Rang- und Rudelordnung

Rang- und Rudelordnung, ein weit unterschätzter PON-Erziehungsanspruch

Es war einmal ein PON-Rüde, der kam als aufgeweckter, fröhlicher Hund zu seinen neuen Besitzern. Wir wollen ihn Donald nennen.

Diese Geschichte ist wahr, trug sich genau so vor einigen Jahren zu. Den Namen habe ich geändert, obwohl Donald wahrscheinlich schon längst im Hundehimmel ist, wollen wir doch seine wahre Identität bewahren.

rangordnung im hunderudel

Donald wuchs mit drei anderen Geschwistern ganz normal auf. An ihm war nichts auffälliges. Er kam zu einem jungen Ehepaar, berufstätig, ohne Kinder. Die beiden versicherten der Züchterin, dass sie sich sehr wohl im klaren darüber wären, dass der junge Hund Erziehung, soziale Kontakte und ein abwechslungsreiches Leben benötigt.

Das wäre kein Problem, da beide Schichtdienst arbeiteten und immer einer für Donald da wäre. Abwechselnd zwar, aber er wäre nicht länger als zwei- vier Stunden alleine. Die Züchterin ließ sich überzeugen, vertraute den Aussagen der Leute. Donald zog in eine Etagenwohnung in einer ländlichen Gemeinde.

Am Anfang lief auch alles bestens. Der junge Hund hatte ja auch noch genügend zu lernen.

Neue Gerüche, neue Eindrücke, neue Umgebung. Er blieb ein unauffälliger Hund. Dann kam die Pubertät, danach die Rang- und Rudelordnungsphase, bekannt als Rüpelphase im Alter zwischen 18-24 Monate. Der Rüde begann aufzumucken. Auch war ihm langweilig. Er kannte inzwischen alles in- und auswendig.

Die Etagenwohnung bot ihm keine Ausblicke, auch war er zu oft alleine. Die schnellen Spaziergänge vor und nach der Arbeit waren diesem jungen, kräftigen PON-Rüden zu wenig abwechslungsreich. Auch hätte er gerne sein Rudel zusammen gehabt. So wie an den Wochenenden. Denn da sah alles ganz anders aus.

Am Wochenende hatte man Zeit für ihn. Endlich, endlich war das Rudel zusammen und es wurde viel gemeinsam unternommen und gespielt. Der Rüde stand zwei Tage im Mittelpunkt, forderte er mit Spielzeug Aufmerksamkeit, bekam er sie. Wollte er gestreichelt werden, wurde ausgiebig mit ihm geschmust.

Mit anderen Hunden verstand er sich schon nicht mehr so gut. Fremde Rüden wurden angekläfft, bald kam es zu den ersten Raufereien, die nicht sofort unterbunden wurden.

Er fand daran seine Freude und lebte seine Kraft und Unterforderung an seinen Artgenossen aus. Bald konnte man ihn nicht mehr frei laufen lassen, weil er andere Hunde verprügelte. Seinen Haltern war das zwar unangenehm, sie wussten sich aber nicht zu helfen.

Donald entwickelte sich zum üblen Rüdenschläger und war bald ein unbeliebter Weggenosse. Also blieb man den fremden Hunden fern und zog sich alleine in den Wald zurück. Eine Spirale der Isolation begann sich zu drehen.

Man versuchte es mit einer Hundeschule.

  • Donald ließ sich nicht einordnen.
  • Er spielte an der Leine völlig verrückt, ließ man ihn los, stürzte er sich wahllos auf andere Rüden.
  • Die Ausbilder bescheinigten den Besitzern einen aggressiv-dominanten Rüden, der nicht erziehbar wäre.
  • Er bekam Platzverbot, weil andere Besitzer sich beschwerten. Sein Verhalten wurde natürlich nicht besser.

Andere Ausbildungsplätze wurden erprobt. Das Ergebnis war immer dasselbe.

Donald flog nach kurzer Zeit vom Platz. Bald darauf hatte er fast keinen Kontakt mehr mit anderen Hunden. Im Umgang mit seinen Besitzern zeigte er keine Probleme, sie gingen ja auch auf ihn ein. Trotzdem wurde der Hund zur Belastung.

Jeder Spaziergang war ein Horror geworden.

Man musste ja immer damit rechnen, dass plötzlich ein anderer Hund um die Ecke kam und es war Donald zu diesem Zeitpunkt auch egal, ob Rüde oder Hündin. Alles was vier Beine hatte, wurde angegriffen und in einem Kampf zu Boden geworfen. Keiner hielt ihn mehr davon ab, seine Leute hatten inzwischen Angst vor ihrem Hund.

Viel zu spät riefen sie bei der Züchterin an und baten um Rat und Hilfe. Es wurde ein Treffen vereinbart, der Hund wurde zur Beobachtung zurückgebracht. Im heimischen Revier zeigte er dieses Verhalten nicht. Die alten Hündinnen der Züchterin ließen sich das nicht gefallen. Wie durch Zauberhand war alles verschwunden.

Donald integrierte sich problemlos im Rudel, seine Lust zu raufen war wie weggeblasen. Im Haushalt war viel los, Kinder kamen und gingen, er hatte Gesellschaft, wurde aber nicht weiters beachtet.

Eine Vor-Rang-Stellung hatte er nicht mehr. Donald wurde wieder abgeholt. Kurze Zeit darauf, begann alles von neuem. Die Besitzer entschlossen sich schweren Herzens ihn abzugeben. Ich habe das damals aus der Ferne miterlebt und weiß noch, wie schwer ihnen das gefallen ist. Sie liebten ihren Hund, er war auch ein lieber Kerl. Nur, er war von ihnen nicht mehr kontrollierbar.

Für Donald wurde ein neues Zuhause gesucht. Gott sei Dank fand sich bald eine Familie, die bereits einen PON hatten.

Als er starb, wollten sie schnell einen neuen PON in die Familie aufnehmen. Das war Donalds Glück. Die PON-Erfahrung der Familie bewahrte ihn davor, seine Macken erst richtig auszuleben. Zwar hat er in den ersten zwei Wochen nach der Umsiedelung den kleinen Dackel von Freunden mit kleinen Löchern im Ohr nach Hause „apportiert“ (er gab ihn vorher nicht her).

Auf diesen Schreck hin, wurde ein hartes Training für Donald ausgearbeitet. Der Vater in der Familie verfügte als selbständiger Unternehmer genau über die Eigenschaften, die Donald zur Einordnung brauchte:

  • Autorität
  • Führungseigenschaften
  •  klare Zielvorstellungen
  •  und Durchsetzungsvermögen.

Er sagte zu mir: „Ich habe vier Söhne und einen Betrieb mit vielen Mitarbeitern. Da werde ich mir doch von einem Hund nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Donald kann bleiben, aber nur, wenn er mit dem letzten Platz zufrieden ist. In meinem Schwimmbad hat er nichts verloren.“ (Das sind Originalworte)

So kam es dann auch. Donald verlor zwar seine „Alpha-Stellung“, gewann dafür aber eine komplette Familie. Er wurde als Hund ernstgenommen, aber nicht vermenschlicht. Donald war bald damit zufrieden und wurde ein ganz toller Hund.

Als ich das letzte Mal mit der Familie Kontakt hatte, war er 10 Jahre alt. Inzwischen waren die ersten Enkelkinder im Haus.

Auf die Frage, wie es ihm geht, bekam ich zur Antwort: “ Wir hatten noch nie einen so zuverlässigen Hund. Mit den Enkelkindern ist er einfach sensationell. Auch ist er ein guter Wachhund. Aufs Grundstück kommt keiner unbemerkt.

Auch traut sich keiner an ihm vorbei, seine Familie geht ihm über alles. Es ist ein gutes Gefühl, ihn um sich zu haben.“

Ende gut alles gut. Übrigens ist Donald noch ein erfolgreicher Deckrüde geworden.

Er steht in vielen Ahnentafeln, natürlich unter seinem richtigen Namen.

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