Welpen für den Weihnachtsmann

Es wird sicher einige Züchter geben, die ihre Welpen um die Weihnachtstage herum abgeben werden. Die Läufigkeit der Hündin richtet sich nun mal nicht nach den Feiertagen und ob der Geburtstermin glücklich oder unglücklich ist.

Meiner Meinung nach ist es ein grosses Problem für die Züchter, zu Weihnachten Welpen zu haben. Nicht, weil es problematisch ist, sie zu verkaufen, das dürfte wohl einfacher sein als zur übrigen Zeit.

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Aber den Käufern schaut man halt nur vor den Kopf und wer möchte seinen mit Liebe aufgezogenen Welpen, bei dem man vielleicht nächtelang gewacht hat, im nächsten Jahr im Tierheim wiederfinden?

Sicher, es gibt „Züchter“, die sich die Hände reiben und sich darüber freuen, dass die Welpen so schnell Abnehmer finden und sie evenutell noch den Preis nach oben treiben können.

© rugercm - Fotolia.com
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Die Nachfrage ist größer, also wird der Preis „angepaßt“. So ist das mit Angebot und Nachfrage und was machen schon ein paar Euro, wenn man dem Kind den sehnlichsten Wunsch erfüllen kann?!…

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Jedes Jahr sind die Tierzeitschriften wieder voll mit Warnungen, die man schon leicht genervt überfliegt: „Verschenken Sie keine Tiere zu Weihnachten, seien Sie sich der Verantwortung bewußt…“ Es ist wohl so, dass die Leute, die gedankenlos ein Tier kaufen, sich auch nicht vorher ausgiebig über die Rasse informieren.

Ob sie Hundezeitschriften lesen, ist fraglich, ob sie auf diese Internetseite schauen, leider ebenfalls. Die Mitarbeiter der Tierheime wissen, was kommen wird und können nichts, aber auch gar nichts dagegen tun. Aber ich denke, wenn durch diesen Artikel nur einem Hund ein Tierheimaufenthalt (oder Schlimmeres) erspart bleibt, hat er sich schon gelohnt.

Es liegt aber auch sehr viel in der Verantwortung der Züchter. Wenn schon ein „Weihnachtswurf“, dann sollten die Käufer umso mehr unter die Lupe genommen werden.

Fragen nach dem Grund und der Einstellung zum Hund sollten selbstverständlich sein und vom Interessenten auch ebenso selbstverständlich beantwortet werden. Vor allem im Zusammenhang mit der Erklärung, dass man sich mit den Kleinen Mühe gemacht hat, sie an Umwelteinflüsse gewöhnt hat und ihnen ein lebenslanges (!!!) gutes Heim vermitteln möchte.

Wenn dann die Antwort kommt, dass man auf den Sommerurlaub auf Mallorca oder in der Dominikanischen Republik doch nicht wegen seines Hundes verzichtet, sollte man darüber nachdenken, ob man diesen Menschen einen Nachkommen der geliebten Hündin anvertraut.

Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man nicht gewillt ist, dem Hund zuliebe Kompromisse einzugehen. Und das ist meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für die Hundehaltung. Ein gewisses Maß an Anpassung ist auch von uns Hundehaltern gefordert.

Die Vorweihnachtszeit ist eine merkwürdige Zeit: man ist eher gewillt, Geld auszugeben und den Mitmenschen eine Freude zu machen. Als ob nicht das ganze Jahr über dazu Gelegenheit wäre.

Nein, das Gewissen muss mit aller Macht zum Schweigen gebracht werden. Und wenn das liebe Kind, für das man das Jahr über relativ wenig Zeit hatte, gerne einen Hund möchte, na gut, dann ist es wenigstens beschäftigt. Die Verantwortung wird der Einfachheit halber gleich komplett auf das Kind übertragen, welches damit hoffnungslos überfordert ist.

Denn Ausbildung und meist auch die Pflege wird mit Sicherheit an den Eltern hängen bleiben. Die sowieso wenig Zeit haben: der Leidtragende ist der Hund. Der landet irgendwann wegen der hilflosen Erziehungsversuche des Kindes mit der Begründung „Wesensmangel“ im Tierheim. Schuld ist daran aber natürlich der Hund, der kann ja nicht widersprechen.

Es gibt also viele Gründe, gerade zu Weihnachten vielleicht den einen oder anderen Welpenkäufer abzulehnen. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Leute auch Gedanken über die Begründung machen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Abgabe der Welpen. Ist es nicht schön, einen Welpen unter dem Tannenbaum vorzufinden?….

Für die Familie sicherlich, aber für den Welpen? Ihm wäre mehr gedient, wenn er erst in der ersten Januarwoche in das neue Heim wechseln würde.

Zunächst wird der Welpe aus der vertrauten – schützenden – Umgebung gerissen. Das ist für ihn eine riesige Umstellung, er vermißt Geschwister und die Mutter, die vertrauten Stimmen und Geräusche. An sein neues Heim muß er sich erst gewöhnen und hier heißt das oberste Gebot: ein geordneter Tagesablauf.

Mal ehrlich: in welcher Familie bricht zu Weihnachten nicht das Chaos aus, so dass man im Endeffekt froh ist, wenn im Neuen Jahr endlich alles wieder seinen gewohnten Gang geht? Für einen Welpen, der zu Weihnachten in eine neue Familie kommt, bedeutet es eine zusätzliche und nicht zu unterschätzende Belastung.

Denn meistens kommt während der drei Tage die gesamte Verwandtschaft und der Kleine wird kaum noch wissen, wo ihm der Kopf steht. Zurückziehen? Kaum möglich, wenn doch die Kinder mit ihm spielen wollen, das Haus voller Gäste ist.

Was ich damit sagen möchte, ist: am besten wäre es, den Welpen bis nach Weihnachten, besser noch bis nach Neujahr beim Züchter in der gewohnten Umgebung zu belassen und nur ein Hundekörbchen und die Leine unter den Tannenbaum zu legen. Im Interesse des Tieres und als Vorbild für die Kinder.

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Wenn Sie als Züchter darauf hinweisen, sollten Sie eigentlich auf Verständnis stoßen. Für Sie bedeutet es allerdings einige weitere Tage mit den Kleinen. Zu einer Zeit, in der sowieso viel zu tun ist und man vielleicht froh wäre (?), die Welpen bereits untergebracht zu haben.

Fatalerweise tut man dem Welpen auch nicht unbedingt einen Gefallen, wenn man ihn gleich nach Weihnachten in das neue Heim gibt. Denn einige Tage später muss er eine noch viel schlimmere Erfahrung machen: seine kleine Welt scheint zu explodieren, sich in noch nie gehörtes Zischen und Knallen aufzulösen.

Die Menschheit feiert Silvester und viele Hundehalter können ein Lied davon singen, was das anscheinend für die Hunde bedeutet. Gut, ich kenne Hunde, die toben um Mitternacht draußen herum und jagen Knaller. Die große Mehrheit der Hunde wird sich aber an diesem Tag zumindest unwohl fühlen.

Unsere Hündin schaffte es im letzten Jahr (wobei noch ein nicht zu vermeidender Umzug erschwerend hinzu kam), zwei komplette Tage das Haus nicht zu verlassen. Auf jeden Fall aber weiß niemand, wie sich ein 8 oder 9 Wochen alter Welpe fühlt, wenn er diese Knallerei hört und es ist sicher besser, wenn er diesen Tag noch in der für ihn sicheren Atmosphäre verbringen darf. Es hat nichts mit mangelnder Wesensfestigkeit zu tun, wenn ein Hund an diesem Tag in Panik ausbricht.

Das Zischen ist ein ekliges Geräusch und das Knallen hört der Hund in einer Lautstärke, bei der – diese auf den Menschen übertragen – wir den Eindruck hätten, das Trommelfell würde platzen. Auch das sollte ein Käufer in spe verstehen.

Wenn Silvester dann vorbei ist und alles in geordneten Bahnen abläuft, kann sich der Welpe gleich an den üblichen Tagesablauf der neuen Familie gewöhnen. Er wird auch jetzt noch mit genügend Neuem konfrontiert, nur kann man sich jetzt in Ruhe um ihn kümmern.

Ich wünsche allen Käufern, die sich oder den Kindern ein Weihnachtsgeschenk auf vier Pfoten machen wollen, ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Züchters und des Hundes. Und natürlich viel Freude bei der Erziehung. Den Züchtern wünsche ich ein ebenso glückliches.

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