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Alle Artikel von Gaby und Peter von Doellen
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Ein Wurf für meine Hündin ???
Jeder Besitzer einer Hündin wird wohl im Laufe der Zeit vor die Frage
gestellt, ob er mit dieser Hündin nicht einen Wurf machen sollte. Angesprochen
von Züchtern, anderen Besitzern auf Spaziergängen (die womöglich
gleich ihren Rüden "anbieten") oder gar von Richtern auf
der Ausstellung, dürfte der Gedanke an sich für jeden etwas Reizvolles
haben. Leider wird diesem Reiz allzu oft nachgegeben, sei es durch Gedankenlosigkeit,
durch Egoismus oder aus der irrigen Meinung heraus, dass es medizinisch
für die Hündin notwendig und gut sei.
Vorteile für die Zucht
Natürlich kann es durchaus sinnvoll sein, eine Hündin für
einen Wurf einzusetzen. Der Züchter kann nicht alle vielversprechenden
Welpen selber behalten. Außerdem könnte sich ein Welpe derart
gut entwickeln, dass der Einsatz für die Zucht an sich vorteilhaft
erscheint. Züchter sind schließlich keine Hellseher und es
ist schwierig, nach sechs bis acht Wochen festzustellen, welcher der Wollknäuel
sich zum Zuchthund eignen wird. Das Interesse an dem Wurf wird in diesem
Fall mit Sicherheit vom Züchter ausgehen, und Besitzer der Hündin
und Züchter sollten gemeinsam dafür sorgen, dass die notwendigen
Zuchtvoraussetzungen auch erfüllt sind. Diese sind natürlich
von Rasse zu Rasse unterschiedlich.
Im Falle der Weissen Schäferhunde sollte sie mindestens auf HD
(und ggfs ED) geröntgt sein, ein einwandfreies Wesen und entsprechende
Ausstellungserfolge aufweisen und dem Rassestandard entsprechen. Die Aufzuchtmöglichkeiten
müssen ebenfalls gegeben sein. Sind sie beim Besitzer nicht optimal
und ist die Entfernung zum Züchter nicht zu weit, könnte die
Hündin für einige Wochen zum Züchter gegeben werden. Man
sollte sich aber klar machen, dass sie zwei bis drei Monate von ihrem
Besitzer getrennt ist, dass sie sich in dieser Zeit in einem Ausnahmezustand
befindet und daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Besitzer und
Züchter unabdingbar.
Die Aufzucht der Welpen beim Züchter bietet zwar den Vorteil, dass
der Züchter über die Erfahrung der Welpenaufzucht verfügt,
sie beinhaltet aber gleichzeitig den grossen Nachteil, dass die Hündin
ihr Zuhause vorübergehend aufgeben muss. Daher sollte der Schritt
wirklich gut überlegt sein.
Dieser Fall also der Einsatz einer Hündin, die sich extrem
gut entwickelt hat kann eine Bereicherung für das gesamte
Zuchtwesen einer Rasse bedeuten und ist von der folgenden Kritik ausgenommen.
So jedoch nicht !
Leider reisst in den meisten Fällen der Kontakt zum Züchter
nach dem Kauf mehr oder weniger ab. Bedauerlich ist, dass das nicht nur
an den Besitzern liegt, die manchmal gewillt sind, den Kontakt aufrecht
zu erhalten, dies aber dem Züchter eher lästig ist. Aus den
unterschiedlichsten Gründen kommt der Hündinnenbesitzer nun
auf die Idee, einen Wurf selber aufzuziehen. Die häufigste Erklärung
dürfte sein, dass der Tierarzt gesagt hat, es sei gut für die
Hündin, einen Wurf zu haben. Die Tierärzte, mit denen ich gesprochen
habe, erklärten übereinstimmend, dass dies ein Ammenmärchen
sei, das medizinisch längst überholt ist, sich aber hartnäckig
in den Köpfen hielte. Könnte es vielleicht sein, dass dies einfach
die bestklingendste Erklärung ist? Es hört sich gut an, man
möchte das Beste für seine Hündin.
Die Wirklichkeit dürfte hier etwas anders aussehen man möchte
das Beste für sich selbst. Der häufigste Grund ist wahrscheinlich,
dass der Besitzer selbst nicht auf das "Erlebnis Geburt" und
die Aufzucht der niedlichen Welpen verzichten möchte. Einige sind
wenigstens so ehrlich und geben es zu. Ein weiterer Grund dürfte
sein, dass der Besitzer die Hündin wirklich schön findet und
auch einen oder zwei Welpen aus diesem Wurf behalten möchte.
Also eine auf den ersten Blick preisgünstige Weise, zu einem weiteren
Hund zu kommen. Ob die Nachkommen dieser Hündin objektiv gesehen,
was wohl keinem Besitzer möglich ist wirklich eine Bereicherung
für die Rasse sind, sei hier einmal dahingestellt. Ein letzter Grund,
den kaum jemand offen zugeben wird, ist das Finanzielle.
Die Rechnung sieht dann so aus: mit 8 Welpen kann man bei durchschnittlich
DM 2000,00 pro Welpen, die bei den Weissen Schäferhunden durchaus
zu erzielen sind mit insgesamt DM 16.000,00 rechnen. Dagegen werden
die auf den Besitzer zukommenden Kosten für Tierarzt, Decksprung,
Impfungen etc eher als gering eingeschätzt.
Jeder Besitzer einer Hündin sollte aber Realist sein und auch die
Risiken und Nachteile bedenken, die hier wohl überwiegen. Ich gehe
noch davon aus, dass die Hündin Papiere besitzt und der Rüde
ebenfalls und dass beide über die Zuchtvoraussetzungen verfügen.
So sind gesundheitliche Probleme bei den Welpen mehr oder weniger auszuschliessen.
Aber dennoch muss Folgendes bedacht werden:
Dem
Besitzer fehlt mit großer Wahrscheinlichkeit das notwendige Wissen
bei der Auswahl eines geeigneten Rüden. Einige Linien sollten nicht
miteinander verpaart werden. Abhilfe kann hier die Mitgliedschaft in einem
Verein schaffen, in dem Zuchtwart und Zuchtbuchamt mit Rat und Tat weiterhelfen.
Diese ist jedoch mit Kosten verbunden, die die oben angegebene Rechnung
schon etwas ins Wanken bringen. Trotzdem - sollten Sie nicht von der Wurfidee
abzubringen sein, wenden Sie sich an einen Verein im Interesse
ihrer Hündin und im Interesse der Rassezucht.
Auf jeden Fall fehlt dem Besitzer die langjährige Erfahrung in der
Betreuung der trächtigen Hündin, bei der Geburt sowie bei der
Aufzucht der Welpen. Jeder Züchter hat auch irgendwann angefangen,
das ist schon richtig, aber gibt es nicht schon genügend Züchter?
Und sollten wir nicht die Zucht denen überlassen, die sich damit
auskennen?
Frage an die Besitzer: Wollen Sie der Sie das Beste für
Ihre Hündin wollen das Risiko eingehen, während der Geburt
nicht mehr weiter zu wissen, wenn Probleme auftreten? Was, wenn der Tierarzt
dann nicht erreichbar ist? Bereuen hilft DANN auch nichts mehr. Für
die Welpenaufzucht gilt das selbe. Ein erfahrener Züchter erkennt
mit einem Blick, wenn etwas nicht stimmt und hat die entsprechenden Massnahmen
parat. Sie nicht. Dieser Punkt verdient es sicher, dass Sie sich im Vorfeld
einige Gedanken dazu machen und eventuell eine Lösung finden.
Wie sieht es mit den räumlichen Gegebenheiten aus? Können die
Welpen gut genug geprägt werden? Natürlich wirft die Hündin
auch in einer 3-Zimmer-Wohnung und die Welpen werden auch dort gross.
Aber wundern Sie sich bitte nicht, wie die Wohnung nachher aussieht und
riecht. Optimal für die Aufzucht ist ein eigener Welpenraum, der
sich in der Wohnung befinden sollte und einen eignen Ausgang zum (eingezäunten)
Garten hat.
Zum guten Schluss ein weiteres Problem: der Verkauf der Welpen.
Die veranschlagten DM 2000 sind ja gut und schön, aber sie müssen
auch durchzusetzen sein. Das Angebot an Weissen Schäferhunden (und
anderen Rassehunden auch, bis auf wenige Ausnahmen) ist bereits recht
gross und Sie treten in Konkurrenz zu namhaften Aufzuchtstätten,
die nicht nur in der Aufzucht, sondern auch im Verkauf eine gewisse Routine
vorweisen können. Inzwischen schauen sich viele Käufer beim
Züchter genau um - die 3-Zimmer-Wohnung wird hier sicherlich eher
zum Verkaufshindernis, wohingegen der Züchter eventuelle Nachteile
routiniert zu seinem Vorteil "umdefiniert".
Und bei denen, die bedenkenlos und ohne viel zu fragen kaufen, sollten
SIE sich fragen, wie sie den Welpen Ihrer geliebten Hündin behandeln.
Auch was den Käufer betrifft, hat der Züchter Ihnen gegenüber
einen gewissen Vorteil: er kann den Käufer (hoffentlich) schnell
einschätzen und so seine Welpen mit großer Wahrscheinlichkeit
in ein gutes Zuhause vermitteln. Angenommen, Sie haben einen großen
Wurf mit 10 Welpen, diese sind inzwischen 10 Wochen alt und Sie haben
noch 5 davon übrig, die Ihnen langsam aber sicher die Wohnungsgegenstände
auseinander nehmen.
Nun haben Sie auf einmal ein ganz anderes Problem: die meisten
Käufer wollen 8 Wochen alte Welpen, Ihnen läuft jetzt die Zeit
davon, die Hunde werden älter und größer, die Kosten steigen.
Haben Sie auch JETZT noch den Nerv, einen Kaufwilligen wegzuschicken,
weil er Ihnen unsympathisch ist? Ist Ihr Leitgedanke jetzt immer noch
"Das Beste für meine Hunde?"
Damit kommen wir zum Finanziellen des Abenteuers: Die DM 2.000,00
können Sie nur erzielen, wenn Sie einem Verband angehören, d.h.
wenn Ihre Welpen Papiere bekommen. Ziehen Sie also von Ihrem kalkulierten
Gewinn die Kosten für Zwingerschutz, Ahnentafeln, Besuch des Zuchtwartes,
Tätowieren der Welpen und Zwinger- und Welpenabnahme ab.
Dann rechnen Sie mit einer Kaiserschnittgeburt (man sollte vom Schlimmsten
ausgehen) erkundigen Sie sich mal beim Tierarzt, was das kostet.
Und kalkulieren Sie gleich eine neue Wohnungseinrichtung und Gartenanlage,
denn Welpen sind manchmal schlimmer als ein Wirbelsturm.
Ein kleiner psychologischer Gedanke am Rande: Wenn Sie Ihre Hündin
so abgöttisch lieben, wie lieb gewinnen Sie ihre Welpen in den 8
Wochen? Nach den Ängsten der Geburt, nach eventuellen Problemen bei
der Aufzucht, durchwachten Nächten usw. Sie müssen diese Hunde
abgeben. Unterschätzen Sie diese Gefühle nicht selbst
langjährige Züchter brechen noch in Tränen aus, wenn "ihre
Babys" das Haus verlassen.
Zucht ohne Papiere?!
Zum guten Schluss noch ein ganz spezielles Problem: die Zucht
mit Hündinnen oder Rüden ohne Ahnentafeln. Einen finanziellen
Gewinn kann man getrost vergessen, die Hunde können nicht zu einem
so hohen Preis verkauft werden. Sie nehmen den Besitzern jede Chance,
einmal an Ausstellungen teilzunehmen. Manche legen keinen Wert darauf,
andere erkennen aber erst, wie viel Spaß eine solche Ausstellung
bedeutet, wenn sie einmal teilgenommen haben. Das ist aber nur ein Randeffekt.
Ein weitaus größeres Problem ist, was hier für die Zucht
an sich angerichtet wird. Wenn Sie keine Papiere haben, kennen Sie auch
die Ahnen nicht. Bei der relativ engen Zucht, die bei den Weissen Schäferhunden
betrieben wird (werden muss, da die Linienauswahl begrenzt ist), ist es
also nicht unwahrscheinlich, dass grobe Zuchtfehler gemacht werden. Sie
verpaaren Ihre Hündin unbewusst mit ihrem Bruder oder ihrem Vater
und erhalten womöglich kranke Welpen.
Außerdem setzt sich diese Folge fort, und das ist mit das Schlimmste
an der Geschichte: Ihre Käufer werden aus den gleichen Gründen
einen Wurf machen wollen, das bedeutet wieder 8-10 Welpen (pro Hündin
in Ihrem Wurf), ohne dass die Ahnen bekannt sind. (Bei den Rüden
des Wurfes können die Auswirkungen noch schlimmer sein). Leider geht
diese Zucht ohne Papiere oft daher mit Gedankenlosigkeit, was HD oder
Wesensfehler angeht. Die Folge sind kranke, aggressive und verhaltensgestörte
Hunde, die die gesamte Rasse in Verruf bringen und die häufig in
Tierheimen landen. Das haben weder Ihre Hündin noch die Rasse verdient
oder?
Sollten Sie also im Besitz einer wunderschönen Hündin sein
und immer noch mit dem Gedanken an die Zucht spielen, weil Sie all unsere
Bedenken widerlegen können oder die Argumentation schlicht und einfach
albern finden, tun Sie bitte der Rasse und Ihrer Hündin den Gefallen
sprechen Sie mit Personen, die Erfahrung mit der Zucht haben, holen
Sie sich Ratschläge und beherzigen Sie sie.
Wenn man Ihnen aus dem ein oder anderen Grunde abrät, sollten Sie
das wirklich beherzigen. Wenn es Ihnen die kleinen Eisbären so angetan
haben: Fragen Sie doch einfach einmal bei einem Züchter nach, ob
Sie ihm bei der Aufzucht ein wenig zur Hand gehen können.
Das ist kein 100 %iger Ersatz, macht aber mit Sicherheit auch Freude.
Und den Traum vom eigenen Wurf brauchen Sie ja nicht aufzugeben. Vielleicht
sind die Voraussetzungen eines Tages weitaus günstiger für Sie
als heute dann haben Sie ein ganzes Stück Erfahrung vorzuweisen,
das Ihnen hilfreich sein wird.
© 1999 Gaby von Döllen, Worpswede
::: Lesen Sie bitte auch: Weisse Schaeferhunde
- eine faszinierende Rasse stellt sich vor
Kontakt zu den Autoren:
E-Mail: peter@von-doellen.de
Homepage: www.weisse-schaeferhunde.de
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Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!
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