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Wie sieht eine optimale Zuchtstätte aus ?

Es gibt bereits zig Schriften, in denen darauf hingewiesen wird, worauf man beim Hundekauf achten soll. Leider scheinen Interessenten diese Teile erst zu lesen, wenn „der Welpe bereits in den Brunnen gefallen ist“.

Man kann es leider nicht oft genug sagen: von Mitleidskäufen ist dringend abzuraten. Man hilft zwar einem kleinen Welpen, gleichzeitig ermuntert man aber den „Züchter“ zu weiteren Würfen.

Leider spekulieren diese Leute eben gerade auf dieses Mitleid und verkaufen mit dieser Methode fatalerweise recht gut. Der Welpenkäufer hat das Nachsehen: mit einem Problemhund, der leider durch die hohen Krankheitskosten auch teuer wird.

Skepsis ist auf jeden Fall angebracht, wenn….

  1. Sie einen Vertrag sofort beim ersten Besuch unterschreiben SOLLEN und gedrängt werden.
  2. Ihnen nicht der Besuch der Zuchtstätte angeraten wird, sondern der gekaufte Welpe irgendwo übergeben werden soll (Parkplatz, Raststätte etc). Das wird zwar damit begründet, dass es für Sie weniger Fahrtaufwand ist. Für einen Hund, der das ganze Leben bei Ihnen verbringen soll, sollte Ihnen aber kein Weg zu weit sein.
  3. Sie zwar die Zuchtstätte sehen können, Ihnen aber nur die Welpen „vorgeführt“ werden. Zumindest die Mutterhündin sollte dabei sein.
  4. Wenn der Züchter noch weitere Hunde hat, gibt es keinen vernünftigen Grund, Ihnen diese vorzuenthalten. Im Gegenteil, normalerweise ist ein Züchter stolz auf seine Tiere.
  5. Laufend Welpen vorhanden sind, mehrere Rassen gezüchtet werden oder mehrere Würfe gleichzeitig vorhanden sind. Die erwünschte und sehr wichtige Prägung dürfte auf der Strecke bleiben. „Das macht die Mutter schon selber“ ist zwar ein beeindruckendes Argument, aber kein Hund kann einen Welpen auf Menschen prägen.
  6. Die Welpen oder Hunde einen verwahrlosten Eindruck auf Sie machen. Das Fell muss seidenweich und glänzend sein, die Augen ebenfalls.
  7. Die Zuchtstätte den Eindruck eines Krankenhauses macht: alles gefliest, blitzend und pikobello sauber. Würden Sie sich in einer solchen Umgebung wohlfühlen? Na also. Dürfen die Welpen spielen und tollen und sich richtig schön dreckig machen?
  8. Spielzeug sollte mindestens herum liegen
  9. Ihnen der Züchter nicht sympathisch ist. Das bedeutet zwar nicht eine Herabsetzung der Zuchtstätte, im Gegenteil, die Aufzucht kann durchaus vorbildlich sein. Aber es sollte nicht so sein, dass die Verbindung Käufer-Züchter mit der Abgabe des Welpen endet.

Ein weiterer Kontakt ist durchaus sinnvoll. Für Sie, wenn Probleme auftreten, für den Züchter, um sich ein Bild von seiner Nachzucht machen zu können.

In Gesprächen mussten wir leider auch feststellen, dass viele Interessenten von vollkommen falschen Voraussetzungen ausgehen, was eine Zuchtstätte angeht. Eine Zwingeranlage wird als „normal“ angesehen, ebenso die Tatsache, dass laufend Welpen abzugeben sind, die sich womöglich ebenfalls in der Zwingeranlage aufhalten.

Das muss nicht sein! Ein Welpe, der nur und ausschließlich einen Zwinger gesehen hat, kann nicht vernünftig geprägt sein, denn er kennt nichts anderes. Kein Auto, keinen Trecker, keine anderen Geräusche als die, die ihn umgeben. Er wird, kommt er erst einmal aus der Anlage heraus, verängstigt reagieren. Aber ich möchte gerne beschreiben, wie ein Züchter seine Zuchtstätte einrichten wird, wenn er nicht nur um des Geldes Willen züchtet, sondern richtig Spaß an seinen Hunden und „seiner“ Rasse hat.

Hinweisen möchte ich auf den Bericht von Frau Sybille Döderlein, die das Glück hatte, eine solch optimale Zuchtstätte zu finden und ihre ersten Eindrücke geschildert hat. Eigentlich könnte ich mir meinen ganzen Artikel sparen, denn ihre Worte sprechen für sich.

Wer züchtet „meine“ Rasse?

Um überhaupt Züchteradressen zu bekommen, gibt es viele Möglichkeiten. Einige Züchter inserieren in Hundezeitungen, die Rassehundevereine (Anzeigen ebenfalls in Hundezeitungen oder ggfs. beim VDH) versenden Züchterlisten.

Teilweise findet man Inserate in Tageszeitungen. Das Fatale an den optimalen Zuchtstätten ist, dass die Züchter oftmals ihre Welpen bereits verkauft haben, wenn der Wurf noch gar nicht gefallen ist. Zum einen machen sie wenige Würfe, zum anderen planen sie ihre Würfe teilweise erst, wenn bereits einige Vorbestellungen vorliegen.

kopfstudie

Hier sollte man Augen und Ohren offen halten. Eine gute Möglichkeit sind auch Ausstellungen der speziellen Rasse. Hier trifft man Züchter – und was noch viel wichtiger ist – auch Besitzer und kann sich im lockeren Gespräch über Rasseeigenheiten unterhalten. Ebenso können erste Kontakte zu Züchtern aufgebaut werden, die auf diesen Ausstellungen ihre Nachzucht präsentieren.

Man kann schauen, ob es eine eigene Vorliebe für einen speziellen „Typ Hund“ innerhalb der Rasse gibt. Es sind sehr unverbindliche Gespräche, die aber für einen ersten Eindruck sehr wichtig sein können. Leider wollen viele Züchter ihre Welpen verkaufen, da empfehlen sich Gespräche mit Besitzern eher.

Tierheimhund – warum eigentlich nicht?

Wenn ein Hund ins Haus kommen sollte, sollte auch dieser Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Viele Hunde – auch Rassehunde – fristen in den unzähligen Tierheimen ihr trauriges Dasein.

Ohne dass sie unbedingt Problemhunde sind. Die Mitarbeiter der Tierheime können genau Auskunft über die Eigenarten der Tiere geben und man muss sich normalerweise nicht sofort entscheiden.

Ein gegenseitiges Kennenlernen am Wochenende oder auf Spaziergängen wird sicher nicht abgelehnt, denn auch den Mitarbeitern des Tierheims ist nicht damit gedient, wenn sie ihren Hund nach einigen Tagen wieder zurück bekommen. Für den Hund eine besonders schlimme Situation.

Wie bequem – der Züchter „um die Ecke“

Grundsätzlich sollten mehrere Zuchtstätten besichtigt werden. Nicht jeder hat das Glück, gleich auf einen Züchter zu treffen, bei dem einfach alles stimmt. Wir hatten dieses Glück und waren der Überzeugung, dass man nicht besser züchten und aufziehen kann und sahen von daher von einem Besuch einer weiteren Zuchtstätte ab.

Der Eindruck hat sich in den nächsten sechs Jahren, in denen wir uns mit der Rasse Weiße Schäferhunde sehr intensiv beschäftigten und daher einige Zuchten sahen, bestätigt. Es gibt zwar einige Züchter, die ebenso optimal züchten und die wir bedenkenlos empfehlen würden, viele passen aber leider nicht in dieses Schema.

Fazit: man muss bereit sein, zu suchen und man sollte sich rechtzeitig darum kümmern. Wartezeiten sind bei diesen Zuchtstätten normal.

Man schafft sich ein Familienmitglied für viele Jahre an. Ist das nicht ggfs. einige Kilometer Fahrt und einige Wochen Suche wert?

Das ist nur ein Gedanke, den ich hier weitergeben möchte. Selbst wenn der Züchter einige hundert Kilometer entfernt wohnt (was bei seltenen Rassen durchaus vorkommen kann), ist es möglich, später telefonisch Kontakt zu halten.

Wie KANN eine Zuchtstätte aussehen?

Nun möchte ich zu den Punkten kommen, die meiner Meinung nach (!) eine gute Zuchtstätte ausmachen:

Der Züchter züchtet nur eine Rasse – maximal zwei.

Die Ankunft beim Züchter

Wenn man bei einem Züchter ankommt, sollte es folgendermaßen ablaufen: die Hunde kommen zur Begrüßung, dürfen bellen (logisch, ihr Gebiet, der Besucher ist ein Eindringling, darf also angebellt werden), aber nicht aggressiv wirken. Sie sind aufgeschlossen, lassen sich anfassen und fordern zum Spiel auf. Positiv zu bewerten ist, wenn der Züchter auch Alttiere und nicht in der Zucht befindliche Tiere bei sich hat.

Gerade, wenn länger gezüchtet wird, kommen die Zuchthunde irgendwann „in die Jahre“ und leider ist es so, dass viele Züchter diese Tiere dann verkaufen, nach dem Motto „der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“.

Wenn ein Züchter einen Welpen für die spätere Zucht behält, ist es häufig so, dass er sich nicht unbedingt zum Zuchthund entwickelt. Wenn er einen solchen Hund trotzdem behält, zeigt das, dass ihm etwas am Hund an sich liegt und nicht nur an der Zucht.

Diese Tatsachen bedingen aber, dass einige Züchter relativ viel Hunde haben. Wie intensiv er sich darum kümmert, kann man am Verhältnis des Züchters zu seinen Hunden erkennen.

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Was passiert während des Aufenthaltes? Worauf kann man unauffällig achten?

Wie verhalten sich die Hunde während Ihres Besuches? Laufen sie wie selbstverständlich im Haus und im Garten herum? Dann ist es ihr normales Umfeld. Eine Zwingeranlage kann durchaus auf dem Grundstück sein, um Rüden und Hündinnen z.B. während der Läufigkeit auseinander zu dividieren. Man sieht es ihr aber an, ob sie in „Dauernutzung“ ist oder nur für Notfälle dort steht.

Ebenso kann man es am Verhalten der Hunde sehen. Verhalten sie sich in Haus und Garten vollkommen natürlich und ungezwungen, ist der Zwingeraufenthalt eher die Ausnahme. Kümmert sich der Züchter auch während des Besuches nebenbei um die Hunde?

Kommen sie, um zum Spiel aufzufordern oder sich Streicheleinheiten abzuholen? Wenn sie das tun, zeigt es, dass sich ihr „Anliegen“ lohnt, dass der Züchter normalerweise auch auf solche Aufforderungen eingeht. Wenn Welpen da sind und sie bereits der Wurfkiste „entwachsen“ sind – wie verhalten diese sich, wie verhalten sich die Alttiere gegenüber den Welpen?

Kümmern sich eventuell sogar mehrere Hündinnen um die Welpen? Wenn der Züchter mehrere (auch ehemalige) Zuchthündinnen hat, ist das durchaus üblich. Ein Zeichen für ein gesundes Wesen der Rassehunde dieser Zucht.

Der Züchter sollte natürlich seine Hunde kennen, er muss Auskunft über Verpaarungen und Blutlinien geben können und auch Ahnentafeln und Auswertungen (Untersuchungen auf evtl. Erbkrankheiten, bei Schäferhunden z.B. HD-Röntgenergebnisse) sowie evtl. andere Papiere (Ausstellungsurkunden, Prüfungsergebnisse) gerne und vor allem stolz präsentieren.

Er wird Geschichten über die Eigenheiten seiner Zuchthunde erzählen können, so dass auch dem Besucher schnell klar wird, dass jeder Hund ein Individuum für sich ist.

Nicht von Pokalen in die Irre führen lassen: es ist zwar immer beeindruckend, wenn eine Wand mit Pokalen gefüllt ist, aber in manchen Vereinen lassen sich Pokale gar käuflich erwerben, wenn man sie nicht gewinnen konnte und es ist durchaus üblich, dass es für die Teilnahme an einer Ausstellung an sich bereits einen Pokal gibt.

Die Urkunden geben hier mehr Auskunft, vor allem sollte man auch darauf achten, wie stark die Konkurrenz war.

Fragen des Züchters an den Interessenten sollten ehrlich beantwortet werden, denn auch dieser möchte sich ein Bild machen, wohin sein Welpe kommt. Rät er aus dem einen oder anderen Grunde vom Kauf ab, sollte man sich über die Gründe Gedanken machen.

Besuch ohne Kaufabsichten – kein Problem?

Ein Züchter wird den Interessenten auch Willkommen heißen, wenn keine definitiven Kaufabsichten bestehen. Er freut sich nämlich nicht nur über das Geld, das der Käufer bringt, sondern er züchtet die Rasse, weil ihm die Hunde und deren Eigenschaften so gefallen, dass er diese erhalten und vermehren möchte.

Er wird ebenso viel Freude daran haben, Ihnen die Rasse, ihre Geschichte und ihre spezifischen Eigenarten zu erläutern – wenn er den Interessenten am Telefon abwimmelt, weil der keine definitiven Kaufabsichten hat, ist schon Skepsis angebracht. Denn man muss sich ja zunächst irgendwo über die unterschiedlichen Rassen informieren, bevor man sich für eine entscheidet.

Das Verhalten der Hunde: enorm wichtig!

Noch einmal zurück zum Wesen der Hunde: Informieren Sie sich vorher über die speziellen Eigenarten der Rasse, so sind Sie auch auf eventuell etwas ungewöhnliche Reaktionen der Tiere vorbereitet: Zurückhaltung ist eine der typischen Eigenschaften der Weissen Schäferhunde.

Es kann daher sein, dass der eine oder andere Hund den Besucher entsprechend begrüsst. Man sollte Zurückhaltung aber nicht mit Ängstlichkeit verwechseln, obwohl die Übergänge recht fliessend sind. Zurückhaltung bedeutet für mich, der Hund weicht ein wenig zurück, wenn man ihn als Fremder anfassen möchte, sucht aber seinerseits nach einer kurzen Zeit erneut den Kontakt.

Ein ängstlicher Hund wird sich verkriechen oder schlimmstenfalls aus Angst angreifen. Diese Fälle sind selten, in jedem Fall sollte der Käufer Abstand nehmen, wenn einer der erwachsenen Hunde derartig reagiert und der Züchter darauf keine plausible Erklärung hat (Hund zurückgenommen; Tierheimhund o.ä.).

Als Mutter- oder Vatertier sind derart reagierende Hunde natürlich indiskutabel. Gerade die Muttertiere geben in den ersten Wochen sehr viel Prägung an ihre Welpen, d.h. selbst wenn ihre Welpen bei der Geburt vom Wesen her frei und in Ordnung waren, bekommen sie durch die Mutter in den ersten acht Wochen derart viel Prägung, dass ein hohes Mass von Wissen und Erziehung notwendig wird, um diese intensive Prägung rückgängig zu machen.

Sind Welpen da, wird die Hündin den Besucher im optimalen Fall sogar – in Begleitung des Züchters, mehr sollte man nicht verlangen – bis an die Wurfkiste lassen, Kinder eventuell sogar ohne den Züchter.

Wenn sich mehrere extrem ängstliche Hunde im Rudel befinden, sollte die Frage angebracht sein, wie stark sich dieses Verhalten auf die Welpen abfärben wird. Wenn alle Hunde in direktem Kontakt zu den Welpen stehen, sollte man zumindest den Züchter darauf ansprechen. Optimal ist natürlich ein komplettes Rudel wesensfester Hunde.

Letzte Aktualisierung am 20.11.2017


Welpenraum und Garten

Der Aufzuchtraum für die Welpen sollte hell und freundlich sein, mit Spielzeug ausgestattet. Fliesen sollten nicht negativ gesehen werden, denn einen Raum für 8 oder mehr Welpen sauber zu halten, ist eine Menge Arbeit. In den ersten Wochen sind die Welpen sowieso in der Wurfkiste, die entsprechend warm ausgelegt ist.

Eine Wärmelampe über der Kiste ist ebenfalls üblich. Natürlich sollte die Mutterhündin immer bei den Welpen sein und jederzeit Zugang zum Welpenraum haben. Ein direkter Zugang zum Garten ist optimal, leider auf Grund der örtlichen Gegebenheiten nicht überall zu realisieren. Überhaupt sollte man nicht unbedingt mit dem weißen Handschuh durch die Zuchtstätte gehen, denn während Welpen aufgezogen werden, sind andere Dinge notwendig.

Die Welpen und auch die Althunde sollten genügend Spielmöglichkeiten haben. Wenn Sie durch ein Chaos von zerbissenen Bällen, Quietschtieren schreiten und der Garten wie ein Abenteuerspielplatz für Hunde wirkt, hat sich die Anfahrt sicher schon gelohnt, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch die restlichen Dinge „passen“.

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Die Anschaffung eines Welpen

Mehrere Dinge sollen hier bedacht werden:

Rüde oder Hündin?

Es ist eine sehr persönliche Ansichtssache und ich möchte das Thema hier nur kurz streifen, da es genügend Literatur gibt, die sich damit beschäftigt. Ein Rüde kann (muss nicht) problematischer in der Erziehung werden, gerade wenn er dominant ist, müssen Sie sehr (!!!) konsequent sein. Ansonsten ist schnell der Hund das Familienoberhaupt. Als Ersthund ist ein dominanter Rüde nicht zu empfehlen.

Die Spaziergänge gestalten sich langwieriger als bei einer Hündin, denn viele Rüden setzen ihren ganzen Ehrgeiz in korrekte und ausgiebige Markierungen ihres Reviers. Mit der Hündin kann man „mal eben vor die Tür gehen“, wenn es absolut nicht in den Zeitplan paßt.

Der Rüde ist das ganze Jahr über auf „Freiersfüßen“ und läufige Hündinnen in seinem Revier lassen ihn manchmal schier verrückt werden.

Die Hündinnen sind im allgemeinen leichter zu erziehen. Sie sind anschmiegsamer und proben nicht so schnell den Aufstand wie ein Rüde. Wenn es allerdings mal zu Auseinandersetzungen zwischen zwei Hündinnen auf einem Spaziergang kommt, geht das – wenn’s richtig ernst ist – nicht so glimpflich ab wie bei Rüden.

Das wohl größte „Problem“ bei einer Hündin ist die halbjährliche Läufigkeit. Das bedeutet ca. 10 Tage Blutstropfen in der Wohnung, ca. 5 Tage Standhitze und nochmals ca. 1-2 Wochen, in denen die Hündin jeden Rüden im Umkreis anlockt. In dieser Zeit reagiert sie normalerweise auch auf andere Hündinnen (Rivalinnen!) recht extrem. Die Läufigkeit ist natürlich medizinisch zu unterdrücken, ob man sich hierfür entscheidet, ist Ansichtssache.

Beide Geschlechter haben Vor- und Nachteile und die Entscheidung für eine Hündin oder einen Rüden sollte keinesfalls spontan getroffen, sondern gut überlegt sein.  

Der Zeitpunkt

Vielleicht besteht kaum eine Möglichkeit, den Zeitpunkt mit zu bestimmen, vielleicht aber doch. Ein Herbstwurf, der zu Beginn des Winters abgegeben wird, ist meiner Meinung nach gegenüber einem Frühlingswurf klar im Nachteil. Nicht für die Welpen, aber für den Käufer! Ein Welpe muss schlimmstenfalls für mehrere Wochen mehrmals in der Nacht nach draußen. Da stehen Sie nun, bibbernd, bei Minusgraden.

In der nächsten Nacht sind Sie vielleicht schlauer und ziehen sich erst einmal an. Umsonst, denn während dieser Zeit hat der Welpe das Problem vielleicht schon innerhalb der Wohnung „erledigt“. Normalerweise ist auch tagsüber das Wetter schlechter und der Welpe kommt jeden Tag eingedreckt bis obenhin nach Hause. Da er noch nicht erzogen ist, hüpft er als erstes auf das Sofa. Hurra!

Im Frühjahr oder Sommer können Sie mit dem Welpen vielleicht „mal so“ des Nachts vor die Tür huschen. Man ist normalerweise sowieso länger auf, so dass die reine Nachtzeit kürzer ist. Die Temperaturen machen die „Gewöhnungszeit“ an den Welpen weitaus angenehmer.

Es macht weitaus mehr Spaß, hinaus zu gehen, der Welpe kann im Garten spielen und im allgemeinen bleibt er auch sauberer als im Winter. Natürlich, der nächste Winter kommt bestimmt, aber dann ist der Welpe stubenrein und vielleicht schon so gut erzogen, dass er vor der Tür wartet und „Säuberungsaktionen“ geduldig über sich ergehen läßt.

Ein Hundekauf zu Weihnachten sollte sich von selber verbieten. Auch wenn er wohl überlegt ist, die Feiertage, der kurz darauf folgende Jahreswechsel mit Lärm und zischenden Lauten bringen ein großes Ungleichgewicht in das Leben – für einen kleinen Welpen, der gerade versucht, sich an die Trennung von Mutter und Geschwistern zu gewöhnen, ist dies der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Warten Sie –selbst wenn der Hund ein Weihnachtsgeschenk ist – im Interesse des Kleinen bis nach Silvester, bis Sie ihn zu sich holen.

Zum Sommerwelpen sei noch gesagt, dass dieser natürlich KEINESFALLS allein im Auto bleiben darf. Ein Welpe hat eines extremen Flüssigkeitsbedarf, das Auto heizt sich extrem auf, eine solche Nachlässigkeit ist für den Welpen lebensgefährlich!

Der Welpe soll ausgewählt werden

Nehmen Sie sich die Zeit, zu warten, bis die Welpen erwacht sind. Ein quietschfideler Welpe macht einen neugierigen und aufgeweckten Eindruck. Er wird sich Ihnen zutraulich nähern und sich gerne streicheln lassen. Das Fell ist sauber und gepflegt, die Augen klar und glänzend.

Das Hinterteil ist ebenfalls sauber, die Nase feucht und kalt. Der Welpe wird neugierig seine Umgebung erkunden und sich weder übermäßig kratzen noch häufig den Kopf schütteln oder ein anderes ungewöhnliches Verhalten zeigen. Die Welpen dürfen gut im Futter sein, aber z.b. ein aufgeblähter Bauch deutet auf evtl. Wurmbefall hin.

Wenn Sie sich für eine Zuchtstätte entschieden haben, wird Ihnen am Tage der Auswahl der Züchter hilfreich zur Seite stehen. Er wird Sie und Ihre Anforderungen an den Hund im besten Falle bereits aus Gesprächen eingeschätzt haben und Ihnen vielleicht den einen oder anderen Welpen besonders ans Herz legen.

Da Sie sich hoffentlich für einen Züchter Ihres Vertrauens entschieden haben: er hatte bereits einige Wochen Zeit, jeden einzelnen Welpen im Verhalten genau zu beurteilen. Er hat im Laufe seiner züchterischen Tätigkeit einiges an Urteilsvermögen gesammelt, so dass es sich sicher lohnt, über seine Hinweise nachzudenken.

Da die Welpen im Alter von ca. 4 Wochen einander noch sehr ähneln, neigen viele Interessenten dazu, den Welpen zu nehmen, der sofort auf sie zuläuft. „Der mochte mich auf Anhieb“ oder ähnliches sind die Argumente.

  • Vielleicht war dieser Welpe nur momentan etwas wacher als die anderen?
  • Vielleicht war er sowieso auf dem Weg in die Richtung?
  • Waren die anderen zu sehr miteinander beschäftigt, dass sie die Menschen gar nicht bemerkten?

Dieser Welpe ist unerschrocken und aufgeschlossen – gerade Welpen mit diesen Verhaltensweisen entwickeln sich aber nicht selten später zu dominanten Hunden. Man sollte sich daher JEDEN Welpen in aller Ruhe anschauen. Der o.g. mag durch sein Verhalten Pluspunkte gesammelt haben, das einzige Auswahlkriterium sollte es aber nicht sein.

Vorsicht ist geboten, wenn der Welpe (oder gar der ganze Wurf!) beim Klang Ihrer Stimme ängstlich das Weite sucht. Am Tage der Auswahl sollten die Welpen bereits an Besucher und fremde Stimmen gewöhnt sein. Knurrt er Sie an, sollten Sie ebenfalls Vorsicht walten lassen. Der Welpe sollte sich locken lassen und neugierig zu Ihnen kommen.

Die „Chemie“ muss stimmen!

Der Züchter selber sollte dem Interessenten sympathisch sein. Es bringt beiden nichts, wenn alles optimal ist und Sie sich nicht riechen können – aus welchem Grunde auch immer. Denn der Züchter sollte zeitlebens des Hundes Ansprechpartner bei Problemen bleiben.

Das ist für beide wichtig, denn der Züchter wird ggfs. über Krankheiten des Hundes informiert, was ihm wiederum Aufschluß über die Verpaarung geben kann. Auch ein noch so gut informierter Züchter kann bei der Auswahl der Zuchtpartner einmal nicht das richtige Händchen haben.

Der Besitzer fühlt sich mit seinem Hund nicht allein gelassen und oftmals ist bereits das Gefühl, bei evtl. Problemen nicht allein zu sein, sehr hilfreich. Gerade beim ersten Hund tauchen oft Fragen auf und man ist übervorsichtig und überängstlich. Ein Züchter sollte solche Anrufe geduldig und freundlich beantworten.

Genetik überlassen wir dem Züchter?!

Noch einige Worte zu Verpaarungen und Genetik. Es herrscht sowohl unter Wissenschaftlern als auch unter Züchtern nicht unbedingt Einigkeit über die beste Zuchtmethode.

Allgemein verboten bzw. nur mit besonderen Genehmigungen erlaubt sind reine Inzestverpaarungen, d.h. Vater-Tochter, Mutter-Sohn. Weitläufigere Verpaarungen sind oftmals ohne besondere Zustimmung der Zuchtgremien durchführbar und hiervon wird auch Gebrauch gemacht.

Ob Sie als Welpenkäufer sich hiermit befassen wollen, oder ob Sie sich einfach für einen Hund entscheiden, der Ihnen gefällt, hängt von Ihrer Einstellung ab. Mit einer Inzucht erreicht man eine sehr schnelle Zuchtverbesserung in die gewünschte Richtung.

Leider macht man durch die Inzucht auch negative Eigenschaften „sichtbar“, von denen der von dieser Methode überzeugte Züchter allerdings behaupten wird, dass es sie in seinen Linien gar nicht gibt. Weil er diese eben genau kennt.

Hierzu sei angeführt, dass der Hund über ca. 100.000 Gene verfügt, die der Züchter alle zu kennen glaubt.

Unabhängig von dieser Tatsache verringert man den Genpool und Gegner dieser Zuchtmethode sowie diverse wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies auf lange Sicht zu erheblichen Problemen in der Zucht führen kann, weil viele Erbinformationen schlicht und einfach verloren gehen. Und das ist niemals wieder rückgängig zu machen

Mit dem Gegenteil der Inzucht, d.h. der Verpaarung von Linien, die möglichst wenig miteinander verwandt sind, bekommt man – kurzfristig gesehen – nicht so optimale Ergebnisse. Die Hunde sind im Aussehen sehr unterschiedlich und können im einen oder anderen Punkt schon vom erwünschten Standard (der besagt, wie der perfekte Hund auszusehen hat) ab.

Die Befürworter dieser Zuchtmethode – und hier wären eine große Anzahl Wissenschaftler aufzuführen – behaupten allerdings, dass diese Hunde widerstandsfähiger, gesünder sind, da ein grosser Anteil unterschiedlicher Gene erhalten wird. Und dass gerade die im Rahmen der Rasse unterschiedlichen Erscheinungsformen wünschenswert sind und auf einen grossen Genpool und eine widerstandsfähige, gesunde Rasse schließen läßt.

Wenn Sie sich hierfür interessieren, lassen Sie sich die Ahnentafeln zeigen und erklären. Doppelte Ahnen ab der 4./5. Generation sind z.B. in der Weißen Schäferhundzucht kaum zu vermeiden. Die Hunde stammen zum großen Teil von nur einem Zuchtpaar ab.

Ein Züchter sollte sich aber Gedanken gemacht haben, warum er gerade diese Partner verpaart hat. Wobei der im Besitz des Züchters befindliche Rüde wohl die einfachste (keine Anreise, kein Herausfinden der Standtage der Hündin notwendig) und preisgünstigste Möglichkeit, aber nicht immer die Sinnvollste ist.

Frühzeitiges Interesse und gesunder Menschenverstand – fast eine Garantie für den Erfolg

Ein guter Züchter hat nicht unbedingt Welpen „Vorrätig“. Das KANN zwar der Fall sein, wenn der Interessent zufällig in einer Zeit kommt, in der er einen Wurf hat, er wird aber normalerweise nur wenige Würfe im Jahr machen.

Einen Wurf korrekt aufzuziehen, kostet Zeit und Nerven – schlaflose Nächte inklusive -, daher sind den meisten Züchtern, die aus Spaß an der Freude züchten, zwei – maximal drei Würfe genug.

Gleichzeitig haben sich die Verhaltensformen der Interessenten Gottseidank gewandelt. Sie kaufen nicht mehr irgendwo, sondern informieren sich vorher. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass „gute“ Züchter auf einmal sehr gefragt sind und da sie logischerweise ihre Wurfanzahl nicht erhöhen, sind Wartezeiten schon fast normal.

Viele Züchter überlegen sich auch erst, einen Wurf zu machen, wenn sie 4-5 Vorbestellungen haben.

Wenn dann noch die Hitze der Zuchthündin auf sich warten läßt, ist schnell fast ein Jahr vorbei. Daher – rechtzeitig informieren, rechtzeitig Züchter besuchen und Wartezeiten ruhig in Kauf nehmen.

Was den Züchter angeht, so kann man es vielleicht so zusammenfassen: es kommt weder auf die Quantität der Hunde an, auch nicht unbedingt auf die Qualität (obwohl es natürlich wünschenswert ist), aber das Hauptaugenmerk sollte auf der Zuchtstätte (Abenteuerspielplatz für Hunde???) , auf den Eigenschaften der Hunde (freudig, aufgeschlossen) und dem Umgang des Züchters mit den Hunden liegen.

Denn ein Hund ist keine Waschmaschine, sondern ein Lebewesen, mit denen wir eine nicht unerhebliche Anzahl Lebensjahre verbringen möchten.

©  Gaby von Döllen in Zusammenarbeit mit der White Shepherd Helpline