Luxus Hunde

Als ich von jemanden hörte, dass er Hunde im Zusammenhang mit Luxus im Web suchte, musste ich erst mal nachdenken.

  • Was meinte der Suchende?
  • Wollte er einen Luxushund?
  • Wenn ja, welcher Hund sollte das sein?

luxus hund

Oder meinte er, Luxus für Hunde – sicherlich auch ein schwer zu definierender Bereich, denn jeder betrachtet ja etwas anderes als luxuriös. Die Hunde werden ja sowieso nicht gefragt. Also, was Luxus ist, entscheidet ohnehin nur Herrchen.

Ich denke, wenn man die Hunde entscheiden ließe, dann fänden sie möglicherweise ein abwechslungsreiches Leben in einem netten Rudel (viel Spielen und noch mehr Jagen) mit ausreichender Nahrungsversorgung als luxuriös, denn das entspricht ihrem natürlichen Leben.

Wobei hier luxuriös sicher nicht der richtige Ausdruck ist, aber ich gehe davon aus, dass die Hunde glücklich und zufrieden wären.

Was Hundehalter im Glauben, ihrem 4-beinigen Freund ein Gefallen zu tun, manchmal unternehmen, erfüllt mich oft mit Verwunderung, manchmal mit Befremden und recht häufig auch mit Abscheu.

© Eric Isselée - Fotolia
© Eric Isselée – Fotolia

Eines ist sicher: für viele Menschen ist der Hund – wie so oft auch seine Kinder – ein Statussymbol. Besonders deutlich wird das bei Personen, die oft mit ihrem Hund in der Öffentlichkeit auftreten.

Wer erinnert sich nicht an Mosi und seine Daisy, oder wer kennt nicht den kleinen Chihuahua von Paris Hilton, den sie eine Zeitlang mit sich herumschleppte (wo ist der überhaupt?). Sehr schön wurde das auch persifliert in dem Film „Natürlich blond“ mit Reese Witherspoon, die dort ihren Chihuahua mit dem passenden Namen Brutus verhätschelte.

Und mit dem Hund zeigt man, was man hat und was man sich alles leisten kann. Das führt schlimmstenfalls so weit, dass es Frauen gibt, die den Hund passend zum Cocktailkleid einfärben lassen (ich habe es nicht geglaubt, aber es ist tatsächlich so). Genau wie Frauchen bekommt der Hund teueren Schmuck und aufwändige Körperpflege.

Es gibt Hundepensionen mit Privatprogrammen für Hunde, Massagen, Reiki, besonders aufwändigem Futter und einem eigenen Hundepsychologen. Wenn der Hund einen eigenen Psychologen braucht, was braucht dann sein Herrchen?

Inzwischen hat auch die Industrie diese Entwicklung sehr gut erkannt und einen gigantischen Markt geschaffen, um zahlreiche Bedürfnisse bei allen Hundehaltern zu wecken. Und das machen diese Unternehmer mit grossem Erfolg.

 © lilu13 - Fotolia
© lilu13 – Fotolia

Es gibt inzwischen Möbel für Hunde, die zu den Möbeln der Besitzer passen – egal ob Bauhaus Stil oder Chippendale, Hundekörbchen in unzähligen Variationen und allen erdenklichen Preisklassen, Halsbänder und Leinen aus den verschiedensten Materialien, mit den unterschiedlichsten Mustern von € 5,– bis € 50.000,– und noch teurer.

Es gibt Mode für Hunde und eigene Fernsehprogramme.

Was ich vor einiger Zeit mit offenem Mund im Fernsehen bestaunte, war ein Bericht über ein junges Paar mit grossem fianziellen Hintergrund, das den Bau eines Hauses plante, wobei die Hunde vollkommen in die Planung einbezogen wurden – mit eigenem Anbau, der alle Räumlichkeiten enthielt, die auch wir kennen.

Die Hunde hatten eigene Schränke (bestückt ausschliesslich mit Designer-Kleidung für alle erdenklichen Anlässe), ein Bad, Wohn- und Schlafzimmer. Ob es einen Pool gab, weiss ich nicht mehr, aber wundern würde es mich nicht.

Ich frage mich, was das soll und welche Mechanismen dazu führen, dass Menschen sich so verhalten. Woraus entsteht diese verquerte Tierliebe?

Dass die Hunde glücklicher sind, wenn sie in einer derartigen Umgebung leben, bezweifle ich, die Besitzer der Hunde schienen mir allerdings sehr zufrieden und begeistert. Na, wem’s gefällt.

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Ich muss zugeben, dass man sich dem grossen Angebot an Hundezubehör kaum entziehen kann, und ich habe mich selbst öfter dabei ertappt, wie ich begeistert die eine oder andere Hundeleine betrachtet habe, oder ein Körbchen kaufen wollte, weil es ein Modell war, das etwas ausgefallener war oder vielleicht besonders gut zu unserem Wohnzimmer gepasst hätte.

Aber letztendlich hätte ich das Körbchen für mich gekauft, und nicht für unsere Phoebe. Sie findet es schon in Ordnung, wenn sie in unserer Nähe auf einer Decke oder einem ausrangierten T-Shirt schlafen kann, das nach ihrem Rudel (also einem von uns, oder besser noch, nach uns allen) riecht (keine Angst, sie hat in fast jedem Raum unserer Wohnung ein eigenes Körbchen, lümmelt sich aber vorzugsweise auf abgelegten Klamotten von uns).

Natürlich steht dem nichts entgegen, ein nettes Körbchen zu kaufen, das vielleicht optisch besonders gut zur Wohnungseinrichtung passt.

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Aber den Hund passend zur Garderobe einzufärben und zu parfümieren bedeutet, den Hund zu missbrauchen. Hunde sind Lebewesen mit eigener Würde. Den Hund zu vermenschlichen steht uns nicht zu.

Ein Hund ist ein Hund und sollte als solcher von uns behandelt und respektiert werden.