Hachiko

Erst kürzlich hatten wir die Gelegenheit, den anrührenden Film „Hachiko“ zu sehen. Er handelt von einer wunderbaren Freundschaft zwischen Mensch und Hund. Grundlage des Filmes bildet eine wahre Begebenheit, die in den 1920er Jahren in Japan ihren Anfang nahm.

Der Film ist für alle Familienmitglieder geeignet und wird mit Sicherheit großen Anklang finden. Bei den Kindern, weil er von einem treuen Hund handelt und bei den weiblichen Zuschauern, weil die männliche Hauptrolle von Richard Gere übernommen wurde.

Allerdings stiehlt der großartige Akita „Hachiko“ (im Film allerdings von mehreren Akitas dargestellt) dem erfahrenen amerikanischen Schauspieler vollends die Show.

Der Hund, von dem diese Geschichte erzählt, wurde am 10. November 1923 in dem Ort Odate (Präfektur Akita) in Japan geboren. Im darauf folgenden Jahr gelangte das junge Tier in den Besitz eines Professors in Tokio.

Zwischen Hund und Halter entwickelte sich rasch eine innige Freundschaft. Dennoch konnte der Mann, als er den Akita Welpen zu sich nahm, nicht ahnen, welch einem treuen Freund er begegnet war.

Täglich begleitete der Akita, der den Namen Hachiko erhalten hatte, seinen Herrn zum Bahnhof und holte ihn dort auch immer zur gleichen Zeit ab.

Jeden Nachmittag um 17 Uhr wartete der Hund auf die Rückkehr des Professors und die beiden gingen dann gemeinsam den Weg heimwärts.

Der Professor verstarb jedoch am 21. Mai 1925 an seinem Arbeitsplatz und seine verwitwete Gattin zog aus der Stadt Tokio weg. Dennoch ließ es sich der Hund der Familie nicht nehmen, täglich um 17 Uhr am Bahnhof Shibuya auf seinen Herrn zu warten.

Anfangs ärgerten sich die Anwohner und Arbeiter auf dem Bahnhof über den vermeintlichen Störenfried, doch nach einer gewissen Zeit hatte man sich an den Hund gewöhnt – er gehörte zum Tagesablauf, wie jeder ein- und ausfahrende Zug auch.

© Eric Isselée
© Eric Isselée

1928 erhielt Hachiko von einem verständigen Bahnhofsvorsteher einen eigenen, kleinen Ruheplatz. Hachiko wartete weiterhin täglich unverdrossen um 17 Uhr auf seinen Herrn. Bekannt und berühmt im ganzen Land wurde der Akita, nachdem ein ehemaliger Student des Professors mehrere Artikel über den Hund geschrieben hatte.

Die Veröffentlichung in einer der großen Tageszeitungen Tokios sorgte schlagartig für Hachikos Berühmtheit in ganz Japan. 

Das japanische Volk sah in Hachiko den Inbegriff des treuen Hundes. Man besuchte den Bahnhof Shibuya, um dort diesen außergewöhnlichen Akita zu sehen. Letztendlich führte die Verehrung dazu, dass sogar schon zu Lebzeiten des Hundes eine Statue für ihn errichtet wurde. Der Hund selbst nahm an der Einweihung im Jahr 1934 teil.

Nachdem der treue Akita fast 10 Jahre lang vergeblich am Bahnhof auf sein Herrchen gewartet hatte, verstarb Hachiko am 8. März 1935 auf einer Strasse in Shibuya.

Die Nachricht vom Tod des Hundes erfolgte durch sämtliche Medien und erfüllte das Land mit großer Trauer. Das Tier wurde nicht beerdigt, sondern präpariert und man kann es sich heute noch im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in der Stadt Tokio ansehen.

Die 1934 eigens für Hachiko errichtete Statue wurde im 2. Weltkrieg aufgrund von Rohstoffknappheit eingeschmolzen, allerdings wurde 1948 eine neue Fassung der Originalstatue gefertigt und an gleicher Stelle wieder errichtet.

Seitdem ist dieses Denkmal ein beliebter Treffpunkt am Bahnhof Shibuya. Hachiko hat immer am westlichen Bahnhofsausgang auf seinen Herrn gewartet, deshalb heißt dieser Ausgang heute offiziell „Hachiko Exit“