Flow im Hundesport

Haben Sie schon einmal den „perfekten Lauf“ erlebt?

Auf einmal geht alles wie von selbst, Sie wissen einfach, dass Sie es in der Hand haben, Sie sind völlig auf den Lauf konzentriert, nichts stört Sie, Körper und Geist sind eins – ein rauschhafter Zustand.

Alles ist möglich!

Diesen Zustand bezeichnet man als Flow. In diesem Zustand werden Höchstleistungen erbracht. Also wäre es toll, wenn man in jedem Lauf in den Flow kommen würde. Geht das? Passiert Flow nicht einfach?

Wenn SportlerInnen Flow erleben, geschieht es in der Regel ganz zufällig. Einfach deshalb, weil die Bedingungen, die dazu führen, Flow zu erleben, SportlerInnen und TrainerInnen nicht ausreichend erklärt worden sind.

Also können SportlerInnen nur darauf warten, dass sich der Flow einstellt, oder sie versuchen, ihn herbeizuzwingen. Leider führen beide Strategien nur selten zum Ziel.

© Diana Wolfraum - Fotolia.com
© Diana Wolfraum – Fotolia.com

Obwohl natürlich jeder Mensch den Flow-Zustand individuell erlebt, lassen sich doch einige Elemente beschreiben, die den Flow-Zustand begleiten. Schauen wir uns also an, was den Flow ausmacht und was das für uns im Hundesport bedeutet.

Was ist Flow?

Der Flow-Zustand (engl. flow = fließen, rinnen, strömen) bezeichnet das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit: man nimmt nicht mehr wahr, was um einen herum vorgeht, befindet sich in einer Art Schaffensrausch – alles „fließt“ wie von selbst.

Mihaly Csikszentmihalyi hat 1975 das Flow-Erleben beschrieben und ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gebracht. Er untersuchte den Flow-Zustand im Bereich von Risikosportarten. Heute wird der Begriff aber auch auf rein geistige Aktivitäten angewendet.

Grundlegende Elemente von Flow im Sport

  1. Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Können
  2.  Klare Zielsetzung
  3. Eindeutiges Feedback
  4. Handlung und Bewusstsein werden Eins
  5. Konzentration auf die Aufgabe
  6. Gelassenheit und Kontrollgefühl
  7. Befangenheit ablegen
  8. Subjektive Wahrnehmung der Zeit
  9. Autotelisches Erlebnis
  10. Struktur von Flow-Aktivitäten

Flow kann nur eintreten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Gleichgewicht von Herausforderung und Können
  • Klare Zielbestimmung
  • Eindeutiges Feedback

Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Können

Die Anforderung muss so gesetzt werden, dass sie den Menschen zu Höchstleistungen anspornt.

Die Aufgabe darf also nicht zu einfach sein, sonst ist sie langweilig. Wenn allerdings die Handlungsanforderungen die Fähigkeiten des Menschen übersteigen, ist sie überfordert und entwickelt Angst.

Es ist also wichtig, genau das richtige Maß zwischen den Anforderungen der Aufgabe und den eigenen Fähigkeiten zu finden.

„Es sind jedoch nicht die tatsächlich vorhandenen Fertigkeiten, die für die HK-Balance entscheidend sind, sondern wie jemand seine Fertigkeiten in Relation zu den anstehenden Herausforderungen wahrnimmt oder beurteilt. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass das, was Sie glauben, leisten zu können, die Qualität Ihres Erlebnisses stärker beeinflusst als Ihre eigentlichen Fähigkeiten. Wie ein Langstreckenläufer einmal sagte: ‚Ich glaube, das Wichtigste ist wahrscheinlich das Gefühl, dass ich das Zeug habe hier dabei zu sein‘.“

Damit Anforderung und Fähigkeit im Gleichgewicht bleiben, müssen die Anforderungen stetig gesteigert und komplexer werden – denn sonst übersteigen die Fähigkeiten die Anforderung der Aufgabe und es wird wieder langweilig.

© Tom Wang - Fotolia
© Tom Wang – Fotolia

Keine Aktivität kann den Flow Zustand aufrechterhalten, ,,ohne dass Anforderungen und Können komplexer werden, […] um im Flow zu bleiben, muss man die Komplexität der Aktivität ständig erhöhen, indem man neue Fertigkeiten entwickelt und sich entsprechend neue Herausforderungen sucht.“

Klare Zielbestimmung

Die Handlung muss zielgerichtet sein, d.h. es muss klar sein, was ich erreichen will. Das bestimmt was und wie viel getan werden muss, um das Ziel zu erreichen.

Eindeutiges Feedback

Wenn das Ziel der Handlung klar formuliert ist, dann kann auch an jedem Punkt kontrolliert werden, ob ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich erhalte also eine eindeutige und unmittelbare Rückmeldung über den Erfolg oder Misserfolg meiner Handlung.

Was bedeutet das für den Hundesport
  1. Wie viele Punkte erreichen Sie?
  2. Welchen Platz erreichen Sie?
  3. Platzieren Sie sich vor einer bestimmten Konkurrentin?
  4. Laufen Sie eine bestimmte Übung fehlerfrei?
  5. Führen Sie den Wechsel korrekt aus? … ?

D.h. in Wettkämpfen, in denen Sie eigentlich denken, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, überlegen Sie sich ein Ziel, dass Sie fordert. Es muss (noch) nicht der Sieg sein, sondern ein Schritt auf dem Weg zum Sieg…

Und auch auf Wettkämpfen, in denen Sie sich unterfordert fühlen, in denen Sie den Sieg bereits in der Tasche haben, können Sie sich ein individuelles Ziel setzen, so dass Sie der Wettkampf trotz allem fordert und Sie Höchstleistungen bringen.

Ich weiß, das sagt sich sehr einfach. Und es ist auch einfach. Das kann man in kurzer Zeit lernen und so immer häufiger den Flow-Zustand mit den damit verbundenen fantastischen Gefühlen hervorrufen.

Wie Menschen Flow empfinden

Flow wird von jedem Menschen anders wahrgenommen. Die folgenden Elemente können den Flow allerdings begleiten, manchmal alle miteinander oder auch nur einzelne:

  • Handlung und Bewusstsein werden Eins
  • Konzentration auf die Aufgabe
  • Gelassenheit und Kontrollgefühl
  • Subjektive Wahrnehmung der Zeit
  • Befangenheit ablegen
  • Autotelisches Erlebnis

Handlung und Bewusstsein werden Eins

Im Flow verschmelzen Körper und Geist miteinander: es kommt zu einer Verschmelzung von Handeln und Denken. Die Aufgabe wird wie von selbst in einen in einem mühelosen Rhythmus bewältigt – in völliger Versunkenheit ohne die Umwelt wahrzunehmen.

Die Gedanken sind völlig klar, die Sinneswahrnehmung ist geschärft.

„Im Flow Zustand folgt Handlung auf Handlung, und zwar nach einer inneren Logik, welche kein bewusstes Eingreifen von Seiten des Handelnden erfordert. Er erlebt den Augenblick als einheitliches Fliessen.“

Konzentration auf die Aufgabe

Der Handelnde ist sich zwar seiner Handlungen bewusst, nicht aber seiner Selbst. Er richtet den Fokus völlig auf die Aufgabe, die vor ihm liegt. In dem Augenblick, in dem die Aufmerksamkeit gestört wird (z.B. durch Fehler) und so Störfaktoren der Umwelt wieder wahrgenommen werden, wird der Flow unterbrochen.

Es ist natürlich sehr schwer, vollständig fokussiert zu bleiben und deshalb dauert eine Flow-Perionde meist nur kurze Zeit.

Gelassenheit und Kontrollgefühl

Im Flow hat der Handelnde das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Dabei geht es nicht um die tatsächliche Kontrolle, sondern der Handelnde weiß, dass er die Situation kontrollieren kann. Er ist von seinen Fähigkeiten überzeugt und weiß, dass er die Aufgabe bewältigen kann.

Aus dieser Einsicht resultiert Selbstvertrauen und Gelassenheit, der Handelnde hat das Gefühl, nichts falsch machen zu können. Die Handelnden wissen innerhalb des Flows genau, was jetzt gerade gut oder schlecht ist.

,,Auf jeden Fall ist das Kontrollgefühl eine der wichtigsten Komponenten des Flow Erlebens.“

Subjektive Wahrnehmung der Zeit

Im Flow wird Zeit ganz subjektiv wahrgenommen. Sie kann schneller vergehen, vielleicht läuft sie aber auch in Zeitlupe ab, vielleicht scheint sie aber auch still zu stehen.

Befangenheit ablegen
Im Flow verschwinden Ängste, Unsicherheit und negative Gedanken. Damit es dazu kommt, muss die Sportlerin eine realistische und ehrliche Antwort auf die Frage zu geben, ob sie stark genug ist für den Wettkampf und wo die eigenen Schwächen liegen.

Mit einem persönlichen Profil über Wettkampfstärken und -schwächen kann der Frage nachgegangen werden, in welchem Bereich ein Sportler am anfälligsten ist.

Loehr schlussfolgert:

„Entdecken Sie das schwächste Glied in der Kette Ihrer Stärken und Schwächen als Sportler. Fehlen Ihnen die darstellerischen Fähigkeiten? Stellt Ihr Real-Ich zu hohe Ansprüche? Sind Sie den physischen Anforderungen gewachsen?

Die Antworten auf solche Fragen sind für den Aufbau neuer Stärken von entscheidender Bedeutung.“

Autotelisches Erlebnis

Wenn man eine Sache um ihrer selbst willen tut, d.h. wenn die Motivation, diese Sache zu tun, in der Sache selbst begründet ist, dann spricht man von einem autotelischen Erlebnis. Der Handelnde benötigt keine externen Ziele und Motivationen.

Nur das Tun selbst ist entscheidend und selbstbelohnend.

Der Handelnde fühlt sich „high“ und dieses Hochgefühl hält längere Zeit an: der Handelnde hat gespürt, wie sich Perfektion anfühlt.

Bei Fragen, Anregungen und Kritik wenden Sie sich bitte an mich per email:

Kontakt zur Autorin Angelika Bodein:

E-Mail : a.bodein@sonnenklar.net

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