Vom wilden Wolf zum Mops

Es stellt wohl heute kaum noch irgendwer in Frage, dass unser treuer Vierbeiner, der Haushund vom Wolf abstammt.

Doch wie war es möglich, vor tausenden von Jahren – dass wilde Wölfe den Zugang zu den steinzeitlichen Siedlungen und die Nähe des „homo sapiens“, dem Menschen suchten. Änderten sie ihr Leben auf fremdartige Weise und entwickelten sich zum Aasfresser?

Wolf
Wolf

Wie kam diese Eingliederung wirklich zustande?

Konnte ein Mensch eigentlich einen Wolf zähmen? Bis heute gibt es über die Domestizierung des Wolfes keine genauen Erkenntnisse. Dennoch, es erwartet uns hier ein gewaltiges, biologisches Experiment!

Unstrittig dagegen ist, der noch wilde Wolf ging dieses Abenteuer ein um sich dem Menschen zu nähern, ob freiwillig oder unfreiwillig.

Dadurch ist ebenfalls unstrittig, dass in nur wenigen tausend Jahren die Rasse des Mops und des Collies, des Bernhardiners, Husky, Dackel und der Terrier und viele mehr sich aus diesem Experiment entwickelten. Hunde von unterschiedlicher Größe und Fähigkeiten. Mit Ringelschwänzchen oder aber imposanter Rute.

© Alexander von Düren - Fotolia.com
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Auch stellt sich die Frage, wie urtümlich sind unsere treuen Freunde heute noch. Eine spärliche Wildheit ist vermutlich nicht von der Hand zu weisen. Bedenken wir, dass jährlich dreitausend Briefträger um ihre  Hosenbeine fürchten müssen? Sind die frühen, natürlichen Instinkte den Eindringling oder Fremdling in die Flucht zu schlagen auch heute noch anwendbar?

Viele Fragen, wenig Antworten und somit ein immer noch spannendes Thema. Biologen, Verhaltensforscher und Domestikationsexperten diskutieren nach wie vor.

Vom -Canis Lupus-, dem Wolf, zum -Canis Lupus familiaris-, dem domestizierten Haushund. Das große Rätsel.

Dennoch, die Forschung schläft nicht. Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Hunde-Genom entschlüsselt ist. Danach werden wir mehr Klarheit über die wahre Entstehungsgeschichte haben. Doch bis dahin schauen wir uns einmal die Thesen an, die Wissenschaftler aufgrund Ihrer Forschung und den Ausgrabungen entwickelt haben. Sie erscheinen alle auch irgendwie logisch.

1. Szenario – Der Wolf als neugieriger Müllentsorger?

Den frühesten Fund eines Vierbeiners fanden Archäologen vor 14.000 Jahren. Der erste Haushund der Welt und das erste Haustier überhaupt.

© JackF - Fotolia.com
© JackF – Fotolia.com

Die hündische Erfolgsstory begann irgendwann während der Eiszeit. Da der Mensch und der Wolf ein sehr ähnliches Beuteschema hatten, lebten sie über einen erheblich langen Zeitraum in gemeinsamen Revieren. Solange, bis einige Wölfe Ihr Jagen in Wald und Feld, in ein Dasein durch die Vertilgung der steinzeitlichen Nahrungsabfälle eintauschten.

Sie lungerten um die Abfallreste herum, beschnüffelten sie und entschieden sich für diese Art der Nahrungssuche. Offensichtlich profitierten die Wölfe von der Abfallverwertung denn eine bequemere Methode als die Jagd war es allemal.

Sie fanden zu jeder Zeit eine reich bestückte und nie versiegende Nahrungsquelle vor. Wo der Mensch lebte wurde nun mal regelmäßig Abfall produziert.

Allerdings wagten sich nur die neugierigsten und arglosen Tiere in die Nähe der Siedlungen. Durch diese Unerschrockenheit der Wölfe könnte die erste „Müllentsorgung“ in der Menschheitsgeschichte entstanden sein. Für die Siedlungsbewohner war es die beste Methode der Abfallverwertung.

Wolf beim Fressen
Wolf beim Fressen

Auch das Problem Restabfall mit zusätzlicher Brutstätte für Krankheitserreger wurde durch den neuen Speiseplan der Wölfe gelöst. Fürwahr, eher eine unbefriedigende Vergangenheit für unsere Vierbeiner die Haushunde.

Folglich könnte es allerdings eine mögliche Erklärung für die Vorliebe mancher Haushunde sein, beim gemeinsamen Spaziergang mit Herrchen oder Frauchen – die am Weg liegenden Exkremente zu verspeisen.

Von dem heutigen, überwiegend industriell hergestellten Tierfutter gibt es eine Parallele zu dieser Unrat-Vertilgung der Wölfe – man glaubt es kaum. In unserer zivilisierten Zeit ein Ähnlichkeit.

Das Futter für Hund und Katze und auch anderen Heimtieren, besteht überwiegend aus Schlachtabfällen und Kadavern. Dieser Zustand ist kein notwendiges Übel, wie wir aus der Steinzeit wissen.

Sondern die Tierfuttermultis verdienen damit Milliarden. Der Unterschied zur Urzeit sind nur noch die Zugaben von Konservierungsstoffen, chemischen Zusätzen, Appetizer, künstliche Aromaten, kurz alles was den Tieren nicht gut tut, eben Müll. Wir sollten es besser wissen, leider schließt sich der Kreis…

2. Szenario – Die Domestizierung, eine Geschichte der Frauen?

Es ist die Zeit der Jäger und Sammler. Jagdgruppen, Jäger oder Dorfbewohner der steinzeitlichen Siedlungen brachten vermutlich hilflose Wolfsjunge aus den Höhlen mit ins Lager. Hier wurde die erste Aussonderung von den Frauen vorgenommen. Die zutraulichen Welpen blieben bei den Menschen und die unerwünschten Findlinge wurden auch als Nahrungsvorrat für schlechte Zeiten genutzt, also verspeist.

Die Wolfsjungen erweckten rasch die mütterlichen Gefühle der Frauen. Zumal sie als muntere Spielgefährten bei den Kindern sehr beliebt waren. Folglich wurden Sie von den Frauen genährt und aufgezogen.

Durch diese Abfolge fand schon die erste Vermenschlichung statt. Die Jungwölfe betrachteten sich sehr schnell als Teil des menschlichen Rudels. Ihre natürliche Neigung Fremdlinge sofort zu bemerken und zu wittern war wohl eine der ersten Fähigkeiten die erkannt wurden.

Auch unser Haushund schließt sich sehr schnell dem menschlichen Rudel an. Desgleichen erleben wir tagtäglich in dem Zusammenleben mit unseren tierischen Vierbeinern.