Menschliche Psyche und tierisches Wohlbefinden

Wenn man ein Tier in die Familie aufnimmt, wird es oft nicht mehr als „nur ein Tier“ betrachtet. Statt dessen wird es zu einer eigenständigen Persönlichkeit, das Tier bekommt einen -oft menschlichen- Namen, es wird zu Charly, Cimba oder Bobby.

Plötzlich ändert sich auch die eigene Einstellung zum Tier selbst. Es ist kein artfremdes Lebewesen mehr, sondern wird zum Freund, Begleiter und Lebens-Gefährte also zu einem einzigartigen Individuum. Aus dieser Gemeinschaft erwächst eine merkwürdige und wunderbare Art der Kommunikation.

Tiere, insbesondere Haustiere und vor allem unsere Hunde sind hochsensible Lebewesen , die sich bis zur Selbstaufgabe auf ihre menschlichen Begleiter einstellen können. Leider ist das nicht immer zum Wohle des Tieres selbst, bekommt es doch mit seinen feinen Antennen auch den psychischen „Hausmüll“ seiner Zweibeiner mit.

© CallallooAlexis - Fotolia.com
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Ich habe schon immer geglaubt, dass Tiere und Menschen eine telepathische Empfänglichkeit füreinander entwickeln können und habe diesen Glauben in meiner Praxis bestätigt bekommen. Oft ist die Auffälligkeit dieses Phänomens so groß, dass es einfach nicht mehr als „zufällig“ abgetan werden kann.

Im Laufe der Zeit bin ich dazu übergegangen, bei besonders hartnäckigen und chronischen Erkrankungen ein Gespräch mit den Besitzern zu führen und sie über ihren Umgang mit dem Tier, ihren täglichen Sorgen und über ihren eigenen Gesundheitszustand zu befragen. Es ergaben sich erstaunliche Zusammenhänge.

Aus diesen vielen Informationsquellen entwickelte sich eine Art Fragebogen:

  • Ähnelt das gesundheitliche Problem meines Tieres einem, das ich selbst habe oder hatte?
  • Derselbe Körperbereich, oft an der gleichen Seite – links oder rechts?
  • Habe ich mir jemals Sorgen gemacht, dass mein Tier genau das Problem bekommen könnte, dass es jetzt tatsächlich hat?
  • Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen meinem Tier und mir?
  • Warum habe ich gerade diese Rasse gewählt?
  • Scheint mein Tier besonders erregt zu sein, wenn es emotionale Spannungen oder Konflikte im Haus gibt?
  • Wie reagiert es auf Psycho-sozialen Stress?
  • Welche Bilder, Sorgen oder Einstellungen gehen mir im Hinblick auf die Krankheit meines Tieres durch den Kopf?
  • Welche „Botschaften“ könnte ich ihm senden?
  • Was war los, bevor das Tier die ersten Symptome zeigte?
  • Hat sich der Haushalt vergrößert oder verkleinert, hat jemand angefangen zu arbeiten oder ist längere Zeit abwesend?Wird dem Tier vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, positiv oder negativ, wenn es Krankheitssymptome zeigt?
  • Wie wird mit dem kranken Tier umgegangen?
  • Wird es ausgiebig gepflegt und die Erkrankung wird zum Mittelpunkt vieler Hilfeleistungen der gesamten Familie?

Die Antworten auf diese Fragen verhalfen oft zum besseren Verständnis des gesundheitlichen Problems.

Bei unseren Tieren kommen nämlich die vielfältigsten „Botschaften“ der vertrauten Personen an.

Sie nehmen nicht so sehr das auf, was wir sagen, sondern vielmehr das, was wir im Inneren fühlen und uns vorstellen. Fast kann man von geistigen Bildern sprechen, die wir auf unsere Tiere projizieren.

Wenn Sie daran denken, dass zwischen dem Besitzer und seinem Tier tiefe emotionale Bindungen bestehen, können diese geistigen Bilder eine ungeheure Wirkung auf das Tier haben, eine Wirkung, die möglicherweise die vorher beschriebenen „merkwürdigen“ Zufälle im Krankheitsverhalten von Mensch und Tier teilweise erklärt.

Wenn Sie noch nie daran gedacht haben, dass Tiere durch Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen ihrer Besitzer krank werden könnten, erscheint Ihnen diese Vorstellung wahrscheinlich ziemlich abwegig. Aber die Fälle in der Praxis sind oft zu augenfällig.

Hier ein paar Beispiele:

Unter starkem Juckreiz leidende Hunde haben in der Familie in der sie leben, oft ein Mitglied mit Neurodermitis oder Allergien. Ich habe aber auch Fälle erlebt, in denen sich die Besitzer Sorgen darüber gemacht haben, dass ihr Tier eine bestimmte Krankheit bekommen würde und alles mögliche unternahmen, das zu verhindern.

Weil z.B. der Vorgänger des Tieres an einer bestimmten Krankheit verstarb und man große Sorge hatte, das nochmals zu durchleben. Dann fragt man sich verzagt, warum man „wieder“ ein Tier mit einer Nierenerkrankung hat.

Warum ist die Bindung zwischen Mensch und Tier so stark, dass sogar der körperliche oder emotionale Gesundheitszustand der menschlichen Gefährten reflektiert wird? Warum übernimmt ein Tier vorurteilslos die Informationen der Besitzer?

Betrachten wir es einfach mal aus dem Gesichtspunkt des Tieres. Stellen Sie sich einen Augenblick vor, sie wären Ihr Tier: „Hier bin ich, meine ganze Welt besteht aus dieser Familie und möglicherweise noch ein paar Kindern, Hunden und Katzen auf der Straße.

Diese Familie gibt mir all mein Futter und all meinen Schutz. Ich bin völlig von ihr abhängig. Sie überschütten mich mit Zuneigung und in der Regel mag ich das. Manchmal ignorieren sie mich und ich kenne den Grund dafür nicht.

Aber das macht mich besorgt. Was wäre, wenn ich sie alle zusammen verlieren würde? Ich bin auf ein Rudel angewiesen, denn es bedeutet für mich Schutz und sichere Ernährung.“

Unsere Haustiere empfinden also nicht anders, als jeder unselbständige Nachwuchs. Sie erkennen die Quellen ihrer Sicherheit, bleiben bei ihr, gehorchen, eifern nach und entwickeln eine feste Beziehung.

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