Die Auswahl des Deckrüden

Aktualisiert April 28th, 2017

Da wir auf Gesundheit und Wesen züchten, sollte es ein Rüde sein, der HD frei, aggressionsarm, gesund und nicht mit der Hündin in irgend einer Weise verwandt war. Dieses Ziel zu erreichen schien zunächst über viele Monate fast unmöglich zu verwirklichen.

Die Sucherei über das Internet, Fachzeitschriften und diversen Anzeigen war ausgesprochen umfangreich. Fast kein Deckrüde in ganz Europa entsprach diesen gewünschten Anforderungen. Dabei vertelefonierte ich ein kleines Vermögen.

Warum ist das so schwierig?

Die Hundezuchtverbände machen Ausstellungen auf Schönheit, wobei das Wesen und die Gesundheit bei etlichen fast keine Rolle spielen. Da jeder Züchter gerne möchte, dass seine Hunde auch mal auf dem Treppchen stehen, wird überwiegend In- bzw. Inzestzucht betrieben, d.h. Vater auf Tochter, Mutter auf Sohn oder gar Geschwister untereinander.

Hiermit wird nicht nur die Schönheit multipliziert, sondern auch alle Krankheiten, Gendefekte etc. Die Tierärzte und Tierkliniken haben deshalb massig zu tun.

Immer wieder dachte ich: „Jetzt habe ich einen Deckrüden“ und bei weiterem Nachhaken stellte sich dann doch heraus, dass der eine oder andere Punkt nicht zutraf.

So mancher Deckrüdenbesitzer ließ mich auch kommen, bis weit ins Ausland. Ich bin ca. 4000 km dafür gefahren. In den allermeisten Fällen stellte sich heraus, dass selbst die renommierten Züchter und international anerkannten Richter aus ganz Europa mir sehr viele Dinge bei der telefonischen Vorabklärung nicht gesagt hatten und der Meinung waren, dass, wenn ich erst einmal vor Ort bei ihnen sei, ich auch den Deckrüden nehmen würde.

Ein Beispiel: Ich war viele hunderte km gefahren und erreichte die Züchterin und intern. anerkannte Richterin für Golden Retriever nach sehr vielen Stunden Fahrerei. Das Anwesen bot sich mir als besonders sauber, geräumig und ordentlich da (was eine lobenswerte Ausnahme darstellte). Im Hausinneren lag ein Wurf, dessen Vater der mir genannte Deckrüde war.

Bei der Geburt hatte die Hündin 11 Welpen, wovon 2 bereits tot geboren worden waren, 3 in der ersten Lebenswoche aufgrund von Darmüberstülpung gestorben waren (angeblich genetisch bedingt, da bereits in jedem Wurf dies vorkam) und ein Welpe des Wurfes hatte einen Riesenkopf (ähnlich einem Wasserkopf), wo die Augen stark hervorquollen. Seine Glubschaugen schienen jeden Augenblick aus dem Kopf herauszufallen. Der Rest war augenscheinlich normal.

Solche Gene wollte ich nicht in meiner Zucht haben. Also fuhr ich unverrichteter Dinge wieder ab.

Der Verehrer
Der Verehrer

Züchterglück? Nein und ja, denn ich habe wieder mal gelernt, noch genauer vorher nach zu fragen.

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Deckakt der glücklichen Eltern

Endlich stellte sich bei „Tove von der Stellerburg“ die Läufigkeit ein und sie wurde mir am 7 ten Tag gebracht. (Tove ist als Therapiehündin in Schweinfurt bei einem mehrfach behinderten Kind, welches durch Tove sprechen und krabbeln lernt. In der Zeit, wo Tove nicht in dieser Familie war, wurde das Kind im Krankenhaus operiert, so dass die Zeit für alle gut genutzt werden konnte.)

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Selina kann nicht alleine sitzen und wird daher von Vaters Beinen im Rücken gestützt. Die Freude über Tove ist ihr ins Gesicht geschrieben.

Durch entsprechende Messungen des Zuckerwertes in der Schleimhaut der Vulva erkannte ich, wann Tove reife Eier hatte. Dies war für die Züchterin des Deckrüden neu. Der Deckakt war für beide Hunde kein Problem, sondern beide wollten und konnten.

Es war für mich als Züchterin eine Selbstverständlichkeit, dass Tove vor dem Besuch des Deckrüden sich gründlich versäubert hatte und genug gelaufen war, so dass die anschließende Liegezeit für sie auch nicht als Zwang, sondern als willkommen erlebt wurde.

Der Rüde deckte am nächsten Tag abends nochmals nach und wir traten die weite Heimreise an.

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