Wenn der Rücken schmerzt

Beim Menschen sind Bandscheibenvorfälle längst eine Volkskrankheit geworden, aber auch immer mehr Hunde leiden unter dieser schmerzhaften Rückenerkrankung.

 

Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus den Wirbelknochen und den dazwischen liegenden Bandscheiben (Discus intervertebralis), die wiederum aus einem Bindegewebsring (Anulus fibrosus) und einem zentralen weichen Kern (Nucleus pulposus) bestehen. Dieser weiche Kern ermöglicht die Beweglichkeit der Wirbelsäule und ist gleichzeitig ein wichtiger Stoßdämpfer.

Die Wirbelsäule und der darin liegende Wirbelkanal, werden durch die übereinander liegenden Wirbelknochen gebildet. Der Wirbelkanal enthält den Rückenmarkssack (Duralsack), in dem das Rückenmark, die Nervenwurzeln und die versorgenden Blutgefäße liegen. Die einzelnen Nervenfasern treten zwischen den Wirbeln aus und Innervieren bestimmte Gebiete.

Das Rückenmark erstreckt sich vom Hirnstamm, der die Verbindung zwischen Rückenmark und Gehirn darstellt, bis zum ersten oder zweiten Lendenwirbel.

Eine Verlagerung des Bandscheibengewebes nach außen, bei der zu keinem Riss im äußeren Faserring kommt, ist eine Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion)

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) hingegen ist eine Verlagerung des weichen Kerns durch eine Schwachstelle des Bindegewebsrings.

Die dadurch heraustretende Bandscheibe kann gegen das Rückenmark oder gegen die Nervenwurzeln, die zwischen den Wirbelknochen vom Rückenmark ausgehen, drücken. Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann die Bandscheibe gegen die einzelnen Nervenwurzeln oder die Nervenbündel im Wirbelkanal (Cauda equina) drücken.

Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten im Alter zwischen 3 und 5 Jahren auf und kommen meistens an der Lendenwirbelsäule vor und. In seltenen Fällen treten Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule und die Brustwirbelsäule ist am seltensten betroffen.

Wodurch wird ein Bandscheibenvorfall verursacht?

Entstehen kann ein Bandscheibenvorfall durch eine Schwäche (degenerative Veränderung) des Bindegewebsrings. Dies führt zu einer Verlagerung des weichen Kerns. Verursacht wird dies häufig in Zusammenhang mit Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule, wie beispielsweise hohe Sprünge und schnelle Spurts.

Aber auch traumatische körperliche Belastungen, wie etwa ein Verkehrsunfall oder Treppensturz, können einen Bandscheibenvorfall nach sich ziehen. Begünstigt werden kann ein Bandscheibenvorfall durch Fettleibigkeit, Trächtigkeit und durch allgemeine (anlagebedingte) Bindegewebsschwäche.

Was sind typische Symptome bei einem Bandscheibenvorfall?

Ein charakteristisches Merkmal für einen Bandscheibenvorfall ist sein plötzliches und sehr schmerzhaftes Auftreten. Allerdings kommt es auch vor, dass er ohne Symptome auftritt und so lange Zeit unbemerkt bleibt.

Treten jedoch Symptome auf, sind diese hauptsächlich auf den Druck gegen einzelne Nervenwurzeln, das Rückenmark oder die Nervenfaserbündel in der Lendenwirbelsäule (Cauda equina) zurückzuführen.

Bei Druck gegen eine Nervenwurzel kommt es zu intensiven Schmerzen, meist verbunden mit Sensibilitätsverlust, eventuell auch Volumenverlust einzelner Muskeln (Atrophien) und Lahmheiten.

Bei Druck gegen das Rückenmark können neben den schon genannten Symptomen auch eine zunehmende Schwäche beider Vorder- oder Hintergliedmaßen verbunden mit Taubheit und vor allem Blasenstörungen auftreten. Diese werden von einer Taubheit im Anal- und Genitalbereich begleitet.

Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?

Eine ausführliche klinisch-neurologische Untersuchung und die Anamnese (Krankengeschichte) sind von äußerster Wichtigkeit. Oftmals ist es dem Tierarzt schon nach einer gründlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung möglich, festzustellen ob und zwischen welchen Wirbelknochen ein Bandscheibenvorfall vorliegt.

Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Führt der Bandscheibenvorfall nicht zu einer Lähmung oder zu Blasenstörungen, besteht die Möglichkeit, diesen konservativ, also ohne Operation, zu behandeln. Kommt es aber zu zunehmenden Lähmungen oder fortdauernden Symptomen, ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff in Erwägung zu ziehen, beziehungsweise dringend notwendig. Hierbei ist allerdings die Prognose schlechter je länger man wartet, weil unter Umständen Nervenwurzeln absterben.

Wie sieht eine Bandscheiben-OP aus?

Der Rückenmarkskanal wird geöffnet und das vorgefallene Material der Bandscheibe entfernt. Ebenso wird das Dach des Wirbels entfernt (Laminektomie), damit das Rückenmark Ausweichmöglichkeiten hat. Im Weiteren Verlauf bildet sich hier eine bindegewebsartige Platte die das Rückenmark schützt.

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