Der geklonte Hund

Aktualisiert April 9th, 2017

Projekt in den USA: Der geklonte Hund

Beim Einkaufen sprang mir förmlich eine Schlagzeile einer Hundezeitung in die Augen: „Hund geklont“ – und etwas kleiner darüber „bald in den USA“.

Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und jetzt, drei Tage später, sieht es eigentlich immer noch nicht viel besser aus. Was soll man nun davon halten?

Der Hintergrund: Der Bericht steht in der neuen Hundewelt (Ausgabe März 2001), leider ist es „nur“ eine Doppelseite mit diversen Fotos mit relativ wenig Recherche und Hintergrundinfos.

Aus den wenigen Informationen geht hervor, dass in Amerika ein Millionär bereit ist, die Forschung mit ungefähr 2,3 Millionen Dollar zu unterstützen und einen Klon seiner Mischlingshündin „Missy“ in Auftrag zu geben.

 © vichly4thai - Fotolia
© vichly4thai – Fotolia

Bisher sind alle Versuche, Hunde zu klonen, gescheitert, weil dies wohl erheblich schwieriger ist als bei z.B. Schafen oder Schweinen. Bereits heute ist es möglich, in den USA Gewebeproben des eigenen Hundes zu hinterlegen, damit dieser zu gegebener Zeit reproduziert werden kann.

Das Ganze ist für ca. 1000 US $ zu haben. (Nähere Infos hierzu unter: „Savings & Clone“ Dass es nicht bei geklonten Schafen bleibt, war eigentlich voraus zu sehen. Wieder einmal muss die Frage aufgeworfen werden, ob alles, was machbar ist, auch gemacht werden sollte.

Bei jeder Entwicklung gibt es sicher positive Argumente, aber leider auch sehr negative. Für mich selber ist es eine rein ethische Frage.

War ein Schaf noch unter der Kategorie „Nutzvieh“ einzuordnen, zu der die meisten Menschen eine gewisse Distanz haben, geraten wir mit dem Hund in einen Bereich, der in der engsten Familie anzusiedeln ist. Für mich erscheint der geklonte Mensch nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Der Bericht geht bereits von den Vorteilen aus, die der geklonte Hund für die Menschheit bringen würde: · es könnten gezielt Hunde reproduziert werden, die sich in bestimmten Bereichen (die Rede ist hier von Blindenführhunden und Rettungshunden) ausgezeichnet haben.

Die notwendigen Informationen an falschen Stellen vorausgesetzt, wären aber gleichzeitig auch Reproduktionen von extrem gefährlichen Exemplaren denkbar. · es könnten „hundeartige“ reproduziert werden, die bereits fast ausgestorben sind. Somit wird durch die Forschung verhindert, dass ganze Tiergattungen aussterben.

Das letzte Argument gilt natürlich nicht nur für die Hunde, sondern für alle Rassen.

Eine Ironie, nicht wahr? Erst rottet die Menschheit eine Rasse fast aus, dann reproduziert sie sie wieder. Und wenn das Ergebnis nicht beliebt…. naja, was von Menschenhand geschaffen wurde, darf auch von Menschenhand vernichtet werden? Ich bin kein Wissenschaftler, ich kann mir aber sehr gut vorstellen, wie faszinierend eine solche Möglichkeit sein muss.

Die Macht darüber zu haben, Lebewesen zu erschaffen, zu reproduzieren oder auch zu vernichten. Eine gefährliche Faszination – und ich möchte behaupten, dass es kaum einen Menschen gibt, der mit einer solchen Macht verantwortungsvoll umgehen kann.

Der Drang nach mehr wird wahrscheinlich übermächtig, wer forscht, möchte wissen, ob es Grenzen des Machbaren gibt.

In einer Zeit von BSE und Maul- und Klauenseuche drängt sich fast der Gedanke auf, dass irgendwann das Klonen der einzige Ausweg sein könnte, weil alle anderen Wege bereits verbaut sind.

Man nehme ein offensichtlich gesundes Rind, klone es und lasse die anderen nach und nach aussterben….. Man nehme einen Super-Championrüden und/oder eine ebensolche Hündin, klone ihn/sie und schon hat man die perfekten Vertreter der Rasse? Immer wieder? Warum noch einen „natürlichen“ Wurf mit allen Risiken machen, wenn sich der Hund, der einem so toll gefällt, klonen lässt?

Der Gedanke hat für mich überhaupt nichts Beruhigendes. Wenn ich mir unsere Hunde so anschaue, so ist es gerade ihre ureigene Persönlichkeit, die ihr Sein, ihr Wesen ausmacht.

Auch wenn es manchmal auf die Nerven geht. Auch wenn es eine gehörige Portion Geduld und Konsequenz kostet, einen Hund zu einem gesellschaftsfähigen Tier zu erziehen. Wenn man nie 100%ig sicher sein kann, ob nicht dem 100. Jogger nachgejagt wird, nachdem der Hund die vorigen 99 hat unbehelligt passieren lassen.

Mit so vielen Reaktionen rechnet man nicht, obwohl man glaubt, den Hund sehr genau zu kennen – aber eben diese Reaktionen unterscheiden unsere Hunde von Maschinen und machen das Leben mit ihnen abwechslungsreich.

Ist nicht jeder Wurf wieder spannend, gerade WEIL man nie voraus sehen kann, was die Natur für uns bereit hält? Haben wir (Menschen) nicht oft genug feststellen müssen, dass die Natur letztendlich auf lange Sicht die besseren Lösungen parat hatte?!

Eine perfekt kontrollierbare und von Menschen kontrollierte Welt kann und wird es nicht geben und für mich stellt sich die Frage, die ich oben schon angeschnitten habe:

Sind wir nicht langsam an einer Grenze angekommen (oder haben sie überschritten), an der Dinge zwar machbar, aber ethisch nicht zu verantworten sind?

copyright: Gaby von Döllen Worpswede, im Februar 2001

Kommentar hinterlassen