Triebe in der Tierwelt

Triebe in der Tierwelt, alles nur für die weibliche Anerkennung
Serie: Vorstellung der großen Verhaltensforscher: Charles Darwin und seine Evolutions- und Selektionstheorie

Die natürliche Zuchtauswahl ist der entscheidende Faktor für die Entwicklung der Arten. Da die Zahl der Nachkommen immer größer ist als zur Arterhaltung erforderlich, ergibt sich ein Konkurrenzkampf, den nur die Angepassten überstehen.

peacock bird close up portrait
peacock bird close up portrait

Die Veränderlichkeit der Organismen und der „Kampf ums Dasein“ erschienen Darwin als die wichtigsten Voraussetzungen der Umwandlungen, die die Lebewesen im Laufe der Jahrmillionen durchlaufen haben. Unter der unendlichen Vielzahl von Nachkommen jeder Generation sondert die sich ständig verändernde Umwelt das aus, was ihr als weniger lebenstüchtig erscheint.

Nur das Bessere, Lebenstüchtigere, Leistungsstarke bleibt erhalten und gibt seine „zeitgemäßen“ Eigenschaften in der Vererbung an seine Nachkommen weiter, bei denen sich die Verschiedenartigkeit, Auslese und Vererbung ebenso wiederholen.

Um dies zu untermauern, versuchte Darwin, der Begründer der Abstammungslehre, mit seinem großen Werk, dem 1859 erschienenen „Über den Ursprung der Arten durch natürliche Selektion“ wissenschaftlich zu deuten, wie sich die Lebewesen unserer Erde entwickelt haben und welche Ursachen dabei entscheidend waren.

© kikkerdirk - Fotolia.com
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Charles Darwin entwickelte als Erster eine Theorie der sexuellen Selektion und beobachtete, dass es häufig die Weibchen sind, die sich ihren Partner aussuchen. Er vertrat die Ansicht, die natürliche Selektion sei die wichtigste Triebkraft für die Evolution aller Lebewesen und das Überleben des Stärkeren ein Naturprinzip der Lebensentwicklung.

Die natürliche Selektion erklärt, warum ein Individuum überlebt und seine Gene an die nächste Generation weitergibt, während ein anderes ohne Nachkommen stirbt.

Darwins Werk wurde nicht nur eines der meistgelesenen, sondern auch meistbekämpften Bücher des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Charles Darwins Thesen widersprachen nicht nur den wissenschaftlichen Vorstellungen seiner Zeit, sondern auch dem, leider auch in Wissenschaftskreisen vorherrschenden, kritiklosen, männlich dominierten Zeitgeist.

Zu einer Zeit, da nicht mal den Frauen ein Wahlrecht eingeräumt wurde, war es unvorstellbar, dass weibliche Vertreter einer Gattung die Wahl haben sollten, mit wem sie sich paaren wollen. Das passte nicht in das damalige Weltbild. Darwin selbst tat sich schwer. Er äußerte gegenüber einem Forscherkollegen: „Der Anblick einer Pfauenfeder macht mich krank, sie hat keinerlei Nutzen, außer zu gefallen.“

Seine Abstammungslehre beinhaltet den für die damalige Zeit kritischen Gedanken, dass sich alles Leben auf der Erde auseinander entwickelt hat, und dass eine genealogische Verwandtschaft aller Lebewesen untereinander besteht.

Alles nur für sie

Leuchtende Farben, üppiger Schmuck und raffinierte Gesänge der männlichen Tierwelt sind also nur gemacht um den Weibchen zu imponieren. Die Männchen müssen geben, um was nehmen zu dürfen. Noch bis in die 70iger Jahre des 20. Jahrhunderts hat man sich über diese Idee lustig gemacht.

© nickolae - Fotolia.com
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Ein Evolutionsbiologe schrieb sogar, man müsse sich doch nur unsere eigene Art anschauen, bei der die Frauen doch ganz sicher nichts mitzureden hätten bei der Partnerwahl. Inzwischen können wir natürlich beweisen, dass es nicht so ist. Darwin hat recht behalten, es sind die Weibchen, die auswählen und zwar – biologisch gesehen – bei allen Gattungen!

Manche Biologen meinten, Körperschmuck und Stimmgewalt eines Männchens könnten Auskunft über die Qualität seiner Gene, seines Immunsystems oder seiner Leistungsfähigkeit Auskunft geben.
Schließlich ist ein starker Hirsch imstande, ein Rudel Hirschkühe zu verteidigen, ein schwacher nicht. Auf diese Weise sichere er den Fortbestand seiner Gene und seiner Art.

Die zur Schau gestellte Größe eines Geweihs, die Mähne oder der Gesang reicht aber alleine nicht aus, um einer weiblichen Vertreterin der Rasse zu gefallen, denn oftmals besitzt die Konkurrenz ähnliche bis gleiche Attribute. Biologen sind sich heute einig, die Entscheidung des Weibchens habe sicher einen selektiven Grund.

Das eine Männchen, das erwählt wird, hat etwas, was die anderen eben nicht haben, etwas, was in den Nervenzellen des Weibchens einen Reiz auslöst und die anderen Konkurrenten leer ausgehen lässt. Das Weibchen ist also zu einer Entscheidungsfähigkeit imstande, sie sucht und trifft eine subjektive Wahl!

Hierzu gibt es eine wunderbare Geschichte. Sie trägt sich jedes Jahr im australischen Outback zu und zeigt das Paarungsverhalten der dort lebenden Laubenvogelkolonie.

Unter alten Bäumen, Dornbüschen und Oleander hat jeder Vogel aus trockenem Gras eine raffinierte Arena gebaut, rund 30 cm hoch und bis zu 50 cm lang. Die Bauten werden mit glänzenden Schmuckstücken versehen. Sonnengebleichte Wirbelknochen von Schafen, Aluminiumfolien, Aufreißflaschen von Bierdosen, Glasscherben sowie bunte Plastikstreifen werden liebevoll gesammelt und ins Nest getragen.

Dafür sind die Eifrigsten viele Wochen beschäftigt. Die hübschesten Lauben haben besondere Fundstücke vorzuweisen: silberne Gegenstände, Monopolyfiguren, alte Patronenhülsen, Scherben jeder Farbe und Beschaffenheit. Die Vögel haben sogar den Lichteinfall beachtet, wie sieht der Stapel Glasscherben bei Lichteinfall aus?

Es wird auf Symmetrie geachtet, Metallringe werden im gleichen Abstand am Rand der Laube platziert, im Sonnenlicht glitzern sie wie Diamanten.

Hinter dieser ganzen Mühe steht nur ein Wunsch! Man will der Vogeldame imponieren, sie mit der Baukunst anlocken und zur Paarung anregen. Aber der Vogelmann kann nur warten und sich dabei mächtig ins Zeug legen, denn wie bei den meisten Vogelarten kann ein Männchen das Weibchen zu nichts zwingen. Er muss singen, tanzen und die schönste Laube bauen, um sie herumzukriegen.

Schlampig gebaute Lauben werden keines Blickes gewürdigt, wer sich als Vogelmann nicht anstrengt, geht leer aus bei der Brautschau.

Das Forscherteam vor Ort, welches diese Kolonie seit 23 Jahren beobachtet und dokumentiert stellt fest: Junge Laubenvögel geben sich nicht genug Mühe und werden ignoriert. Das spornt sie im nächsten Jahr an, es besser zu machen und so werden sie im Laufe der Jahre zu Nestbauprofis. Wer es nicht lernt, dessen Gene werden im Fortgang der Evolution in einer Sackgasse landen. So ist das nun mal in der Natur.

Eine weitere Besonderheit wurde in der Laubenkolonie beobachtet. Die Männchen bauen nicht nur ihr Nest, sondern gehen auch beim Nachbarn gucken und klauen sich Schmuckstücke aus dessen Nest, sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Die Laube eines Laubenvogels ist die prächtigste. Er hat auch von den Forschern einen Namen bekommen, er heißt „G.P.“. Er sitzt in seinem Palast und singt seine Liebeslieder, sträubt sein rosa Nackenschmuck und kreischt und gluckst. Alles an ihm und in ihm schreit: „Nimm mich, nicht einen Anderen!“ Junge Hennen kommen zwar vorbei, sie machen aber nur eine Art Besichtigungstour durch die Kolonie, begutachten die Lauben und die Hähne.

Jede Henne paart sich nur mit einem Hahn pro Saison, also studiert sie das Angebot sehr genau.

Wenn sie zufrieden war, kehrt sie das nächste Jahr zum selben Partner zurück. Die erfolgreichsten Männchen sind ungefähr zehn Jahre alt und haben zuvor in fünf einsamen Junggesellenjahren ihre Fähigkeiten vervollkommnet.

Der Hahn „G.P.“ ist ein Frauenheld, er kreischt, sträubt die Federn und rennt um seine Laube herum. Was für ein Aufwand! Aber er wird belohnt, wie fast jedes Jahr. Der erfolgreiche Casanova macht fast jedes Jahr das Rennen.

Ein weiteres Mal, seine Gene im Spiel des Lebens mitmischen zu lassen, dank seiner Erfahrung, seiner Ausdauer und seiner Leistungsfähigkeit. Er ist eben der Beste, den die Kolonie im Moment vorzuweisen hat.

Bedeutung der Evolutionstheorien in der Rassehundezucht

Wenn man bedenkt, wie komplex die sexuelle Auswahl unter den Tierarten geregelt ist, so müssen wir uns eingestehen, dass wir in der Rassehundezucht nach den Lehren Charles Darwin so ziemlich alles falsch machen, was man bei der natürlichen Selektion falsch machen kann.

Es findet nämlich ganz schlicht und ergreifend überhaupt keine natürliche sexuelle Selektion durch die Hunde statt, weil wir Menschen die Wahl der Paarungspartner festlegen und das nach völlig anderen Kriterien, als es die Natur machen würde. Sich das bewusst vor Augen zu führen, macht einem die Größenordnung der Verantwortung und des Risikos von missbräuchlicher Manipulation in vollem Umfang bewusst.

Wir, nicht die Hunde, haben den Finger am genetischen Schalter!

Denn wir Menschen wählen den Deckpartner der Hündinnen aus, legen den Decktag fest und lassen fast alle natürlich geregelten sexuellenVerhaltensmechanismen der Paarungspartner aus acht. Ja mehr noch, wir ignorieren sie fast vollständig.

Was zur Folge hat, dass sich die Hündinnen unwillig zeigen, zickig bis unzweideutig aggressiv dem Rüden gegenüber, den wir für sie ausgesucht haben. Aber auch das nehmen wir Menschen nicht zur Kenntnis.

Jetzt ist man doch schon den weiten Weg gefahren, jetzt soll der Rüde auch decken. Also wird die Hündin kurzerhand am Kopf festgehalten (damit sie nicht nach dem Rüden beißen kann).

Ist sie sehr unwillig, kommt noch ein weiterer Helfer hinzu und ein erfahrener Rüde weiß nun, dass ihm nichts mehr passieren kann und steigt auf die Hündin auf und deckt. An die Folgen dieser „Zwangsverpaarungen“ denkt keiner, der kurze Erfolg rechtfertigt diese übliche Deckpraxis, denn auch aus diesen Verpaarungen gehen in den meisten Fällen noch Welpen hervor.

Aber durch die Jahre haben die Scheinschwangerschaften zugenommen, die Hündinnen bleiben immer öfters leer. Bei manchen Rassehunden sind es nahezu 50 Prozent. Wen wundert das?

Wer die Gesetzmäßigkeiten der Verhaltensbiologie nicht beachtet, landet unweigerlich in einer Sackgasse.

Paarung bei den Wölfen

In der Forschungsstation von Erik Zimen im Bayerischen Wald wurde das Paarungsverhalten der dort lebenden Wölfe sorgfältig studiert und dokumentiert. Hier zwei Auszüge aus den Studien (verschiedene Rudel)

1. Wenn das ranghöchste Weibchen unseres Rudels im Herbst zunehmend aggressiver gegen andere Weibchen wurde, zeigte es gleichzeitig gegen einen ranghohen Rüden auffällig häufig und intensiv ein freundlich-aufdringliches Verhalten, wie Quer-Hochspringen, Drängeln, Lefzenlecken. Dieses Verhalten steigerte sich und nahm eine deutlich sexuell gefärbte Stimmung an.(am Partner hochreiten, Beckenstösse und über dem Partner stehen). Das heimische Revier wird durch Spritzharnen markiert.

Die Initiative geht eindeutig vom Alpha-Weibchen aus. Die Urinstellen werden von den Rüden berochen, doch nur wenige, nämlich die Ranghöchsten spritzten ihren Harn darüber. Diese Tiere waren dann auch die einzigsten, die das Weibchen direkt genital beriechen durften. Versuche anderer wehrte sie heftig ab.

Dieses Verhalten und wohl auch die geruchliche Veränderung der Wölfin schienen Spermatogenese und sexuelle Aktivität der bevorzugten Rüden anzuregen. In der folgenden Ranzzeit (Läufigkeit der Wölfe) übernahmen sie dann weitgehend die sexuelle Initiative.

2. Vor dieser Hochbrunst richtete das Alpha-Weibchen sein Aufforderungsverhalten in der Hauptsache gegen den ranghöchsten Rüden und den letztjährigen Partner, die aber nicht immer identisch waren. In dieser Vorbrunst wird entschieden, wer dieses Jahr den Vorzug erhält. Nur mit diesem vollzieht die Wölfin den Paarungsakt.

Das Alpha-Weibchen wehrte ihrerseits Wurfbrüder und rangniedrige Rüden ab, auch gegen eigene Söhne zeigte sie sich aggressiv.

Wölfe gehen eine enge Bindung ein, nicht selten gibt es ein Alpha-Paar. Die Ordnung ist streng hierarchich, als weiteren Paarungspartner duldet die Wölfin nur einen Rüden, der direkt unter dem Alpha-Wolf steht, dem Beta-Rüden. Die übrigen Rudelmitglieder verharren durch den sozialen Druck bedingt, verhaltensmäßig im Zustand von Jungtieren.

Für diese Subdominanten Tiere geht es um den Verbleib im Rudel, eine Entscheidung über Leben oder Tod. Erst wenn die Alphatiere sterben, wird die Rangordnung neu ausgemacht.

(Der Wolf, Verhalten, Ökologie, Mythos von Erik Zimen)

Die biologisch-dynamischen Richtlinien zur Zucht und Haltung von Tieren empfiehlt die natürliche Fortpflanzung nicht ohne Grund. Für unseren kleinen Rassebestand ist sie besonders wichtig und kann über den nachhaltigen Fortbestand der Rasse überlebenswichtig sein.

Führen wir uns nochmals folgende These vor Augen: „Die natürliche Selektion sei die wichtigste Triebkraft für die Evolution aller Lebewesen und das Überleben des Stärkeren gilt als Naturprinzip der Lebensentwicklung“

Unsere Züchtergemeinschaft ist sich dieser Verantwortung bewusst. Die Gründungszüchter haben die natürliche Verpaarung zu einem der wichtigsten Selektionsziele gemacht. Das heißt im Klartext: Kommt der natürliche Deckakt nicht zustande, wird soweit es geht von Manipulationen Abstand genommen.

Es wird einen Grund geben, warum die Hündin diesen ausgewählten Rüden nicht als Paarungspartner akzeptiert.

Ein weiterer sehr verbreiteter Eingriff in die natürliche Selektion in der Rassehundezucht ist die Reglementierung des Zuchtalters der Hunde. Obwohl man wissen sollte, dass gerade die sexuelle Leistungsfähigkeit der Tiere durch Erfahrung im Laufe der Jahre zunimmt (siehe Beispiel des Laubenvogels „G.P.“), beendet man diese, weil die Hunde ein vom Menschen festgelegtes „Endalter“ erreicht haben. Eine Zuchterlaubnis „auf Lebenszeit“ bekommt man nur in wenigen Ausnahmefällen. Also fassen wir mal zusammen:

Die Hündinnen bekommen keine Chance, ihren Paarungspartner nach ihrem arteigenem Auswahlverfahren auszusuchen Die Hündinnen bekommen keine Chance, den geeignetsten Decktermin selbst zu bestimmen Hündinnen und Rüden bekommen von uns Menschen einen Zeitrahmen geschaffen, in welchem sie zur Zucht tauglich sind und für Nachkommen zu sorgen haben.

Das ist völlig gegen die Gesetzmäßigkeiten der Natur und in der Praxis zeigt sich das auch.

Junge Rüden haben einen riesigen Respekt vor älteren Hündinnen. Oft trauen sie sich nicht mal richtig am Hinterteil zu schnüffeln. Werden sie dabei noch böse attackiert, geben sie frustriert auf und die Reflexe werden unterbrochen.

Wolfspaar

Der Rüde wirbt nicht mehr, die Hündin bespielt ihn nicht, sie laufen nebeneinander her und sind nicht mehr aneinander interessiert. Sehr frustrierend für einen Züchter.

Da hilft nur Geduld und Einsicht. Man muss der Hündin die Gelegenheit verschaffen, ihr arteigenes Paarungsverhalten an einem weiteren oder auch an mehreren Rüden auszuprobieren.

Das bedeutet für den Züchter Fahrten zu mehreren Rüden in Kauf zu nehmen und das mehrmals während der Läufigkeitsperiode.

Nur das entspricht einer naturgemäßen Zucht und verspricht auf lange Sicht Erfolg. Natürlich gibt es Hündinnen, die akzeptieren jeden Rüden und lassen sich von jedem auf natürliche Weise decken. Das ist der Idealfall, bei unseren PONs auch noch sehr verbreitet.

Aber dennoch müssen auch wir darauf achten, dass dieses Verhalten an die nächste Generation weitergegeben wird und das ist nur möglich, wenn wir Abstand nehmen von jeglicher Manipulation beim Deckakt.

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