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Hilfsmittel Hund – Der Blindenführhund

Wie wichtig eine tiergerechte und gute Ausbildung ist, zeigt sich deutlich am Alltags eines Blindenführhundes.

Blindenführhunde. Kulturgeschichte einer Partnerschaft
  • Detlef Berentzen
  • Herausgeber: Ripperger & Kremers Verlag
  • Taschenbuch: 328 Seiten

Letzte Aktualisierung am 20.11.2017


Blinde Menschen in Deutschland

In Deutschland leben etwa 155.000 blinde Menschen, davon geht ungefähr jeder hundertste mit einem Blindenführhund durchs Leben. Zum Teil ersetzt der Blindenhund zeitweise vollständig den weißen Langstock, mit dem der blinde Mensch den vor ihm liegenden Weg ertastet, andere nehmen Langstock und Hund mit.

© Boris Djuranovic - Fotolia.com
© Boris Djuranovic – Fotolia.com

Der Blindenführhund führt seinen Menschen von einem Ort zum anderen, beispielsweise von dessen Wohnung zum Arbeitsplatz oder zu verschiedenen Geschäften. Ein blinder Mensch findet sich innerhalb der vertrauten Umgebung dann wieder allein zurecht und sein treuer Wegbegleiter hat frei.

Stellt sich die Frage warum nur jeder hunderste blinde Mensch einen so treuen Freund zur Seite hat, ist es doch für das alltägliche Leben eine optimale Lösung.

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach, denn nicht jeder Mensch mag Hunde oder möchte mit einem solchen sein Leben teilen. Oftmals sind allerdings auch Arbeitgeber oder Vermieter nicht mit einem Hund einverstanden.

Nach dem Sozialgesetzbuch sind Blindenführhunde anerkannte „Hilfsmittel“, die vom Arzt verschrieben werden können. Ist dies der Fall und ist eine Hundehaltung möglich, dann übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten. Somit braucht sich der Blinde keine Sorgen um die Kostenübernahme für einen Führhund zu machen.

Die Kosten für eine solche Ausbildung sind für einen jungen Hund bis zum Ende der Ausbildung im Schnitt gut 15.000 €. Des weiteren wird für die Versorgung eine monatliche Futtergeld-Pauschale gezahlt.

Anforderungen an den Hund:

Die Anforderungen an einen zukünftigen Blindenhund ergeben sich ganz einfach aus der Aufgabe. Der Hund muss körperlich kerngesund und darf nur von mittelgroßer Körperhöhe sein, damit er die Lage gut überschauen kann, aber auch nicht zu unhandlich für den zu Führenden wird.

© totti - Fotolia.com
© totti – Fotolia.com

Ein ganz wichtiger weiterer Anforderungspunkt ist der Charakter des Hundes. Blindenführhunde müssen wesensfest, gelassen, intelligent, aufmerksam, friedfertig und verträglich sein. Sie dürfen auf gar keinen Fall ängstlich oder unsicher sein.

Die Rasse spielt bei der Auswahl des Hundes keine so große Rolle. Früher war der Deutsche Schäferhund zwar der klassische Führhund, aber in der heutigen Zeit werden zunehmend auch andere mittelgroße Rassen ausgebildet (z.B.: Labrador Retriever, Airedale Terrier, Mischlinge).

Anforderungen an den Menschen:

Aber nicht nur an den Hund werden Anforderungen gestellt, auch der blinde Halter muss gewisse Punkte erfüllen, damit das Verhältnis auf Dauer für beide Seiten gut ausgeht.

Der zukünftige Blindenhundhalter muss vor allem ein Tierfreund sein und zu einer echten Zusammenarbeit mit dem Tier bereit sein. Wer glaubt, dass es ausreichen würde dem Hund mit knappen Kommandos voranzuschicken, liegt gänzlich falsch.

Beide, Hund und Halter, müssen immer aufeinander abgestimmt sein, dabei ist es ganz wichtig, dass der Hund auch mal eine Verschnaufpause braucht.

Freizeitstunden für den Hund sind ein Muss, im Dienst darf der Vierbeiner nicht mal sein Geschäft machen, am Baum schnüffeln oder das Bein heben.

Deshalb ist es unabdingbar, dass der treue Diensthund ohne Geschirr und Leine laufen kann und sich so beim Freilauf von der konzentrierten Arbeit erholt, tobt oder einfach vor sich hindöst. Hierbei handelt es sich nicht um ein paar Minuten sondern um einige Stunden.

Ausbildung:

Die Herkunft des jungen Hundes ist egal, ob er nun vom Züchter, privaten Haushalten oder dem Tierheim kommt, wichtig ist vor allem dass er absolut tiergerecht aufwachsen ist. Dazu Der mehrwöchige Aufenthalt beim Muttertier und das Spielen und Toben mit den Geschwistertieren gehört genauso dazu wie der sehr frühe, möglichst enge und liebevolle Kontakt zum Menschen.

Zu Beginn ist der Hund noch zu klein um ausgebildet zu werden, daher ist es ganz wichtig, dass er für etwa ein Jahr in eine Patenfamilie kommt. Eine solche Patenfamilie hat den Zweck, dass der Hund weiter auf den Menschen geprägt wird und einige Grundmuster des Verhaltens erlernt, dass er im späteren Leben brauchen wird.

Im Alter von 6 bis 8 Monaten beginnt die eigentliche Ausbildung zum Blindenführhund. In dieser Ausbildung erlernt der Hund ungefähr 30 Anweisungen für das tägliche Leben kennen.

Wie auch bei der „normalen“ Hundeerziehung ist auch bei dieser Ausbildung wichtig, dass er diese Begriffe durch positive Bestärkung erlernt. Erwünschtes Verhalten des Hundes wird mit Lob oder auch Streicheln belohnt, jede Form von Gewalt ist absolut tabu.

Damit sich Hund und Halter kennen- und verstehen lernen, ist nach Abschluss der eigentlichen Ausbildung eine gemeinschaftliche Einarbeitungsarbeit erforderlich. Dies Schulung gestaltet sich unterschiedlich, ideal ist aber ein Training in der Hundeschule sowie ein darauffolgendes Training im neuen Umfeld des Tieres.

Der Zeitraum kann dabei unterschiedlich ausfallen. Eine Nachschulung kann manchmal notwendig werden und wird bei guten Ausbildern selbstverständlich angeboten. Dieser besucht in den meisten Fällen ohnehin immer mal wieder den Hund, um zu sehen, wie alles läuft.

Wie wichtig eine gute Ausbildung ist, kann man sich leicht klar machen: Ein schlecht ausgewählter, schlecht ausgebildeter Hund bedeutet absolute Lebensgefahr für den Halter.

Patenfamilien gesucht:

Das Großwerden in der Patenfamilie ist für zukünftige Blindenführhunde sehr wichtig. Sie lernen dort, ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens mit dem Menschen aufzubauen.

Blindenhundschulen sind immer wieder auf der Suche nach Patenfamilien für ein Jahr. Diese Aufgabe ist für Tierfreunde gut zu schaffen. Es ist auch eine Chance für Familien, über ein Jahr festzustellen, ob sie sich auf Dauer für einen eigenen Hund entscheiden möchten. Alle Kosten, die in der Zeit für den Hund anfallen, werden von der Schule übernommen.

Begegnungen mit Blindenführhunden:

Zu diesem Thema hat der DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.) ein gut nachvollziehbares Merkblatt herausgegeben. Nachführend die wichtigsten Punkte kurz zusammengefasst:

  • Immer nur den Halter oder die Halterin ansprechen.
  • Den Hund niemals ablenken, weder durch Ansprache noch durch Anfassen. Er ist im Dienst und muss sich konzentrieren!
  • Dem Hund immer den Weg frei geben. Es ist leichter für Sie, ein Stück zur Seite zu gehen, als für Hund und Halter, um Sie herum zu gehen
  • Hilfe ist zum Beispiel an Ampeln wichtig, denn ob rot oder grün ist, unterscheidet der Hund nicht.
  • Nicht aufregen, auch wenn der Blindenführhund im Lebensmittelladen oder beim Arzt auftaucht. Das gehört zu seiner Arbeit. Blindenführhunde haben besondere Zutrittsrechte.

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