Dick ist chic??

Aktualisiert April 28th, 2017

Wer manche Hunde sieht und erlebt, wird überrascht sein, wie ruhig und gemütlich diese doch sind. Sie brauchen gar nicht viel Auslauf, denn nach einer halben Stunde sind sie schon so fertig, das Sie gemütlich neben ihren Leuten herlaufen.

Sind andere Hunde dabei, dann rennen sie zwar mal kurz mit, wollen auch mitspielen, schaffen es aber einfach nicht, denen hinterher zu kommen, geben auf und schauen mißmutig alles aus der Ferne an.

Holt man das Fahrrad raus, verkriechen sich diese Hunde. Kommen sie nicht drum herum, weil der Besitzer seinem Hund mal wieder etwas Bewegung gönnen will, sind sie schon nach einigen Kilometer am Ende und die Zunge schleift auf dem Boden. Sie haben ihre liebe Not, ihren Leuten auf dem Drahtesel zu folgen und anschließend sind sie total ausgepowert.

 © Ermolaev Alexandr - Fotolia
© Ermolaev Alexandr – Fotolia

Kommt die heiße Jahreszeit, ist an so viel Bewegung überhaupt nicht zu denken und unmißverständlich zeigen sie ihrem Besitzer, daß dies an Tierquälerei grenzt. Lieber verkriechen sie sich aufs Sofa und sind nur noch am hecheln.

In jungen Jahren ging das ja noch ganz gut. Aber je älter sie wurden, desto ruhiger wurden sie. Und dann kommen solche Beschreibungen wie „Schlaftabletten“.

Ein Welpenkäufer, ein leidenschaftlicher Jogger und Radfahrer, freute sich vor 9 Jahren darauf, einen Hund von uns zu bekommen, der ihm bei seinen sportlichen Aktivitäten folgen könnte.

Aber schon mit 2 Jahren war der Hund so dick und träge, daß er nur im Schleichtempo durch die Landschaft fahren konnte und ständig auf seinen Hund warten mußte. Er ist auch vom Jogger eher zum Geher geworden. Das ist endlich ein Tempo, bei dem der Hund bis zum Schluß super mithalten kann!

Irgendwann hatte er den grandiosen Einfall, daß das lange Fell daran Schuld sein muss und ruck zuck war es ab. Windschnittig nannte er das. Vor lauter Euphorie, nun einen schnellen Hund zu bekommen, vergaß er ganz, auf den Kalender zu achten. Es war Ende September und der Hund durfte am eigenen Leib spüren, wie kalt so ein Winter ohne „Mantel“ ist.

Aber seine Hoffnungen blieben unerfüllt. Der Hund wurde nicht schneller und hatte nun auch noch damit zu kämpfen, dass ihn seine besten Freunde nicht mehr erkannten.

So ganz ohne Kleidung durfte dieser Hund dann für 2 Wochen zu uns in Urlaub, weil seine Leute mal wieder mit dem Flieger in Urlaub wollten. Natürlich kam dann bei dem Besitzer doch das schlechte Gewissen und ziemlich kleinlaut lieferte er ihn ab.

© Dan Kosmayer - Fotolia.com
© Dan Kosmayer – Fotolia.com

Wir sind bei dem Anblick fast umgefallen und die Gardinenpredigt, die der Besitzer dann bekam, hatte sich gewaschen. Das wäre doch kein Siamesisches Hängebauchschwein, sondern ein Briard (das tat weh!). Und von wegen windschnittig!

Viel zu fett wäre der Hund und das kurze Fell sähe schlichtweg besch…. aus.

Er könnte ja gar nicht, vor lauter Schwimmringen (Na, so schlimm war´s doch auch wieder nicht, oder?). Der Besitzer rang nach Ausreden und verteidigte sich damit, das er in einem Buch gelesen hätte, daß die Schäfer ihre Hunde auch scheren.

Aber er hatte vergessen zu lesen, warum und wann sie das tun. Der Ausreden nicht genug, war dann noch seine Mama Schuld, die dem Hund ständig Wurstbrote und Leckerlis zusteckte und die Futterportionen immer reichlich ausfielen, weil der Hund doch immer so hungrig schaut. Außerdem bekam er immer Fleischreste von Herrchens Lieblingsrestaurant.

Nun ja, der Besitzer mußte sich anhören, daß der Hund kein Müllschlucker ist, die Mutter ihre Wurstbrote doch alleine essen sollte und der Restaurantbesitzer lieber Ausschau nach einem richtigen Schwein für seine Essensreste halten sollte. Der Besitzer gelobte Besserung. Aber kaum zu Hause, war alles wieder wie weggeblasen. Er blieb einfach unverbesserlich.

Jedes Jahr macht dieser Hund bei uns eine Diät mit und inzwischen sind einige Jahre und viele Gardinenpredigten vorbei gezogen.

Wir konnten aber in 14 Tagen nicht wieder gut machen, was ein ganzes Jahr verbockt wurde. Einmal hatten wir den Hund für 12 Wochen und wir starteten sofort ein Fitnessprogramm. Der Hund litt in der ersten Zeit natürlich. Es gab keine Wurstbrote, keine Leckerlis und die Futterration wurde strengstens abgewogen und jeden Tag ging es auf Radtouren.

Nach zwei , drei Wochen sah man so langsam wieder Taille und wir wurden immer zufriedener mit dem Anblick. Bis zum Ende dieses langen Urlaubes war ich gertenschlank (das erste Mal) und natürlich fühlte sich der Hund pudelwohl. Sie wurde zu einer sehr schönen Hündin, die so richtig agil sein konnte.

Sie sprang wieder über Zäune, ohne mit dem Bauch hängen zu bleiben. Anfangs scheiterte schon allein der Versuch.

Die Spielrunden mit den anderen Hunden machten riesigen Spaß. Das war doch was ganz anderes, als von weitem zuzusehen. Bei den Radtouren konnte sie bis zum Schluß mithalten. Sie bekam eine gute Muskulatur, die Zunge blieb da, wo sie hin gehörte und sie hatte richtig Temperament, was bis dahin noch kein Mensch bemerkt hatte!

Die Besitzer erkannten sie fast nicht wieder, waren dann aber voller Stolz.

Wir dachten, nun unser Ziel erreicht zu haben. Der Besitzer genoß es, daß er nun mit ihr Joggen und Radfahren konnte und endlich einen Hund hatte, den er vor sich laufen sah und nicht ständig auf ihn warten mußte. Aber leider blieb er  unverbesserlich“ und war trotzdem er nicht in der Lage, den Speiseplan umzustellen. Die Zeit verging, die Taille war mal wieder verschwunden und es kam wieder die Urlaubszeit beim Züchter.

Ein trauriges Spiel, bei dem wir so manches Mal unsere unverbesserlichen Welpenkäufer (es gibt noch mehr davon) am Kragen schnappen und schütteln möchten.

Schade, daß diese Hunde nicht sprechen können: Dick sein macht fürchterlich träge, belastet den ganzen Körper, die Knochen, den Kreislauf. Es strengt wahnsinnig an.

© sergeevspb - Fotolia.com
© sergeevspb – Fotolia.com

Die Hunde leiden!

Hunde im gleichen Alter, die immer schlank und in guter Bewegung gehalten wurden, sind so einem in Längen voraus. Da kann so ein Dicker nicht mithalten!

Daß diese Hunde nicht gerne am Rad laufen, das Spiel mit anderen Hunde nicht mögen, am liebsten nach einem kurzen Spaziergang auf dem Sofa liegen und sich als zweites Frühstück ein Leberwurstbrot reinziehen, das sind doch nichts als Ausreden der bewegungsfaulen Besitzer!

Nun schimpfen Sie nicht, wenn Sie nicht zu den Bewegungsfaulen gehören. Das ist ja lobenswert. Aber laufen sie mal nur 5 km mit Übergewicht! 

Die Menschen neigen sehr oft dazu, den Hund zu vermenschlichen. Sie finden es „artgerecht“, dabei ist es nur „menschengerecht“. Laßt den Hund Hund sein und entsprecht „seinen“ Bedürfnissen!

Dick ist nicht chic – es ist Tierquälerei!