Schonzeit für Wildtiere

Schonzeit für Wildtiere – Hunde an die Leine!

Während der Brut- und Setzzeit vom 01.04.-15.07. sind Hunde konsequent an der Leine zu führen, appelliert wird an die Tierliebe der Hundehalter. Zuwiderhandlungen werden mit sehr empfindlichen Geldstrafen belegt. Bei allem Verständnis, bedeutet artgerechte Haltung, zu der wir Hundehalter ja aufgerufen sind, den Hund für mehr als ein Vierteljahr an die Leine zu legen?

Ich weiss, die Naturschützer gehen jetzt auf die Barrikaden, aber ich möchte einfach einmal auf die Probleme von uns Hundehaltern hinweisen!

Und die Hundehalter, die diesen Artikel lesen, fragen, ob es irgendwo in Deutschland Lösungen für dieses Problem gibt? Vielleicht haben ja einige Gemeinden Alternativen geschaffen, wie auch immer sie aussehen mögen.

Wir leben in einem Naturschutzgebiet, in einer fantastischen Landschaft. Ich wäre die Letzte, die nicht einsieht, dass die Natur bzw. die frei lebenden Tiere geschützt werden müssen.

Eigentlich sollte es für Hundehalter sowieso eine Selbstverständlichkeit sein, ihre Hunde so zu erziehen, dass sie sich nicht aus dem Sichtbereich des Herrchens entfernen und frei lebende Tiere in Frieden lassen.

Jede Jagd eines Hundes auf ein Wildtier setzt bei diesem Panikgefühle frei und verbraucht Energien, die diese z.B. zur Winterzeit dringend brauchen. Leider gibt es Hundehalter, die es furchtbar witzig finden, ihre Hunde hinter dem Wild her zu hetzten und sie dazu zu ermuntern.

Freunde
Freunde

Es ist sicher mit von der Rasse abhängig, wie erfolgreich die Erziehungsbemühungen sind, den Hund vom Jagen abzuhalten. Bei unserer Weißen Schäferhündin haben drei Einsätze der Wurfkette gereicht, um ihr den Spass an der Sache zu verleiden.

Inzwischen kann ich sogar morgens einen Weg wählen, der von Hasen in der Morgenzeit nur so wimmelt, sie läuft desinteressiert weiter. Aber ich möchte hier auch nicht von unserer Hündin auf andere schließen, sicher gibt es weitaus schwierigere Fälle.

Nichtsdestotrotz ist es doch so, dass wir uns an der Natur erfreuen und die Spaziergänge mit unseren Hunden genießen – wenn auch nicht bei jedem Wetter.

Also sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die Natur zu schützen und die frei lebenden Tiere in ihren Lebensräumen zu respektieren und so wenig wie möglich zu stören. Zu jeder Jahreszeit, nicht nur zur Brut- und Setzzeit.

Wasserspiele
Wasserspiele

Wir haben unsere Hündin so erzogen, dass sie sich grundsätzlich nicht weit von uns entfernt und auf den Wegen bleibt. Dafür haben wir eine gewisse Zeit gebraucht, aber ich kann mich eigentlich auf den Hund verlassen. Zwar bleibt sie mal ein- oder zweihundert Meter zurück, weil sie einen besonderen Duft entdeckt hat, aber ein Reh auf der Strasse oder ein Fasan im Feld interessieren sie nicht.

Wir haben ihr auch anerzogen, sich nur zu lösen, wenn sie frei läuft. So haben wir eine gewisse Sicherheit vor „Malheuren“, wenn wir mit ihr an belebten Orten sind.

Allerdings stellt gerade diese Erziehung (die teilweise auch in Hundeschulen empfohlen wird) uns jetzt vor ein Problem: der Hund darf nicht frei laufen, jeder Spaziergang wird zur Qual, weil sie an Freilauf gewöhnt ist und mit ihren Geschäften auf das Ableinen wartet.

Also: bei allem Verständnis für Jäger, Naturschützer usw. – warum macht sich niemand Gedanken darüber, wie wir Hundehalter eine artgerechte Haltung realisieren sollen? Als wir noch in Bremen wohnten, haben wir uns u.a. keinen Hund angeschafft, weil wir ihm keinen Auslauf bieten konnten.

Für mich (und ich hoffe, nicht nur für mich) bedeutet artgerechte Haltung, dass ich meinem Hund genügend Auslauf sowie – freie – Kontakte zu Artgenossen biete. Der Hund muss sich auch außerhalb des Grundstückes austoben können, spielen, tollen, sich auslaufen. Eine große Rasse verlangt stundenlangen Auslauf. Jeden Tag.

Rast am Wegesrand
Rast am Wegesrand

Uns bleibt momentan nichts anderes übrig, als mit langer Leine Fahrradtouren zu machen, um unserer Hündin den notwendigen Auslauf zu bieten. Ob ihr das kilometerlange, gleichmäßige Traben gefällt, weiß ich nicht.

Es gibt während der Brut – und Setzzeit nur ein entweder – oder: Entweder gleichmäßig am Fahrrad laufen oder „Schnüffeltouren“ zu Fuß. Das übliche Tollen auf den Wiesen mit Artgenossen entfällt komplett. Statt dessen darf der Spielgefährte an der Leine kurz beschnüffelt werden, wobei jeder Hundehalter ein Lied davon singen kann, welche Auswirkungen die Leine manchmal auf das Verhalten des Hundes hat. Und zwar nicht nur für einige Tage, sondern für mehr als ein Vierteljahr.

Einmal wöchentlich darf sie mit 20 Hunden auf dem Hundeplatz auf einem großen, eingezäunten Gelände toben. Eine befriedigende Alternative ist das nicht.

Jedes Jahr sind wir auf’s Neue frustriert über diese Regelung, in diesem Jahr ganz besonders, da wir in ein anderes Gebiet gezogen sind. In unserem vorigen Wohngebiet bestand ein recht guter Kontakt zum Pächter der Jagd, der bei gut erzogenen, frei laufenden Hunden schon mal ein Auge zudrückte und mit dem man sich vernünftig über Hundehalter – Jäger-Themen unterhalten konnte. Eben jeder aus seiner Sicht. Nach dem, was man allerdings von anderen Hundehaltern hört, scheint dies ein seltener Einzelfall gewesen zu sein. Aber das Thema Jäger allein dürfte ein Thema für sich sein.

Ich bin aber der Meinung, dass man das Problem der Brut – und Setzzeit nicht einfach mit einem Verbot des Freilaufens aller Hunde lösen kann.

Denn man schützt einerseits die frei lebenden Tiere, andererseits schafft man ein großes Problem für die Hundehalter. Machen wir uns nichts vor, die meisten Hundehalter sehen zwar die Notwendigkeit dieser Regelung, aber ihnen ist die Freiheit ihres eigenen Hundes, einem Familienmitglied – mindestens genauso lieb.

Also wird eine hohe Geldstrafe und schlimmstenfalls das Abschießen des Hundes (und manche Jäger sind da anscheinend leider nicht zimperlich) riskiert und der Hund läuft weiterhin frei. Zum Schaden der Natur, eventuell des Besitzers UND des Hundes (falls das Pärchen erwischt wird).

Zufriedene Hunde
Zufriedene Hunde

Man sollte also seitens der Behörden und der Jägerschaft die gleiche Tierliebe an den Tag legen, an die bei uns Hundehaltern appelliert wird und uns Alternativen anbieten. Zum Beispiel Freilaufgebiete, Landschaften, die meinethalben eingezäunt werden und in denen die Hunde ganz legal ihren Bewegungsdrang ausleben können.

Falls dies irgendwo in Deutschland der Fall ist oder auch andere Alternativen geboten werden – es wäre prima, wenn die Hundehalter sich bei uns melden würden und uns berichten könnten, wie sie mit der Problematik umgehen. Vielleicht ist die ein oder andere Möglichkeit nachahmenswert.

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