nur einmal das Telefon. Heute ist wohl Familientag. Mein Bruder hat da ein Problem (ich habe einen Bruder?). Die Oma ruft auch an und beschwert sich, weil ich mich nicht mal melde und meine Schwester hat auch einiges um die Ohren und will uns übers Wochenende besuchen. Sie braucht dringend jemand zum Quatschen.

Von Donnerstag bis Sonntag sind aber auch Welpeninteressenten angemeldet. 

Familie Gerhardinger zieht den Kürzeren – ich sage ihnen ab, damit ich wenigstens einen Abend meiner Schwester widmen kann. Gerhardingers wohnen ja in der Nähe und kommen sowieso öfters. Jetzt noch schnell in den oberen Stock. Die Rollos sind noch unten. Die Nachbarn denken bestimmt, ich schlafe solange. Schön wärs!

Also alle Fenster auf, Tageslicht und Luft rein, im vorbeilaufen Sachen eingesammelt und in die jeweiligen Kinderzimmer verteilt (aber heute räumen sie ihre Zimmer selbst auf), das Bad schnell aufgeräumt, Becken geputzt. Die Wanne ist voll mit unserer Wäsche. Die sollte ich vielleicht auch mal wieder waschen, aber die Waschmaschine ist ja noch belegt.

12.00 Uhr

Michéle kommt von der Schule – was schon 12! Wie doch die Zeit vergeht. Also schnell überlegt, was es zu essen gibt. Machen wir halt schnell ’ne Dose auf. Außerdem muß ich wieder Wasser aufsetzen für die nächste Welpenmahlzeit und der Morgen ist rum! So schnell geht das!

Es gibt aber noch eine Steigerung! So ab der 6. Woche und wenn es ein Winterwurf ist und Cara liebt Winterwürfe.

Dann erreicht die ganze Sache ihren Höhepunkt. Dann heißt es, nach Weck- und Badezimmerprozedur, auf leisen Sohlen zur Garderobe schleichen, Schuhe und Mantel anziehen, den großen Hunden mit leisen, zischenden Worten klar machen, daß das nicht ihnen gilt und sie keinen Freudenkrach machen dürfen (sonst wachen die Welpen auf, bevor ich die Tür auf habe), und dann mich, immer noch auf leisen Sohlen, ins Wohnzimmer schleiche und versuche, eben diese Türe aufzumachen und raus zu rennen, bevor meine Welpen mich bemerken.

Denn nach so einer langen Nacht fällt die Begrüßung immer sehr feucht aus! Und so stehe ich bibbernd und frierend im stockdusteren Garten und brauche nicht lange warten, bis die Welpen ihren Bedürfnissen freien Lauf lassen. Ich hechte dann, mit einem Schäufelchen bewaffnet, hinterher und sammel ein, was sie da so verlieren.

So kommt mein noch schlafender Kreislauf wenigstens etwas in Schwung. Dabei muß ich aufpassen, daß die Racker nicht vor lauter Freude gegen das Schäufelchen rennen und ich wieder verliere, was ich da mühselig eingesammelt habe.

Ich zähle 10 Häufchen, 11 Häufchen – fertig!

Nun jage ich sie noch eine Runde durch den Garten, spiel mit Stöckchen, Knoten und was sonst noch nicht eingeschneit ist, damit sie wieder etwas müde werden.

Ich und spielen und das morgens um 1/2 7 Uhr! Da ist ja anscheinend die Welt noch in Ordnung. Für die Welpen schon, aber ich bin ein Morgenmuffel! Vor 9 Uhr will ich eigentlich gar nichts wissen. Aber ich habe es noch nie geschafft, die Welpen so weit zu bringen, daß sie sich erst melden, wenn ich so weit bin.

Es hat aber doch was gutes. Ich habe nämlich überhaupt keine Zeit meinen Muffel rauszuhängen und es macht auch viel Freude, wenn die kleinen Racker schwanzwedelnd an mir hochhüpfen und sich riesig freuen, mich zu sehen.

Und wieder beginnt ein Morgen wie jeder andere …….