welpe auf der wiese

Über den Sinn des gezielten Sozialisierens beim Züchter

Die Mutterhündin kann die Welpen nur soweit prägend auf das Leben vorbereiten, wie es das innerartliche, gesunde Zusammenleben fordert.

Aber was die Zivilisationsgesellschaft von Hunden an Sozialisation abverlangt, können nur wir Menschen, in diesem Fall die Züchter und Halter, den Hunden vermitteln.

Welpenschule: Sozialisieren, Erziehen, Beschäftigen (Mein Tier)
  • Renate Jones
  • Herausgeber: Franckh Kosmos Verlag
  • Auflage Nr. 1 (06.02.2013)
  • Taschenbuch: 80 Seiten

Letzte Aktualisierung am 18.12.2018


Dazu gehört der Umgang mit ganz verschiedenen Menschen, Familien, sonstigen Menschenansammlungen, verschiedene menschliche Behausungen, mit Verkehr, dem Stadtgeschehen,mit Industriegeräuschen mit anderen Haustieren, und vieles mehr.

Darauf wird die Mutterhündin ihre Welpen selbstverständlich nicht sozialisieren können, die Welpen wiederum brauchen dies, um sich in der heutigen Zeit möglichst angstarm in ihrem Umfeld bewegen zu können und den Menschen als Sozialpartner auch anzuerkennen. Ein prägeähnliches Lernverhalten zeigen die Welpen nur in den ersten 18 Lebenswochen.

© emmi - Fotolia.com
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Es ist nun in der heutigen Zivilisation so üblich, dass bestimmte Rassen in der häuslichen Umgebung des Züchters geboren und groß werden, was ein Vorteil ist für Welpen, die sich auch als erwachsene Hunde überwiegend in der häuslichen Umgebung mit dem Menschen zusammen aufhalten.

Allerdings fallen durch das Großziehen in immer gleich beheizten Welpenzimmer und Wohnräumen bestimmte notwendige Schlüsselreize wieder weg, die aber für die Instinktkette der natürlichen Welpenaufzucht nötig sind.

Diese Schlüsselreize sollten vom Züchter unbedingt durch die später beschriebenen Sozialisationsmaßnahmen ersetzt werden, um eine weitere fehlerfreie und umfangreiche Nervenvernetzung zu erreichen.

Der Welpe wird mit sogenannten nackten Nervenzellen geboren, die in den ersten Wochen von Kopf an langsam bis zu den Hinterläufen hin mit einer Myelinscheide umhüllt werden. Danach vernetzen sich diese Nervenzellen unter anderem mit anderen Nervenzellen. Die Verbindungen zwischen dieser Nervenzellen heißen Synapsen und so genannte Transmitter überbringen die nötigen Informationen von einer Nervenzelle zur anderen, um es mal extrem kurz zusammen und vereinfacht auszudrücken.

welpe auf der wiese

Diese Transmitter (Botenstoffe) werden im Gehirn gebildet und je mehr Reize durch Sozialisation auf den Welpen einwirken, desto mehr Botenstoffe werden produziert, Synapsen gebildet und umso mehr Nervenzellen vernetzen sich.

Es müssen auch unterschiedliche Reize sein, denn es gibt viele unterschiedliche Botenstoffe, die nur auf bestimmte Reize hin produziert werden. Das geschieht hauptsächlich alles in der Zeit beim Züchter in den ersten Lebenswochen.

Herrscht nun beim Züchter eine reizarme Umgebung, reduziert sich auch die Produktion von Botenstoffen und es verlangsamt sich auch die Nervenvernetzung . Irgendwann ist dieser Vorgang abgeschlossen und ein Welpe, der bedeutend mehr vernetzte Nervenzellen hat, ist folglich bedeutend belastbarer.

Hat der Züchter durch gezielte Sozialisation, gerade von Geburt an dafür gesorgt, dass sich ein gutes Nervenkostüm beim Welpen aufgebaut hat, ist auch die Lernfähigkeit des Welpen gesteigert. Wenn nicht, ist der Welpe nicht gut für seine Weiterentwicklung gerüstet.

Dann können in der späteren Entwicklung Defizite , wie motorische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten auftreten.

Zudem braucht der Welpe unbedingt auch ein gewisses Maß an Stresserfahrungen in den ersten Wochen, um eine hohe Frustrationstoleranz aufzubauen. Erhöhter Stress und für unangenehme Situationen belasten den Hund später bedeutend weniger. Das geschieht bei einer hohen Interaktion mit seiner Umwelt.

Liegen nun Versäumnisse bei der Welpenaufzucht vor, so ist es kaum wieder zu korrigieren. Deshalb haben die Züchter eine sehr große Verantwortung gegenüber den Welpen, die in der Zivilisation auch auf eine freiwillige, optimale Sozialisation seitens des Züchters angewiesen sind.

Im schlimmsten Fall führen Versäumnisse bei den Welpen, der dann zum Hund heranwächst, in seiner Zukunft immer ein Angst dominiertes , unterentwickeltes, von Hund und Mensch missverstandenes, einsames Leben.

(C) Kirsten Schiemann