Die Qual der Wahl

Jeder Züchter steht im Verlauf der Jahre immer wieder vor der Frage: „Welchem Bewerber um meine Welpen gebe ich einen meiner sorgsam umhüteten und gezüchteten Welpen?“

Und jeder angehende Käufer steht vor der Frage: „Bei welchem Züchter kaufe ich nun meinen Wunschhund?“

Auf beiden Seiten ist Vertrauen und Aufrichtigkeit die Grundvoraussetzung für den Kauf bzw. Verkauf des Welpen.

So wie der Züchter sich auf die Aussagen und Versprechungen des Käufers verlassen muß (ohne sie nachprüfen zu können oder gar eine Garantie dafür zu bekommen), so muß sich auch ein Käufer auf die Aussagen und Sachkenntnis des Züchters verlassen können.

Leider habe ich in den letzten Jahren beobachten müssen, dass sich dieses Gleichgewicht zu Gunsten der Käufer verschoben hat.

Sally Wallis - Fotolia.com
Sally Wallis – Fotolia.com

Leider mußte ich feststellen, daß ein Käufer heutzutage sehr viele Erwartungen hat und die berechtigten Erwartungen eines Züchters nach artgerechter Haltung seiner Welpen nicht im gleichen Maße erfüllen will.

Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht und mich gefragt, was wohl die Ursache dafür sein könnte.

Ich kam zu folgenden Schlüssen:

  • Der Hund wird als Sache betrachtet und nicht als soziales Lebewesen
  • Trotz gut gemeinter Aufklärung in Hundefachzeitschriften und Büchern, verwirren zu viele Berichte über „Hundeanschaffung“ die Welpeninteressenten mehr, als daß sie zur Klärung beitragen. Man sieht vor lauter Bäumen (Berichten) den Wald nicht mehr.
  • In unserer Konsumgesellschaft wird mehr auf Prestige/ Aussehen geachtet als auf Qualität, d.h., nur das Tollste, Schönste, Spektakulärste ist das Beste. Hier nähern wir uns, was die Rassehundezucht anbelangt, amerikanischen Verhältnissen.
  • Ein Hundezüchter hat nach wie vor ein schlechtes Image, vergleichbar dem eines Gebrauchtwagenhändlers.
  • Seriöse Züchter müssen ihre Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen, ein Käufer aber nicht?
  • Nicht jeder Hundezüchter ist ein potentieller Betrüger.
  • Es gibt, wie in allen Sparten und Bereichen, gute und weniger gute und es gibt die schwarzen Schafe.

Ich kann daher nur allen Welpenkäufern raten: „Besuchen Sie einen Züchter oder besser auch mehrere. Besuchen Sie ihn, wenn er keine Welpen hat und schauen Sie sich die erwachsenen Hunde an. So wie diese wird nämlich Ihr Hund aussehen, wenn er ausgewachsen ist.

Dann müssen Sie auch nicht das Gefühl haben, daß Sie zu einem Spontankauf überredet werden. Bleiben Sie mit dem Züchter Ihres Vertrauens in Kontakt und warten auf dessen nächsten Wurf. Somit haben Sie Zeit, sich auf Ihr zukünftiges Familienmitglied vorzubereiten.

Wer 12 bis 15 Jahre mit einem Hund zusammenleben will, sollte es auf ein paar Wochen oder Monate Wartezeit nicht ankommen lassen. Hunde sind keine Sache, sie sind soziale Lebewesen, die an ihrer Umwelt lernen und wachsen.

Für dieses Lebewesen muß man bereit sein Verantwortung zu tragen, in guten und in schlechten Tagen. Ein Züchter kann nur den Grundstein dafür legen, mehr ist in neun Wochen Aufzucht und Prägung nicht möglich.

© fotowebbox - Fotolia.com
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Was aus einem Hund später mal wird, wie aufgeschlossen und freundlich er auf Menschen und Artgenossen zugeht, das lernt er in der Familie, in die er aufgenommen wird.

Und eines noch zum Schluß: Machen Sie Ihren Hundekauf nicht zu sehr vom Aussehen eines Welpen abhängig! Zum einen ändert sich das Aussehen eines jungen Hundes von Monat zu Monat und zum Schluß gleicht er nicht mehr im geringsten dem Wonneproppen in der Wurfkiste.

Zweitens ist schön, was man mit dem Herzen sieht und hat man den Hund erst mal ins Herz geschlossen, interessieren einem seine Farben nicht mehr, geschweige diejenigen seiner Wurfgeschwister.

Machen Sie sich also nicht die Wahl zur Qual!

Vertrauen Sie Ihrem Züchter und hören Sie auf seine Empfehlung. Ein guter Züchter versucht es Ihnen und seinen Hunden recht zu machen, damit das gemeinsame Zusammenleben für beide zur Freude und zum Vorteil wird.

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