Die Anerkennung des Weißen Schweizer Schäferhundes

Auf den letzten VDH-Ausstellungen mag sich der eine oder andere bereits die Augen gerieben haben. Seit dem 1.1.2003 ist eine Rasse (vorläufig) anerkannt, deren Odyssee ihresgleichen sucht.

Guten Tag!
Guten Tag!

Über 30 Jahre hat es gedauert, bis die Weißen Schäferhunde nun endlich den ihnen gebührenden Platz in der Kynologie einnehmen können.

Und selbst jetzt mussten ihre Züchter und Besitzer Kompromisse schließen….

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Weiße Schweizer Schäferhunde: Aktiv, sportlich, anhänglich (Cadmos Großformat)
  • Gaby von Döllen, Peter von Döllen
  • Herausgeber: Cadmos Verlag
  • Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

Letzte Aktualisierung am 11.12.2018


Egal, wie man es dreht und wendet: die Schweiz spielt eine bedeutende Rolle – sowohl bei der Integration der Rasse in Europa als auch bei der Anerkennung. Im Jahr 1970 brachte eine Schweizerin namens Agatha Burch ihren Rüden „Lobo White Burch“ aus den USA mit in die Schweiz.

Seine Zuchtpartnerin war eine aus England importierte Hündin namens Blinkbonnys White Lilac. So fiel im Jahre 1973 unter dem Zwingernamen „Shangrilas“ der erste Wurf der beiden.

Eine Hündin dieses Wurfes (Shangrilas Sweetygirl) wurde an Kurt Kron verkauft, der weitere Hunde aus Dänemark importierte.

Aus der Zucht von Kurt Kron entstammt der erste deutsche Rüde, der die Zucht maßgeblich beeinflusste: Champion von Kron. Sein Besitzer war der inzwischen verstorbene Martin Faustmann, der mit diesem Rüden und der ebenfalls von Herrn Kron erworbenen Hündin Rani von Finn das erste Zuchtpaar in Deutschland stellte.

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Schnell erweiterte sich die Zucht und die weißen Schäferhunde – Berger Blanc Suisse – verbreiteten sich in Europa und fanden mehr und mehr Anhänger. Martin Faustmann musste nun einen Rassenamen für die Tiere finden, die er nach Deutschland importiert hatte und ihm wurde schnell klar, dass er sich mit diesen weißen Tieren nicht nur Freunde gemacht hatte.

Denn es waren Schäferhunde und ein Schäferhund der Farbe weiß ist schlicht und ergreifend fehlfarben und nicht existent.

Demzufolge nannte er die Rasse nach dem ursprünglichen Importland Amerikanisch- Canadische Weiße Schäferhunde (kurz: AC [weisse] Schäferhunde). Dieser Name ist auch heute noch sehr geläufig.

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Es folgten diverse Versuche, mit der Rasse Anerkennungen zu erreichen. In Deutschland scheiterten sie bis zum Jahr 2003 regelmäßig. Dies lag nicht an der Zerstrittenheit der Vereinsszene sondern schlicht und einfach daran, dass es einen sehr großen Kreis gab, der dieser Rasse nicht wohl gesonnen war.

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Auch wenn es keine „offizielle“ Zucht unter dem Schutz des VDH gab, wurden die Weißen Schäferhunde kontinuierlich weiter gezüchtet.

Es gab einige Vereine, die sich der Reinzucht der Weißen Schäferhunde widmeten und die mit mehr oder weniger strengen Richtlinien die Zucht voran trieben. Der Weiße Schäferhund hatte in Deutschland wieder Fuß gefasst und ließ sich nun nicht mehr einfach per Federstrich ausmerzen.

Dank der in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführten Zucht mit ausschließlich weißen Schäferhunden gehört die Rasse schon zum normalen Bild. Die Anerkennung ließ aber weiterhin auf sich warten.

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Im Ausland ging es teilweise unproblematischer. In der Schweiz ist die Rasse bereits seit 1991 anerkannt. Die Schweiz war das erste Land Europas, das einen solchen Erfolg verbuchen konnte und der Schweizer Verein (GWS) arbeitete in all den Jahren ruhig und unauffällig für die Rasse.

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Es folgten mit den Niederlanden, der Tschechoslowakei, Österreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Südafrika nach und nach weitere FCI-Länder, die die Rasse national anerkannten.

Fatalerweise ist eine der größten Rassepopulationen in Deutschland zu finden, einem Land, das sich zwar bemühte, die Anerkennung aber nicht erreichen konnte. Es entstanden bizarre Gebilde und komplizierte Zuchtregularien.

Das heißt jedoch nicht, dass die Zucht in Deutschland in all den Jahren unseriös oder unter schlechten Voraussetzungen erfolgte. Im Gegenteil. Insbesondere der BVWS legte starken Wert auf gesunde und auch wesensstarke Tiere und bis heute gilt für Zuchttiere ein umfassender Wesenstest.

Kontrolle auf HD ist selbstverständlich, gleichzeitig wurden vom Zuchtausschuss weitere vorbeugende Maßnahmen in anderen gesundheitlichen Bereichen getroffen.

Auf freiwilliger Basis werden der Uni Zürich DNA für spätere Forschungen zur Verfügung gestellt. Auch das Ausstellungswesen hatte in all den Jahren seinen Platz, so dass die Zucht Fortschritte machte und mit den übrigen Ländern durchaus mithalten kann.

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Mit zunehmenden nationalen Anerkennungen wuchs nicht nur der Wunsch, sondern auch die Notwendigkeit, eine internationale Anerkennung bei der FCI zu beantragen. Für Deutschland schien dies der einzige Ausweg zu sein, die Rasse in die offizielle Kynologie zu bekommen.

Wieder war es die Schweiz, die aktiv wurde und auch erfolgreich war. Über die SKG reichte man im Herbst 2001 den Antrag auf vorläufige Anerkennung bei der FCI ein. In Zusammenarbeit mit diversen europäischen Ländern, u.a. auch Deutschland waren die notwendigen Daten für einen Antrag zusammen getragen worden.

Die Prüfungsphase dauerte bis zum Mai 2002, danach folgten einige Korrekturen. Die endgültige Abstimmung im Dezember ergab eine weitere Überraschung. Der Rassename „Weißer Schäferhund“ musste ein weiteres Mal geändert werden, um Verwechslungen mit einer sehr bekannten Rasse zu vermeiden.

So wurde aus dem Weißen Schäferhund ein BERGER BLANC SUISSE, der Schweizer Weiße Schäferhund, der seit 1.1.2003 mit Standardnummer 247 bei der FCI vorläufig geführt wird.

Der Preis für diese Anerkennung war hoch. Der Rasse wurde ein Teil ihrer Geschichte genommen, ihre tatsächliche Abstammung verschleiert. Unseren Weißen Schäferhunden ist es egal – sie sind und bleiben die selben Hunde, die sie auch im letzten Jahr waren.

Während sich in vielen Ländern Europas durch die internationale Anerkennung wenig bis gar nichts ändert, brach über Deutschland eine Flut von Spekulationen herein. Bis heute herrscht in vielen Bereichen Unsicherheit, die nur die Zeit ausräumen wird. Zwei Vereine haben bereits einen Antrag auf Aufnahme in den VDH gestellt – die Anträge durchlaufen zur Zeit ein Prüfungsverfahren, das sich jedoch hinziehen kann.

Die Papiere aller in Deutschland gezogenen Hunde sind für den VDH zunächst wertlos. Auf Registrierveranstaltungen (die erste fand im Februar in Dortmund statt) werden die Weißen Schäferhunde gemustert, die derzeitigen Papiere vom VDH eingezogen und sie erhalten bei positiver Begutachtung Registrierpapiere des VDH. Mit diesen Papieren ist eine Teilnahme an VDH- Ausstellungen möglich. Für die Zucht gelten zur Zeit Sonderregelungen, deren Auflistung hier zu weit führen würde.

Auf der ersten Registrierveranstaltung in Dortmund wurden in zwei Tagen 200 Hunde gemustert, weitere Veranstaltungen erfolgen nach Bedarf. Anmeldungen der Hunde sind z.B. über die Vereinsseite des BVWS (www.bvws.de) möglich.

Mit der vorläufigen Anerkennung ist ein großer Schritt getan, auf den sehr viele Liebhaber der Rasse jahre-, ja jahrzehntelang hin gearbeitet haben.

Die Zugeständnisse, die gemacht werden mussten, werden sicher schulterzuckend hingenommen. Zu ändern ist daran nichts mehr und die Schweiz hat unbestritten einen sehr großen Anteil am Wohle der Rasse; wenn sie auch nicht das tatsächliche Ursprungsland ist.

Es bleibt zu hoffen, dass mit der Anerkennung und dem offiziellen Status diese wunderschöne Rasse weiterhin das bleibt, was sie ist und nicht zum Modehund wird. Mit dem ansprechenden Aussehen, der ausgesprochenen Anhänglichkeit und Sensibilität aber auch der Eignung als Sport- und Freizeithund ist die Gefahr nicht gering.

Es liegt an den Vereinen und Züchtern, die rassespezifischen Eigenschaften zu erhalten und weiterhin durch fachkundige Auswahl des Zuchtpotentials dafür zu sorgen, dass in 10 Jahren die endgültige Aufnahme zur Formsache wird.

Gaby von Döllen, Worpswede, im April 2003