Ich will einen Hund

Ich möchte einen Hund, was muss ich beachten?

Welcher Hund passt zu uns?: Ein Beziehungsratgeber für Familie und Hund
  • Cesar Millan, Melissa Jo Peltier
  • Herausgeber: Goldmann Verlag
  • Taschenbuch: 384 Seiten

Letzte Aktualisierung am 16.12.2018


Die Anschaffung eines Hundes sollte wohl überlegt sein. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Überlegung ist die Wahl der Hunderasse.

Vielzahl an Hunderassen

Nicht nur die eigentliche Anschaffung eines Hundes, die Größe, die Felllänge und die Wahl des Geschlechts sollte gut überlegt sein, auch bei der Hunderasse sollte man nichts überstürzen.

Jede einzelne Hunderasse hat ihre eigenen Eigenschaften und Anforderungen, denen man als neuer Besitzer auch gerecht werden muss, damit das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund auch funktioniert.

Wie schon bei der Wahl der Felllänge sollten Sie auch bei der Wahl der Rasse nicht nach dem Aussehen des Hundes gehen, sondern sich im Vorfeld ausgiebig über die von Ihnen bevorzugte Rasse (Charaktereigenschaften, Haltungsbedingungen, Vorlieben, etc.) informieren.

DJakob - Fotolia.com
DJakob – Fotolia.com

Der Ursprung

In ihrem Ursprung verfügt jede einzelne Hunderasse über bestimmte Veranlagungen, die meistens auf die ursprüngliche Zielsetzung der Züchter einer Rasse zurückgehen.

Mittlerweile gibt es über 400 anerkannte Hunderassen, die bei der FCI verzeichnet sind.

Es gibt:

  • Hüte- und Treibhunde
  • Haus- und Hofhunde
  • Spitze und Hunde vom Urtyp
  • Lauf- und Schweißhunde
  • Wach- und Schutzhunde
  • Gesellschafts- und Begleithunde
  • Apportier-, Stöber- und Wasserhunde
  • Schlittenhunde
  • Vorstehhunde und viele andere Rassen, die eben für einen bestimmten Zweck gezüchtet wurden.

Und genau diese über Jahrzehnte angezüchteten Eigenschaften lassen sich nicht einfach aberziehen. Es erweist sich daher zum Vorteil, wenn man seinem Hund ein Betätigungsfeld ermöglicht, das seinem angezüchteten Verhaltensrepertoire möglichst nahe kommt.

Oftmals ist aber gerade dies nicht möglich, aber in einem solchen Falle sollte man sich als Hundehalter zumindest bewusst machen, für welchen Zweck der Hund eigentlich gezüchtet wurde und somit keine falschen oder überzogenen Anforderungen an ihn stellen. So bleibt beispielsweise ein Weimaraner nun einmal ein eingefleischter Jagdhund, von dem man schlecht erwarten kann, dass er ohne Leine in aller Ruhe durch den Wald läuft und flüchtendes Wild schlechthin ignoriert.

Oder kann man von einem Bernhardiner verlangen, dass er Agilityturniere bestreitet oder gar Flyball-Meister wird?

Fatal könnte auch die Annahme enden, dass ein Border Collie ausreichend Beschäftigung hat, wenn er zweimal am Tag für zehn Minuten in den Garten darf.

Nur wenn Sie sich genau über Ihre Lieblingshunderasse informieren, können Sie ungefähr einschätzen, ob das neue Familienmitglied den eigenen Erwartungen entspricht oder nicht.

Des Weiteren kommt hinzu, dass jede Rasse ihre rassespezifischen Eigenarten hat, aber man dabei auch nicht vergessen darf, dass jeder Hund ein Individuum ist. Was soviel bedeutet, dass es selbst innerhalb einer Rasse große charakterliche Unterschiede geben kann.

Hütehunde

Diese sind im Grunde gute Familienhunde, denn in ihrem Ursprung haben sie eng mit dem Schäfer zusammengelebt und gearbeitet. Sie ordnen sich relativ schnell unter, da sie von jeher mit ihrem Besitzer eng zusammenarbeiten. Ihr ganzes Leben lang sind sie extrem gelehrig und aktiv, von daher benötigen sie viel sinnvolle Beschäftigung, die sie geistig und körperlich auslastet.

Die zum Teil sensiblen Hunde benötigen von Anfang an eine liebevoll aber konsequente Führung, um ein stressfreies Leben zu führen.

Zukünftige Hundebesitzer, die mit ihrem Hund sportlich aktiv werden möchten, finden hier die geeigneten Rassen.

Beispiele:

Die Herdenschutzhunde

Auch in der heutigen Zeit schützen in entlegenen Regionen Süd- und Osteuropas Herdenschutzhunde ihre Herden vor Wölfen und Bären. Herdenschutzhunde sind tagsüber sowie nachts sehr aufmerksam, arbeiten selbständig und besitzen ausgeprägtes Territorial- und Besitzbewusstsein. Und genau diese Eigenschaften machen sie zu guten Wächtern.

In ihrem eigenen Revier dulden sie ungern fremde Hunde – wozu auch die Gebiete der regelmäßigen Spaziergänge zählen können – in fremdem Umfeld wiederum wirken sie oft zurückhaltend und unsicher. In der Regel sind Herdenschutzhunde keine Schmeichler und sind Fremden gegenüber sehr misstrauisch. Sie halten sich gerne im Freien auf, sind nicht auf ständige Beschäftigung aus und deshalb eine gute Lösung für Menschen mit viel Platz drinnen und draußen, die die Hunde zwar um sich haben mögen, aber nicht ständig gemeinsam etwas mit den Hunden tun wollen.

Wer sich für einen Herdenschutzhund entscheidet, sollte sich im Vorfeld in Hundeverhalten schulen und Kontakt zu Herdenschutzhundhaltern aufnehmen. Ein solcher Hund braucht von Welpenfüßen an eine konsequente Erziehung, damit er lernt, sich in der Familie unterzuordnen.

Nur dann ist ein Herdenschutzhund gut zu führen, den man aber nie dem Hütehund vergleichen sollte, der freudig auf Pfiff oder Handzeichen gehorchen wird.

Beispiele:

Treibhunde

Rassehunde dieses Typs trieben damals die Herden ihres Besitzers Hunderte von Kilometern zu entfernten Märkten. Dafür mussten diese Hunde energisch, sehr beweglich, ausdauernd und robust sein. Sie arbeiten weitgehend selbständig und müssen sich dennoch weiter unterordnen als der Hirtenhund an sich. Es handelt sich dabei um sportliche, kräftige Hunde, die eine Aufgabe benötigen.

Beispiele:

Wachhund

Unter diesem Hundetyp lassen sich alle Rassen zusammenfassen, deren Aufgabenbereich sich auf den Besitz ihres Herrn erstreckt. Diese Hunde sind ortstreu, wachsam und Fremden gegenüber oft misstrauisch. Sie benötigen eine konsequente, gute Führung und dürfen sich nicht selbst überlassen werden. Wie bei den Herdenschutzhunden setzt auch dieser Hundetyp Kenntnis im Hundeverhalten voraus.

Zu ihnen zählt man die Pinscher und Schnauzer, sowie die Molosser (Doggenartigen). Durch Landeshundeverordnungen und Bundesgesetz sind auch die Molosser in den Medien negativ präsentiert worden, aber je nach Herkunft und Aufgabe finden Sie gerade bei diesen Rassen ausgeglichene Vertreter, die sehr gute Familienhunde sind. Natürlich gibt es bei ihnen ebenso wie bei anderen Rassen schwierige zu haltende Exemplare.

Beispiele:

Terrier

In ihrem Ursprung sind alle Terrier ehemalige oder noch aktive Jagdhunde. Ihre Raubzeugschärfe bei der Fuchs-, Dachs-, Otter- und Rattenjagd ist weltweit bekannt.

Waldemar Dąbrowski - Fotolia.com
Waldemar Dąbrowski – Fotolia.com

Bis auf den Deutschen Jagdterrier sind heutzutage alle Terrier ausgezeichnete Familien- und Begleithunde, die zwar gerne mal ein Mäuseloch kontrollieren aber deren Jagdeifer erzieherisch im Zaum gehalten werden kann.

Alle Terrierarten zeichnen sich durch ihre Robustheit, ihr Temperament und Lernfähigkeit aus.Sie sind ein Leben lang fröhliche Hunde, die sich nur anerkannten Rudelmitgliedern unterordnen.

Sie sind sehr gute Familienhunde, wenn man ihre Art liebt und damit umgehen kann.

Beispiele:

Der Dachshund, bekannter unter dem Namen Dackel (Teckel), stammt von Bracken (FCI-Gruppe 6 – Lauf- und Schweißhunde) ab, denn seine ursprüngliche Aufgabe war die Jagd. Trotz der geringen Größe schlugen sie sich tapfer im Kampf gegen körperlich überlegene Gegner wie Fuchs und Dachs.

Dackel sind bei der Jagd Allroundtalente: Sie jagen spurlaut, stöbern und zeigen Bestleistungen in der Schweißsuche und können sogar für Wasserarbeiten eingesetzt werden.

Aber auch Familien eroberte diese Rassen im Nu, denn Dackel sind in ihrer Mimik doch unnachahmlich. Auch hier beweisen sie Talent auf allen Gebieten, sie sind zärtlich, rücksichtsvoll, dreist und draufgängerisch, je nachdem wie die Situation es erfordert. Bei liebevoll konsequenter Erziehung wird der Dackel zum perfekten Familienhund.

Gesellschafts- und Begleithunde

Diese Gruppe von Hunden war in und ist in seinem Ursprung weder einem bestimmten Aufgabengebiet noch Aussehen zuzuordnen. Sie haben das manchmal zweifelhafte Vergnügen, allein zur Freude des Menschen zu leben und sind allesamt angenehme Familientiere.

In der Regel haben sie wenig Territorialbewusstsein und sind deshalb verträglich. Sie sind wachsame aber nicht aggressive Tiere, zeigen wenig Jagdpassion und sind alles in allem auch für Anfänger gut geeignet, die einfach nur einen vierbeinigen Gefährten um sich haben wollen.

Beispiele:

Meines Erachtens – und da teile ich mit Sicherheit die Meinung vieler Züchter – sollten Jagdhunde dort leben, wo sie ihre Passion ausleben können – nämlich bei einem Jäger. Ein Jagdhund bleibt nun einmal ein Jagdhund und stellt den jagdlich nicht ambitionierten Halter oft vor schier unlösbare Probleme.

Obwohl viele Jagdhunderassen seit Generationen als Familienhunde gezüchtet werden, können sie zum Leidwesen der Besitzer ihre Jagdpassion kaum verleugnen.

Ein entspanntes Spazierengehen mit freilaufendem Hund ist daher kaum möglich, eine konsequente Erziehung von Anfang an notwendig.

Zur großen Gruppe der Jagdhunde zählen die drei FCI-Gruppen 6 (Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen), 7 (Vorstehhunde) und 8 (Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde)

Jagdhunde

Beispiele:

Die älteste und edelste Form der Jagdhunde sind die Windhunde. Sie sind Sichtjäger und hetzen ihre Beute bis zur Erschöpfung oder gar zu deren Tode. Innerhalb der Familie und im Hause sind sie ruhig, zärtlich, angenehm, aber beim Spaziergang oftmals nur darauf aus zu jagen.

Ein Leben an der Leine, den kurzen Schritten seines Besitzers angepasst, ist eine regelrechte Qual für die edlen Hunde. Ein Windhund wird jede Gelegenheit dazu nutzen, mit großen Sätzen zu verschwinden. Gerade ihre Eleganz und Schönheit verleitet Menschen dazu, sie anzuschaffen, die aber weder dem Wesen noch dem Laufbedürfnis gerecht werden. Ein Hunderennplatz kann dem Abhilfe schaffen.

Windhunde

Beispiele:

Wie Sie nun lesen konnten, sollte die Anschaffung eines Hundes alles anderes als leichtfertig geschehen. Denn was nützt es Ihnen und dem Hund, wenn Sie nicht zueinander passen?