Baby & Hund?

Aktualisiert Juli 6th, 2019

Wie gefährlich ist es, einen Hund zu halten, wenn man ein Baby hat?

Mein Erfahrungsbericht soll Ihnen eine Antwort geben. Hunde sind ein schlechter Kinderersatz, meint die Berliner Publizistin und Cocker-Spaniel-Halterin Katharina Rutschky.

Der Meinung sind wir auch, also bin ich seit kurzem nicht mehr nur erfahrene Hundehalterin, sondern auch unerfahrene Mutter. Als unsere Tochter vor neun Monaten auf die Welt kam, betraten wir alle Neuland – Hannah, mein Mann, ich und Charlie.

So klappt's mit Kind und Hund (Cadmos Hundepraxis)
  • 80 Seiten - 27.02.2009 (Veröffentlichungsdatum) - Cadmos Verlag (Herausgeber)

Letzte Aktualisierung am 5.11.2019


Charlie ist unser Hund, ein zwölfeinhalb Jahre alter rasta-zotteliger Bergamasker von der Größe eines Golden Retrievers. Er kam vor drei Jahren aus einem Tierheim zu uns, in dem er ebenso lange gelebt hatte, und stammt wahrscheinlich aus einer Kellerhaltung.

Wohl aufgrund dieser Biographie mag er keine Fremden. Und ausgerechnet er muss nun erfahren, dass ein fremder Winzling im Mittelpunkt unseres Familienlebens steht.

Schlimmer noch: er soll die Neue nicht nur im Rudel akzeptieren, sondern auch, dass sie in dessen Rangordnung weit über ihm steht.

 © KSzott - Fotolia.com
© KSzott – Fotolia.com

So weit, dass er auch noch ihre tapsigen Annäherungsversuche erdulden muss, wenn Hannah ins Krabbelalter kommt und anfängt, die Welt zu begreifen.

Das ist viel verlangt, und deswegen haben wir mit den ersten Schritten schon vor der Geburt angefangen. Dabei kam uns entgegen, dass Hunde ein deutliches Gespür für das menschliche Gefühlsleben haben. So erschien es mir bei meiner Schwangerschaft.

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Charlie merkte, dass da etwas im Busch war, mag das nun an meinen neuen Stimmungen oder an Änderungen meines Körpergeruchs gelegen haben – unterstützt vielleicht noch dadurch, dass ich ihn immer wieder mal mit meinem Bauch in Berührung brachte.

Nach der Geburt blieb ich noch eine Woche im Krankenhaus und ließ ihn ersten Geruchskontakt zu Hannah aufnehmen. Ich gab meinem Mann eine volle Windel und einen Strampler mit, die er von Charlie beschnuppern ließ. Die Windel kam nicht gut an, vom Strampler hingegen nahm er mehrere Nasen voll und wurde dabei kräftig gelobt und gestreichelt.

Wichtig ist, dass er mit der Babykleidung nicht spielen und an ihr herumzerren darf – er könnte das sonst auf das Kind übertragen.

Die nächste Station des Lernprozesses war meine Rückkehr. Ich betrat als erste und allein die Wohnung, begrüßte Charlie ausgiebigst und ließ mich abschnuppern. Dann folgte mein Mann mit Hannah auf dem Arm. Er hielt unsere Tochter dem Hund auf Augenhöhe entgegen und ließ sie ausgiebig beschnuppern, wobei wir ihn wieder lobten und streichelten.

In der ersten Zeit war Hannah für unseren Charlie nur ein lebendes Bündel, dass ständig von uns auf dem Arm gehalten wurde. Um keine Eifersüchteleien aufkommen zu lassen, wurde in seinem Tagesablauf nichts großartig geändert, d.h. ab und an verschob sich mal ein Spaziergang, aber ansonsten blieb alles beim Alten

Eine weitere kritische Phase in der Beziehung Hund & Baby ist die Zeit in der das Baby ins Krabbelalter kommt.

Hier sei betont, dass nicht nur der Hund etwas lernen muss – auch das Kind ist nun allmählich so weit. Genauso wie es lernen muss, dass ein Ofen heiß ist, eine Schublade ausräumen und Sachen vom Tisch ziehen tabu sind, muß es lernen, dass der Hundekorb der Ort des Hundes ist – also „Nein!“.

Oft haben wir uns anhören müssen, dass ein Kind in dem Alter das noch nicht begreift, aber unsere Erfahrungen haben uns das Gegenteil bewiesen.

Immer wenn Hannah auf Charlie´s Decke zu kroch, nahmen wie sie dort weg und sagten „Nein!“. Bisher hat dies gut geklappt, denoch sei gesagt, dass es hier immer auf den Hund, das Baby und einen selbst ankommt, denn nicht jedes Baby ist wie Hannah und nicht jeder Hund wie Charlie.

Wir haben gesehen, dass es sehr wohl klappt ein Baby zu bekommen obwohl im Haushalt ein Hund lebt. Zum Schluß noch etwas sehr Wichtiges, dass man im Zusammenleben zwischen Baby & Hund nie vergessen darf:

Egal wie lieb Ihr Hund auch ist, lassen Sie ihn nie unbeaufsichtigt mit Ihrem Kind alleine, denn er ist immer noch ein Hund !

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