Hund – Mann , Hund – Frau

Die Rolle der Geschlechter in der Hundehaltung von Peter Löser

In jedem Wurf Hunde, indem die Welpen zumindest von beiden Elternteilen also Rüde und Hündin aufgezogen werden, übernimmt der Rüde ab einem gewissen Alter der Welpen, meist so ab der 3.-4. Woche erzieherische Maßnahmen.

Das bedeutet dass der Rüde dem kleinen Racker der bis dahin wahrscheinlich noch wenig Grenzen gesetzt bekam, von seinen erwachsenen Artgenossen auf einmal furchtbare Dinge erleben muss. Er darf nicht mehr ungehindert an allem rumnagen, ihm gehört nicht mehr die ganze Welt, denn auf einmal gibt es Regeln zu beachten.

Wo Mama bisher ganz tolerant und liebevoll war, sei es an der Futterschüssel, auch wenn sie sonst noch so zickig ist, oder an sich selbst, Zugang zu Lieblingsplätzen, respektloses Verhalten, Zugang zu Personen z.b. bei Begrüßungen etc. da schaltet sich auf einmal der Rüde ein und setzt Grenzen und Tabus.

© zuzule - Fotolia.com
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Einerseits sicherlich um den jungen Wilden den Respekt und die Hierarchieordnung die zwangsläufig in einem Rudel herrschen müssen beizubringen, andererseits hat dieses Verhalten sicherlich auch eine Schutzfunktion.

Wenn das Rudel sich im Auslauf aufhielt und ich unbekannte Gegenstände hineingeworfen habe kam sofort der Rüde angeschossen um zu überprüfen was das sein könnte. Dabei ging es ihm sicherlich nicht darum zu überprüfen ob dies fressbares sei.

Wehe es war ein Welpe schneller, der bekam erstmal ordentlich eins auf die Mütze, nach Kontrolle und wenn Chef alles für ok befunden hat konnten sich die Kleinen damit beschäftigen.

Wie oft habe ich darüber gelacht und geschmunzelt wenn ich meine Rüden dabei beobachtet habe wie sie ihre Tabuspiele durchführten.

Dazu wird ein Objekt in Beschlag genommen, meist handelt es sich um ein beliebtes Spielzeug, kann aber durchaus auch ein ganz lapidarer Gegenstand sein wie ein Stock o.ä. mit diesem beschäftigt sich der Chef kurze Zeit und trägt ihn dann stolz und präsentierend umher um Interesse zu erwecken, damit auch jeder von den kleinen Stinkern gesehen hat dass dies Chef- Eigentum ist.

© K.- P. Adler - Fotolia.com
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Dann wird dieses Objekt der Begierde abgelegt und Hoheit sucht sich einen günstigen Platz um alles überblicken zu können. Jetzt wird beobachtet ob sich einer der kleinen Racker in die Nähe wagt – und wehe dem – der wird das jüngste Gericht vermuten sollte er es auch nur wagen daran zu denken………..

Am Anfang fiel mir immer fast das Brötchen in den Kaffee, bei dem Geschrei was der überführte Missetäter veranstaltete als das Donnerwetter über ihn kam.

Nie hatte einer der Welpen auch nur einen Kratzer, obwohl ich zu anfangs Stein und Bein geschworen hätte dass dem Schreihals zumindest ein Fuß fehlen muss.

Für Außenstehende wirkt es wohl immer noch erschreckend, ich hingegen habe mich daran gewöhnt und bin dazu übergegangen den Rüden in seiner Funktion als Erzieher sogar zu bestärken um ihm das nötige Selbstbewusstsein zu geben seine Aufgabe meistern zu können. Teilweise habe ich das sogar in mein eigenes Verhaltensrepertoire übernommen.

© DoraZett - Fotolia.com
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Wenn ich abends auf dem Sofa liege, lege ich eine Wurst neben mich um diese dann zu bewachen. Wagt sich einer in die Nähe fang ich an den Kopf abzuwenden, dann zu knurren und sollte es einer tatsächlich wagen dann schieß ich mit einem Brüller in seine Richtung und fahre ihm mit der Hand über die Schnauze,dem sog Schnauzengriff.

Entscheidend ist dabei nicht dem Hund weh zu tun- im Gegenteil, es ist der Schreck der beeindruckt- ich habe lediglich demonstriert das ist meins und war dabei konsequent.

Eine wunderbare Möglichkeit um Respekt vor der Rudelhierarchie zu üben und jeder Hund wird solch ein Verhalten verstehen und respektieren. Lustig ist es obendrein zu sehen in welchen Beschwichtigungsgesten und Ersatzhandlungen sich die Hunde üben um nur nahe genug an dem begehrten Objekt verweilen zu können.

Da wird geschnüffelt an Dingen die noch nie interessant waren, sich gekratzt wo es sicherlich nicht juckt und gegähnt wo man alles andere als müde ist, Hauptsache man kann sich millimeterweise nähern oder zumindest in der Nähe verweilen.

Solches Verhalten festigt den Zusammenhalt und gibt Sicherheit, eben weil es klar und deutlich ist und in ansteigender Intensität. Ich gebe dem Hund die Möglichkeit auf mich zu reagieren – reagiert er falsch lerne ich ihm, ohne dabei emotional zu reagieren, welches Verhalten das angebrachte ist.

Wenn ich schon Super-Alpha sein möchte, habe ich mich lediglich meiner Position entsprechend verhalten. Im Übrigen muss ich dem Hundle hinterher die Wurst nicht geben weil er mir so Leid tut!