Umgang mit Hunden

Der Hund ist mit Abstand das älteste Haustier (15 000 Jahre), und damit das dem Menschen angepaßteste. Und doch haben wir immer noch Schwierigkeiten mit dem Hund – oder immer größere.

Wenn ein Mensch behauptet, er sei Naturfreund, so ist das oft nur ein Lippenbekenntnis. Am Umgang mit den Natursubjekten zeigt es sich. Da stoßen Egoisten aufeinander. Das Tier handelt aus Selbsterhaltung.

Wir haben uns leider von natürlichen Verhaltensweisen entfernt, deshalb ist auch unser Einfühlungsvermögen in andere Lebewesen verkümmert. Es muß wieder erwähnt werden, daß Tiere keine Spielzeuge sind, schon gar kein Ersatz für mangelnde Liebe oder Beschäftigung, von Aggressions-Ersatz ganz zu schweigen. Man kann mit ihnen spielen, wenn es zu beiderseitigem Vorteil ist.

Auch ein Hund bleibt „dumm“, wenn er nichts lernen darf. Sinnvoll beschäftigte Hunde sind ausgeglichen und bleiben gesund. Und ein beschäftigter Hund hält uns gesund. Es ist also eine Beziehung auf Gegenseitigkeit. Wir müssen also lernen, wieder hundelogisch zu denken und zu handeln.

Wir müssen erst wieder den Auslöser von Verhaltensweisen finden, bevor wir ihn „betätigen“ können. Eine ausführliche Beschreibung, wie man einen Hund „liest“ folgt in einem späteren Kapitel.

Schon im Welpenalter lernt der Hund Unsitten von uns, die wir gut gemeint aber schlecht getan haben: 

Verfolgungsspiele sollte man den Welpen selbst überlassen. Denn der Hund lernt dadurch, von seinem Boss zu flüchten. Das Herkommen wird unnötig erschwert, wenn nicht gar verhindert. Wie soll der Hund unterscheiden, was ernst ist und was nicht?

© Halfpoint - Fotolia.com
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Der Hundehalter und seine Familie sind dem Hund immer übergeordnet.

Denn so versteht es der Hund von klein auf, wie es ihn im Idealfall seine Hundeeltern gezeigt haben. Darf der Welpe alles, weil er ja so süß ist, übernimmt er biologisch bald die Rudelherrschaft. Und da sind wir mitten in den Schwierigkeiten.

Wie soll er unterscheiden, ob das Spiel eine Verfolgung oder Fangen bedeutet? Ein erwachsener Hund wird dies nur als Unterordnen von Welpen oder anderen Unterlegenen verstehen.

Der Hund fängt seine Beute; nicht, weil es ein Ball ist, sondern Beute in der Form eines Balls. Manche machen nun den anschließenden Fehler, daß ihnen das Wegwerfen genügt. Der Hund wird beim Spiel alleingelassen. Mitspielen heißt aber, den Hund wieder aufzufordern, zum Beispiel die Beute wiederzubringen, daß man das Spiel weitertreiben kann. Das ist Motivation.

© olly k - Fotolia.com
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Ein weiterer Fehler wird darin gemacht, daß man die Beute, kaum, daß sie der Hund gefangen hat, wieder „stiehlt“, Macht ausübt, ihn schon hier unterdrückt, und dem Hund keine Chance läßt, einen Erfolg seines Beutefangens zu registrieren.

Er fühlt sich um die Beute betrogen. Fortan wird er also das Weite suchen, um die Beute zu sichern. Also läßt man dem Hund das Gefühl des Siegers (man macht ihn damit selbstbewußt, und er zeigt es mit allen Körperteilen), erst dann wird er bereit sein, die Beute „freiwillig“, auf Geheiß freizugeben.

Dieses Auslassen bedeutet für ihn, daß er dem Rudelführer etwas Wichtiges abgibt. Das direkte Verständnis für solch biologisches Verhalten erklärt sich aus dem Eigen-Vergleich:

  • Lassen Sie sich gern die Butter vom Brot nehmen?
  • Möchten Sie, daß Ihnen jetzt der Computer einfach weggenommen wird, damit ein anderer damit spielt?
  • Sehen Sie es gern, wenn Ihre Schwester mal eben das Strickzeug, die Bluse, die Zeitschrift wegnimmt, um selber dies zu tun?
  • Eben drum. Seien Sie also kein Spielverderber, sondern ein Spielleiter. Sie beginnen ein Spiel, und Sie beenden es.

Der Hund wird es durch erhöhte Aufmerksamkeit danken. Er soll die Spielregeln kennenlernen und wird gern mitspielen. Das, was dieses Reizvolle auslöst, nennen die Verhaltensforscher Auslöse-Mechanismus (AM). Den AM unterscheidet man noch nach angeborenem AM und nach durch Erfahrung ergänztem angeborenem AM oder erworbenem AM.

Weitere Begriffserklärungen folgen am Schluß dieses Kapitels als „Reizvolle Erklärungen „

Auf diesen Mechanismen beruht die ganze Ausbildungstechnik. Den erworbenen Mechanismus verknüpfen Hunde nach einiger Lehrzeit, wenn man bestimmte Vorbereitungen zum gemeinsamen Spaziergang trifft. Seine erworbene Gewohnheit geht in Enttäuschung über, wenn man ohne ihn geht: zum Beispiel, wenn es für ihn im Auto zu heiß wäre. Er überbrückt die Trennungsangst mit dem Vertrauen, daß man bisher immer wiedergekommen ist.

Welches ausgeprägt soziale Wesen, wie es der Hund nun mal ist, bleibt schon gern allein?

Unsere Lebensumstände erfordern es aber, auch ohne Hund – oft ist es auch für ihn artgerechter – unterwegs zu sein. Doch zu dieser Alleinbleib-Technik muß man den Hund von klein auf gewöhnen. Es ist offensichtlich eine Kunst, den Hund erträglich allein zu lassen.

Der Hund muß erst lernen – die Technik folgt im entsprechenden Kapitel – auch ein paar Stunden allein bleiben zu können, ohne die ganze Nachbarschaft auf sein Schicksal aufmerksam zu machen. Und mit „ein paar“ meine ich nicht acht Stunden!

Vor dem zeitweiligen Verlassen organisiert man sich so, daß man mit dem Hund ausgiebig spielt, daß er sich nicht unter Ihrem (unorganisierten) Streß austoben muß, daß er sich dabei entleeren kann. Dann ist er ausgeglichen und müde genug, um die paar Stunden allein zu verbringen, muß sich nicht ersatzweise an Turnschuhen und Sitzkissen austoben.

Und wenn Sie wiederkommen, belohnen Sie ihn. Es sei denn, er klagte die ganze Zeit, was Sie mir Sicherheit sogleich von Ihren aufmerksamen Nachbarn erfahren werden. Und wenn Sie dann die Ausrede draufhaben: „Ich hatte es eilig“ oder „ich habe keine Zeit“, dann organisieren Sie im ersten Fall Ihre Zeit oder verzichten Sie auf lieber einen Hund. Denn Streß ist oft hausgemacht.

Eine der größten Schwierigkeiten bereitet in engen Gesellschaften die Rangeinordnung beziehungsweise die Gesellschaftsverträglichkeit unter Hunden.

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Große Rudel – ob Hundegesellschaft oder Großfamilien – ordnen sich meist nach strengen wie deutlichen biologischen Gesetzen.

Da werden Rangkämpfe ausgetragen und damit geordnet. Bei Einzelhaltung, meist noch in Single-Haushalten, muß der ständige Kontakt zu anderen Rudel gesucht werden. Aber es ist und bleibt ein fremdes Rudel. Sehr führungsstarke Hunde werden in solchen Kleinstgesellschaften herangebildet. Sie haben oft – wenn überhaupt – nur ein Mitglied über sich.

Alles andere ist fremd und wird – je nach Hundetyp – untergeordnet.

Oder es entstehen Ernstkämpfe, weil diese ständige Korrektur innerhalb eines allgegenwärtigen Rudels fehlt. Kommt dann noch eine falsche oder fehlende Ausbildung durch den Halter dazu, ordnet sich der Einzelhund halt selbst. Es ist wie bei menschlichen Großfamilien: Mehrere Kinder ordnen (erziehen) sich oft selbst. Einzelkinder haben es da schwerer.

Die Massengesellschaft macht es dem gebürtigen Gesellschaftstier Hund schwer, weil er – typisch für die Verstädterung – am sozialen Kontakt oft gehindert wird.

Der Leinenzwang entsteht vor der Verwaltungsordnung im Kopf des Halters. Er möchte keinerlei Schwierigkeiten, will seinen Hund vor Unbill bis Unwetter schützen. Käseglocken-Prinzip oder „Goldener Käfig“ verhindern die Befähigung zur Gesellschaft. Die Gartenzaun-Mentalität gerade in engen Gesellschaften wie der mitteleuropäischen verhindert eine biologische Ordnung. Menschliche Kontaktarmut oder -angst erzeugt ebensolche Hunde.

Die sozial verarmte Gesellschaft erzeugt auch Ängste. Also soll der Hund schützen. Wie sonst ist das Bevorzugen von wehrhaften Hunden (Rottweiler, Dobermann, Schäferhunde etc.) erklärlich? Das Rühr-mich-ja-nicht-an-Verhalten überträgt sich auf den Hund.

Ich kann Frauen verstehen, die sich in Begleitung eines wirklich wehrhaften Hundes sicherer in der Stadt bewegen. Praktiker wissen, wer wirklich wehrhaft ist und was nur so tut. Hunde sind also in einer schizophrenen Lage: Sie sollen menschenfreundlich und menschenfeindlich zugleich sein.

Ein grundsätzlich aggressiver Mensch wird also einen Hund heranziehen, der sein Ebenbild auf vier Beinen darstellen – meist eigene Schwächen ausgleichen soll.

Jeder Halter sollte sich einen Hundetyp aussuchen, den er kräftemäßig beherrschen, also wirklich halten kann. Allein deshalb sind Welpenschulen und eine soziale Hundeausbildung so wichtig – für uns und unsere Hunde. Damit wir lernen, wie das Rudeltier Hund mit seinesgleichen umgeht.

Dazu gehört eine Ordnung, wie der Hund sie versteht. Unterordnungswillige Hunde (die Körpergröße spielt dabei keine Rolle) fügen sich auch in einer laschen Struktur leichter, in der Hierarchie (für ihn eine bequeme Anarchie) aufzusteigen, was in geordneten Hundeverhältnissen schwer wäre.

Gefährlich, und dieses Wort schreibe ich nicht ohne Grund, sind Hunde, die unsicher (dominant-aggressiv) sind, körperlich stark, vor allem unterdrückt, aber keinen Meister über sich haben. Sie werden sich bei passender Gelegenheit nach oben „beißen“. Wie im richtigen Managerleben.

Hundeartige sind erfolgreich, weil sie eine Lebensgemeinschaft bilden, die dem Zweck der Versorgung und Arterhaltung dient. Es diktiert ausschließlich der biologische Eigennutz. Diesem Prinzip sind alle Verhaltensweisen zugeordnet. Strenge Hierarchie und gezieltes Jagen sind Elemente des Überlebens und der Anpassungsfähigkeit.

Ich möchte Sie bitten, mir zu helfen, den menschlich eigennützig falschen Begriff „Raubtier“ auszurotten und stattdessen den biologisch korrekten, gerechten Begriff des „Beutegreifers“ zu benützen.

Raub beinhaltet Stehlen. War wir unter Raub verstehen, ist beim Tier überlebenswichtiger Eigennutz und kein Eigentumsdelikt. Haushunde „stehlen“ auch nicht, was wir ihnen mit unseren allzu menschlichen Vorstellungen unterjubeln. Sie nehmen sich nur, was sie kriegen können.

Dem Hund ist der schön dekorierte Tisch sch***egal, aber nicht der Speck oder das (sündhaft teure) Filet. Den Hund interessiert der materielle Wert des Beutestücks nicht. Wenn wir ihn aus unseren eigentumsrechtlichen Gründen strafen und des Raubes oder Klauens bezichtigen, stößt das auf sein Unverständnis.

Wir können und müssen ihn dennoch darin korrigieren, daß dies die Beute seines Bosses respektive seiner Übergeordneten ist. Und das versteht er, weil es hier um die Rangordnung beim Beutefassen oder/und Fressen geht.

Beim „Strafen“ machen die meisten Hundebesitzer die gröbsten Fehler. Mittelalterlich Denkende tunken den Hund in die eben gemachte Pfütze oder in Dickeres. Der Hund weiß nicht, warum er so bestraft wird. Wer zu spät straft, wird mit Unverständnis bestraft.

Das Verbot muß schon im Ansatz der Untat geschehen. Dann verknüpft der Hund das Verbotszeichen (am besten ein geknurrtes „Nnnnein!“) mit der Untat – nach drei, vier, fünf weiteren mehr oder weniger intelligenten Versuchen.

Manche schütteln den Hund am Genick. Dies ist ein fataler Irrtum. Denn Hunde schütteln nur ihre Beute (oder Spielzeug als Beute-Ersatz) – mitunter zu Tode. Wollte man das mit dem Hund tun? Hat man schon Hunde sich schlagen sehen? Eben. Zu den Lerntechniken (darunter auch Verbote) kommen wir in einer späteren Folge.

Das Geheimnis der Erziehung heißt Geduld, Konsequenz und hundeverständliche Einwirkung. Am wirksamsten ist es, Hunde so zu „strafen“, wie sie es untereinander tun, wenn sie natürlich geprägt sind: durch Nichtbeachten.

Weist man ihm seinen Rang zu, scheint auch ein dominanter Hund einen zufriedenen, weil ordentlichen Respekt zu erweisen. Gesellschafts-Lebewesen (Rudel, Herde, Gruppe) brauchen vor allem Einordnung, gegebenenfalls Unterordnung. Der Hund ist ein rigoros biologischer Ordnungsfanatiker.

Mit solch strengen biologischen Regeln haben wir aber gehörige Schwierigkeiten. Autorität überzeugt, nicht aber autoritäres Machtgehabe. Eine Regel steht über allen: Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund.

Reizvolle Erklärungen

Auslöse-Mechanismen, Reize, Reaktionen

Wie wollen wir unseren Hunden etwas beibringen, wenn wir nicht wissen, was ihnen angeboren ist, wie sie lernen, wie sie agieren und reagieren? Und warum sie das tun. Hier sind eine Reihe elementarer Verhaltensbegriffe erklärt, die das Lernen mit Tieren erst ermöglichen. Wer versteht, macht es sich und dem Hund leichter.

Fachjargon wird gern zitiert, nicht immer korrekt oder gar verständlich, meist aber pauschaliert. Ich zitiere bei einigen Stichworten Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt aus seinem Standardwerk „Grundriß der vergleichenden Verhaltensforschung“. Die Erklärungen sind kurzgefaßt.

Angeborener Auslöse-Mechanismus (AAM):

Man kann dies auch als angeborenes Erkennen oder Instinkthandlungen bezeichnen. Es ist die Vorstellung von einer dauernd auflaufenden zentralen Erregungsproduktion, die durch zuständige Stellen dauernd in Schranken gehalten wird.

Diese Hemmungen müssen im biologisch richtigen Augenblick beseitigt werden. Beispiel: Der Suchautomatismus eines Säuglings oder Welpen – ein rhythmisches Kopfpendeln beim Brustsuchen – wird dann gehemmt, wenn das Kind oder der Welpe mit dem Mund die Brustwarze berührt.

Schlüsselreize:

Dieser nervengesteuerte AAM gibt den zentralen Impulsen erst beim Eintreffen bestimmter Reize die Bahnen zu den Erfolgsorganen frei. Diese Schlüsselreize sind oft einfach: Man ermittelt sie durch Attrappenversuche an unerfahrenen Tieren.

Die AAM, die unkontrolliert auf einfachste Reize ansprechen, können durch individuelle Erfahrung (über das Auswählen) gewinnen. Beispiel: Ein Welpe, der zunächst wahllos nach bewegten Objekten schnappt, lernt durch Verbotszeichen, Ungenießbares zu vermeiden.

Erworbener Auslöse-Mechanismus (EAM):

Der Welpe erwirbt durch Lernprozesse zu seinem angeborenen AM Erfahrung. Hat er einmal eine schlechte wie eben beschrieben gemacht, meidet er so lange durch weitere Versuche, bis er begreift.

Angeborener Antriebs-Mechanismus:

Im Zusammenspiel mit den angeborenen und erworbenen AM bewirkt er, daß Organismen spontan aktiv werden, vereinfacht „Trieb“ genannt. Das Tier reagiert auf einen Reiz.

Bedingte und unbedingte Reize:

Von allen verschiedenen Sinnesreizen, die ein Tier wahrnehmen kann, lösen nur relativ wenige angeborene Reaktionen aus. Bei einem Hund aktivieren zuerst nur jene Reize einen Speichelfluß, die von einem Futterbrocken kommen. Ein entsprechend angelernter Hund zeigt diese Reaktion zuletzt auch auf ein anderes Signal (Hör- oder Sichtzeichen) allein.

Dabei müssen wir zwischen wahrgenommenen und auslösenden Reizen unterscheiden. Die ersten sind von den Sinnesorganen her bestimmt (bedingt), die unbedingten (auslösenden) sind erforschbar. Es gibt auch Reizkombinationen, worin Menschen sehr geschickt sind. Hund weniger.

Sie bevorzugen ihre Sinnesleistungen, und dabei oft getrennt voneinander entweder Geruch oder Gesicht. Spürtalentierte Hunde fixieren sich auf ihre Geruchsleistung, auf Gesicht arbeitende wie zum Beispiel Windhunde aktivieren eher ihre auf Bewegung koordinierten Augen. Darauf muß im Unterricht mit Hunden Rücksicht genommen werden.

Reizschwelle:

Diese Schwelle ist der kritische Zeitpunkt für das „Losbrechmoment“ eines Lebewesens. Vielfach ist von niedriger oder hoher Reizschwelle die Rede. Damit ist nicht die Stärke, sondern die Zeit bis zum Anschwellen gemeint, an dem ein Tier reagiert: je nach individueller psychischer und physischer Gesundheit, Temperament, Veranlagung und Aufgabenschulung heftig, verzögert träge oder kaum merklich.

Dieses Schlagwort ist nicht pauschal anzuwenden und vor allem keine meßbare, also fixe Formel, sondern eine höchst variable. Sie ist durch züchterische Selektion und Prägung stark zu beeinflussen, negativ wie positiv.

Eine niedrige Schwelle bedeutet: es bedarf nur weniger Reize innerhalb kurzer Zeit, bis der Hund reagiert. Eine hohe Schwelle meint: es vergeht mehr Zeit und braucht starker Reize, bis der Hund reagiert. Es muß nicht ein einzelner Reiz sein, der die Reaktion auslöst; es können mehrere (Umgebungs-)Reize zusammenwirken.

Appetenz-Verhalten:

Das ist die Tendenz, die sich auf das Erreichen eines Zieles richtet: ein Bedürfnis. Beispiel: Ein Hund, der „Appetit“ nach dem Jagen und Beutemachen bekommt, strebt danach, durch Totschütteln und Zerbeißen einer natürlichen oder Ersatzbeute (Gegenstände) dieses Bedürfnis abzureagieren.

Angeborene Lerndispositionen:

Nicht jedes Tier lernt alles zu jeder Zeit gleich gut. Das Lernen ist vielmehr programmiert: durch angeborene Lernbegabung oder empfindliche Zeitspannen, in denen aus Erfahrung etwas ganz Bestimmtes bevorzugt wird (positive Erfahrung).

Erbkoordination:

Im Verhaltens-Vorrat eines Lebewesens trifft man auf wiedererkennbare (formkonstante) Bewegungen, die nicht erst gelernt werden müssen. Sie sind – wie körperliche Merkmale – Kennzeichen. Man kann auch von einem angeborenen Können sprechen. Erbkoordination, so sagt schon der Begriff, ist das entscheidende Kriterium der Bewegungsabläufe.

Erfahrung (Lernen):

Lernen ist: erfahren können. Das Anpassen an Umweltsituationen, die sich oft verändern. Den Wert des Lernens begreifen wir empfindlich im Gegenteil: durch Isolation oder Entzug. Nach Erkenntnissen der meisten Vererbungsforscher (Genetiker) besteht der mögliche „Haushalt“ aus Intelligenz und Überlebensfähigkeit zu fast drei Vierteln aus Lernen und nur zu einem Viertel aus Veranlagung (Vererbung).

In der Praxis bedeutet dies für Hunde-Ausbildung: aus einem vielleicht minderbegabten Hund kann man durch bestmögliches Lernangebot und -training noch einen „gescheiten“ Hund machen. Umgekehrt kann ein isolierter oder seiner Umgebung entzogener, hochtalentierter Hund dumm bleiben oder werden.

Prägung:

Die beste Erklärung ist die am Gegenteil: Berühmtes Beispiel einer absichtlichen Fehlprägung sind Konrad Lorenz` Graugänse, die er statt auf Artgenossen zum richtigen Zeitpunkt auf sich geprägt hat. Folge: Sie liefen und flogen ihm nach und nicht ihresgleichen. Prägung ist, wenn die erworbene (vermittelte) Kenntnis auslösender Objekte zeitlebens beibehalten wird. Gerade das Vergessen ist ein wesentliches Merkmal alles Erlernten.

Das Gelernte wird aber nicht nur beibehalten, sondern das Objekt der Prägung wird zeitlebens bevorzugt. Eine Prägung findet immer nur in einer bestimmten empfindsamen Zeitspanne statt. Verstreicht diese Zeit, kann das Tier nicht mehr geprägt werden, höchstens noch korrigiert.

Diese sensible Periode muß nicht unbedingt auf die ersten Lebenstage oder -wochen beschränkt sein. Zeitpunkt und Dauer können je nach Individuum unterschiedlich sein. Bei Hunden zwischen der 5. und 12. Lebenswoche. Man kann auf Objekte (zum Beispiel Lagerplätze) oder Subjekte (verschiedene Lebewesen, zum Beispiel Hunde auf Schafe) prägen.

Konditionierung:

Konditionieren heißt: Das Ausbilden bedingter Reaktionen (Reflexe). Ein unbedingter (angeborener) Reflex wird durch einen natürlichen Reiz ausgelöst (zum Beispiel das Augenschließen bei Gegenwind). Der angeborene Reflex kann jedoch auf einen unwirksamen (zum Beispiel für Hunde neutralen) Reiz übertragen (konditioniert) werden, indem dieser mehrmals mit dem angeborenen Reflex gekoppelt wird.

Beispiel nach dem Pawlowschen Reflex: Kurz bevor man dem Hund ein Leckerle zeigt, klingelt eine Glocke. Nach wiederholten Versuchen läuft ihm schon das Wasser herab, wenn man nur mit der Glocke läutet. Er verknüpft das Läuten mit der Wurst. Das Geheimnis des Belohnungssystems bei der Dressur.