Welpensozialisierung – Teil 2

Die fünfte Woche: Wir beginnen mit dem Welpenkäufertraining.
Die fünfte Woche: Wir beginnen mit dem Welpenkäufertraining.

Damit es kein Trauma für die Welpen bei der Abgabe gibt und die Welpenkäufer sich schon in die neue Aufgabe und den neuen Hausgenossen eingedacht haben, biete ich ab der fünften Woche Welpenkäufertrainings an.

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Normalerweise ist es ein Samstagnachmittag, der dafür vorgesehen wird. Wir sind etwa zwei bis drei Stunden zusammen, so dass genug Zeit ist, um Fragen zu stellen, sich auszutauschen und mit dem Welpen zu schmusen. Dabei lernt der Welpe den Geruch des neuen Käufers kennen, sowie seine Besonderheiten z.B. ein Rollstuhl, ein Rollator, Unterarmstützen, seine spastischen Bewegungen oder psychatrischen Lautäußerungen.

Der Welpe registriert das als völlig normal. Dies beinhaltet allerdings auch, dass der neue Welpenkäufer sich ausgiebig mit seinem Hund beschäftigt. Hier sehe ich schon, wo es hapert. So mancher lässt den Welpen kaum an sich ran oder geht auch von sich aus nicht auf ihn zu. Trotz Animation zu mehr Schmuseeinheiten läuft dieses Unternehmen meist auf Dauer nicht besonders gut. Der Hund wird in solchen Fällen oft als Objekt wie ein Fernseher gesehen aber nicht als lebendiges Wesen mit Empfindungen.

Da unsere Hunde „einen fünften Sinn haben“, spürt der Welpe diese Distanz und geht nun seinerseits auf Abstand. (Wie der Herr so sein Gescherr!).

Da viele Fotos bei solchen Treffen entstehen, kann ich später auch auf den entsprechenden Bildern den betreffenden Menschen zeigen, was ich meine.

Jetzt ist es noch früh genug, den Welpenkäufer auszutauschen. Manche Menschen brauchen noch etwas Zeit, um sich weiter zu informieren und mit dem Gedanken vertrauter zu machen, was es heißt, so einen Vierbeiner zu sich zu nehmen.

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An den Nachmittagen werden von mir aus auch solche Infos weiter gegeben wie:

  • Liegefläche Tag und Nacht für den Hund (Antidekubitusfelle)
  • Wo sollte sein Schlafplatz sein?
  • Bürsten, Kämme, Krallenzange, Endfilzungskamm, Waschmittel, ja oder nein, Kennel, Halsband, Leinen, Futter, Wasser (zum Abholen bitte 2 leere Wasserflaschen mitbringen, denn das Wasser von hier ist anders als das Wasser in Rom).
  • Wie trage ich einen Hund?
  • Wie viel darf ein Hund nach der Übergabe an der Leine laufen, warum, wann die Meterzahl erhöhen?
  • Impfen, Wurfkuren, Floh- und Zeckenmittel, Tierarzt – welche Voraussetzungen sollte er haben, wann mit dem Welpen hin?
  • Welpenspielstunden, Ausbildung mit Begleit- und Verkehrshundeprüfung, Eingangsprüfung zur Therapiehundeausbildung , Grundausbildung zum Therapiehundeteam mit drei Prüfungen.
  • Neues Auto vor oder nach der Abholung?
  • Urlaub mit Hund und Sicherung des Hundes im Auto.
  • Umbaumaßnahmen im Haus oder Garten (meist Treppenbelag, Kindergitter an Türen und Zaun).

Die Welpenkäufer sitzen während der gesamten Zeit auf dem Boden im Außenzwinger auf einer Isomatten. Es ist dabei den Kindern nicht gestattet, dass sie aufstehen und herumlaufen. Schließlich hat deshalb schon so mancher Welpe Schaden genommen.

Autofahrtraining
Autofahrtraining

3.4.2. Autofahrtraining in der sechsten Woche

Wieder treffen wir uns samstags, um ein Autofahrtraining in der sechsten Woche durchzuführen. Dazu ist es zwingend notwendig, dass jeder Käufer mit seinem eigenen Auto angereist kommt. Normalerweise haben alle Welpen bereits in meinem Hundewohnmobil ein Autofahrtraining hinter sich, aber die elektrostatischen Bedingungen sind nun mal anders in einem Golf oder in einem Mercedes 300.

So erweist es sich, dass der Welpe, der bei mir sich übergeben hat, nicht in dem Käuferfahrzeug bricht. Meist ist es allerdings umgekehrt. Auf dieses Übergeben muss sich der Welpenkäufer einstellen können, denn schließlich hat er meist eine sehr lange Heimreise mit Welpen vor sich.

Es ist schon ein Unterschied, ob ein Welpe seinen Mageninhalt in die Ablageschale der Beifahrerseitentür ergießt oder ob der Welpenkäufer weiß, wann es losgeht und wodurch es sich bemerkbar macht.

So kann er schnell entsprechende Tücher und Tüten bereithalten, um diese bei der nächsten Gelegenheit zu entsorgen.

Gleichzeitig wird das Untenbleiben im Beifahrerraum des Welpen trainiert. Auch hier kann ich sehen, wie konsequent der Käufer wirklich ist.

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Markttraining
Markttraining
Restauranttraining
Restauranttraining
Gerüche und Geräusche im Kuhstall
Gerüche und Geräusche im Kuhstall

3.4.3.Siebte Woche: Altenheimtraining

Wenn es die Möglichkeit gibt und alle können, treffen wir uns freitags Nachmittag, denn das Altenheim hat dann mehr Personal. Ansonsten dürfen wir auch wieder am Samstag kommen. Dieses Altenheimtraining ist für die Senioren immer ein Jahreshöhepunkt. Der große Speisesaal wird so umgeräumt dass in der Mitte eine große Freifläche entsteht.

Die Welpenkäufer setzen sich wieder auf den Fußboden mit einem Antidekubitusfell. Die Welpen dürfen alles erkunden. Jeder Käufer ist für seinen Welpen selbst verantwortlich. Er sollte einen Wassernapf mitgenommen haben und Kottütchen, sowie Feudel zum Aufwischen von Hinterlassenschaften.

Es ist schon vorgekommen, dass ein Welpe die Autofahrt dorthin gut überstanden hat, aber sich im Speisesaal übergab. Für solche Eventualitäten sollte auch in Zukunft der Hundebesitzer gerüstet sein.

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Das Altenheimtraining ist für die Welpen aufregend, denn es ist eine Welt für sie, die sie nicht kennen. Es gibt dort nicht nur Schweißgerüche, sondern auch Kot- und Uringerüche, Mittagessen- und Desinfektionsgerüche lassen grüßen, ein Wirrwarr von den verschiedensten Gerüchen nimmt der Welpe wahr.

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Dazu kommt die unbekannte Optik. Hier macht sich das vorher umfassende Training beim Züchter bemerkbar. Kennt der Vierbeiner z.B. die großen Räder des Rollstuhls? Dann hat er jetzt keine Angst davor.

Wir bleiben in dem Altenheim solange, bis der letzte Welpe auch wirklich eingeschlafen ist und seinen Akzeptanzschlaf schläft. Damit zeigt er, dass er Vertrauen in die Situation hat, denn sonst würde er immer weiter – und immer nervöser – herumtigern. Der Akzeptanzschlaf hilft den Welpen das eben Erlebte abzugleichen und schiebt dies in den Ruhepool (siehe Ausführungen zum Parasympatikus), so dass der Welpe ein Leben lang im Seniorenheim ruhig und gelassen sein kann.

Das ist der Grund, warum die Welpen nach der Abgabe jeden Tag neues erleben muss.

Wenn es dann lang genug war, werden die Welpen durch ein Ständchen geweckt, was ich mit den Senioren singe. Die Senioren haben bereits Erfahrung mit solchen Aktionen. Sie wissen: wenn die Welpen wach werden, muss jeder schnell nach draußen um sein kleines Geschäft zu machen.

Deshalb sind sie uns auch nicht böse, wenn dann der große Aufbruch kommt und wir uns nicht lange verabschieden können.

Draußen erleben die Welpenkäufer meist erstmalig, was positive Konditionierung bedeutet. Sie sagen: „Mach Pipi“, der Welpe hockt sich hin und pinkelt so oder so und der Welpenkäufer darf nach dem Pinkeln überschwänglich loben: „Fein Pipi gemacht!!!“

Auf Befehl das kleine Geschäft zu machen ist später eine bequeme Angelegenheit. Sie müssen dann nicht stundenlang mit dem Hund spazieren gehen, nur damit dieser sich löst. Auf den Autobahnrastplätzen, bei Eis und Schnee oder starkem Regen z.B. ist das dann schnell erledigt.

In der Zuchtanlage wieder angekommen, werden die Welpen wieder in ihre vertraute Umgebung verbracht und die Welpenkäufer haben die Möglichkeit, sich bei einer Tasse Kaffee oder Tee sich auszutauschen und Fragen zu stellen.

Achte Woche: Tierarztpraxistraining und Abgabe

Ein intensives Kennenlernen, darauf einstellen, mit sehr viel Vorfreude gekoppelt und so mancher Fürsorge begleitet geht dem Ende entgegen.

Nach einem genauen Abgabeplan kommen die einzelnen Welpenkäufer zum Tierarzt, der vor ihren Augen den Welpen gründlich untersucht. Dabei können die Welpenkäufer dem Tierarzt so viele Fragen stellen, wie sie möchten.

Der Tierarzt muss zwei vorgegebene DIN A 4 Bögen ausfüllen und vom Welpenkäufer unterschreiben lassen, dass dieser nämlich dabei war und mit dem Ergebnis einverstanden ist.

Auf diesem Bogen ist nicht nur nach den sprechenden Gelenken, Haut etc. gefragt, sondern zum Beispiel auch nach dem Gang. Dazu ist es nötig, dass der Welpe auf dem Boden läuft und auf Zuruf auch wieder zurück kommt. Zwei Fliegen werden hier mit einer Klappe gefangen: einmal, zu sehen, ob er auch gut mit den Ohren hört und zum anderen, dass er z.B. keine O-Beine oder Watschelgang hat.

Für die anschließende Übergabe brauche ich etwa eine Stunde, denn das Meiste ist gesagt. Es folgen die Ahnentafel, der intern. Impfausweis, einige Fotos (meist wurden diese aber bereits über E-Mail per Internet schon an die Welpenkäufer geschickt) , die fotokopierten Dokumente von Vater und Mutter mit Ausstellungs- und Ausbildungsnachweisen, Gesundheitszeugnissen und sonstigen Dokumenten. Alles gut sortiert und verpackt in einer Dokumentenmappe.

Die Kopie des täglichen Berichtes auf der Karteikarte, sowie die Anmeldungsmöglichkeit bei Tasso (ein Hundeauffindungsdienst) sind selbstverständlich auch mit in der Mappe.

Ein Stück Stoff mit meinem Geruch wird dem Welpen helfen, besser einzuschlafen.

Außerdem haben sich einige Futtermittelfirmen nicht lumpen lassen und schöne Begrüßungsgeschenke in ein Karton oder Rucksack gesteckt, welches ich nun gegen Unterschrift dem Welpenkäufer übergeben darf. Die Wasserflaschen werden gefüllt, das Geld wechselt den Eigentümer.

Ein letztes Abschiedsfoto und dann geht es ins neue Zuhause. Wie das gelaufen ist, wird mir meist berichtet.

3.2.5. Nachwort zu Kapitel 3: Die „Angsthasen“ unter den Welpen bei der Abgabe

In der Regel werden Welpen ängstlich, wenn sie zu wenig Kontakt zu Menschen und zu all den Dingen haben, die ich oben aufgeführt habe. Diese Angst ist auch kaum noch restlos auszurotten durch den neuen Käufer.

Unwissend, wie ich früher war, habe ich seinerzeit einen tricolour Collie gekauft, der ausgesprochen ängstlich war. Er kannte bis dahin nur den Kuhstall und seine Schwalben, die er gerne gefangen hat. Seine Grundängstlichkeit war, trotz extremer Bemühung meinerseits, nicht mehr ganz zu löschen.

Er war gewiss nicht von Natur aus ängstlich, sondern ängstlich durch fehlende falsche Prägung: Keine anderen Menschen, keine anderen Tiere als nur die Kühe und die Schwalben, keine Autos, keine andere Umgebung als nur den Kuhstall etc. und das 6 Monate lang.

Was einmal von Züchtern versäumt worden ist, kann nicht mehr nachgeholt werden.

Es standen diesem Welpen alle Möglichkeiten offen, doch der Züchter hat sie nicht genutzt! Darum war er ein Leben lang ein psychischer Krüppel.

Oder ein anderes Beispiel:

Ein dark sable Collie wurde von seinem ungarischen Züchter in der Prägephase mit Quietschespielzeug versehen. Nun muss man wissen, dass die Welpen von Natur aus einen Schutz haben: Sie quietschen, wenn sie in Not geraten. Sie sagen damit dem Geschwister oder der Mutter, es ist genug. Es tut weh, ich gehorche… Das Quietschen löst dann eine Beißhemmung aus, woraufhin z.B. die Mutter aufhört, den Welpen zurecht zu weisen.

Dieser o.g. Colliewelpe hatte aber ein Antimittel bekommen, so dass ihm diese Beißhemmung abtrainiert worden ist und er mächtig Spaß an der Quietscherei hatte. So kam es, dass er alle Welpen immer wieder attackierte bis diese quietschten.

Dann ging es erst recht los und er bedrängte die armen Welpen extrem. Ergebnis solch einer falschen Prägung: der natürliche Instinkt wurde ins Gegenteil verkehrt was nicht wieder rückgängig gemacht werden konnte!

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Der Vollständigkeit wegen sei gesagt, dass es aber ganz selten auch von Natur aus ängstliche Hunde gibt, wie es bei uns Menschen auch von Natur aus ängstliche Menschen gibt. Sie sind von der Genetik her so geboren. Das kann man nachweisen bei uns Menschen, aber auch bei den Hunden.

Ist die Mutter ängstlich, ist es der Welpe vermutlich auch. Ist die Oma ängstlich, ist es die Mutter vermutlich auch, usw.

Da wir beweispflichtig sind, ist das wichtig damit man nicht uns daraus einen Strick drehen kann.

Aber: wie man jedem Menschen helfen kann, ein gutes Maß an Selbstwertbewußsein zu erlangen, so auch bei einem Welpen. Wenn allerdings der Welpe über 18 Wochen alt ist, dürfte das kaum noch gelingen.

Hier hat der Züchter eine riesen Verantwortung!!!

„Konsequenzen: Züchter, kann das jeder sein? Körperliche-, nervliche-, geistige-, seelische-, finanzielle-, zeitliche und räumliche Anforderungen.“

Grundsätzlich, vom Gesetz her gesehen, kann jeder, der das will, Züchter werden. Ob aber jemand die nötigen Voraussetzungen dazu mitbringt, ist ein Faktor der vor dem ersten Wurf geprüft werden muss.

Stadttraining mit Leierkastenehepaar. „Dream“ muss sich an Stadtgeräusche gewöhnen
Stadttraining mit Leierkastenehepaar. „Dream“ muss sich an Stadtgeräusche
gewöhnen

Um eine Checkliste dafür zu bekommen (sie können sich diese ausdrucken und abarbeiten), sind die nachfolgenden Zeilen geschrieben worden:

4.1. Habe ich die nötige körperliche Voraussetzung dazu?

  • Bin ich insoweit körperlich fit, dass ich mich z.B. für längere Zeit in die Wurfkiste beugen kann (z.B. beim Werfen ( Geburt der Welpen) oder beim Saubermachen der Wurfkiste)?
  • Bin ich körperlich so fit, dass ich den Welpeninnenzwinger mindestens ein Mal täglich komplett säubern und evtl. desinfizieren kann?
  • Bin ich in der Lage dies im Außenbereich zu leisten, da jeder Welpe täglich etwa 5 Häufchen und 20 Bächlein macht?
  • Bin ich in der Lage 15 kg Futtersäcke zu tragen oder habe ich dafür Hilfspersonen?
  • Allein nur von diesem ersten Punkt her ergibt sich ein Ausschluss von Menschen, die zwar liebend gerne Züchter werden wollen, aber weder selbst die körperliche Fitness mitbringen, noch Menschen haben, die ihnen verantwortlich zur Hand gehen.

4.2. Habe ich die nötige nervliche Voraussetzung dazu?

Bin ich in der Lage ca. 4 Tage vor der Geburt durchgängig Tag und Nacht der Hündin die Temperatur zu messen und anschließend vier Tage und Nächte an der Wurfkiste aufzupassen, neben der vielen Arbeit mit der Hündin, den Welpen, dem Haushalt, der Homepagepflege, den Welpenkäufer, dem Tierarzt bzw. der Tierklinik?

Selbst ein „Besentraining“ sollte erfolgen um die Hunde so sicher wie möglich zu bekommen.
Selbst ein „Besentraining“ sollte erfolgen um die Hunde so sicher wie möglich zu bekommen.

Wenn ich das kaum durchhalte, habe ich Menschen, die mich z.B. mal bei der Temperaturmesserei oder dem Wachen bei der Wurfkiste ablösen?

Was sagt mein Arzt zu meinem Vorhaben? Habe ich die Unterstützung von ihm?

Die Knochen sind noch zu weich. Daher wird bei langen Strecken der Rollstuhl gebraucht.
Die Knochen sind noch zu weich. Daher wird bei langen Strecken der Rollstuhl gebraucht.

4.3. Habe ich die nötige geistige Voraussetzung dazu?

Die für dieses Unternehmen nötige Buchführung kann man erlernen. Bin ich in der Lage aufgrund meiner Bildung und geistigen Fitness ein Kleinunternehmen mit allem Drum und Dran zu leiten? Wenn nicht, habe ich dazu jemanden (Einzelperson oder eine Firma) die das alles für mich erledigt?

Es ist nicht damit getan, Welpen in die Welt zu setzen, sondern sie auch entsprechend so optimal wie nur möglich an den bestmöglichen Mann/Frau zu bringen und Kundenpflege zu betreiben.

Bin ich in der Lage Marketing und Management so gut wie nur möglich sachlich zu leisten? Wenn nicht, wo kann ich das lernen oder wer hilft mir?

Hier wird gerade ein Fernsehdreh mit einem unserer Hunde vor dem Reichstagsgebäude aufgenommen. Auch diesen Rummel müssen unsere Hunde mit Gelassenheit durchstehen.
Hier wird gerade ein Fernsehdreh mit einem unserer Hunde vor dem Reichstagsgebäude aufgenommen. Auch diesen Rummel müssen unsere Hunde mit Gelassenheit durchstehen.

4.4. Habe ich die nötige psychische Voraussetzung dazu?

Geburten finden meist nachts statt. Bin ich dem Druck und dem Stress gewachsen, wenn z.B. die Geburt auf sich warten lasst?

Wenn plötzlich die Frage nach dem Kaiserschnitt ansteht und von mir große Flexibilität und Einsatz gefordert wird?

Wenn Welpen tot geboren werden oder anschließend sterben?

Wenn weinende Kinder oder auch Erwachsene mir die Ohren bzw. die Seele voll heulen?

Bin ich in der Lage später die Welpen abzugeben und die oft stressigen Verkaufsgespräche durchzustehen?

Bin ich in der Lage Trauerarbeit zu leisten oder versacke ich selbst?

Wenn die Psychische Voraussetzung eine Schwachstelle bei mir ist, wer könnte mir helfen (Hausarzt, Psychiater, Psychotherapeut, Heilpraktiker)?

Wenn ich bereits psychisch erkrankt bin, will aber trotzdem züchten, ist es sehr wichtig, sich von vorgenannten Personen beraten und begleiten zu lassen.

4.5. Habe ich die nötige finanzielle Voraussetzung dazu?

Ich habe erlebt, wie ein Sozialhilfeempfänger durch die Hundezucht aus der Misere kam. Das dürfte aber die Ausnahme sein, denn dazu gehört extrem viel Fleiß, Umsicht und Freundlichkeit etc.

Was brauche ich?

Geld für die Wurfkiste (will ich die selbst bauen, mieten oder kaufen?),

Künstliche Glucke (mieten oder kaufen?),

Waage, Waschmaschine, Geld für den Tierarzt (Erstuntersuchung, evtl. Geburt -Kaiserschnitt – Folgeuntersuchungen, Impfen, Wurmkuren, Chip, etc.)

Geld für Werbung – Anzeigen, HP-Auftritt, Geld für Welpenfutter, Geld für Haftpflichtversicherung.

Es entstehen Kosten für die Ahnentafeln und Vereinszugehörigkeit,

Kosten für Büroräumlichkeiten, Räumlichkeiten für den Wurf und dessen Aufzucht

Allgemeine Bürokosten wie Telefon, Fax, Porto, etc.

Wie sieht das finanziell für die Räumlichkeiten für die Mutterhündin und die Welpen aus? Was kostet dies? Besitze ich eigenes Gelände oder muss ich etwas anmieten?

Nehme ich mein Wohnzimmer für die ersten Wochen der Welpenaufzucht oder habe ich ein Extragebäude?

Komme ich in das Welpenzimmer auch im Schlafanzug oder muss ich bei Wind und Wetter über den Hof?

Gibt es einen Sponsor oder Gönner, der mir unter Umständen unter die Arme greifen kann? Was wäre die gewünschte Gegenleistung?

Was sagt die Bank zu meinem Vorhaben? Brauche ich die überhaupt? Wenn ja, zu welchen Konditionen bekomme ich, was ich brauche?

Schaftraining mit den sechs Monate alten Hunden
Schaftraining mit den sechs Monate alten Hunden

4.6. Habe ich die nötige zeitliche Voraussetzung dazu?

Eine gute Zucht ist nicht mal eben zu leisten. Als ich noch als Krankenhausseelsorgerin tätig war, habe ich meinen kompletten Jahresurlaub plus einige Wochen unbezahlten Urlaub genommen, damit ich den Wurf auch so gut wie möglich betreuen konnte.

Weil ich von Anfang an meine Hunde in so einer Situation nicht allein lassen wollte, habe ich ab dem 56. Tag der Schwangerschaft meinen Urlaub genommen und bin erst wieder zur Arbeit, als die Welpen mit acht Wochen abgegeben waren. Das waren dann etwa 9 Wochen „Urlaub“, die extrem gefüllt mit Arbeit und Freude waren.

Sicher, nicht jeder Züchter macht sich dermaßen viel Arbeit wie ich. Die meisten gehen trotzdem weiter arbeiten und dadurch erhalten die Welpen nicht die Prägung, die einfach nötig ist. Deshalb werde ich immer wieder angerufen von anderen Welpenkäufern, weil sie sich einen Vierbeiner gekauft haben, der z.B. ängstlich ist. Sie haben ihre liebe Not damit!!!

Man muss bedenken, wenn man einen Wurf machen will, dass jeder Welpe etwa fünf Haufchen pro Tag hinlegt, nebst 20 kleine Seen. Nehmen Sie doch bitte die 5 Haufchen mal z.B. 10 Welpen.

Dann bekommen Sie schon täglich 50 Häufchen, die sie beseitigen müssen und 200 Pinkel dazu. Wenn sie die nicht beseitigen, kommen die Fliegen und sonstiges Ungeziefer und legen ihre Eier dort ab. Es riecht extrem nach Urin und stinkt nach Kot.

Hier wird kein wirklich guter Welpenkäufer einen Hund erwerben wollen – es sei denn aus Mitleid. Dann ist ihr Ruf allerdings als guter Züchter ruiniert.

Auch das Argument ihrer Kinder, dass sie das doch unbedingt einmal erlebt haben wollen, kann dem Verstand entgegenstehen. Wie oft haben mir die Eltern davon erzählt, dass sie das einmal gemacht haben, aber es nie wieder tun würden, aufgrund der vielen Arbeit und sonstigen Anforderungen. Sie waren regelmäßig so geschafft, dass sie unbedingt anschließend einen längeren Erholungsurlaub gebraucht haben oder in die Kur mussten.

Sie müssen bereit sein, nicht nur tagsüber die Arbeit mit der Mutterhündin und den Welpen zu erledigen, sondern es geht rund um die Uhr in der letzten Schwangerschaftswoche ( 4 Tage und Nächte) und dann die ersten vier Tage nach der Geburt.

Sie dürfen ihr Bett gegen eine (meist) unbequemere Liegestätte bei der Wurfkiste tauschen. Ich habe mal gezählt, wie oft ich in der ersten Nacht nach der Geburt aufgestanden bin und nach dem Rechten geschaut habe: 63 mal! So etwas macht nur Freude, wenn sie mit Herz und Seele dabei sind.

Vermutlich werden sie kaputter später wieder in ihre normale Arbeit zurück kehren, als wie sie als „Urlaubsreife“ von dort weg sind.

Zugtraining mit 6 Monate alten Hunden
Zugtraining mit 6 Monate alten Hunden

4.7. Habe ich die nötigen räumlichen Anforderungen dazu?

Nach all dem vorher gesagten dürfte es jedem klar sein, dass man einen Wurf Golden Retriever nicht in einer 2-Zimmer-Wohnung im 5.Stock groß ziehen kann.

Was habe ich bisher als Zuchtwartin diesbezüglich erlebt?

Angefangen bei einer Collie-Zucht, wo 10 fensterlose Garagen für jeweils einen Wurf Collies im Dunkeln herhalten mussten, über regelmäßige Golden Retriever – Wurf – Aufzuchten im Keller eines Einfamilienhauses, oder im Schrebergartenhäuschen bis hin zur hellen, freundlichen Luxusvilla aus festen Steinen, Pfannendeckung, Hundebrause, Hundeküche und jeweils separatem Auslauf einer FCI-Zucht in Tschechien.

Bezüglich Räumlichkeiten für eine Hundezucht gibt es offensichtlich nichts, was es nicht gibt.

Auch die jeweiligen Abnahmen durch das Veterinäramt und / oder den Zuchtwart des jeweiligen Vereins scheinen ungewöhnlich dehnbar zu sein.

Was sagt das Gesetz? Was wäre wünschenswert?

Das Gesetz macht die Größe eines Hundezwingers abhängig von der endgültigen Widerristhöhe eines Hundes. Die freie Bodenfläche sollte bei einer Widerristhöhe bis 50 cm mind . 6 Quadratmeter betragen, bis 65 cm 8 Quadratmeter und für größere Hunde mind. 10 Quadratmeter plus jeweils einen geschützten, gedämmten Liegeplatz.

Da es für Zuchthündinnen mit Welpen keine gesetzliche Vorlage gibt, habe ich am 4.8.2009 beim Kreisveterinäramt in Heide mit Herrn Dr. Hartwich gesprochen. Seine Mindestempfehlung lautet: zu den bereits geforderten gesetzlichen Mindesflächen verlangt er eine Zusatzfläche von mind. einem weiteren erwachsenen Hund.

Was wäre wünschenswert? Da Welpen viel, sehr viel Freifläche brauchen, um genug toben und entdecken zu können, wäre es natürlich von erheblichem Vorteil, dass ein Vielfaches der Mindestquadratmeterzahl zur Verfügung steht und das schließlich zum Abentheuerspielplatz umfunktioniertes Gelände genügend Anreize den jungen Geschöpfen bietet.

Wurst: hier darf der Welpe nicht an die vor ihm liegende Wurst gehen. Die Prüfungsaufgabe hat er bestens gemeistert.
Wurst: hier darf der Welpe nicht an die vor ihm liegende Wurst gehen. Die Prüfungsaufgabe hat er bestens gemeistert.

Es sei auch noch ein Hinweis zur Einfriedung des Zwingergeländes gegeben. Bitte zäunen sie das dafür vorgesehene Gelände nicht mit einem Maschendraht ein, denn dieser kann von den Hunden kaputt gebissen werden und somit zur Gefahr für den Hund und u.U. auch für den Menschen werden.

Das beste Zaunmaterial nach meiner Erfahrung sind Metallstäbe, entweder als Stahlmaschengitter oder als Aluminiumrundstäbe im Abstand von 4 cm, damit die Welpen nicht hinausschlüpfen können.

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 Welpensozialisierung – Teil 3

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